Alle Tests zum Fiat 500

Neuer Fiat 500 Hybrid (2020): Erste Testfahrt Hybrides Vergnügen im Fiat 500

von Johannes Riegsinger 07.02.2020
Inhalt
  1. Erste Testfahrt mit dem neuen Fiat 500 Hybrid (2020)
  2. Neuer Fiat 500 Hybrid (2020) mit manuellem Sechsgang-Getriebe
  3. Verbrauch nach der ersten 500-Hybrid-Testfahrt kann sich sehen lassen

Nicht die angesagte, moderne Plug-In-Technik, sondern ein Mild-Hybrid kommt im neuen Fiat 500 Hybrid (2020) zum Einsatz. So schlägt sich der elektrifizierte Kleinwagen-Evergreen bei der ersten Testfahrt!

Mit dem neuen Fiat 500 Hybrid (2020), der uns zu einer ersten Testfahrt zur Verfügung stand, zeigt die Marke, wie man möglichst kostengünstig Kleinwagen entwickelt. Erster Schritt: So lange bereits getätigte Investitionen nutzen wie möglich. Oder auch: Bewährte, ältere Fahrzeuge nutzen. Im Volkswagen-Konzern sieht man diese Situation beim VW Up, der als Elektroauto derzeit ziemlich überzeugend in eine zweite Karriere startet und auch als Seat Mii electric oder Skoda Citigo iV längst abgeschriebene Entwicklungskosten erneut vergolden darf. Auch Fiat hat da etwas zu bieten und setzt für die neueste Generation moderner Kleinwagen auf bewährtes Material: Der Fiat 500 ist ein echter Evergreen, wurde 2007 vorgestellt, 2016 mit einem Facelift modernisiert und bekommt nun neue Motortechnik. Klug und nachhaltig ist diese Strategie allemal. Die beinahe anderthalb Jahrzehnte alte Technik schlägt sich auch an heutigen Maßstäben gemessen recht gut, interessanterweise ist gerade das eher simple Kleinwagenkonzept ein Vorteil: Die Erwartungen an besondere Raffinesse, an neueste Technologien oder strahlkräftiges Image sind hier gering und auch technisch klafft keine schmerzhaft große Schere zwischen dem Material von 2007 oder 2011 und dem Heute. Moderne Assistenzsysteme oder lifestylige Connectivity-Komponenten lassen sich mit überschaubarem Aufwand nachrüsten. Wenn man sie denn im neuen Fiat 500 Hybrid (2020) überhaupt braucht.  Mehr zum Thema: Fiat 500X im Test über 100.000 Kilometer

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Erste Testfahrt mit dem neuen Fiat 500 Hybrid (2020)

Zweiter Schritt der Entwicklung des neuen Fiat 500 Hybrid (2020): Rational und kundenorientiert denken. Das deutlich höhere Effizienzpotenzial eines modernen, aufwändigen und teuren Plug-In-Hybrids kann nur erschließen, wer sein Auto über Nacht zum Laden verkabeln kann – und genau das fällt urbanen Laternenparkern eher schwer. Geladen wird die leere Plug-In-Hybrid-Batterie also bei der nächsten Fahrt durch den Motor und damit teuer, ineffizient, unökologisch, ärgerlich. Schlauer, weil praxisnäher, ist im Segment der Stadt-Autos also der eigentlich unterlegene Mild-Hybrid, der den E-Motor nur zur Effizienzsteigerung nutzt und die kleine Batterie lediglich beim automatischen Rekuperieren – also Bremsen, Ausrollen und Bergabfahren – lädt. Genau auf diesen Effekt setzen die Italiener auch beim neuen Fiat 500 Hybrid (2020). Der komplett neue Dreizylinder-Benziner aus der jüngst vorgestellten Firefly-Generation mit einem Liter Hubraum und 70 PS wird mit einem Riemen-Starter-Generator sowie einer kompakten 11 Ah-Lithium-Ionen-Batterie kombiniert. Verzichtet wird auf einen Turbolader – die sanfte elektrische Unterstützung muss reichen. Verzichtet wird auf eine Benzindirekteinspritzung – deren Vorteile angesichts des kleinen Hubraums konzeptbedingt sowieso eher klein wären. Verzichtet wird auf Vierventiltechnik – dafür gibt es variable Steuerzeiten und eine vergleichsweise hohe Verdichtung ebenso wie ein geringes Gewicht. Inklusive Starter-Generator wiegt der Motor lediglich 77 Kilogramm.

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Neuer Fiat 500 Hybrid (2020) mit manuellem Sechsgang-Getriebe

Ebenso mutig wie kosteneffizient ist die Entscheidung, den Hybrid-Antrieb im neuen Fiat 500 Hybrid (2020) mit einem manuellen Sechsgang-Getriebe zu kombinieren. Teure Automatikgetriebe machen im Kleinwagensegment weniger als zehn Prozent der Verkäufe aus und scheiden somit als Lösung mit realistischem Anspruch aus. Allerdings muss nun der Fahrer die Sorgen einer klugen Software-Getriebesteuerung tragen und bereits während der ersten Testfahrt schlau schalten, vorausschauend fahren oder gar die Segelfunktion unter 30 km/h (Leerlauf einlegen, Motor geht automatisch aus) nutzen: auskuppeln, rollenlassen. Nur so ist das Spritsparpotenzial des Antriebs restlos zu nutzen. Fiat legt die Verantwortung für Verbrauch und Effizienz also nahezu vollständig in die Hände, beziehungsweise den Kupplungs- und Gasfuß des Fahrers. Nur wer bei der Sache ist, spart Sprit und Geld. Immerhin hilft der neue Fiat 500 Hybrid (2020) durch dezente Hinweise im Cockpit dabei, den richtigen Gang einzulegen oder die Segelfunktion zu nutzen. Dass das bei unserer ersten Testfahrt im dichten Bologneser Stadtverkehr eher schlecht als recht funktionierte, weil man tendenziell lieber auf aus allen Ecken daherfegende Rollerfahrer und selbstvergessene Fußgänger achtet denn auf Schalthinweise, ist beinahe logisch. Und der Kommentar der Fiat-Mannschaft verblüffend einfach: Man gewöhnt sich ans richtige Schalten, keine Sorge, sogar die 80-jährige Mutter des Motoren-Chefentwicklers habe das nach einigen Tagen im Blut gehabt. Noch Fragen?

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Verbrauch nach der ersten 500-Hybrid-Testfahrt kann sich sehen lassen

Der bei der ersten Testfahrt im dichten und italienisch turbulenten Stadtverkehr herausgefahrene Bordcomputer-Verbrauch des neuen Fiat 500 Hybrid (2020) von 5,3 Litern auf 100 Kilometern kann sich trotzdem sehen lassen. Bei artgerechter Haltung dürften im Mix tatsächlich Werte von um die vier Liter machbar sein. Und das RSG-System hat den einen oder anderen sympathischen Nebeneffekt: Der großzügig dimensionierte Riemen-Starter-Generator sorgt im Vergleich zu einem konventionellen Anlasser für eine deutlich komfortablere, fast unmerkliche Funktionsweise der Start-Stopp-Automatik. Darüber hinaus mindert er die Vibrationen des Motors. Selten ist man mit einem Dreizylinder so schnurrend unterwegs gewesen, das Leistungspotenzial entspricht freilich der 70 PS-Klasse: Mitschwimmen im Verkehr, runde Fortbewegung Überland – sportlich abgehen will der neue Fiat 500 Hybrid (2020) nicht. Muss er auch nicht. Und der Rest? Ist genau wie bei den bekannten Benziner-Versionen. Bis auf ein paar Deko-Elemente unterscheidet sich das Hybrid-Modell nicht von seinen traditionellen Kollegen. Obwohl: Für die Sitzbezüge des neuen Fiat 500 Hybrid (2020) hat man sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Diese werden in Zusammenarbeit mit der Seaqual-Initiative aus Recycling-Kunststoff gefertigt, rund zehn Prozent des Materials ist Kunststoff-Müll, der aus den Weltmeeren gefischt wird. Da wird das gute Hybrid-Gewissen gleich noch einmal sonniger.

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