Motorrad: Fahrverbote wegen Lärm Tirol verhängt Fahrverbote für besonders laute Motorräder

von Sven Kötter 29.05.2020

Der Bundesrat hat einen Beschluss verfasst, der das Motorrad und seine Fahrer hart treffen könnte: Um den Lärm zu reduzieren, will man den einzelnen Bundesländern Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen ermöglichen. Zudem sollen die maximalen Geräuschemissionen begrenzt werden!

Drohen dem Motorrad und seinen Fahrern tatsächlich Fahrverbote? Geht es nach dem Willen des Bundesrats, dann wird der Kampf gegen Lärm, der durch Biker erzeugt wird, in Zukunft intensiviert. In einem Beschluss, der am 15. Mai 2020 verfasst wurde, hat man nun festgehalten, dass man den Bundesländern beschränkte Motorrad-Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen ermöglichen will. Besonders freie Tage mit gutem Wetter locken viele Motorradfahrer auf die Straßen – bevorzugt im ländlichen Bereich. Die nun ins Gespräch gebrachten Fahrverbote könnten dem nun ein Ende bereiten. Parallel will man die zulässigen Geräuschemissionen neuer Motorräder auf 80 Dezibel begrenzen. Das entspricht der Lautstärke eines vorbeifahrenden Lkws. Tuningmaßnahmen, die das Motorrad erheblich lauter werden lassen, sollen in Zukunft härter bestraft werden. Die Polizei solle darüber hinaus befugt werden, Motorräder bei gravierenden Lärmüberschreitungen sofort sicherzustellen. Mehr zum Thema: Aktuelles zu den Fahrverboten für Autos

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Fahrverbote für besonders laute Motorräder: Deutschland überlegt & Tirol setzt sie um

Während in Deutschland noch über Fahrverbote für Motorräder diskutiert wird, ist man in Tirol schon einen Schritt weiter. Im Bezirk Reutte dürfen vom 10. Juni bis zum 31. Oktober 2020 aufgrund der erheblichen Lärmbelastung für die Bevölkerung keine besonders lauten Motorräder mehr fahren. Konkret gilt dies für Modelle mit einem Standgeräusch (Nahfelpegel) von über 95 Dezibel. Eine durch die Landesregierung erstellte Motorradlärmstudie hatte zuvor die Lärmbelästigung durch den ständig wachsenden Motorradverkehr bestätigt. An bestimmten Tagen wurden auf der L 246 Hahntennjochstraße rund 3300 Motorräder gezählt, was gemessen am Gesamtverkehrsaufkommen einem Anteil von nahezu 70 Prozent entspricht. Folgende Straßen sind von dem Fahrverbot betroffen: 

- B 198 Lechtalstraße von Steeg (Landesgrenze Vorarlberg) bis Weißenbach am Lech
- B 199 Tannheimerstraße von Weißenbach am Lech bis Schattwald (Staatsgrenze Deutschland)
- L 21 Berwang-Namloser Straße von Bichlbach bis Stanzach
- L 72 Hahntennjochstraße 2. Teil von Pfafflar bis Imst (Passhöhe)
- L 246 Hahntennjochstraße 1. Teil von Imst (Passhöhe) bis Imst Kreuzung Vogelhändlerweg
- L 266 Bschlaber Straße von Elmen bis Pfafflar

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Mögliches Motorrad-Fahrverbot wegen Lärm: Zustimmung & Kritik

Doch bevor Bikern in Deutschland diese harten Zeiten drohen, ist es ein langer Weg, wie ein Experte für Verkehrslärm des Umweltbundesamts festhält. Grundsätzlich findet die Behörde das Vorhaben eines beschränkten Fahrverbots für Motorräder gut. Ebenso der Verkehrsminister Baden-Württembergs Winfried Hermann (Grüne), der zu Protokoll gibt: "Motorräder müssten leiser werden und leiser gefahren werden. Rücksichtsloses Fahren muss deutlichere Folgen haben. Dafür müssen die rechtlichen Vorgaben erweitert werden. Hier sind insbesondere die Bundesebene und Europa gefragt." Dass es ein Lärm-Problem gibt, stellt auch der Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM) fest. Sein Vorsitzender Michael Lenzen schränkt aber ein: "Was wir ablehnen und nicht nachvollziehen können, ist die einseitige Fokussierung beim Thema Lärm auf die Motorräder. Bei Autofahrern, etwa bei den illegalen Straßenrennen in Städten, geht man auch gezielt gegen die Verursacher vor. Hier muss gleiches Recht für alle gelten." Die Verfehlungen einer Minderheit sollten nicht allen Motorradfahrern zum Verhängnis werden. Der Beschluss des Bundesrats, der Fahrverbote für das Motorrad umfasst, geht im nächsten Schritt an die Bundesregierung. Diese muss dann entscheiden, ob und wann man den Willen der Länderkammer umsetzen will. Feste Fristen gibt es dabei keine. Autofahrer beträfe die Regelung voraussichtlich nicht.

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