VW ID.3/VW Golf: Vergleich Der VW ID.3 trifft auf den VW Golf

von Caspar Winkelmann 08.10.2020
Inhalt
  1. VW ID.3 und VW Golf im Vergleich
  2. VW ID.3 mit weniger komfortablen Sitzen
  3. VW Golf liefert mehr Rückmeldung
  4. Technische Daten VW ID.3 und VW Golf

Der VW ID.3 tritt gegen den Markenbruder und Topseller VW Golf an. Wer weiß im Vergleich mehr zu überzeugen – das neue Elektroauto oder der klassische Verbrenner?

Der VW ID.3 muss sich in diesem Vergleich gegen den Kompakt-König VW Golf beweisen. Der ID.3 steht wie kein anderes Auto für die Transformation des Konzerns: Bis 2024 will der Automobil-Gigant knapp 60 Milliarden Euro in Elektrifizierung und Digitalisierung investieren. Erster und zugleich wichtigster Baustein ist der kompakte ID.3, der nach Verzögerungen durch Elektronikprobleme und bereits an die Kunden ausgeliefert wird.

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Der VW ID.3 im Fahrbericht (Video):

 
 

VW ID.3 und VW Golf im Vergleich

Trotz neuer Scheinwerfer- und Rückleuchtengrafik ist der VW Golf 8 sofort als Golf zu erkennen – etwa durch die charakteristische, von der C-Säule dominierten Silhouette. Der VW ID.3 steht als erstes VW-Modell auf dem Modularen Elektro-Baukasten (MEB) und ist radikal anders gestaltet als alle bisher bekannten VW-Modelle: Der Stromer ist zwar gut zwei Zentimeter kürzer als der Golf, dafür aber sieben Zentimeter höher und erinnert mit seiner kurzen Fronthaube und der großen Windschutzscheibe an einen kompakten Van. Beim Einsteigen fällt zunächst die um satte zehn Zentimeter höhere Sitzposition des Stromers auf. Auch das Raumgefühl ist durch die große Frontscheibe und die flache Mittelkonsole luftiger als im Golf. Dieser integriert Fahrer und Copilot dafür inniger ins Cockpit und bietet zudem einen besseren Sitzkomfort: Obwohl beide VW mit den jeweils aufpreispflichtigen ergo-Active-Sitzen samt Massagefunktion ausgerüstet sind, spendiert VW dem Golf stärker konturierte Seitenwangen für einen besseren Seitenhalt sowie eine insgesamt angenehmere Polsterung. Und auch auf der Rückbank ist man im Golf aufgrund der besser nutzbaren Beinauflage kommoder untergebracht. Der VW ID.3 trumpft dagegen mit mehr Beinraum auf, und das Fehlen des Mitteltunnels macht sich vor allem bei Fahrten mit drei Fondpassagieren positiv bemerkbar. In puncto Kopffreiheit hat der VW Golf dagegen die Nase vorn und lässt selbst Sitzriesen noch ausreichend Luft über dem Scheitel. Mit 385 bis 1267 Litern fasst der Laderaum des E-Autos zwar etwas mehr Gepäck als das mit 381 bis 1237 Litern nur unwesentlich kleinere Pendant des Golf. Bei umgeklappter Rückbank entsteht jedoch eine unpraktische Stufe, und die Ladekante des ID.3 ist satte zehn Zentimeter höher. Für Verdruss werden bei vielen ID.3-Kunden die arg einfachen Kunststoffe sorgen – das ist man so von Volkswagen bislang nicht gewöhnt, und das passt auch nicht zu einem knapp 36.000 Euro teuren Auto. Der Golf wirkt im Vergleich dank großzügig geschäumter Flächen an Armaturenträger und Türverkleidungen hochwertiger.

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VW ID.3 mit weniger komfortablen Sitzen

Obwohl bereits viel über die negativen Aspekte des neuen Touch-Bedienkonzepts bei VW geschrieben wurde, muss auch an dieser Stelle erwähnt sein: Die Zeiten, in denen man in einem VW quasi blind Klima, Multimedia & Co. bedienen konnte, sind nun vorbei. Und die von VW als Alternative zu Knöpfen und Tasten gepriesene und angeblich intelligente Sprachsteuerung ist wegen ihrer konstanten Begriffsstutzigkeit in beiden Autos übrigens mehr Ärgernis als echte Bedienhilfe. Ganz und gar nicht verlernt haben die Wolfsburger Ingenieure dagegen, wie man Fahrwerke harmonisch abstimmt. Der VW Golf und der VW ID.3 treten zudem jeweils mit aufpreispflichtigen adaptiven Dämpfern (DCC) an. Allerdings fällt beim Stromer die Spreizung der unterschiedlichen Modi deutlich geringer aus. Unverschämt: Das DCC gibt es nur für die gut 10.000 Euro teure Ausstattungslinie "Max". Ausgesprochen satt rollt der ID.3 ab, reicht selbst grobe Unebenheiten nicht unangemessen harsch an die Passagiere weiter und geht trotz optionaler 20-Zoll-Bereifung als bequemer Alltagsbegleiter durch. Umsteigen in den Golf: Seine adaptiven Dämpfer lassen sich stufenlos 16-fach einstellen, den Unterschied zwischen dem straffen Sportmodus und der soften Komfortstellung erfährt man schon nach wenigen Metern. Auf welliger Fahrbahn präsentiert sich der Aufbau des Verbrenners zudem ruhiger. Beim Antriebskomfort spricht im Vergleich dagegen alles für den ID.3 und seinen beinahe geräuschlosen E-Antrieb. Das typische Diesel-Grummeln des 2.0 TDI und die Zugkraftunterbrechungen des Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes beim Schalten wirken da schon fast archaisch. Allerdings: Der sparsame Selbstzünder beschert dem VW Golf Reichweiten von über 1000 Kilometer, zudem kann man bei Bedarf dank 223 km/h Topspeed richtig Strecke machen. Um die 420 Kilometer WLTP-Reichweite des VW ID.3 in der Praxis zu erreichen, muss man sich schon arg zurückhalten, und die Höchstgeschwindigkeit ist sowieso auf 160 km/h limitiert.

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VW Golf liefert mehr Rückmeldung

Auf kurvigen Landstraßen gibt sich der mit 1,8 Tonnen Leergewicht über 300 Kilogramm schwerere VW ID.3 agil und vor allem sehr fahrsicher, weil die feinfühlig agierenden Regelsysteme das E-Auto bei wilden Fahrmanövern sicher auf Kurs halten. Die intensivere Kommunikation mit seinem Fahrer pflegt jedoch der VW Golf: Er gibt mehr Feedback über die direkter ansprechende Lenkung und erreicht auch wegen seiner sportiven Bereifung höhere Kurvengeschwindigkeiten. Bleibt am Ende noch das Finanzielle: Mit 35.575 Euro Grundpreis ist der VW ID.3 über 3000 Euro teurer als der Golf 2.0 TDI. Abzüglich der Elektro-Förderprämie von 9580 Euro hat der Stromer jedoch klare Vorteile in diesem Vergleich, auch wenn auf den Golf mittlerweile Rabatte von bis zu 20 Prozent gewährt werden.

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Technische Daten VW ID.3 und VW Golf

AUTO ZEITUNG 20/2020VW ID.3
Technik 
E-Motorpermanenterregte Synchronmaschine
Systemleistung150 kW / 204 PS
Systemdrehmoment310 Nm
BatterieLithium-Ionen Batterie 58 kWh
Spannung396 Volt
Getriebe / AntriebKonstantübersetzt
Hinterradantrieb
Messwerte 
Leergewicht1807 kg
Beschleunigung7,3 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit160 km/h
Verbrauch (WLTP)15,4 kWh/ 100 km
CO2-Ausstoß (WLTP)-
Reichweite (WLTP)420 km
Preise 
Grundpreis35.575 €
AUTO ZEITUNG 22/2020VW Golf 2.0 TDI SCR DSG
Technik 
Zylinder/Ventile pro Zylin.4/4 ; Turbo
Hubraum1968 cm³
Leistung110 kW / 150 PS bei
3000 - 4000 /min
Max. Drehmoment360 Nm bei
1600 - 2750 /min
Getriebe/Antrieb7-Gang, Doppelkupplungsgetriebe
Vorderradantrieb
Messwerte 
Leergewicht1448
Beschleunigung 0-100 km/h8,5 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit (Werk)223 km/h
Verbrauch auf 100 km (WLTP)4,6 l D/100 km
CO2-Ausstoß (/WLTP)122 g/km
Preise 
Grundpreis32.207 €

von Caspar Winkelmann von Caspar Winkelmann
Unser Fazit

Der VW ID.3 ist ohne Zweifel ein gutes Elektroauto und absolut zukunftsfähig. Im Vergleich mit dem VW Golf macht der kompakte Stromer zwar vieles richtig, reicht bei Fahrkomfort und -dynamik aber nicht ganz an den Routinier heran, und die Materialqualität enttäuscht. Wir erwarten mit Spannung den ersten bepunkteten Vergleichstest.

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