Kia Ceed/VW Golf/Hyundai i30: Vergleichstest Golf Variant trifft auf Ceed Sportswagon und i30 Kombi

von Caspar Winkelmann 09.03.2021
Inhalt
  1. Hyundai i30 Kombi, Kia Ceed Sportswagon und VW Golf Variant im Vergleichstest
  2. Fahrkomfort: VW Golf Variant bietet die beste Geräuschdämmung
  3. Motor/Getriebe: Hyundai i30 Kombi trotz Mild-Hybrid mit höchstem Verbrauch
  4. Fahrdynamik: Kia Ceed Sportswagon ist im Slalom am schnellsten
  5. Umwelt/Kosten: VW Golf Variant ist deutlich teurer als die Koreaner
  6. Messwerte & technische Daten Hyundai i30 Kombi, Kia Ceed Sportswagon und VW Golf Variant

Im Vergleichstest trifft der neue VW Golf Variant auf Konkurrenz aus Fern-Ost. Kia Ceed Sportswagon und Hyundai i30 Kombi erwarten den Wolfsburger zum Kräftemessen. Kann er sich behaupten?

Gesamtbewertung (max. Punkte)Hyundai i30
Kombi 1.6 CRDi
48V-Hybrid
Kia Ceed
Sportswagon 1.6
CRDi 48V DCT
VW Golf
Variant 2.0
TDI SCR
Karosserie (1000)603588635
Fahrkomfort (1000)684681711
Motor/Getriebe (1000)627623676
Fahrdynamik (1000)671703695
Eigenschaftswertung (4000)258525952717
Kosten/Umwelt (1000)433437398
Gesamtwertung (5000)301830323115
Platzierung321

Das erfolgreiche Korea-Duo Hyundai i30 Kombi und Kia Ceed Sportswagon erwartet den VW Golf Variant zum Vergleichstest. Seit 1993 bietet Volkswagen den Bestseller Golf auch als praktische Kombiversion für Familien, Gewerbetreibende oder andere Kunden mit erhöhtem Platzbedarf an. Inzwischen steht die achte Golf-Generation als Variant bei den Händlern. Im ersten Vergleichstest musste sich der erfolgsverwöhnte Wolfsburger jedoch knapp seinem Konzernbruder Skoda Octavia Combi geschlagen geben. Welcher der drei effizienten Kombis mit Turbodiesel macht diesmal das Rennen?

Der VW Golf VIII im Video:

 
 

Hyundai i30 Kombi, Kia Ceed Sportswagon und VW Golf Variant im Vergleichstest

Der üppige Überhang hinten lässt es bereits erahnen – und ein Blick ins Datenblatt bestätigt die Vermutung: So lang war ein VW Golf Variant noch nie. Der neue Variant in unserem Vergleichstest streckt sich auf 4,63 Meter und übertrifft seinen Vorgänger damit um satte sieben Zentimeter. Mit 4,59 und 4,60 Metern Außenlänge sind Hyundai i30 Kombi und Kia Ceed Sportswagon etwas kürzer als der Wolfsburger. Im VW-Interieur sorgt die stattliche Innenbreite für mehr seitliche Bewegungsfreiheit als in den Koreanern. Zudem fallen die Fußräume für Fahrer:in und Beifahrer:in größer aus. In puncto Kopffreiheit liegt der Hyundai i30 im Vergleichstest auf Augenhöhe mit dem Golf, während beim Kia Ceed die seitlichen Dacheinzüge stärker ausgeprägt sind. Das Entern der Rückbank gelingt beim VW wegen der größten Türausschnitte einfacher als bei den Rivalen. Den Fondpassagieren bietet der VW zudem den meisten Knieraum, und die Füße lassen sich – selbst mit groben Winterschuhen – bequem unter die Vordersitze schieben. Für längere Fahrten mit vier Personen stellen aber selbstverständlich auch i30 und Ceed gute Platzverhältnisse bereit. Beim Laderaumvolumen liefern sich i30 und Golf ein Kopf-an-Kopf-Rennen: Der Hyundai bietet 602 bis 1650 Liter Stauraum, der VW 611 bis 1642 Liter. Damit übertreffen beide das Transporttalent vieler Mittelklassekombis. Der Kia fällt mit immer noch großzügigen 512 bis 1581 Litern in diesem Testfeld ab, weil die im Fahrzeugheck platzierte Batterie des 48-Volt-Systems wertvollen Stauraum benötigt. Zum Vergleich: Ohne Mild-Hybrid-System kommt der Ceed Sportswagon auf 625 bis 1694 Liter Kofferraumvolumen. Bei der Zuladung hat der VW-Testwagen die Nase vor den beiden Koreanern: Er verträgt bis zu 532 Kilogramm Ballast, während Hyundai- und Kia-Fahrer sich mit jeweils knapp unter 460 Kilogramm begnügen müssen. Wie es sich für praktische Kombis gehört, bieten alle drei Testkandidaten für das Verstauen von Kleinkram separate Fächer unter dem Ladeboden. Allerdings lassen sich nur beim Kia Ceed Sportswagon Gepäcktrennnetz und Laderaumabdeckung bei Nichtgebrauch unter dem Kofferraumboden verstauen. Hobbyspediteure freuen sich im VW Golf Variant über die umklappbare Beifahrersitzlehne (100 Euro), die den Transport von besonders langen Gegenständen ermöglicht. Das neue Bedienkonzept des Golf mit Touchslidern und kapazitiven Flächen am Lenkrad kommt auch beim Variant zum Einsatz. Die Bedienung lenkt im Fahralltag vom Verkehrsgeschehen ab und erfordert eine längere Eingewöhnungsphase. Dass der neue Elektronikbaukasten des VW-Konzerns noch nicht ausgereift zu sein scheint, bewies unser Testwagen: Die induktive Ladefläche für Smartphones verweigerte immer wieder ihren Dienst, während die Rückfahrkamera sich beim Einlegen des Rückwärtsgangs mehrfach nicht selbstständig aktivierte. Wie einfach sich auch 2021 noch ein Auto bedienen lassen kann, zeigt vor allem der Kia mit vielen klassischen Knöpfen und Tasten. Überlegen ist der Wolfsburger in puncto Sicherheitsausstattung: Sein Notbremsassistent erkennt bereits serienmäßig Fußgänger:innen und Radfahrer:innen, zudem gehören eine Verkehrszeichenerkennung sowie LED-Scheinwerfer zum Standard. Obendrein sind Matrix-LED-Scheinwerfer oder teilautonome Fahrfunktionen gegen Aufpreis nur für den VW erhältlich.

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Fahrkomfort: VW Golf Variant bietet die beste Geräuschdämmung

Gleiches gilt für die adaptiven Dämpfer (1045 Euro), mit denen der VW Golf Variant 2.0 TDI SCR zum Vergleichstest antritt: Auf Kanten oder Schlaglöcher spricht der Niedersachse feinfühliger an, und vor allem bei Autobahnfahrten wirkt er deutlich ruhiger. Die Karosserien von Hyundai i30 Kombi und Kia Ceed Sportswagon lassen sich auf welligem Fahrbahnbelag oder von kleinen Unebenheiten im Asphalt stärker anregen als der Aufbau des Golf. Der Hyundai ist insgesamt eine Idee softer abgestimmt als sein Konzernbruder und bietet zudem einen besseren Akustikkomfort. Vor allem bei hohen Geschwindigkeiten präsentiert sich der Golf im Vergleichstest aber wirkungsvoller gegen Wind- und Abrollgeräusche gedämmt als die Konkurrenz. Seinen deutlichen Sieg im Komfortkapitel des Vergleichstests verdankt der VW auch seinen exzellenten Sitzen: Die in der 2435 Euro teuren Ausstattung R Line enthaltenen Sportsitze bieten eine angenehm straffe Polsterung, eine gut nutzbare Beinauflage und vor allem eine deutlich bessere Konturierung als die Fauteuils von Ceed und i30. Noch größer fallen die Unterschiede beim Sitzkomfort jedoch im Fond aus: Die Bank des VW Golf Variant stützt die Oberschenkel erheblich besser ab, die angenehm weichen Kopfstützen lassen sich weiter herausziehen, und die äußeren Plätze haben aufgrund ihrer körpergerechten Ausformung den Charakter von Einzelsitzen. Zudem bietet nur VW optional eine Drei-Zonen-Klimaautomatik und eine Standheizung an.

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Motor/Getriebe: Hyundai i30 Kombi trotz Mild-Hybrid mit höchstem Verbrauch

Dass weder das Kombi-Konzept noch effiziente Turbodiesel überholt sind, beweisen alle drei Kandidaten in diesem Vergleichstest. Der VW Golf Variant setzt auf den überarbeiteten 2.0 TDI (Typ: EA288 evo) mit 150 PS und zwei SCR-Katalysatoren zur maximalen Schadstoffreduzierung. In allen Lebenslagen wirkt das VW-Aggregat spritziger und kräftiger als die 136 PS starken 1,6-Liter-Turbodiesel der Koreaner. So sprintet der Golf in 8,6 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 223 km/h. Kia Ceed Sportswagon und Hyundai i30 Kombi brauchen für die Sprintübung über neun Sekunden und schaffen maximal Tempo 200. Zudem mobilisiert der Wolfsburger stämmige 360 Newtonmeter Drehmoment, während der Hyundai maximal 280 Newtonmeter und der Kia 320 Newtonmeter auf die Kurbelwelle wuchten. Die Konzerngeschwister nutzen zur Effizienzsteigerung jeweils 48-Volt-Mild-Hybrid-Technik, verbrauchen im Vergleichstest mit 5,4 (i30) und 6,0 Litern (Ceed) jedoch mehr Dieselkraftstoff als der Golf, der sich mit glatten fünf Litern begnügt und so eine Reichweite von 1000 Kilometern bietet. Hyundai konnte zum Test nur einen i30 mit manuellem Sechsgang-Getriebe zur Verfügung stellen, während der Kia – ebenso wie der Volkswagen – mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe ausgerüstet war. Die Schaltarbeit im i30 gelingt dank exakter Führung durch die Schaltgassen tadellos. Allerdings bieten die automatisierten Getriebe der Konkurrenten im Fahralltag mehr Komfort bei gleichzeitig schnellen Schaltvorgängen.

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Fahrdynamik: Kia Ceed Sportswagon ist im Slalom am schnellsten

Fixer präsentieren sich Kia und VW auch bei den Dynamikprüfungen im Vergleichstest: Auf dem Handlingparcours ist der kräftig anschiebende VW Golf Variant für die Koreaner nicht einzuholen, weil sich die optionale, sportlich ausgelegte Bereifung innig mit dem Asphalt verzahnt und die rückmeldungsfreudige Lenkung dafür sorgt, dass man mit dem VW die sauberste Linie fährt. Der Kia Ceed Sportswagon lenkt williger ein als der behäbigere Hyundai i30 Kombi, stützt sich sehr gut über die Vorderachse ab und erreicht im 18-Meter-Slalom die höchste Geschwindigkeit im Vergleichstest. Zudem realisiert der Kia die kürzesten Bremswege und kommt mit kalter wie warmer Anlage aus Tempo 100 jeweils in unter 34 Metern zum Stehen. Der Wolfsburger liegt zwar beim Warmbremsweg mit 33,6 Metern gleichauf mit dem Kia (Hyundai: 34,3 Meter), bei der Kaltverzögerung benötigt er jedoch 35,9 Meter (Hyundai: 35,2 Meter). Alle drei Kombis punkten auch bei provozierten Lastwechseln und anderen Extremsituationen mit hoher Fahrsicherheit und sensibel agierenden Regelsystemen. Bei Autobahnfahrten glänzt der VW Golf Variant mit einem stoischen Geradeauslauf, während Hyundai i30 Kombi und Kia Ceed Sportswagon auf Spurrinnen etwas nervöser reagieren.

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Umwelt/Kosten: VW Golf Variant ist deutlich teurer als die Koreaner

Nervös dürfte so mancher VW-Interessent derweil beim Blick in die Preisliste werden: Mit happigen 34.135 Euro ist der VW Golf Variant im Grundpreis rund 6000 Euro teurer als der Kia Ceed Sportswagon und liegt fast 5000 Euro über dem Hyundai i30 Kombi mit manuellem Getriebe. In der testrelevanten Konfiguration werden für den Golf sogar mittelklasseverdächtige 38.005 Euro fällig, wohingegen i30 mit 29.540 Euro und Ceed mit 30.940 Euro erheblich günstiger sind. Hinzu kommt, dass Kia sieben und Hyundai fünf Jahre Garantie gewähren (VW: zwei Jahre). Für den Golf Variant sprechen im Vergleichstest seine opulente Multimediaausstattung und die etwas niedrigeren Aufwendungen für den Dieselkraftstoff.

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Messwerte & technische Daten Hyundai i30 Kombi, Kia Ceed Sportswagon und VW Golf Variant

AUTO ZEITUNG 03/2021Hyundai i30
Kombi 1.6 CRDi
48V-Hybrid
KIA Ceed
Sportswagon 1.6
CRDI 48V DCT
VW Golf
Variant
2.0 TDI SCR
Technik 
Zylinder/Ventile pro Zylin.4/4; Turbodiesel
48 Volt Mild-Hybrid
4/4; Turbodiesel
48 Volt Mild-Hybrid
4/4; Turbodiesel
Hubraum1598 cm³1598 cm³1968 cm³
Leistung100 kW/136 PS
4000 /min
100 kW/136 PS
4000 /min
110 kW/150 PS
3000 - 4000
/min
Max. Drehmoment280 Nm
1500 - 3000
/min
320 Nm
2000 - 2250
/min
360 Nm
1600 - 2750
/min
Getriebe/Antrieb6-Gang,
manuell,
Vorderrad
7-Gang-
Doppelkupplung,
Vorderrad
7-Gang-Doppelkupplung,
Vorderrad
Messwerte 
Leergewicht (Werk/Test)1370/1475 kg1407/1503 kg1445/1528 kg
Beschleunigung 0-100 km/h (Test)9,7 s9,1 s8,6 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)200 km/h200 km/h223 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
35,2/34,3 m33,8/33,6 m35,9/33,6 m
Verbrauch auf 100 km (Test/WLTP)5,4/5,3
l D /100km
6,0/4,8
l D /100km
5,0/4,6
l D /100km
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)143/138 g/km159/125 g/km130/121 g/km
Preise 
Grundpreis29.140 €27.940 €34.135 €
Testwagenpreis29.540 €30.940 €38.005 €

von Caspar Winkelmann von Caspar Winkelmann
Unser Fazit

Die kompakten Kombis dürften bei vielen Familien noch immer den Vorzug vor vergleichbaren SUV-Modellen erhalten – und das zu Recht. Den Sieg im Vergleichstest fährt der VW Golf Variant ein: Er ist vor allem beim Federungs- und Sitzkomfort überlegen, bietet die modernste Sicherheitsausstattung und überzeugt mit kräftigem wie effizientem Turbodiesel. Der wenig volkstümliche Preis dürfte einige Kaufinteressenten aber abschrecken. Rang zwei geht an den erheblich günstigeren, vehement verzögerenden Kia Ceed Sportswagon, dessen siebenjährige Garantie unerreicht ist und der sich am besten bedienen lässt. Der fair eingepreiste Hyundai i30 Kombi bietet jedoch einen größeren Laderaum, verbraucht etwas weniger und federt sanfter. Die schwächere Bremsleistung wirft ihn allerdings auf Platz drei zurück.

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