Opel Kadett GSi 16V S Superboss: Opels Gruppe-N-Champion
Parallel zu den immer wilderen Evo-Modellen der DTM gaben die Hersteller Anfang der 90er auch in der südafrikanischen Gruppe N mächtig Gas. Die Krone der hiesigen Homologationsmodelle hatte der Opel Kadett GSi 16V S auf, besser bekannt als Kadett Superboss.
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Opel Kadett GSi 16V S Superboss mit rekordverdächtigem Drehmoment
In vielerlei Hinsicht glich Südafrika um 1990 herum einem Paralleluniversum. Das südlichste Land Afrikas hatte sich jahrzehntelang isoliert, um die Apartheid aufrecht zu erhalten, was wiederum zu denkwürdigen Zuständen führte. So feierte die immer größer werdende nationale Protestbewegung mit Sixto Rodriguez einen Musiker, den man in Südafrika für tot hielt. Der aber lebte ein völlig unbedarftes Leben als Handwerker in Detroit (USA) und erfuhr erst 1998 von seinem Status als Pop-Ikone.
Auf automobiler Seite waren es die Homologations-Specials, welche die benzinblütigen Südafrikaner:innen in Eigenregie auf den Markt brachten und die den deutschen DTM-Evos in nichts nachstanden. Als der gemeinsam mit Alpina für den südafrikanischen Markt entwickelte BMW 325iS die dortige Gruppe-N-Meisterschaft dominierte, antwortete Opel etwa mit dem Kadett GSi 16V S Superboss.
Für die Homologation brauchte es 500 Exemplare, die Opel auf Basis des ohnehin schon legendären 16-Ventiler-Kadetts aufbaute. Um BMW zu schlagen, musste aber weit mehr her als die 150 PS (110 kW) des Kompaktsportlers. Deshalb wanderten motorenseitig Schrick-Nockenwellen, natriumgefüllte Ventile, Schmiedekolben und eine höhere Verdichtung in den GSi. Neu waren außerdem der K&N-Filter, der Fächerkrümmer; das Steuergerät sowie die Auspuffanlage.
Damit entfesselte der Superboss 170 PS (125 kW) und 228 Nm Drehmoment, was gemessen am Hubraum von zwei Litern bei einem Saugmotor rekordverdächtig war. Tatsächlich sollte ihn erst der Ferrari 458 mit 117 Nm pro Liter übertrumpfen – knapp 20 Jahre später.
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Für die Irmscher-Tieferlegung mussten die Radläufe modifiziert werden
Um diese Power auch vernünftig auf die Straße – oder besser noch auf die Rennstrecke – zu bringen, steuerte der lokale Motorsport-Spezi Andre Verwey ein Sperrdifferential bei. Von Irmscher aus Deutschland wiederum stammte das um 20 mm tiefergelegte Fahrwerk. Damit die 195er-Reifen samt Borbet-Felgen trotzdem in die engen hinteren Radhäuser passten, mussten die Radläufe sogar leicht gebogen werden.
Das Ergebnis konnte sich in jeglicher Hinsicht sehen lassen: Wären die Freeways nicht auf 120 km/h begrenzt, wäre der optisch kaum modifizierte Opel Kadett Superboss echte 234 km/h gerannt. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h dauerte 7,6 s. Der Standard-16V benötigte dafür 0,3 s mehr und schaffte in der Spitze „nur“ 217 Sachen.
Seinem Namen wurde der Opel Kadett GSi 16V S Superboss auch in der Gruppe N gerecht. 1991 und 1992 schlug der südafrikanische Rüsselsheimer die BMW-Brigade und krönte sich zum Champion. Und so schnell, wie der Kompakte über die Rennstrecken von Kyalami & Co. bretterte, so schnell bröckelte zur gleichen Zeit auch die rassistische Regierung Südafrikas. Das läutete aber auch das Ende der automobilen Parallelwelt mit ihren Homologations-Specials ein.
Heute ist der Superboss noch immer Kult in seinem Heimatland, dennoch werden für den Über-Kadett nicht annähernd solche Preise gezahlt, wie sie Fans für E30 M3 und 190 Evo hinblättern. Das hier gezeigte Modell mit 54.000 km stand zuletzt für umgerechnet 29.000 Euro zum Verkauf.
Fazit
Manchmal lohnt es sich, nicht nur über den Tellerrand, sondern auch über die nördliche Hemisphäre hinaus zu blicken. Der südafrikanische Automobilsektor hatte bis in die 90er-Jahre hinein seine eigenen Gesetze oder zumindest nicht diejenigen Europas, sodass dort in stiller Abgeschiedenheit mit Werksunterstützung heiße Homologationsautos entstehen konnten, nach denen sich Fans heute noch die Finger lecken. Der Opel Kadett GSi 16V S Superboss hätte in Deutschland die Antwort auf den VW Golf G60 Limited sein können.



















