McLaren 750S im Tracktest: So schnell ist er am Nürburgring
McLaren ist derzeit in der Formel 1 das Maß aller Dinge. Doch was taugen eigentlich die zulassungsfähigen Hypercars der Sportwagenschmiede aus dem britischen Woking? Der brutale McLaren 750S macht sich auf, diese Frage im Tracktest zu beantworten – natürlich auf dem Nürburgring!
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McLaren 750S – dafür 30 Prozent aller Teile des 720er konsequent weiterentwickelt
Der britischen Sportwagenschmiede eilt nicht nur in der Rennsport-Szene ein Ruf wie Donnerhall voraus. Auch die Serienfahrzeuge genießen in Sportfahrerkreisen höchstes Ansehen. Jedes einzelne bisher auf die Straße losgelassene Modell war ein urgewaltiges Erlebnis. So auch der McLaren 750S – die aktuelle Speerspitze der sogenannten Super Series. Bei dem Hypercar handelt es sich um eine weitreichende Evolution des 720, der 2017 für Aufsehen sorgte. Die Entwicklung des 750S war komplex, wie Michael Leiters, CEO von McLaren Automotive, zugibt: "Wenn man ein Auto hat, das von so vielen Fahrern als Maßstab anerkannt wird, muss man jedes Detail untersuchen und wirklich hart nach Verbesserungen suchen, die die Messlatte noch einmal höher legen, um es noch besser zu machen." Nach sorgfältiger Bestandsaufnahme wurden immerhin 30 Prozent aller Komponenten für den 750S neu entwickelt.
Auch wenn der McLaren 750S nicht als sonderlich übergewichtig galt, sah McLaren in der Reduzierung des Leergewichts einen Ansatzpunkt für mehr Performance. Basierend auf der Hersteller-typischen Kohlefaser-Monocoque-Konstruktion sorgen zahlreiche Optimierungen für eine Gewichtsersparnis von immerhin 30 kg. Erreicht werden konnte dies unter anderem durch den Einsatz der leichtesten Serienräder, die je an einem McLaren montiert wurden. Das Trockengewicht inklusive aller verfügbaren Leichtbau-Optionen, von denen unser Testwagen etliche an Bord hat, gibt der Hersteller mit 1277 kg an. Unsere Waage bescheinigt dem McLaren indes ein immer noch mehr als respektables Leergewicht von 1429 kg.
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Der McLaren 750S (2023) im Fahrbericht (Video):

Das neue Cockpit überzeugt
Gleichzeitig erhielt der Motor eine umfassende Kraftkur. Ein im Vergleich zum Vorgänger erhöhter Ladedruck, eine zusätzliche Hochleistungs-Kraftstoffpumpe und ein maßgeschneidertes Steuermanagement erhöhen die Leistung auf 750 PS (552 kW). Das maximale Drehmoment des Biturbo-V8 liegt bei 800 Nm. Zu guter Letzt kommt der McLaren 750S in den Genuss einer komplett neu eingerichteten Kabine – oder besser: dessen mitfahrenden Personen. Feine Materialien, eine aufgewertete Konnektivität und eine pieksaubere Verarbeitung kennzeichnen das Interieur des in Handarbeit hergestellten Supersportlers. Das Cockpit ist dabei mit seinem Instrumentendisplay, das Wippschalter zur Steuerung der Fahreinstellungen beinhaltet, konsequent auf die Person am Steuer zugeschnitten.

Und genau hier sitzen wir nun, eingebettet in dünne Karbon-Vollschalensitze mit noch dünneren Polstern, die sich als erstaunlich gemütlich erweisen – selbst auf langer Strecke. Satte 17,5 kg leichter als die Seriensitze sind sie. Gefühlt unmittelbar dahinter macht sich das doppelt aufgeladene Triebwerk bereit für den Tracktest auf der Sprintstrecke des Nürburgrings. Unter bedrohlichem Knurren aus den armdicken Auspuffendrohren lässt der Achtzylinder seine Ölreserven zirkulieren, bis das Schmiermittel heiß und geschmeidig genug für die extremen Belastungen auf der Strecke ist. Während der McLaren 750S in der Boxengasse warmläuft, erklärt uns die aus England ebenfalls angereiste McLaren-Crew die zahlreichen Einstellvarianten von Motor, Fahrwerk, Aerodynamik und Fahrhilfen, die wir freilich komplett zurückschrauben.
Nach zwei Aufwärmrunden gehts ans Eingemachte
Dann wird es ernst: Kurz noch die Hosenträgergurte gestrafft, und los gehts! Ein paar Runden lang grooven wir uns ein, laden noch nicht voll durch, prügeln noch nicht auf letzter Rille durch das anspruchsvolle Kurvengeschlängel. Vielmehr hören wir zunächst konzentriert hinein in die Hochleistungsmaschine. Wie reagiert die elektrohydraulische Lenkung? Wie gut lässt sich die immense Kraft des Biturbos dosieren? Wie arbeitet die Bremse? Schnell fühlen wir uns wohl und kommen zurück in die Box. Die Mechaniker satteln einen frischen Radsatz mit maßgeschneiderten Pirelli-Semislicks P Zero Trofeo R MC auf. Nach zwei Runden, die wir nutzen, um die perfekte Betriebstemperatur ins schwarze Gold zu bekommen, geht es im Tracktest nun ans Eingemachte.
Wir biegen auf die Start/Ziel-Gerade und stempeln das Gaspedal aufs Bodenblech. Es dauert einen winzigen Moment, ehe die Wirklichkeit zu einem Zerrbild verschwimmt. Animalisch brüllend entfesselt der Monster-V8 in unserem Rücken einen irren Schub, während das Doppelkupplungsgetriebe die Gänge ohne jegliche Zugkraftunterbrechung reinhämmert. Der Tacho zeigt wahnwitzige 270 km/h an, ehe wir das erste Mal voll ankern. Die Bremse verlangt eine ordentlich trainierte Wade, verwöhnt im Gegenzug aber mit feinster Dosierbarkeit und brachialer Verzögerung. Die ist auch nötig, denn die folgende Spitzkehre geht nur mit maximal 62 Sachen.
Im folgenden Kurvengeschlängel entlang der einstigen Mercedes-Arena, die heute AMG-Arena heißt, erfahren wir, wie unglaublich transparent eine Lenkung kommunizieren kann. Das bei McLaren traditionell elektrohydraulisch servounterstützte Bauteil arbeitet mit höchster Präzision, perfekter Direktheit und angenehmen Haltekräften.
Tracktest-Resultat: 1:31,76 min auf dem Nürburgring-GP
Anschließend geht es auf die kurze Gerade zur Goodyear-Spange. Beim Bremspunkt zeigt der Tacho schon wieder 201 km/h an – einfach irre, wie der McLaren 750S anschiebt! Egal, welche Drehzahl gerade anliegt, die Kraftreserven des 4,0-l-Aggregats scheinen kein Limit zu kennen. Auf dem folgenden technisch anspruchsvollen Streckenabschnitt mit mittelschnellen bis schnellen Kurven zeigt das Fahrwerk, was in ihm steckt. Der mechanische Grip ist gewaltig. Doch trotz der enthemmten Agilität ist dem 750S jedwedes Divengehabe fremd. Man muss am Kurvenausgang zwar schon wohldosiert die Kraft des Motors zum Herausbeschleunigen einsetzen, um ein zackiges Leistungsübersteuern zu vermeiden. Ansonsten glänzt der Supersportler jedoch mit hoher Neutralität, vorbildlicher Beherrschbarkeit und absoluter Konzilianz.

Somit fassen wir genug Vertrauen ins Auto, um den schnellen Falken-Bogen mit einem Speed von 227 km/h zu filetieren – eine Übung, die der McLaren 750S ohne zu zucken mitmacht. Das haben wir bei manch anderen hochkarätigen Sportlern im Tracktest schon anders erlebt. Anschließend fliegen wir mit 259 Sachen auf die Veedol-Schikane zu, stauchen die Fuhre brutal zusammen und schnipsen präzise mit 135 km/h durch die Links-Rechts-Kombination. Die letzte Kurve durchschneiden wir mit 90 km/h. Dann voller Leistungseinsatz, und der 750S zoomt sich nach kurzem Heckzucken die lange Gerade Richtung Start/Ziel entlang. Am Ende der Hotlap zeigt die Stoppuhr eine Zeit von 1:31,76 min an.
Das zustimmende, von einem freundlichen Lächeln begleitete Nicken der McLaren-Crew zeigt uns, dass wir und auch der McLaren 750S unseren Job gut gemacht haben. Beseelt von der Highspeed-Orgie verlassen wir den Ring und rollen geschmeidig über die Eifeler Landstraßen zurück in die Redaktion. Jede Anspannung ist verflogen, der Adrenalinspiegel sinkt auf ein gesundes Normalmaß. Was bleibt ist tiefe Glückseligkeit – sowie die Erkenntnis, das der McLaren auch vergleichsweise profane Wege zum Genuss werden lässt.
Messwerte und technische Daten des McLaren 750S
| AUTO ZEITUNG 14/2025 | McLaren 750S |
| Technische Daten | |
| Motor | V8-Zylinder, 4-Ventiler, Biturbo; 3994 cm³ |
| Antrieb | 7-Gang, Doppelkupplung; Hinterradantrieb |
| Leistung | 552 kW / 750 PS bei 7500 /min |
| Max. Drehmoment | 800 Nm bei 5500 /min |
| Karosserie | |
| Außenmaße (L/B/H) | 4569 / 2059 (2161)* / 1196 mm |
| Leergewicht/Zuladung | 1429 kg |
| Kofferraumvolumen | 150 l v./210 l h. |
| Fahrleistungen | |
| Beschleunigung (0-100 km/h) | 2,7 s |
| Höchstgeschwindigkeit (Werksangabe) | 332 km/h |
| Verbrauch auf 100 km | 14,2 l SP |
| Kaufinformationen | |
| Grundpreis | 299.823 € |
| Marktstart | 2023 |
| Alle Daten Werksangaben; *Breite mit Außenspiegel | |












