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Neuer Hyundai i20 N (2021): Erste Testfahrt Vollgas im Polo GTI-Gegner i20 N

von Paul Englert 07.10.2020
Inhalt
  1. Erste Testfahrt mit dem neuen Hyundai i20 N (2021)
  2. Neuer Hyundai i20 N (2021) brabbelt und schnalzt
  3. Ganze Arbeit bei der Hyundai i20 N-Lenkung

Der neue Hyundai i20 N (2021) ist das zweite Modell aus der Sport-Sparte der Koreaner und tritt gegen die Wettbewerber VW Polo GTI sowie Ford Fiesta ST an. Wir durften bereits einen abgeklebten Prototyp zur ersten Testfahrt ausführen.

Dass der neue Hyundai i20 N (2021) kommen wird, war uns schon vor der ersten Testfahrt mit dem Prototyp klar. Schon seit 2014 ist der koreanische Kleinwagen in der Rallye-Weltmeisterschaft unterwegs. Und auf unseren Test-Touren durch die Eifel begegneten uns der Kleinwagen immer wieder im Erlkönig-Outfit, mit Diffusor, Dachspoiler sowie ovalem Endrohr rechts. Einer der Testfahrer ist Hyundai N-Entwicklungsleiter Alexander Eichler, neben dem wir Platz nehmen. Oder besser gesagt: Der heute neben uns Platz nimmt. Denn wir dürfen direkt ans Steuer des kleinen Kraftzwergs, der genauso viel Spaß machen soll, wie sein großer Bruder, der kompakte i30 N. "Wir haben hier den neuen 1,6-Liter Turbovierzylinder", beginnt Eichler die Einführung in die Technik des neuen Hyundai i20 N (2021). Das Aggregat basiert auf einer komplett neuen Motoren-Generation, leistet maximal 204 PS und 275 Newtonmeter Drehmoment. Anders als beim i30 N kommt hier allerdings kein Twinscroll-Lader zum Einsatz, sondern eine Monoscroll-Turbine. Die Kraft des Vierventilers wird über ein Sechsgang-Schaltgetriebe übertragen, optional gibt es ein mechanisches Sperrdifferenzial, das die angetriebenen Vorderräder unterstützt, genauso wie der speziell auf den kleinen Dynamiker abgestimmte Pirelli P Zero mit HN-Kennung im Format 215/40 R18. Mehr zum Thema: Das ist der Hyundai i20 Active

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Der Hyundai i20 N (2021) im Teaser-Video:

 
 

Erste Testfahrt mit dem neuen Hyundai i20 N (2021)

Neben Reifen und Antrieb wurden auch Fahrwerk und Aerodynamik im Vergleich zum normalen i20 überarbeitet. So kommt beim neuen Hyundai i20 N (2021) eine zusätzlich versteifte Vorderachse mit einem Radsturz von -1,7 Grad zum Einsatz. Auch die Torsionssteifigkeit der Hinterachse wurde erhöht, die Federrate erhöht und andere Dämpfer eingebaut. In Sachen Aerodynamik gingen die Entwickler nach dem Prinzip vor, lieber ein paar Kilometer bei der Höchstgeschwindigkeit verschenken, dafür aber den Auftrieb bei hohem Tempo so weit wie möglich reduzieren. Damit soll en hohes Maß an Fahrsicherheit erreicht werden. Das beutet allerdings nicht, dass der i20 N eine Spaßbremse wäre. Im Gegenteil, wie unsere erste Testfahrt zeigt. Bestzeiten auf dem Rundkurs waren aber nicht das erklärte Entwicklungsziel, sondern Fahrbarkeit bei hohem Tempo und die Freude am Fahren. Dass wir hier in einem Prototyp sitzen, merkt man aber nicht nur an der Tarnfolie, sondern auch an ein paar Kleinigkeiten, die bis zum Serienstart noch geändert werden sollen. Zum Beispiel ist die Motorapplikation noch nicht final, sodass der quirlige, ab 2500 Touren recht linear gen Begrenzer drehende Einssechser nach dem Gangwechsel immer etwas zu lange braucht, bis wieder Drehmoment anliegt und die Gasannahme leicht verzögert ist. Das stört den Rhythmus ein wenig, kann aber über die Software gelöst werden. Auch, dass der Schaltknauf gefühlt etwas zu niedrig und der Sitz einen Tick zu hoch installiert sind, dass das Lenkrad schön steil vor der Fahrerbrust steht, aber noch etwas weiter ausziehbar sein dürfte, notieren wir uns – und Alex Eichler schreibt mit. All das sind Kleinigkeiten, die man bis zum Produktionsstart des neuen Hyundai i20 N (2021) noch ändern könnte. Mehr zum Thema: Der Hyundai i20 im Fahrbericht

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Neuer Hyundai i20 N (2021) brabbelt und schnalzt

Wenn man hört, dass Hyundai damals beim i30 N noch kurz für den Beginn der Serienproduktion einen 10.000-Kilometer-Nordschleifen-Test allein für eine Änderung an den Radschrauben fuhr, weiß man, was Hyundai für einen Aufwand betreibt und was für positiv verrückte Menschen hier am Werk sind. Dabei ist die Testarbeit auf dem berühmten Eifelkurs und den umliegenden Landstraßen ein essenzieller Bestandteil der Entwicklung aller Fahrzeuge, sagt Testfahrer Eichler. Die Nordschleife ist eine Art Vergrößerungsglas, weil hier schnell und dauerhaft enorme Belastungen auftreten, die man auf keiner anderen Strecke in so kurzer Zeit erreicht. Der Nürburgring steht zwar für unsere erste Testfahrt nicht auf dem Fahrprogramm, dafür aber knapp 200 Kilometer Landstraße sowie ein Abstecher auf eine kleine Handlingstrecke, ohne Straßenverkehrsordnung. Doch auch im normalen Verkehr macht der neue Hyundai i20 N (2021) großen Spaß, röhrt sonor mit seinem breiten Endrohr, spratzelt, schnalzt und knallt auch mal, wenn man den entsprechenden Fahrmodus einlegt, ausgelöst durch eine kurze Unterbrechung der Kraftstoff-Einspritzung. Die Modi Normal, Eco, Sport, N und der individualisierbare Modus N Custom kann man per Knopfdruck am Lenkrad auswählen, wobei sich die Parameter für Motor (Ansprechverhalten), ESC (ESP), Motorsound und Lenkung ändern. Auch die sogenannte, aus dem i30 N bekannte Rev Match-Funktion gibt es im neuen Hyundai i20 N (2021), wobei die Turbomaschine beim Runterschalten automatisch Zwischengas gibt und die Drehzahl auf den nächst niedrigeren Gang anpasst. Mehr zum Thema: Das Hyundai i30 N Facelift im Fahrbericht

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Ganze Arbeit bei der Hyundai i20 N-Lenkung

Das alles aber wäre wenig Wert, wenn das Lenkgefühl nicht passen würde – und da hat Hyundai ganze Arbeit geleistet. Aus der Null-Lage heraus spricht das elektromechanische Steuer des neuen Hyundai i20 N (2021) fein an, der Momentenaufbau passiert linear und genau so, wie man sich das wünscht. Keine Hektik, kein überambitioniertes Abbiegen, kein Nachlassen des Lenkgefühls in der Kurve – weder in engen Kehren noch schnellen Biegungen. Vor allem das Rückstellmoment wirkt nicht gekünstelt, sodass die Lenkung nicht wie an einem Gummiband aufgezogen zurückspringt, sondern langsam wieder in die Null-Stellung geht, ohne, dass man dabei nachhelfen müsste. Auch die Abstimmung des elektronischen Stabilitätsprogramms wirkt bei unserer ersten Testfahrt gelungen, ein Spezialgebiet von Entwickler Alex Eichler. "Unser Ziel war, dass man bereits mit komplett eingeschaltetem ESC Spaß haben kann, dass einen das System nicht bevormundet, sondern sinnvoll unterstützt, ohne Einbußen in Sachen Sicherheit." Und Eichler hat recht. Geregelt wird erst dann, wenn man es übertreibt und auch nur so viel, dass man nicht aus dem Kurventakt gebracht wird. Wechselt man auf ESC Sport, lässt der neue Hyundai i20 N (2021) auch kleine Heckschlenzer zu. Steht die Anzeige auf "ESC off", sollte man hingegen vorsichtig sein. Denn bei den Hyundai N-Modellen heißt "Aus" auch wirklich "Aus". Dann muss man im Fall der Fälle mit Bremsfuß und beiden Händen am Lenkrad unterstützen. Doch das kommt selten vor, denn die Hinterachse dreht sich bei Lastwechseln nur leicht sowie sehr vorhersehbar ein. Und sollte das Heck mal etwas weiter Schwenken, hilft das feine Lenksetup, um den Kurzen wieder einzufangen. Apropos einfangen: Damit auch beim Verzögern nichts schiefgehen kann, wurden vorn innenbelüftete Bremsscheiben mit einem Durchmesser von 320 Millimetern installiert. Das sind 40 Millimeter mehr, als beim normalen Hyundai i20.

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von Paul Englert von Paul Englert
Unser Fazit

Der neue Hyundai i20 N (2021) erweist sich bei unserer ersten Testfahrt im Prototyp als eine gelungene Fahrspaß-Maschine auf Kleinwagenbasis, die trotz straffer Abstimmung auch im Alltag prima funktioniert. Genügend Leistung, wenig Gewicht, eine rundes Fahrwerks- und ESC-Setup sowie ein herrliches Soundvergnügen machen Lust auf den Serienstart im Frühsommer 2021.

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