Produkt-Einzeltest

Tamiya Mini auf MB-01 im Test: So gut ist das anpassbare Chassis

Das MB-01-Chassis ermöglicht Vorder- oder Hinterradantrieb und lässt auch den Radstand an die Karosserie anpassen. Wir testen, ob das anpassbare Chassis im Tamiya Mini MB-01 bei Aufbau und Fahreigenschaften überzeugt. Unser Fazit!

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Der Tamiya Mini MB-01 im Test fahrend von schräg vorne rechts.
Kult-Karosserie: Den originalen Mini Cooper gibts bei Tamiya schon seit 1994. Neu ist das MB-01-Chassis darunter. Foto: Alan Taylor-Jones
Der Tamiya Mini MB-01 im Test fahrend von schräg hinten rechts.
Im Test macht der Mini zwar Spaß, aber eher auf offener Fläche. Enge Kurse sind nicht sein Ding. Foto: Alan Taylor-Jones
Der Tamiya Mini MB-01 im Test von der Seite. Die Karosserie ist vom Chassis abgenommen und liegt rechts von ihr auf dem Boden.
Das Chassis ermöglicht den Aufbau mit Vorder- oder Hinterradantrieb, und auch der Radstand lässt sich je nach Karosserie anpassen – beim Mini fällt er sehr kurz aus. Foto: Alan Taylor-Jones
Der Aufbau des Tamiya Mini MB-01 im Test. Alle Einzelteile liegen samt Anleitung auf einem Tisch.
Vor dem Aufbau ist die Lektüre der Anleitung Pflicht. Diese ist aber typisch Tamiya: übersichtlich. Foto: Alan Taylor-Jones
Der Aufbau des Tamiya Mini MB-01 im Test.
Abbildungen in Originalgröße erleichtern den Aufbau auch bei komplexeren Schritten. Foto: Alan Taylor-Jones
Der Aufbau des Tamiya Mini MB-01 im Test. Schrauben in einer Schale vorsortiert.
Unser Tipp: Schalen fürs Sortieren von Kleinteilen bereitstellen. So wird Chaos am Arbeitsplatz vermieden. Foto: Alan Taylor-Jones
Der Aufbau des Tamiya Mini MB-01 im Test. Aufbau des Chassis..
Was direkt im Aufbau auffällt: Viel Spiel bei Aufhängung und Lenkung. Das bekommt man auch beim Fahren deutlich zu spüren. Foto: Alan Taylor-Jones
Der Aufbau des Tamiya Mini MB-01 im Test.
Die Karosserie glänzt mit Detailreichtum und nur wenigen Stickern – dennoch sollte für ein gutes Ergebnis genug Zeit für Lackierung und Aufkleber eingeplant werden. Foto: Alan Taylor-Jones
Der Tamiya Mini MB-01 im Test fahrend von rechts.
Spaß macht der schnelle Mini auf MB-01 zwar, aber wer ernsthaft Rennen fahren möchte, sollte für ein Frontantriebs-Layout etwa das M-05-Chassis in Erwägung. Das spart viel Optimierungsarbeit bei Lenkung und Aufhängung. Foto: Alan Taylor-Jones

Tamiya MB-01 Mini Cooper im Test: RC-Modell mit Tradition

Tamiya hat eine lange Tradition in der Herstellung von ferngesteuerten Versionen des originalen Mini Cooper. Als das erste RC-Auto in den Handel kam, wurde das reale Vorbild sogar noch in Originalgröße produziert. Das ursprüngliche M01-Chassis von 1994 war clever konstruiert und ermöglichte je nach Aufbau einen Front- oder Heckantrieb.

Es war ein interessantes Feature, das bei den späteren Fahrgestellen M-03, M-05 und dem aktuellen M-07 verschwand, aber beim MB-01 wieder zurückkehrt. Während das M-07 ein pures Rennfahrgestell von Tamiya ist, eignet sich das MB-01, das wir hier mit der Karosserie des Mini Cooper testen, eher für gelegentliche Fahrten, da es die Möglichkeit bietet, das Fahrverhalten des Autos komplett zu verändern. Wem die Idee eines Mini mit Hinterradantrieb nicht zusagt, kann auch klassische Alpine- und Abarth-Karosserien anstelle des sympathischen Mini kaufen.

Das MB-01-Chassis ist eines der günstigeren Modelle von Tamiya im Maßstab 1:10, wenn auch nicht billiger als der größere TT-02 mit Allradantrieb. Wie üblich sind Motor und elektronischer Geschwindigkeitsregler im Bausatz enthalten, Funkausrüstung, Batterie, Ladegerät und Farbe müssen jedoch selbst beigesteuert werden. Der Aufbau fällt daher Tamiya-typisch etwas umfangreicher aus: Bis der Mini fahrbereit ist, sollte mit zwei oder drei Abenden für den Bau des Chassis gerechnet werden sowie etwas länger für das Lackieren und Bekleben der Karosserie.

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Aufbau: Lob an die Anleitung, Kritik am Chassis

Es gibt keine bessere Gebrauchsanweisung als die von Tamiya. Alle benötigten Komponenten sind deutlich gekennzeichnet und auch auf dem Papierbogen im Maßstab 1:1 abgedruckt. Dennoch empfehlen wir, die Anleitung vor dem Start durchzulesen. Gute Organisation gehört beim Aufbau eines Tamiya-Modells dazu: Ein paar Schalen für Kleinteile und ein Schneidebrett zum Zuschneiden von Kunststoff sind sehr praktische Helfer.

Einige Werkzeuge sind im Lieferumfang des MB-01-Mini-Cooper von Tamiya enthalten, die meisten müssen jedoch aus dem eigenen Werkzeugschrank beigesteuert werden. Man benötigt einen Kreuzschlitzschraubendreher (ein Standardschraubendreher von Ikea funktioniert recht gut, aber das Schraubendreher-Set von Tamiya ist qualitativ bester), eine Zange, einen Seitenschneider, ein Bastelmesser, Sekundenkleber und eine Schere. Tamiya liefert einen 1,5-mm-Inbusschlüssel und einen Vierkantschlüssel für Muttern und Schrauben mit.

„Gute Organisation gehört beim Aufbau eines Tamiya-Modells dazu: Ein paar Schalen für Kleinteile und ein Schneidebrett zum Zuschneiden von Kunststoff sind sehr praktische Helfer.“
Alan Taylor-Jones

Die Kunststoffteile werden auf einem Anguss geliefert, auf dem mehrere Komponenten in einer Form zusammengefasst sind. Mit einer Seitenschneidezange lassen sich diese so sauber wie möglich abschneiden. Um überschüssiges Material zu entfernen, eignet sich dagegen ein feines Messer am besten. Unser Tipp: Immer nur die Teile herausschneiden, die im aktuellen Arbeitsschritt benötigt werden. Das hilft, die Übersicht im Teile-Wirr-Warr zu behalten. Hier nochmal ein Lob ans Handbuch: Jedes Teil lässt sich direkt am Seitenrand in Originalgröße abgleichen und wo Fett oder Klebstoff hinmüssen, wird ebenfalls detailliert beschrieben.

Wir sind im Test in einigen kleinen Bereichen vom Standardaufbau abgewichen. Erstens haben wir alle Kunststoff- und Metallbuchsen, auf denen die Achsen laufen, durch Metallkugellager ersetzt. Das verbessert die Laufruhe und Geschwindigkeit und reduziert zugleich den Verschleiß – und kosten nur knapp zehn Euro. Zweitens haben wir einige dünne Unterlegscheiben hinzugefügt, um das Spiel in den Aufhängungsarmen zu reduziere. Und drittens haben wir uns bei der Karosserie mit einer anderen Farbe und einigen individuellen „CAR“-Aufklebern vom Originaldesign entfernt.

Der Aufbau des Tamiya Mini MB-01 im Test. Aufbau des Chassis..
Foto: Alan Taylor-Jones

Chassis: Anpassbar, aber auf Kosten des Handlings

Der Zusammenbau des MB-01 ist sicherlich komplizierter als der des Tourenwagen-Chassis TT-02. Anstelle eines einteiligen Wannenchassis besteht der MB-01 aus einer vorderen und hinteren Baugruppe, die in verschiedenen Längen miteinander verschraubt werden können, um sie an unterschiedliche Karosserien anzupassen und das Fahrverhalten zu optimieren. Der kurze Radstand dieses Mini sorgt für Agilität, während der längere Citroën DS-Bausatz mehr Stabilität bietet.

Eine separate Anleitung zum Handbuch zeigt Ihnen, wie die verschiedenen Konfigurationen des Chassis zusammengebaut werden können, alle benötigten Teile sind im Lieferumfang enthalten. Das ist eine nette Idee, die RC-Fans sicherlich die Möglichkeit gibt, das Fahrverhalten des Autos komplett zu verändern, aber hat auch einen entscheidenden Nachteil.

Denn die komplexe Konstruktion kann beim Zusammenbau manchmal frustrierend sein, zudem weisen Aufhängung und Lenkung ein enormes Spiel auf. Hätten wir zuvor nicht bereits den verwandten BT-01 911 Carrera RSR – hier der Einzeltest im Detail – gebaut, hätte ich vielleicht angenommen, dass etwas nicht stimmt, aber auch dieses Auto leidet unter einem erheblichen Spiel, das sich negativ auf das Fahrverhalten auswirkt.

Dünne Traxxas-Unterlegscheiben (Teilenummer 1985) an den Aufhängungsarmen haben hier viel Spielraum geschaffen und sind daher beim Aufbau des MB-01 sehr empfehlenswert. Die Lenkungsprobleme würden jedoch komplett neue Kugelgelenke, einen stärkeren Servo und reibungsarme Metallkugeln anstelle der Kunststoffkugeln aus dem Bausatz erfordern. Selbst dann kann man sehen, wie sich das Stück Kunststoff, an dem der Lenkmechanismus befestigt ist, bei Gebrauch verbiegt, während zu viel Einschlag sogar das gesamte Chassis verbiegen lässt.

Lackieren und Bekleben: Mini mit nur wenigen Stickern

Die detailgetreue Mini-Karosserie von Tamiya ist für die Karosseriehalterungen vorgebohrt und die Radkästen sind ebenfalls vorgeschnitten. Den Rest schneiden wir mit einer Schere aus und schleifen alle scharfen Kanten oder unebenen Stellen glatt. Dann ist es Zeit zum Reinigen, Abkleben und Sprühen, wobei wir statt der empfohlenen blauen lieber auf schwarze Farbe zurückgreifen – die Optik ist schließlich Geschmackssache. Für den Mini auf MB-01 gibt es zwar nicht allzu viele Aufkleber, aber man braucht trotzdem Stunden, um sie sorgfältig anzubringen. Unser Tipp: Die Sticker mit einem Föhn erwärmen, während man sie aufklebt, insbesondere an schwierigen Stellen wie den Scheinwerfern und dem Kühlergrill.

So fährt sich der Tamiya Mini auf MB-01-Chassis

Der Tamiya Mini auf MB-01 ist ein kleines Rowdy-Auto, das auf griffigem Teppichboden gerne mit den Vorderreifen durchdreht. Und das bereits mit einem normalen 7,2-V-NiMh-Akku, sodass wir im Test keine Notwendigkeit sahen, einen stärkeren 7,4-V-LiPo-Akku auszuprobieren. Wer jedoch mehr Geschwindigkeit aus dem RC-Auto kitzeln möchte, kann mit verschiedenen Getrieben und auch vielen verschiedenen Motoren aus dem Zubehör nachhelfen.

Für uns reicht die Leistung auf der RC-Testfahrt aus, um auch im Rückwärtsgang Donuts zu drehen. Das Fahrverhalten ist auch nicht schlecht. Der Mini lässt sich gerne mit gesenkter Drehzahl in Kurven werfen. Auf die Seite oder gar das Dach legt er sich auch nur, wenn man gegen etwas stößt oder ihn von einem Bordstein springen lässt. Das Chassis bietet eine gute Balance zwischen Agilität und Stabilität, fühlt sich lebhaft an, ohne dass man das Gefühl hat, es würde sich umdrehen.

Der Tamiya Mini MB-01 im Test fahrend von schräg hinten rechts.
Foto: Alan Taylor-Jones

Am meisten Spaß macht der Mini im Test auf großen, offenen Flächen, während engere Strecken und Hindernisse schnell das größte Problem dieses Autos deutlich machen. Durch das Spiel in der Lenkung ist es schwierig, präzise auf einer Miniaturrennstrecke zu fahren. Das Auto kommt sogar auf gerader Strecke ins Schleudern. Auf unserer engen Indoor-Strecke war es viel zu leicht, versehentlich gegen eine Barriere zu stoßen, insbesondere wenn das Drehmoment des Motors bei Frontantriebs-Konfiguration des MB-01-Chassis die Lenkung zusätzlich beeinträchtigt.

Haltbarkeit: Die Aufhängung springt schnell heraus

Der einzige Schaden während unseres Tests ist lediglich etwas abblätternde Farbe an der Karosserie. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, wie sehr der MB-01-Mini von RC-Neulingen aus der Redaktion auf dem Büro-Rundkurs malträtiert wurde.

Stößt der Mini zu hart gegen ein Hindernis, können die Kunststoffkugeln der Aufhängung leicht aus den Armen herausspringen, sodass man oft nach der Antriebswelle suchen muss. Das ist kein allzu großes Problem, wenn man nur mit Freund:innen auf einem Parkplatz herumalbert. Zudem verhindern das Herausspringen, dass Aufhängungsteile brechen – und damit nicht mehr einfach zusammenzustecken sind. Wer jedoch professionelle Rennen fährt, kann sich mit einem relativ leichten Stoß für ein oder zwei Runden lahmlegen.

So haben wir getestet

Wir haben den Bausatz von Grund auf mit einem Sender- und Empfängerset von Carson und einem 2100-mAh-Akku zusammengebaut. Nach der Fertigstellung haben wir den Tamiya-MB-01-Mini auf einem ebenen Asphaltparkplatz und auf dem Teppichboden in unserem Büro getestet.

Auch der Wendekreis ist für ein so kleines Auto überraschend groß, obwohl die Vorderreifen bei vollem Lenkeinschlag an der Karosserie anschlagen. Das passiert wegen des großen Spiels auch, wenn man ordentlich Gas gibt. Man kann hier also viel Geld für die Abstimmung des MB-01 ausgeben, um die werkseitigen Nachteile des Chassis auszugleichen. Unserer Meinung nach ist das rein frontgetriebenen M-05 eine viel bessere Wahl bei ähnlichem Preis – wenngleich noch ohne Mini-Karosserie.

Fazit

Insgesamt ist der Tamiya-Mini auf MB-01 ein unterhaltsames kleines RC-Modell. Der Frontantrieb verbessert die Fahrbarkeit und das starke Drehmoment ist ziemlich amüsant. Der Zusammenbau macht ebenfalls Spaß. Allerdings ist die Möglichkeit, zwischen Front- und Hinterradantrieb zu wählen, unserer Meinung nach eher ein Fluch als ein Segen. Leider haben sich damit auch die Bedenken hinsichtlich des Lenkspiels als völlig berechtigt erwiesen – trotz Verbesserungen in eigener Sache!