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Opel Corsa-e Rally: Tracktest Teilchenbeschleuniger Corsa-e

von Gregor Messer 01.07.2021
Inhalt
  1. Opel Corsa-e Rally im Tracktest
  2. So wird der Opel Corsa-e Rally im Einsatz geladen
  3. Technische Daten des Opel Corsa-e Rally

100 kW beschleunigen den agilen, kleinen Opel Corsa-e Rally in die Welt des Rallye-Sports – als erstes Rallye-Auto mit voll elektrischem Antrieb. Wir fuhren das Einsteigermodell für Rallye-Junioren im Tracktest.

Dort vorn lauert sie wieder, diese schwierige Rechts-Haarnadelkurve im Tracktest mit dem Opel Corsa-e Rally. Mit viel Schwung aus dem vorherigen langen Linksbogen peile ich den Bremspunkt an, steige voll in die Eisen – ohne Mithilfe eines Bremskraftverstärkers übrigens, denn um beim Verzögern mit dem linken Fuß besser dosieren zu können, ist das Aggregat demontiert. In diesem Moment nehme ich die Fly-Off-Handbremse zur Hilfe, zupfe brachial an dem gut halben Meter langen Stab über der Mittelkonsole – ohne einzurasten gibt sie die blockierten Hinterräder sofort wieder frei. Gleichzeitig lenke ich servounterstützt ein, und schon wirft es mir das Heck um mehr als 150 Grad um die Längsachse. Alles klar: Das ist Rallye, so muss Rallye sein. Weiter geht's, aber es ist alles so anders als bei meiner letzten Fahrt mit einem Rallye-Auto aus Rüsselsheim im Oktober 2016: Beim Adam R2 stünde jetzt der nächste Gangwechsel an. Im elektrischen Hier und Jetzt aber wird nicht mehr geschaltet, sondern nur mit permanent gleichem Drehmoment beschleunigt, sobald ich das Fahrpedal auch nur antippe. Das Drehmoment ist ordentlich: 260 Newtonmeter liegen spürbar an, die Beschleunigung ist eindrucksvoll, aber man darf sich nichts vormachen: 100 kW fühlen sich nun mal an wie 136 PS, nicht mehr und nicht weniger. Mit Verve geht es in die folgende Kurvenkombination. Im Handling ist der Opel Corsa-e Rally ein höchst agiler Geselle, immer fordernd nach den nächsten Richtungswechseln und dabei fahrdynamisch mit großer Überzeugungskraft unterwegs. Das liegt nicht zuletzt an der rund 300 Kilogramm schweren Batterie: Die extrem flach gebaute Akku-Einheit ist großflächig zwischen Vorder- und Hinterachse montiert und vermittelt dem kleinen Rallye-Stromer eine perfekte Gewichtsverteilung bei einem niedrigen Schwerpunkt.

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Opel Corsa-e Rally im Tracktest

Im Opel Corsa-e Rally überträgt ein automatisch sperrendes Torsen-Differenzial, das bei Traktionsverlust die Drehmomente an den Vorderrädern reguliert, die Kraft in jeder Fahrsituation bestmöglich auf die Piste. Auf die elektronischen Sicherheits-Helferlein, sonst im heutigen Straßenverkehr unabdingbar, muss ich freilich beim Tracktest auf dem Opel-Testgelände verzichten: Im Corsa-e-Rally gibt es weder Traktionskontrolle noch ABS oder ESP, denn die Fahrhilfen wurden zugunsten einer höheren Fahrzeugdynamik im sportlichen Wettbewerb permanent deaktiviert. Motormanagement und Fahrpedal-Mapping werden hingegen über ein eigenes Motorsport-Steuergerät geregelt. Sobald der Fahrer oder die Fahrerin den kleinen Elektro-Knubbel startet, steht das Fahrprogramm auf Sport, also im Wettbewerbsmodus mit voller Leistung. Auf den Verbindungsetappen wird auf Eco umgeschaltet, um Strom zu sparen. Eine weitere Konfiguration, WP Rain, lässt das Fahren mit reduziertem Drehmoment bei rutschigen Verhältnissen zu. Auch das Soundsystem produziert unterschiedliches Motorbrummen: Nach meinem Tracktest auf dem Weg zur Ladestation schalte ich flugs um auf die reduzierte Geräuschkulisse, wie sie auf den Verbindungsetappen verwendet wird. Das teils nervige Krächzen und Krackeln ist dann weitgehend verstummt. Niemand hat allerdings je behauptet, Elektro-Rallye-Autos wie der Opel Corsa-e Rally müssen leise sein. Allzu laut aber auch nicht …

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So wird der Opel Corsa-e Rally im Einsatz geladen

Apropos Ladestation: Kein E-Rennsport ohne mobile Ladeinfrastruktur, aber Generatoren wie in der Formel E haben im Opel-e-Cup keinen Platz. Das Konzept musste leistungsstark, flexibel, anwenderfreundlich sein. Bei der mobilen Lösung der Firma eLoaded wird die Energie vom öffentlichen Mittel- oder Niederspannungsnetz eingespeist und über ein sogenanntes DCBus-System an 18 Ladeeinheiten verteilt. Dies reduziert Energieverluste zwischen Netzübergabepunkt und Ladestecker am Opel Corsa-e Rally deutlich. Geladen wird regenerativ erzeugter Ökostrom aus dem öffentlichen Netz mit bis zu 500 Ampere in einem Leistungsbereich von 200 bis 980 Volt. Der abgenommene Mittelstrom wird in einen eigens für den Rallye-Einsatz adaptierten Transformator mit DCSource geleitet, dem sogenannten Power House. Dieses liefert ohne den Umweg über einen Zwischenspeicher eine Maximalleistung von zwei Megawatt an die 18 Ladepunkte, von denen je einer am Service-Zelt jedes Cup-Fahrzeugs steht. Jeder Ladepunkt speist das Fahrzeug mit bis zu 140 kW, wobei der Corsa-e mit maximal 100 kW Gleichstrom (DC) geladen werden kann.

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Technische Daten des Opel Corsa-e Rally

AUTO ZEITUNG 13/2021Opel Corsa-e Rally
Technik
E-MotorPermanent erregte Synchronmaschine
Systemleistung100 kW / 136 PS
Systemdrehmoment260 Nm
BatterieLithium-Ionen
Spannung/Kapazität netto (brutto)300 - 350 V / 46 (50) kWh
Max. Ladeleistung DC/AC100 / 11 kw
Ladeanschluss/OrtLinks hinten / Type 2
Getriebe/AntriebKonstantübersetzung / Vorderradantrieb mit Torsen-Sperrdifferenzial
Messwerte
Gewicht1480 kg (mit Fahrern)
Beschleunigung 0-100 km/h (Werk)7,5 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)150 km/h
Preise
Grundpreis49.900 (plus MwSt.)

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