Cupra-Abt Extreme E Odyssey: Mitfahrt Im Cockpit des Extreme E-Boliden

von Gregor Messer 19.01.2021

2021 startet die elektrische Offroad-Serie der bärenstarken Extreme E. AUTO ZEITUNG-Redakteur Gregor Messer erlebt eine spektakuläre Mitfahrt im Cupra-Abt Extreme E Odyssey!

Die Mitfahrt im Cupra-Abt Extreme E Odyssey beginnt mit dem etwas hakeligen Einstieg: Rein ins Cockpit, sich vom Abt-Mechaniker so fest – und erträglich – wie möglich mit dem Sechspunktgurt festschnallen lassen, los geht's. Leider nicht selbst am Steuer, aber dafür habe ich den besten Chauffeur, den man sich vorstellen kann: Mattias Ekström. Der zweifache DTM-Champion gilt als eines der größten Multitalente des Rennsports, was er 2016 mit seinem WM-Titel im Rallycross ausdrücklich unter Beweis gestellt hat. Ekström drückt kleine bunte Knöpfe am Funktionspanel rechts vom Lenkrad, in dem nur vier Knöpfchen eingelassen sind: Für Funk, Scheibenwischer und Wischwasch-Anlage, für den aus der Formel E bekannten Fan-Boost für kurzfristig mehr Power und auch für einen Pitspeed-Limiter. Letzteren braucht man in der Fahrerwechselzone. Aber: In einem solch kargen Rennwagen habe ich lange nicht gesessen. "Er hat auch nur zwei Pedale", sagt Ekström mit Verweis auf Strom- und Bremspedal. Kein Vergleich zu einem DTM- oder GT3-Boliden. Dominierend wirkt nur der Hebel der mechanischen Handbremse, der gut einen halben Meter hoch herausragt. Ekström drückt aufs Pedal – und gibt Strom. Der Ausdruck "Gas" flutscht allen Beteiligten des Abt-Cupra-EX-Teams immer wieder heraus, aber eigentlich ist die Begrifflichkeit vom Gasgeben in Zeiten der Elektrifizierung vorbei. Also: Strom. Vollstrom, sozusagen. Der Odyssey – so heißt der Extreme E-Allrad-Buggy – legt los, alles schunkelt und wackelt, hämmert und trommelt. Beim Test fährt der Cupra-Abt Extreme E Odyssey mit reduzierter Leistung. Später bei den fünf Wettbewerben (Saudi-Arabien, Senegal, Grönland, Brasilien, Nepal) werden die vollen 400 kW abgerufen – rund 550 PS.

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Mitfahrt im Cupra-Abt Extreme E Odyssey

Los geht's mit der Mitfahrt im Cupra-Abt Extreme E Odyssey: Steine prasseln an den Unterboden, wir fliegen auf die erste enge Ecke zu, und noch nie konnte man das Differenzial an Vorder- und Hinterachse so ächzen hören wie jetzt. Wen wundert es: Die Geräuschkulisse in einem E-Renner ist eben eine andere als in einem Rennwagen mit Verbrennungsmotor. Viel leiser. Ohrenstöpsel? Braucht man nicht. "Das Auto macht schon Geräusche. Nur andere", sagt Ekström. Das Leiern und Surren, das mechanische Singen der beiden Elektromotoren vorn und hinten hört man deutlich. Heftiger aber sind die Gesteinsbrocken, die die 90 Zentimeter hohen Continental-Reifen während des Tests des Cupra-Abt Extreme E Odyssey aus dem Weg räumen. Wir fliegen auf die nächste Ecke zu, Ekström reißt zweimal kurz an der Handbremse und wuchtet das rund zwei Meter hohe Gerät um das zerfurchte Geläuf. Der 41-jährige Schwede ist sonst ultraflinke Rallycross-Flitzer gewohnt, die beim Start fast wie ein Formel 1 wegspurten. "Für mich ist das hier ein großer Unterschied zu den Autos, die ich bislang gefahren bin", sagt er, "das Gewicht, die Größe, die taumeligen Bewegungen, die das Auto macht. Und auch, wie ich die elektrische Leistung einzusetzen habe, so ganz ohne Getriebe – alles sehr gewöhnungsbedürftig."

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Cupra-Abt auf die Extreme E vorbereitet

Das gilt auch für die Lenkung des Cupra-Abt Extreme E Odyssey. "Wie bei einem Segelschiff fühlt die sich an", beschreibt Ekström mangelnde Präzision, "nicht wie im Gokart." Wir eilen drei, vier Runden über die hügelige Rallycross-Strecke bei Oschersleben, springen weit und poltern laut. "Der Odyssey pariert alle Stöße und Schläge wunderbar", zeigt sich Ekström beeindruckt, "aber das ist ja auch Standard-Offroad-Technik." So wie bei der Rallye Dakar üblich oder bei den großen Wüsten-Rallyes auf der Baja California. Anders als auf der Rundstrecke bieten die Reifen nur wenig Grip. "Aber das ist ja gut so. Das war ja immer mein Traum." Viel Power, wenig Haftung, mehr Rutschen: Das ist ganz nach Ekströms Geschmack von spektakulärem Motorsport. Jetzt kommen auch noch hohe Sprünge dazu. Nach der Mitfahrt rollen wir zurück an den Serviceplatz, die 430 Kilogramm schwere Batterie von Williams muss frisch geladen werden. Zügiges Aussteigen ist bei dem Flügeltürer gar nicht so einfach. Noch diskutieren die Regelmacher:innen, ob es eine Mindeststandzeit beim Fahrerwechsel geben sollte. "Das Racing, das die Extreme E bieten wird, wird so spektakulär sein, dass es nicht über einen Fahrerwechsel ohne Zeitlimit entschieden werden sollte", plädiert Abt-Technikchef Florian Modlinger für eine Standzeit von mindestens einer Minute. "Rennsport gehört zum Markenkern von Cupra", betont derweil Xavier Serra. Der Spanier betreut die Rennsport-Engagements der dynamischen Marke. "Cupra, Abt, Claudia, ich: Wir haben alle ein Ziel – gewinnen", betont Ekström. Nach den ersten und einzigen offiziellen Tests mit dem Cupra-Abt Extreme E Odyssey im spanischen Aragon vor Weihnachten 2020 stehen die Chancen dazu gar nicht so schlecht. "Unser Eindruck ist, dass wir gut vorbereitet in dieses Abenteuer gehen", drückt sich Modlinger im Vorfeld der im März 2021 startenden Extreme E vorsichtig aus.

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