Mazda 3/VW Golf: Test Der Mazda 3 fordert den Golf heraus

von Michael Godde 17.05.2019
Inhalt
  1. Mazda 3 und VW Golf im Test
  2. Fahrkomfort: Mazda 3 mit gutem Seitenhalt
  3. Motor/Getriebe: VW Golf überzeugt mit niedrigerem Verbrauch
  4. Fahrdynamik: Klarer Punktsieg für den Mazda 3
  5. Umwelt/Kosten: Mazda 3 verliert trotz umfangreicher Serienausstattung
  6. Messwerte und Technische Daten Mazda 3 & VW Golf

Der neue Mazda 3 pirscht sich mit Stil und Eleganz an den VW Golf heran. Was der Asiate noch zu bieten hat, klärt der Vergleichstest.

Gesamtbewertung (max. Punkte)Mazda 3 Skyactiv-G 2.0 M HybridVW Golf 1.0 TSI
Karosserie (1000)556580
Fahrkomfort (1000)714752
Motor/Getriebe (1000)656673
Fahrdynamik (1000)671651
Eigenschaftswertung (4000)25972656
Kosten/Umwelt (1000)471450
Gesamtwertung (5000)30683106
Platzierung21

Der Mazda 3 geht in der Neuauflage ins Rennen um den besten Kompakten und folgt dabei einer ganz eigenen Philosophie. Der Japaner verzichtet auf die üblichen Turbomotoren und setzten auf die Skyactiv-Technik ihrer hubraumstärkeren Saugmotoren mit sanfter 24-Volt-Mildhybridtechnik. In unserem Test muss der schicke Japaner als 122 PS starker Skyactiv-G 2.0 M-Hybrid gegen den hochfunktionalen VW Golf mit 115 PS leistendem Turbo-Dreizylinder zeigen, ob er das Zeug zum Sieger hat.

Mazda 3 im Video:

 
 

Mazda 3 und VW Golf im Test

Das elegante Design des neuen Mazda 3 sorgt bei den meisten Passanten für viel Zuspruch. Er zieht deutlich mehr Blicke auf sich als der überall präsente VW Golf. Die Raumökonomie im kompakten Japaner profitiert davon aber nicht. Sitzt man vorn noch gut integriert und tief, aber dennoch recht nah an den Türen, zwingt im Fond vor allem das abfallende Dach Großgewachsene in eine gebückte Haltung. Die Form war Mazda hier wichtiger als die Funktion. In Wolfsburg hat dagegen die Funktion oberste Priorität. Der Golf ist sowohl vorn als auch hinten großzügiger geschnitten. Die extrem breite C-Säule und die stark abfallende Dachlinie des Mazda behindern zudem die Sicht nach schräg hinten. Solche Probleme kennen Golf-Fahrer nicht. Große Fensterflächen und eine im Vergleich schmalere C-Säule sorgen für eine gute Rundumsicht. Die neue Formensprache des Mazda 3 führt auch dazu, dass sein Ladevolumen im Vergleich zu dem des Vorgängers geschrumpft ist. Lag der alte 3er mit einem 364 bis 1236 Liter großen Stauraum noch auf Golf-Niveau (380 bis 1270 Liter), so sind es jetzt nur noch 358 bis 1026 Liter. Deutlich besser hingegen präsentiert sich im Test das Bediensystem des Japaners. Über den Dreh-Drück-Steller lassen sich ganz BMW-like alle Menüpunkte intuitiv ansteuern – und das auch während der Fahrt. Die Menüstruktur des VW führt zwar ebenfalls über klare Pfade. Die Bedienung per tiefsitzendem Touchscreen zieht jedoch zu viel Aufmerksamkeit vom Verkehrsgeschehen ab. Der Mazda ist hier wie auch bei der Sicherheitsausstattung das modernere Auto. Eine 360-Grad-Kamera, eine Verkehrsschilderkennung oder ein Head-up-Display gibt es für den Golf nicht. Andere Features wie das LED-Licht, das beim Mazda bereits zur Serienausstattung gehört, kosten Aufpreis. Etwas weniger Sorgfalt haben die Mazda-Ingenieure der Verarbeitung zukommen lassen. Auf Querfugen knarzt es hier und da im Armaturenträger, und die Auskleidung des Kofferraums passt nicht zum ansonsten edlen Ambiente. Volkswagen zeigt beim Golf die ganze Routine der siebenjährigen Produktion – alles sitzt fest, passt, und die Oberflächen können sich noch immer in dieser Klasse sehen lassen.

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Fahrkomfort: Mazda 3 mit gutem Seitenhalt

Ordentliche Sitze sind die Basis für einen guten Fahrkomfort. Der Mazda 3 zeigt bei der Konturgestaltung der serienmäßigen Vordersitze ein kundiges Händchen. Die Lehne ragt hoch, stützt gut den Schulterbereich, und die Polsterung gefällt auf langen Strecken. Lediglich die seitliche Abstützung könnte etwas fester sein. Der optionale ergoActive-Sitz (ab Comfortline) des VW Golf auf der Fahrerseite kann das jedoch alles noch besser. Zudem verfügt der Sitz über eine Massagefunktion, eine ausziehbare Schenkelauflage und ist umfangreich einstellbar – hier findet jeder eine gute Sitzposition. Auch die Fondgäste im VW profitieren von einer besser konturierten Lehne. Wie wichtig gute Sitze sind, wird beim Mazda 3 deutlich. Sein Fahrwerk kommt selbst auf ebenen Asphaltdecken nicht zur Ruhe. Nur gut, dass ein großer Teil der permanenten kleinen Vibrationen vom Sitz absorbiert werden. Dem Feder- und Dämpfer-Set-up des Japaners fehlt aber ein sensibles Ansprechverhalten. Mit hoher Last auf den Achsen und hohem Tempo kommt er zudem an seine Federungsreserven. Der VW Golf bleibt da im Test deutlich gelassener. Dennoch gerät auch seine Hinterachse hier und da auf Querfugen über die gesamte Fahrbahnbreite aus dem Tritt. Einseitige Stöße meistert der Niedersachse hingen mit mehr Feingefühl. Gelungen ist die Ergonomie im Mazda. Schalter und Tasten sind bequem zu erreichen. Lenkrad, Pedalerie und Sitz lassen sich gut zueinander einstellen, dazu gibt es viele, große Ablagen. Da kann der Golf nur mitziehen, aber keine weiteren Pluspunkte verbuchen.

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Motor/Getriebe: VW Golf überzeugt mit niedrigerem Verbrauch

Die Japaner folgen nicht nur beim Design ihrer ganz eigenen Philosophie, sondern auch beim Antriebskonzept gehen sie im Test eigene Wege. Während sich nahezu alle anderen Automobilhersteller in dieser Leistungsklasse auf kleine Turbomotoren eingeschworen haben, setzt der Mazda 3 auf Saugmotoren mit größerem Hubraum und einem kleinen E-Schub per 24-Volt-Mild-Hybrid-Technologiemit Riemen-Startergenerator. Der kleine Punch sorgt dafür, dass der spritzig ansprechende Mazda 3 selbst bei den Elastizitätswerten kaum Boden auf den VW Golf verliert. Bei den Beschleunigungswerten hat der VW mit seinem brummigen Dreizylinder ohnehin keine Chance. Die Spritzigkeit des Skyactiv-G mit zwei Liter Hubraum bezahlt der Mazda aber mit einem Verbrauch von 7,3 Litern, während sich der kleine Dreizylinder-Turbo mit einem Liter Hubraum im Golf mit 6,2 Litern auf 100 km begnügt. Daran ändert auch der Zweizylinder-Modus des Mazda, der zwischen 1500 und 2000 Touren für verstärkte Vibration sorgt, nichts. Oberhalb von 150 km/h wird es in VW und Mazda zäh. Beide sind extrem lang übersetzt und lassen ihre Kurbelwellen selbst bei Tempo 180 nur mit 3800 Touren rotieren.

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Fahrdynamik: Klarer Punktsieg für den Mazda 3

Der Mazda 3 geizt zwar im Vergleich zum VW Golf mit Platz, gleicht das aber mit einer großen Portion Fahrspaß wieder aus. Der Japaner macht mit seiner gut ansprechenden Lenkung und der spurtreuen Vorderachse einen auf Sportwagen. Sein elektronisches Stabilitätsprogramm verzichtet auf zu enge Zügel und greift nur ganz sanft zur Unterstützung der Ideallinie ein. Und endlich setzt der Neue auch ein Ausrufezeichen bei den Verzögerungswerten – im Gegensatz zu seinem getesteten Vorgänger. Der VW Golf kann da nicht mithalten und muss den Mazda 3 nicht nur bei den Bremsmessungen Respekt zollen. Auch der Fahrspaß wird auf kurvigen Strecken vom energisch eingreifenden ESP des Wolfsburgers deutlich stärker unterdrückt.

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Umwelt/Kosten: Mazda 3 verliert trotz umfangreicher Serienausstattung

Freude kommt zudem bei der Serienausstattung des Mazda 3 auf. Bei ihm gehören Navi, Apple CarPlay und Android Auto oder LED-Licht, aber auch viele Sicherheitsassistenten bereits zum Standardprogramm. Beim VW Golf zahlt man dafür zum Teil hohe Aufpreise, was den günstigeren Einstiegspreis schnell relativiert.

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Messwerte und Technische Daten Mazda 3 & VW Golf

AUTO ZEITUNG 9/2019Mazda 3 Skyactiv-G 2.0 M HybridVW Golf 1.0 TSI
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.4/43/4; Turbo
Hubraum1998 cm³999 cm³
Leistung90 kW/122 PS85 kW/115 PS
Max. Gesamtdrehmoment213 Nm200 Nm
Getriebe/Antrieb6-Gang manuell/Vorderrad6-Gang manuell/Vorderrad
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)1275/1383 kg1170/1254 kg
Beschleunigung (Test)  
0 - 100 km/h9,2 s10,0 s
0 - 150 km/h21,0 s23,2 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)197 km/h198 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
34,0/34,4 m35,2/34,7 m
Verbrauch (Test/WLTP)7,3/6,2 l S/100 km6,2/5,7 l S/100 km
CO2-Ausstoß (Test/EU)173/139 g/km147/128 g/km
Preise
Grundpreis22.990 Euro21.365 Euro
Testwagenpreis23.490 Euro24.825 Euro

von Michael Godde von Michael Godde
Unser Fazit

Mit dem neuen Mazda 3 Skyactiv-G 2.0 M Hybrid haben die Japaner einen top ausgestatteten, schicken und vor allem dynamischen Kompakten auf die Räder gestellt, der sich bewusst seine eigene Spur abseits vom Mainstream sucht. Seinem Konkurrenten aus Wolfsburg kann er zumindest in diesem Vergleichstest allerdings nicht gefährlich werden. Der VW Golf 1.0 TFSI ist auch nach sieben Jahren immer noch der Maßstab in der Kompaktklasse: Platz, Verarbeitung, Effizienz und Komfort sprechen für ihn. Nur die Fahrfreude kommt mittlerweile etwas zu kurz.

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