Testfahrt mit dem Mercedes VLE: Raumkapsel für alle Strecken
Normalerweise vertragen sich große Stirnfläche, viel umbauter Raum und schnelle Autobahnetappen nicht mit der Elektromobilität. Der Mercedes VLE soll diese Widersprüche auflösen. Wir haben ihn auf eine Testfahrt ausgeführt.
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- Anders als die V-Klasse fährt der VLE ausschließlich elektrisch
- Mercedes VLE 300 und VLE 400 4MATIC im ersten Check (Video)
- Erste Testfahrt im Mercedes VLE: Elektromobilität gibt es auch für Großfamilien
- Hinten schwelgt man im Mercedes VLE im Luxus
- Der Mercedes VLE ist ein teures Schwergewicht, aber wohl jeden Penny wert
- Fazit
- Technische Daten des Mercedes VLE 300
Anders als die V-Klasse fährt der VLE ausschließlich elektrisch
SLK stand bei Mercedes einst für sportlich, leicht und kurz. Mit derselben Knackigkeit könnte das Kürzel VLE Van-artig, lang und elektrisch bedeuten. Wobei die Mercedes-Marketingprofis am liebsten von einer „Grand Limousine“ sprechen, nicht von einem Van oder gar einem profanen Kleinbus. Lang ist der VLE, das ist unbestritten. Mit seinen 5,31 m im Standardmaß beherbergt er bis zu acht Personen und einen hoch variablen Laderaum. Wer es noch luftiger mag, muss sich bis September 2026 gedulden, wenn die um 18 cm verlängerte Version Normgaragen zum Duell fordern wird. Den Namenszusatz EQ hat sich Mercedes verkniffen. Den VLE gibt es nur elektrisch, Punkt. Wer beim Fahren CO2 und andere Unannehmlichkeiten produzieren möchte, kann zur V-Klasse greifen, die weiterhin produziert wird.
Mercedes VLE 300 und VLE 400 4MATIC im ersten Check (Video)

Erste Testfahrt im Mercedes VLE: Elektromobilität gibt es auch für Großfamilien
Der VLE zeigt inzwischen, wie Elektromobilität für Großfamilien oder Hobby-Spediteur:innen aussehen kann. Wenn man in ihn einsteigt, steigt man zugleich auf. Die Sitzposition ähnelt in der Tat der einer Limousine, bietet aber mehr Übersicht. Wie bei CLA & Co. fällt der Blick auf eine weite Bildschirmlandschaft, die sich mit dem optionalen MBUX Superscreen oder mit einem Head-up-Display noch erweitern lässt. Das Limousinigste am VLE ist zweifellos der Haubenstern, der bei der Exclusive Line über dem großen Kühlergrill thront, der fast vollständig geschlossen ist.

Im technologiegesättigten Cockpit hat man das Gefühl, das sich einstellt, wenn man sein altes Smartphone gegen ein neues eintauscht. Alles funktioniert flüssiger und schneller. Zusätzliche Funktionen sorgen für Aha-Effekte, aber nicht alle sind wirklich unverzichtbar. Selbst wenn die Menüs nicht übermäßig verschachtelt sind, braucht es ein bisschen Zeit, sich an die Vielzahl der Möglichkeiten zu gewöhnen.
Im Zweifel hilft die kluge und lernfähige, KI-gestützte Sprachbedienung, nach der ihr eigenen Gedenksekunde. Schade: Um das Zentraldisplay zu betatschen, müssen sich Fahrer:innen mit durchschnittlicher Armlänge leicht nach vorne beugen. Zwei verschiedene Mittelkonsolen dienen als Stauraum, Ladestation und/oder Raumteiler. Nur mit der kürzeren bleibt der Durchgang zum zweiten Rang erhalten.
Hinten schwelgt man im Mercedes VLE im Luxus
Wie es sich in einem Van gehört, spielt die beste Musik hinten. Zwei große, elektrisch angetriebene Schiebetüren mit versenkbaren Scheiben geben den Blick frei auf die Sitzlandschaft, auf der vier bis sechs Rückpassagier:innen lümmeln dürfen. Ach was, Sitze. Das sind Sessel! Je nach Ausstattungsvariante sind sie so vielfach regelbar wie ein Krankenhausbett.
Außerdem sind sie herausnehmbar, dank integrierter Rollen leicht zu transportieren, extrem bequem und auf Wunsch elektrisch verstellbar. Selbst auf der Bank im letzten Rang genügt die Breite für drei Isofix-Kindersitze. In der Mitte genießt man die beste Aussicht; auf den seitlichen Plätzen herrscht naturgemäß weniger Licht, trotz des serienmäßigen Panoramadachs.

Apropos Optionen: Fans des ganz großen Kinos können den VLE mit dem Panorama-Screen in ein fahrendes Lichtspielhaus verwandeln. Das ausklappbare, 79 cm breite Display im Dachhimmel hinter den Vordersitzen mag zwar nicht ganz so groß sein wie der Theater Screen im BMW 7er. Dafür bietet der VLE den nötigen Abstand zur Leinwand und mehr Stauraum für Popcorn oder Bier. Außerdem erlaubt die Funktion Splitscreen, die Bildfläche zu unterteilen, etwa für die Kino-Session links und eine Teams-Besprechung rechts. Nie war Home Office unterhaltsamer und schneller.
Bis zu vier Kopfhörer lassen sich einbinden, kabellos natürlich. Dank der HDMI-Schnittstelle kann man auch mit der Spielkonsole daddeln bis zum Abwinken. Für die korrekte Beschallung sorgt die optionale Burmester-Anlage, die den guten Ton automatisch für die tatsächlich belegten Sitze optimiert. Ganz ehrlich: Im Vergleich zu dieser rollenden Lounge nimmt sich die Rückbank einer S-Klasse aus wie ein Besenschrank.
Fahren kann der VLE natürlich auch. Und zwar schnell, weit und überaus komfortabel. Mercedes verkündet für den VLE 300 eine WLTP-Reichweite von 713 km. Nach unserer Testfahrt scheint das nahezu realistisch. Die notwendigen Ladestopps rechnet die auf Google Maps basierende Navigation automatisch in die Routenführung ein. Dank der 800-V-Architektur verdaut der 115 kWh fassende Akku Ladeströme von bis zu 300 kW. Im Verbund mit einer bei 180 km/h gedeckelten Höchstgeschwindigkeit sind so hohe Reiseschnitte auch elektrisch machbar. Dabei geht es an Bord so leise zu wie in einer Raumkapsel auf dem Weg zum Mond. Das lauteste Geräusch ist meist das Lüftungsgebläse, wenn man erst einmal die Warntöne der zahllosen Fahrassistenten deaktiviert oder stummgeschaltet hat.
Die Rekuperation regelt sich leicht über Tasten hinterm Lenkrad, bis hin zum One-Pedal-Mode. Die Leistung von 203 kW (276 PS) im VLE 300 genügt dicke, aber der Wagen hegt keinerlei sportliche Ambitionen. Beim Herausbeschleunigen aus Kurven etwa mangelt es dem Fronttriebler zuweilen an Traktion und das Bremsgefühl zeigt sich sehr schwammig und undefiniert. Anders als in den elektrischen Mercedes-Limousinen verzichtet der VLE auch auf ein Zweigang-Getriebe, das wir aber nicht vermissen.
Die serienmäßige Luftfederung hält grobe Stöße von den Passagier:innen fern, solange keine 22-Zöller montiert sind, die auf holprigem Terrain hölzern abrollen. Mit den 21-Zoll-Rädern (serienmäßig: 19 Zoll) büßt der VLE ein bisschen an Lenkpräzision ein, bietet aber deutlich mehr Komfort. Erstaunlich das Handling im Stadtverkehr: Die im VLE 300 serienmäßige Vierradlenkung verkürzt den Wendekreis um einen Meter. Das fühlt sich fast an, als könnte man auf der Stelle wenden.
Der Mercedes VLE ist ein teures Schwergewicht, aber wohl jeden Penny wert
Nicht zu verheimlichen bleibt hingegen das Gewicht des VLE. Mit der großen Batterie und vielen Ausstattungsmerkmalen kann das Gewicht des Vans die Nutzlast so stark anknabbern, dass Mercedes eine Auflastung auf 3,7 t anbietet. Das ist wiederum zu viel für eine normale Fahrerlaubnis jüngeren Datums, zumindest bis die Führerscheinklasse B auf 4,25 t angepasst wird, was bis Ende 2027 geschehen soll. Die Betroffenen müssen zurück in die Fahrschule oder können die Wartezeit mit Sparen überbrücken.
Unter 82.260 Euro ist der VLE 300 zurzeit nicht zu haben. Nicht gerade familienfreundlich. Dafür wartet er schon mit der großen Batterie und einer weitgehend kompletten Ausstattung auf. 2027 soll es im VLE 250 auch einen kleineren, 80 kWh fassenden Akku mit Lithium-Eisenphosphat-Zellchemie geben, der den Grundpreis auf 64.804 Euro, aber auch die Reichweite senken wird. In beiden Fällen ein stolzer, aber vertretbarer Preis für den wahrscheinlich vielseitigsten Mercedes der 140-jährigen Firmengeschichte.
Fazit
Nicht nur in China erstarkt die Nachfrage nach Luxusvans. Der Mercedes VLE kommt genau zur rechten Zeit, um auf den fahrenden Zug aufzuspringen oder, besser gesagt: Er stellt sogar eine bequeme Alternative zu Bahn und Flugzeug dar. Dank E-Antrieb mit vertretbarer Ökobilanz.
Technische Daten des Mercedes VLE 300
AUTO ZEITUNG 14/2026 | Mercedes VLE 300 |
|---|---|
Technische Daten | |
Motor | Permanenterregte Synchronmaschine |
Antrieb | Konstantübersetzung; Vorderrad |
Leistung | 203 kW / 276 PS |
Max. Drehmoment | 435 Nm |
Kapazität / Spannung | 115 kWh (netto) / 800 V |
Karosserie | |
Außenmaße (L / B / H) | 5309 / 1999 / 1925 mm |
Leergewicht / Zuladung | 2940 / 560 kg |
Kofferraumvolumen | 795 – 4095 l |
Fahrleistungen | |
Beschleunigung (0 – 100 km/h) | 9,5 s |
Höchstgeschwindigkeit | 180 km/h |
Verbrauch auf 100 km | 18,4 kWh |
Reichweite | 713 km |
Kaufinformationen | |
Grundpreis | 82.260 € |
Marktstart | Juli 2026 |
Alle Daten Werksangaben | |























