HPA FT740: Dieser VW Golf 6 R fährt mit VR6 und 740 PS
Gölfe mit Sechszylinder unter der Haube sind so selten wie gesucht. Das von HPA gepimpte Exemplar hat es zudem faustdick hinter der Airbox. Der getunte VW Golf R lässt über 700 PS auf seine vier angetriebenen Räder los.
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Einen VW Golf 6 mit Sechszylinder gab es nicht ab Werk
Nomen ist eigentlich omen. Doch trotz seines Namens blieb dem VW Golf 6 ein Sechszylinder versagt. In Europa kochte der Bestseller aus Wolfsburg mit maximal vier Töpfen, tischte damit im Golf R bis zu 270 Pferdestärken (199 kW) auf. Nur in Nordamerika gab es auch eine leistungsmäßig vernunftbetonte Fünfzylinder-Variante mit 172 PS (126 kW). Nicht genug für HPA, eine Tuningschmiede aus dem kanadischen Vancouver, die gewohnheitsmäßig VW- und Audi-Modelle mit Vitaminen mästet, bis sie aus den Nähten platzen. Im Falle des HPA FT740 Twin Turbo Golf R ist nomen wieder omen, denn hier kamen nach umfangreichen Operationen 740 PS (544 kW) zusammen, die statt kompakten Generalisten eigentlich Supercars Beine machen.
Und zwar ziemlich schnelle Beine. Laut dem Datenblatt überschreitet der Über-Golf die 96 km/h aus dem Stand in 2,8 s. Die Viertelmeile, also 402 m, lässt er dragstermäßig in knapp unter zehn Sekunden hinter sich. Der Golf, als klassenloser Alleskönner geschätzt, erweitert sein Kompetenzprofil und qualifiziert sich damit auch als Porsche-Fresser. Oder besser: Nissan GT-R-Fresser, denn diese Sportskanone aus Nippon stand als Referenz im inoffiziellen Lastenheft von HPA.
Der VW Golf 8 R im Fahrbericht (Video)

Der von HPA getunte VR6 wird von zwei Turbos zwangsbeatmet
Bis es zur Leistungseskalation kam, mussten die PS-Fetischist:innen aus Vancouver mehr tun, als nur (Ladedruck-)Stellschrauben zu drehen und das Mapping anzupassen. Statt den vorhandenen Motor zu tunen, griffen sie gleich zu einem VR6-Block aus dem VW-Regal. Mit Glück und Gebeten passte der 3,6-Liter mit dem engen Zylinderwinkel gerade so unter die Haube des Golf 6, ließ dabei ausreichend Lücken, die HPA geschickt mit zwei Turbos stopfte.
Der Antriebsstrang des VW Golf 6 R wich dem Getriebe des Audi TT RS. Die Siebengang-DSG soll immerhin 500 Nm Drehmoment verkraften. Das ist zwar äußerst knapp für die 949 Nm, mit denen der HPA-Held im Extremfall die Kardanwelle auswringt. Aber für ein paar brutale Beschleunigungsmanöver und den Weg bis zur nächsten Werkstatt sollte es reichen.
Wer jetzt glaubt, der Godzilla-Greifer flankiere sein Potenzial mit wilder Bespoilerung, sieht sich getäuscht. Beinahe sieht der HPA FT740 aus, als sei er vor ein paar Jahren von den Wolfsburger Montagebändern gerollt, um anschließend von den zarten Händen eines geschmackssicheren Tuners mit netten HRE-Felgen und dezenten, ganz aus Carbon laminierten Anbauteilen, gepimpt zu werden. Das KW-Fahrwerk profitiert vom Grip der klebrigen Michelin Pilot Sport 4S im Format 19 Zoll, das heute schon fast als volkstümlich gilt, sowie größeren Bremsen.
Der HPA FT740 im Video von The Smoking Tire
Bei 740 PS muss man leider ständig bremsen
Auch der Innenraum bleibt zurückhaltend. Viel mehr als Recaro Sportster CS und Vierpunkt-Gurte von Schroth hat HPA dem Interieur nicht gegönnt. Worin auch ein Nachteil gründet, den Matt Farrah von The Smoking Tire in seinem Video (siehe oben) anspricht. Statt Paddels hinter dem Lenkrad muss man zum manuellen Gangwechsel den Schalthebel bemühen, dessen Schaltlogik Farrah als unintuitiv empfindet: Zum Zurückschalten muss man den Hebel nach hinten ziehen. Außerdem sei der HPA-VW Golf 6 R so irrwitzig schnell, dass man ständig auf der Bremse stehen müsse. Das aber ist ein Nachteil, mit dem man bei 740 PS wohl leben muss.
Quellen
HPA



















