Vorstellung

VWs unbekannter Sportkombi mit DTM-Flair: VW Parati EDP

Dieses Kombi-Kuriosum stammt nicht aus einer „Fast & Furious“-Parallelwelt, sondern aus Brasilien. Die südamerikanische VW-Dependance verwendete den 200 PS starken Tuner-Traum VW Parati EDP als Studie für die Design- und Ingenieursabteilung.

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Der VW Parati EDP stehend von schräg vorne
Seltenster VW-Sportkombi überhaupt: Der Parati EDP nahm die Tuning-Sünden der frühen 2000er vorweg. Foto: VW
Der VW Parati EDP stehend von schräg hinten
Die DTM-Boliden der 90er bildeten die maßgebliche Inspiration für das Einzelstück. Foto: VW
Der VW Parati EDP stehend von vorne
Tiefe Schürzen und ein verkleideter Grill verleihen dem kleinen Brasilianer einen wuchtigen Auftritt. Foto: VW
Der VW Parati EDP stehend seitlich
Wegen des starken Glanzes der BBS-Felgen fällt erst auf den zweiten Blick auf, dass die gesamte Fahrzeugflanke mit Nieten übersäht ist. Foto: VW
Der VW Parati EDP stehend von schräg oben
Interessanterweise entschied sich VW dazu, die Dachreling nicht wegzucleanen. Auch der Dachkantenspoiler besitzt im Vergleich zu den restlichen Anbauteilen humane Ausmaße. Foto: VW
Der VW Parati EDP stehend neben einem VW Parati
Neben dem Serien-Parati fällt auf, wie tiefgreifend der EDP-Eingriff ausfiel. Foto: VW
Der Innenraum des VW Parati EDP
Auf dieser Ansicht erkennen wir lediglich das Momo-Sportlenkrad und die Recaro-Schalensitze. An Bord war aber auch ein mächtiges Hifi-System. Foto: VW

VW Parati EDP: Sport-Variant aus Brasilien

Seit der Gründung von VW do Brasil 1953 entstanden in Südamerika immer mal wieder charmante Eigenentwicklungen, von der die Deutschen nur träumen konnten. Da wäre der elegante Ghia TC 145, der knackige Puma und nicht zuletzt der sinnlich geformte SP2. Während es einige wenige Exemplare in den vergangenen Jahrzehnten über den großen Teich geschafft haben, blieb der VW Parati EDP bis heute ein rein lokales Phänomen.

Das liegt leider vor allem daran, dass es sich um ein Einzelstück handelt, das VW 1996 als Engineering Design Prototype – deshalb das Kürzel EDP – aufgebaut hat. Ziel war es anscheinend, ein Auto mit möglichst viel Will-haben-Zubehör vollzustopfen und sich dabei von dem Look der damaligen DTM-Rennwagen inspirieren zu lassen. Was VW do Brasil auch durchaus gelang. Vom Serien-Parati blieb am Ende kaum mehr als die Grundform übrig.

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Video: AUTO ZEITUNG

Der Parati EDP nahm "Fast & Furious" um fünf Jahre vorweg

Moment mal, Parati? Was soll das sein? Dabei handelte es sich um eine Kombi-Version des ebenfalls südamerikanischen Exklusiv-Produkts Gol. Ein Zwitter aus Polo und Golf mit den in Brasilien benötigten Nehmer-Qualiäten. Sah der Variant im Serientrimm aus wie eine Mischung aus Golf III und dem finalen Escort, verwandelte er sich als Parati in ein Tuning-Wesen, das in den ersten „Fast & Furious“-Filmen alles andere als fehl am Platz gewirkt hätte.

Dabei war der VW Parati EDP den NOS-getränkten Streifen mit Vin Diesel und Paul Walker ganze fünf Jahre voraus. Bis „Need for Speed“ mit den „Underground“-Titeln vergleichbare Karosseriekits anbot, dauerte es sogar noch bis 2003. Bevor wir jetzt aber darüber sinnieren, ob VW hier großes Potenzial verspielt hat, schauen wir uns den Sportkombi erstmal genauer an. Dessen Gesicht haben die Verantwortlichen beinahe bis zur Unkenntlichkeit geschürzt. Eine Blende verdeckt den oberen Teil des Kühlergrills und umrandet sogar die runden Überbleibsel der Frontscheinwerfer. Nebelleuchten am Rande des engmaschigen Kühlergitters und seitliche Lufteinlässe intensivieren den dynamischen Auftritt.

Alu, Kohlefaser und die volle Ladung Auto-Disko

Die Nieten auf den verbreiterten Radkästen ziehen sich kurioserweise über die gesamte Flanke. Für mehr Aftermarket-Flair fehlen nur noch verchromte Radläufe. Die glänzende Tankklappe wiederum erinnert an die erste Audi-TT-Generation. Die fetten Schweller bestehen sogar aus Kohlefaser. Am Heck wiederholt sich die Form des Kühlgitters und auch die Schürze drängt sich optisch ein weiteres Mal auf. Verdunkelte Scheinwerfer gehören ebenso zum guten Ton wie 17-Zöller von BBS.

Der Innenraum des VW Parati EDP
Foto: VW

Im Innenraum zeigte sich der VW Parati EDP auf den damaligen Pressefotos leider nicht ganz so offenherzig. Man erkennt aber durchaus die üblichen Verdächtigen in Form eines Momo-Sportlenkrads, Recaro-Schalensitzen, Alu-Pedalen und eines Alu-Schaltknaufs. Ein Soundsystem mit 18-fachem CD-Wechsler, Fernbedienung, vier Clarion-Endstufen, zwei Subwoofern, zwei Tieftönern, vier Hochtönern und acht Mitteltönern würde jeden Tuner-Treff in eine Auto-Disko verwandeln.

Der Parati EDP war stärker als jeder Golf III

Für ein Straßenrennen wäre der VW Parati EDP ebenfalls durchaus gewappnet: Seinen Zweiliter-16-Ventiler pimpte die Ingenieursabteilung auf 200 PS (147 kW), womit 0 auf 100 km/h-Sprints in 7,4 s drin waren. Somit war er stärker und schneller als jeder VW Golf III in Deutschland. 230 km/h Spitze und ein Sportfahrwerk standen ebenfalls auf der Habenseite. Zu einem Ausritt in Richtung Serienfertigung kam es aber nie. Das Projekt wäre viel zu teuer und kompliziert gewesen bei einem gleichzeitig verschwindend geringen Kundenkreis. Was ihm jedoch zumindest ein Stück weit gelang: Er brachte die Faszination der Deutschen für die DTM und vor allem für Sportkombis nach Brasilien.