Neuer VW ID. (2020): Erste Testfahrt Den ID.-Prototypen angetestet

von Thomas Geiger 03.04.2019
Inhalt
  1. Erste Testfahrt im neuen VW ID. (2020)
  2. Neuer ID. fährt bis zu 550 km weit
  3. ID.-Marktstart erfolgt Anfang 2020

2020 kommt mit dem neuen VW ID. Wolfsburgs erstes Elektroauto auf MEB-Basis heraus. Was wir uns vom elektrischen Kompakten versprechen dürfen, zeigt die erste Testfahrt im Prototypen!

Auch, wenn wir den neuen VW ID. (2020) schon gut ein Jahr vor Marktstart bei der ersten Testfahrt unter die Lupe nehmen können: Die Wolfsburger sind mal wieder spät dran. Während Kia, Hyundai und sogar Opel nämlich schon dezidierte Elektroautos verkaufen, hechelt der Marktführer dem Trend noch mit nachträglich elektrifizierten Up- und Golf-Derivaten hinterher. Frank Bekemeier aber lässt sich durch nichts und niemanden aus der Ruhe bringen. Der Wolfsburger Veteran leitet die Entwicklung des neuen VW ID. (2020) – und hat damit auch gut zu tun. Als wäre der Anspruch, dass der elektrische Erstling zum Golf unter den Elektroautos werden und Elektromobilität zum Massenphänomen machen soll, nicht schon hoch genug. Der ID. ist obendrein auch das erste Auto auf einer komplett neu geschaffenen Architektur namens MEB, auf die der gesamte Konzern künftig zurückgreift. Nicht weniger als 27 Autos sollen aus diesem Modularen Elektrizitätsbaukasten allein bis 2022 für die verschiedenen Marken entstehen – und alle bauen auf die Grundlagenarbeit, die Bekemeier unter anderem bei Tests hier in Südafrika leistet.

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VW ID. (2020) im Fahrbericht (Video):

 
 

Erste Testfahrt im neuen VW ID. (2020)

Der neue VW ID. misst zwar wie der Golf etwa 4,25 m, hat mit ihm aber "nicht viel mehr gemein als ein paar Scharniere, die Türgriffe und den 12-Volt-Akku", so Bekemeier. Entsprechend ist der Radstand rund 100 mm länger, weshalb auf der Rückbank mehr Platz herrscht – zumal der klassische Elektroantrieb sei Dank Mitteltunnel ausgedient hat. Wer sich nun hinter das Steuer des Wolfsburger Elektroautos setzt, blickt auf ein futuristisches Cockpit mit einem winzigen Display hinter dem Lenkrad und einem riesigen Touchscreen daneben. Die nächste Generation der Head-Up-Display verspricht eine dreimal so große Projektionsfläche und Grafiken in Augmented Reality. Bis auf die Fensterheber kommt der neue VW ID. (2020) übrigens ganz ohne haptische Schalter aus, setzt dabei voll auf Sensorbedienung. Und als wäre das nicht schon Revolution genug, baut VW neben einer Sprachsteuerung im Stil von MBUX auch noch eine neue Mensch-Maschine-Schnittstelle ein: Eine LED-Leiste unterhalb der gesamten Frontscheibe visualisiert Abbiegehinweise der Navigation, macht auf eingehende Telefonate aufmerksam oder zeigt den Füllstand des Akkus.

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Neuer ID. fährt bis zu 550 km weit

Den größten Unterschied aber macht beim neuen VW ID. (2020) natürlich der Antrieb: Er ist in der neuen Architektur ähnlich leicht skalierbar wie der Radstand oder die Spurweite und erlaubt zwei Motoren mit bis zu 80 kW vorn und 150 kW hinten sowie dazwischen Akkus mit mehr als 100 kWh. Die können zum Marktstart mit bis zu 125 kW und später auch induktiv geladen werden: "Die Technik dafür haben wir im Baukasten bereits eingeplant", sagt Bekemeier. Für den ID. allerdings beschränkt sich der Baureihenleiter zunächst auf Heckmotor und drei Akkupakete, die WLTP-Reichweiten zwischen 330 und 550 km abdecken sollen. Auch wenn alles neu ist, zielt der Wolfsburger auf eine vertraute Kundschaft. "Wir wollen vor allem Menschen ansprechen, die heute einen Golf kaufen", sagt Frank Welsch. Deshalb wirbt der Entwicklungsvorstand auch mit den gleichen Eigenschaften wie beim bisherigen Bestseller. Verlässlich und im positiven Sinne alltäglich soll der neue VW ID. (2020) fahren, fasst Welsch das Lastenheft zusammen und rückt deshalb auch nicht wie seine Kollegen bei Audi oder BMW die spektakulären Eckdaten in den Fokus. Klar, beschleunigt der ID. mit über 300 Nm von der ersten Millisekunde an, aber genauso selbstverständlich soll er später irgendwo zwischen 160 und 180 km/h abgeregelt werden.

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ID.-Marktstart erfolgt Anfang 2020

Zumindest auf der ersten Testfahrt am Rande der Abstimmung am Kap der Guten Hoffnung lässt der Prototyp des neuen VW ID. (2020) aber keine großen Wünsche offen: Er schwimmt locker und lässig mit. Mit ein wenig Übung kommt der Fahrer auch mit einem Pedal durch den zähflüssigen Verkehr. Wer nämlich an dem neben das Lenkrad gerückten Wählschalter von D auf B stellt, hat so viel Rekuperationsleistung, dass die mechanische Bremse kaum mehr benötigt wird. Und wenn man sich einmal verfahren sollte, erfreut man sich an einem überraschend kleinen Wendekreis: Ohne den Bauraum-füllenden Verbrenner können die Vorderräder deutlich weiter einschlagen und so braucht der neue VW ID. (2020) keine zehn Meter zum Umkehren – das ist Up-Niveau. Natürlich gibt es beim Prototypen aber auch noch einige Mankos: So fehlt der Software für das Infotainment noch der letzte Stand. Die Lenkung ist Welsch noch nicht direkt genug, das Abrollgeräusch der ungewöhnlich großen Reifen ein wenig zu laut und das Anfahren bisweilen noch zu ruckelig. Auch das Fahrwerk darf noch Feinschliff erfahren. Wäre das bei anderen Herstellern in wenigen Monaten erledigt, lässt sich VW hingegen noch etwas mehr Zeit: Erst Anfang 2020 kommt der elektrische Kompakte ab rund 30.000 Euro auf den Markt. So jemand wie Frank Bekemeier lässt sich eben nicht hetzen. Gut Ding will Weile haben.

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