Alle Tests zum VW ID.3

Neuer VW ID.3 (2020): Erste Testfahrt So fährt sich der ID.3-Prototyp

von Alexander Koch 21.08.2019
Inhalt
  1. Erste Testfahrt im neuen VW ID.3 (2020)
  2. Neuer ID.3 (2020) fährt bis zu 550 Kilometer weit
  3. Der ID.3-Marktstart erfolgt 2020

Der VW ID.3 (2020) soll nach Wolfsburger Lesart den Beginn einer neuen Ära markieren. Eine zu hohe Bürde für ein Elektroauto, das sich als Antriebskonzept noch nicht den Autokäufern durchsetzen konnte? Das soll die erste Testfahrt im Prototypen zeigen!

Drängende Fragen vor der ersten Testfahrt mit dem neuen VW ID.3 (2020): Wie fährt sich der selbst ausgerufene VW-Neubeginn auf vier Rädern? Ist die Reichweiten-Problematik endlich ad acta gelegt? Und überhaupt: Ist Elektromobilität wirklich so grün, wie oft behauptet? Direkt vorweg gesagt: An vielen Stellen zeigt sich, dass es sich hierbei – Premiere auf der IAA 2019 hin oder her – noch um einen Erlkönig handelt. Etwa bei der Materialauswahl im Cockpit: Die Kunststoffe sind ungeschäumt, ungenarbt und ungefärbt. Das Fahrwerk spricht VW-untypisch noch recht harsch auf Querfugen an und das kleine Display vor dem Lenkrad zeigt allerlei Fehler, aber noch keine Geschwindigkeit an. Aber Prototypenstatus hin oder her – die Atmosphäre rund um den neuen VW ID.3 (2020) knistert geradezu. Spannungsgeladen, angesichts der Erwartungen, die auf dem neuen VW ruhen. Mit ihm soll die Wende vom Dieselsünder zum grünen Vorzeigeunternehmen gelingen. Entsprechend viel Aufmerksamkeit erregt das bunt folierte Elektroauto bei der ersten Testfahrt in Wolfsburg. Und entsprechend vieldeutig ist der Name: ID.3. – die "3" als Synonym für die dritte große VW-Ära nach dem VW Käfer und dem VW Golf.

Elektroauto VW ID.3 (2020)
VW ID.3: IAA 2019 (Update!) ID.3-Premiere auf der IAA 2019

VW ID. (2020) im Fahrbericht (Video):

 
 

Erste Testfahrt im neuen VW ID.3 (2020)

Ära: Ein großes Wort, das bei VW erfahrungsgemäß mit Stückzahlen gleichzusetzen ist. Über die Masse möchten die Wolfsburger die Elektromobilität im Allgemeinen und den neuen VW ID.3 (2020) im Speziellen bezahlbar machen – der Einstiegspreis: unter 30.000 Euro. Dafür entwickelte der Autobauer den Modularen Elektrifizierungsbaukasten MEB, der in Radstand und Spurweite skalierbar ist und zwei Motoren mit bis zu 80 kW vorne und 150 kW hinten sowie Akkus mit mehr als 100 kWh erlaubt. Die können zum Marktstart mit bis zu 125 kW und später auch induktiv geladen werden, VW verspricht 260 Kilometer Reichweite in 30 Minuten. Der neue VW ID.3 (2020) beschränkt sich aber zunächst auf Heckmotor, Hinterradantrieb und drei Akkupakete, die 45, 58 und 77 kWh Netto-Kapazitäten und WLTP-Reichweiten zwischen 330 und 550 Kilometer abdecken sollen – für den Alltag wohl mehr als ausreichend. Mit den beiden Leistungsstufen 150 und 204 PS sowie dem maximalen Drehmoment von 310 Newtonmetern ist das Elektroauto auf dem Papier gut gerüstet. Allerdings fällt die Beschleunigung des Prototyps nicht so vehement aus, wie man es in anderen E-Autos gewohnt ist. Ein Nachteil? Wohl eher am Stammtisch als bei Otto-Normal-Verbrauchern, die VW als Kunden anvisiert.

Elektroauto VW ID. Buzz Cargo (2022)
VW ID. Buzz Cargo (2022): Motor & Reichweite Der Elektro-Bulli für Handwerker

 

Neuer ID.3 (2020) fährt bis zu 550 Kilometer weit

Ihnen dürfte die Selbstverständlichkeit, mit der sich der neue VW ID.3 (2020) fahren lässt, ohnehin viel wichtiger sein: Die Sitzposition ist dank der zwischen den Achsen untergebrachten Akku-Pakte SUV-ähnlich hoch und bequem. Selbst hinter groß gewachsenen Fahrern und Beifahrern haben Fondpassagiere im Golf-großen Elektroauto ausreichend Platz – einfach, weil der Radstand gegenüber VWs Bestseller rund 100 Millimeter länger ist und der Mitteltunnel dank E-Antrieb ausgedient hat. Modern im negativen Sinne ist aber auch die Rundumsicht, die unter der aerodynamisch abfallenden Dachlinie und dem Van-artigen Vorbau leidet. Wer die Tarndecken auf dem Armaturenbrett des Prototyps lupft, blickt auf ein futuristisches Cockpit mit dem besagten kleinen Display hinter dem Lenkrad sowie einem riesigen Touchscreen daneben. Knöpfe? Haben im neuen VW ID.3 (2020) ausgedient! Dafür setzt VW einen neuen Sprachassistenten ein, der ähnlich wie das MBUX-System von Mercedes lernt und auf Äußerungen wie "Mir ist kalt" reagiert. Ebenfalls clever und vielleicht die Antwort auf die Ablenkungsgefahr moderner Autos: eine LED-Leiste unterhalb der gesamten Frontscheibe, die in Sichtweite zum Verkehrsgeschehen Abbiegehinweise der Navigation visualisiert, auf eingehende Telefonate aufmerksam macht oder den Füllstand des Akkus zeigt.

Elektroauto VW ID. Crozz (2020)
VW ID.4 (2020): Erste Fotos vom ID.Crozz ID. Crozz könnte ID.4 heißen

 

Der ID.3-Marktstart erfolgt 2020

Während der flüsterleise durch Wolfsburg rollende VW ID.3 (2020) also in vielen Punkten überzeugt, kommen wir aber zum eigentlichen Casus Knacksus: Ist Elektromobilität wirklich grün? Eine komplexe Frage, eine komplexe Antwort: Die Grundproblematik, dass Stoffe wie Lithium – die für die Produktion von Batterien nun einmal nötig sind – unter Umwelt-unfreundlichen Bedingungen gewonnen werden, kann auch VW zum jetzigen Zeitpunkt nicht lösen. Dafür möchte der Autobauer die Recyclingquote von Batterien auf langfristige Sicht auf 97 Prozent hochschrauben. Um den CO2-Fußabdruck noch vor dem ersten Kilometer auf der Straße so gering wie nur möglich zu halten – VW behauptet stolz, der ID.3 sei CO2-neutral gebaut –, produzieren die zugehörige Batteriefabrik in Polen sowie die Fertigung in Zwickau ausschließlich und die Zulieferbetriebe nach VW-Angaben zu hohen Anteilen mit grünem Strom. Damit der neue VW ID.3 (2020) aber auch über den gesamten Lebenszyklus sauberer als ein Verbrenner unterwegs ist, weist der Autobauer auf die Bedeutung des Strom-Mixes hin. Platt ausgedrückt: Wird das E-Auto durch Solarpanele auf der Garage geladen? Gut! Speist sich das Elektroauto aus Kohlestrom? Schlecht! 

Elektroauto VW ID. Vizzion
VW ID. Vizzion (2018): Erste Informationen Erste Fotos des ID. Vizzion in Genf

von Alexander Koch von Alexander Koch
Unser Fazit

Man muss wahrlich kein Prophet sein, um dem neuen VW ID.3 (2020) hohe Erfolgschancen einzuräumen: In seiner ganzen Machart ist und bleibt das erste Elektroauto auf MEB-Basis ein typischer VW samt attraktivem Einstiegspreis und akzeptabler Reichweite. Doch kann der Neuling nicht darüber hinwegtäuschen, dass bei der Elektromobilität allgemein noch viele Fragen offen sind: Beginnend bei der Ladeinfrastruktur über die Zusammensetzung des Stroms aus erneuerbarer, Kohle- und Atomenergie bis hin zur Bereitschaft der Kunden, angewöhnte Verhaltensmuster beim Autofahren über Bord zu werfen. Denn eins ist klar: Auf absehbare Zeit erfordert die Elektromobilität in einigen Punkten Kompromisse!

Tags:
Copyright 2019 autozeitung.de. All rights reserved.