VWs unbekannter Sportkombi mit DTM-Flair: VW Parati EDP
Dieses Kombi-Kuriosum stammt nicht aus einer „Fast & Furious“-Parallelwelt, sondern aus Brasilien. Die südamerikanische VW-Dependance verwendete den 200 PS starken Tuner-Traum VW Parati EDP als Studie für die Design- und Ingenieursabteilung.
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VW Parati EDP: Sport-Variant aus Brasilien
Seit der Gründung von VW do Brasil 1953 entstanden in Südamerika immer mal wieder charmante Eigenentwicklungen, von der die Deutschen nur träumen konnten. Da wäre der elegante Ghia TC 145, der knackige Puma und nicht zuletzt der sinnlich geformte SP2. Während es einige wenige Exemplare in den vergangenen Jahrzehnten über den großen Teich geschafft haben, blieb der VW Parati EDP bis heute ein rein lokales Phänomen.
Das liegt leider vor allem daran, dass es sich um ein Einzelstück handelt, das VW 1996 als Engineering Design Prototype – deshalb das Kürzel EDP – aufgebaut hat. Ziel war es anscheinend, ein Auto mit möglichst viel Will-haben-Zubehör vollzustopfen und sich dabei von dem Look der damaligen DTM-Rennwagen inspirieren zu lassen. Was VW do Brasil auch durchaus gelang. Vom Serien-Parati blieb am Ende kaum mehr als die Grundform übrig.

Der Parati EDP nahm "Fast & Furious" um fünf Jahre vorweg
Moment mal, Parati? Was soll das sein? Dabei handelte es sich um eine Kombi-Version des ebenfalls südamerikanischen Exklusiv-Produkts Gol. Ein Zwitter aus Polo und Golf mit den in Brasilien benötigten Nehmer-Qualiäten. Sah der Variant im Serientrimm aus wie eine Mischung aus Golf III und dem finalen Escort, verwandelte er sich als Parati in ein Tuning-Wesen, das in den ersten „Fast & Furious“-Filmen alles andere als fehl am Platz gewirkt hätte.
Dabei war der VW Parati EDP den NOS-getränkten Streifen mit Vin Diesel und Paul Walker ganze fünf Jahre voraus. Bis „Need for Speed“ mit den „Underground“-Titeln vergleichbare Karosseriekits anbot, dauerte es sogar noch bis 2003. Bevor wir jetzt aber darüber sinnieren, ob VW hier großes Potenzial verspielt hat, schauen wir uns den Sportkombi erstmal genauer an. Dessen Gesicht haben die Verantwortlichen beinahe bis zur Unkenntlichkeit geschürzt. Eine Blende verdeckt den oberen Teil des Kühlergrills und umrandet sogar die runden Überbleibsel der Frontscheinwerfer. Nebelleuchten am Rande des engmaschigen Kühlergitters und seitliche Lufteinlässe intensivieren den dynamischen Auftritt.
Alu, Kohlefaser und die volle Ladung Auto-Disko
Die Nieten auf den verbreiterten Radkästen ziehen sich kurioserweise über die gesamte Flanke. Für mehr Aftermarket-Flair fehlen nur noch verchromte Radläufe. Die glänzende Tankklappe wiederum erinnert an die erste Audi-TT-Generation. Die fetten Schweller bestehen sogar aus Kohlefaser. Am Heck wiederholt sich die Form des Kühlgitters und auch die Schürze drängt sich optisch ein weiteres Mal auf. Verdunkelte Scheinwerfer gehören ebenso zum guten Ton wie 17-Zöller von BBS.

Im Innenraum zeigte sich der VW Parati EDP auf den damaligen Pressefotos leider nicht ganz so offenherzig. Man erkennt aber durchaus die üblichen Verdächtigen in Form eines Momo-Sportlenkrads, Recaro-Schalensitzen, Alu-Pedalen und eines Alu-Schaltknaufs. Ein Soundsystem mit 18-fachem CD-Wechsler, Fernbedienung, vier Clarion-Endstufen, zwei Subwoofern, zwei Tieftönern, vier Hochtönern und acht Mitteltönern würde jeden Tuner-Treff in eine Auto-Disko verwandeln.
Der Parati EDP war stärker als jeder Golf III
Für ein Straßenrennen wäre der VW Parati EDP ebenfalls durchaus gewappnet: Seinen Zweiliter-16-Ventiler pimpte die Ingenieursabteilung auf 200 PS (147 kW), womit 0 auf 100 km/h-Sprints in 7,4 s drin waren. Somit war er stärker und schneller als jeder VW Golf III in Deutschland. 230 km/h Spitze und ein Sportfahrwerk standen ebenfalls auf der Habenseite. Zu einem Ausritt in Richtung Serienfertigung kam es aber nie. Das Projekt wäre viel zu teuer und kompliziert gewesen bei einem gleichzeitig verschwindend geringen Kundenkreis. Was ihm jedoch zumindest ein Stück weit gelang: Er brachte die Faszination der Deutschen für die DTM und vor allem für Sportkombis nach Brasilien.
















