Hyundai Tucson Facelift/Skoda Karoq: Test Tucson Facelift fordert Karoq heraus

von Carsten van Zanten 14.12.2018
Inhalt
  1. Hyundai Tucson Facelift & Skoda Karoq im Test
  2. Fahrkomfort: Hyundai Tucson Facelift deutlich verbessert
  3. Motor/Getriebe: Skoda Karoq mit geringer Reichweite
  4. Fahrdynamik: Defizite beim Tucson Facelift
  5. Umwelt/Kosten: Geringer Werverlust beim Skoda Karoq
  6. Technische Daten Hyundai Tucson Facelift & Skoda Karoq

Im Test misst sich das Hyundai Tucson Facelift mit dem Skoda Karoq. Im überarbeiteten Korea-SUV feiert der 1,6-Liter-Diesel seine Premiere. Können er und die umfangreiche Sicherheitsausstattung im Duell punkten?

Der Hyundai Tucson ist der Bestseller im Modellprogramm des koreanischen Herstellers. 2017 entschieden sich hierzulande fast 24.000 Käufer für das gleichermaßen schicke wie geräumige Kompakt-SUV. Drei Jahre nach seiner Markteinführung erfuhr das Erfolgsmodell eine optische und technische Überarbeitung. In deren Mittelpunkt stand die Einführung eines neu entwickelten Dieselmotors mit 1,6 Litern Hubraum in zwei Leistungsstufen (116 und 136 PS). Die stärkere Variante dieses 1.6 CRDi ersetzt die 136-PSVersion des 2,0-Liter-Aggregats. Einen weiteren Schwerpunkt legte Hyundai auf den Ausbau des Angebots an Sicherheits- und Assistenzsystemen. Derart gerüstet ist das Hyundai Tucson Facelift bereit für einen Härtetest gegen den Skoda Karoq mit 150 PS starkem Zweiliter- Diesel, serienmäßigem Allradantrieb und optionalem Doppelkupplungsgetriebe (1800 Euro). Für den Hyundai stehen diese beiden Antriebsoptionen mit je 1900 Euro in der Preisliste.

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Hyundai Tucson Facelift & Skoda Karoq im Test

Im direkten Vergleich wirkt das Hyundai Tucson Facelift mindestens eine halbe Nummer größer als der Skoda Karoq. So ist er neun cm länger und mehr als vier cm höher. Zudem liegen seine Vorder- und Hinterachse 32 mm weiter auseinander. Der Tscheche kann diesen Größennachteil aber innen dank seiner markentypisch sehr guten Raumökonomie ausgleichen. Vorn bietet er ebenso großzügig dimensionierte Platzverhältnisse wie sein koreanischer Konkurrent. Auch im Fond sind die Unterschiede nur gering. Wenige Zentimeter in der Innenbreite sowie die etwas größere Beinfreiheit machen hier den Unterschied zugunsten des Hyundai aus. Beim Kofferraumvolumen hat dann aber der Skoda wieder die Nase vorn – und das sogar verhältnismäßig deutlich. So fasst sein Gepäckabteil 521 bis 1630 l (Hyundai: 513 bis 1503 l). Ist zudem das Sitzsystem Varioflex (390 Euro) mit drei verschieb- und ausbaubaren Einzelsitzen im Fond an Bord, stehen sogar bis zu 1810 l zur Verfügung. Die dann sehr gute Variabilität des Innenraums lässt sich durch die umklappbare Beifahrersitzlehne (80 Euro) nochmals weiter steigern. Beide Kandidaten dürfen jeweils mehr als eine halbe Tonne zuladen, der Skoda mit einer maximalen Anhängelast von zwei Tonnen darf aber 400 kg mehr an den Haken nehmen. Das Hyundai Tucson Facelift hat jetzt einen frei stehenden Zentralmonitor, was die bereits zuvor sehr gute Bedienbarkeit weiter verbessert. Auch in puncto Materialanmutung und Verarbeitungsqualität befinden sich beide Testkandidaten auf gleich hohem Niveau. Bei der Sicherheitsausstattung macht der Koreaner einen großen Schritt nach vorn, denn er verfügt jetzt unter anderem serienmäßig über einen Aufmerksamkeitsassistenten und auf Wunsch über einen Fernlichtassistenten (900 Euro im Paket). Die höheren Ausstattungsvarianten mit Automatik- oder Doppelkupplungsgetriebe lassen sich zudem unter anderem mit einem adaptiven Tempomaten (1500 Euro im Paket) ausrüsten. Das Sicherheitsniveau des Skoda Karoq, der serienmäßig beispielsweise über eine Multikollisionsbremse zur Festbremsung nach einem Zusammenstoß verfügt, erreicht der Hyundai dennoch nicht ganz.

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Fahrkomfort: Hyundai Tucson Facelift deutlich verbessert

Im Hyundai Tucson Facelift lässt sich die Innenraumtemperatur serienmäßig über eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik regeln, der Skoda Karoq hat ab Werk nur eine Klimaanlage an Bord. Für den Koreaner spricht zudem das bei Landstraßen-Tempo zwar leicht höhere, insgesamt aber wegen der gelungenen Kapselung des Motors als angenehmer empfundene Geräuschniveau. Fahrer und Beifahrer nehmen auf großen und bequem gepolsterten Sitzen Platz, die allerdings etwas mehr Halt und Unterstützung bieten dürften. Diesen Vorwurf müssen sich die Sportsitze (290 Euro) im Skoda Karoq keineswegs gefallen lassen, auf ihnen lassen sich auch längere Etappen entspannt abspulen. Die Fondpassagiere würden hingegen größere Touren wohl eher auf der Rückbank des Hyundai verbringen wollen, die vor allem wegen der längeren Sitzfläche sowie der besser konturierten und – wie im Skoda – verstellbaren Rückenlehne als angenehmer empfunden wird. Seinen Ruf als das insgesamt komfortablere Auto untermauert das Hyundai Tucson Facelift auch mit seinen feinfühliger ansprechenden Feder- Dämpfer-Einheiten, die Fahrbahnunebenheiten trotz der 19 Zoll großen Bereifung souverän und mit nur sehr geringen Aufbaubewegungen ausgleichen. Der auf 18 Zoll großen Rädern rollende Skoda Karoq reagiert in dieser Beziehung deutlich nervöser. Vor allem Einzelanregungen wie Querfugen und Kanten gibt er weitgehend ungefiltert an die Insassen weiter und lässt die Karosserie nachwippen.

Fahrbericht
Neuer Hyundai Tucson Facelift (2018): Erste Testfahrt Neuen Facelift-Tucson angetestet

 

Motor/Getriebe: Skoda Karoq mit geringer Reichweite

Auch wenn ihm nominell 14 PS Motorleistung fehlen und er fast 60 kg mehr auf die Waage bringt: Als Entschuldigung für die deutliche Niederlage des Hyundai Tucson Facelift beim Sprintduell gegen den Skoda taugt beides ebenso wenig wie die Tatsache, dass der Skoda Karoq über eine Launch Control verfügt. Vielmehr benötigt das Doppelkupplungsgetriebe des Hyundai nach dem Lösen der Bremse sowie nach dem Wechsel vom ersten in den zweiten Gang einfach deutlich länger, bis die Motorkraft in Vortrieb umgesetzt wird. 3,3 Sekunden verliert der Koreaner somit beim Spurt von null auf 100 km/h gegen den Skoda, bis 150 km/h kommen weitere 3,1 Sekunden hinzu. Auch liegt die Höchstgeschwindigkeit des Hyundai Tucson Facelift mit 180 km/h 15 Stundenkilometer unter der des Karoq. Zwar geht dessen Zweiliter-Triebwerk etwas rauer zu Werke als der 1,6-Liter-Selbstzünder des Tucson, verbraucht dafür aber weniger (Hyundai: 7,7 Liter; Skoda: 7,2 Liter). Wegen seines 55-Liter-Tanks fällt die Reichweite des Skoda Karoq (764 km) dennoch geringer aus als die des Hyundai Tucson Facelift, der mit seinem 62-Liter-Tank bis zu 805 km zwischen zwei Tankstopps absolvieren kann.

Fahrbericht
Neuer Hyundai Tucson Facelift (2018): Erste Testfahrt Neuen Facelift-Tucson angetestet

 

Fahrdynamik: Defizite beim Tucson Facelift

Die Nachteile bei den Fahrleistungen wirken sich auch auf der Handlingstrecke negativ für das Hyundai Tucson Facelift aus. In einer Runde verliert er zwei Sekunden auf den Skoda Karoq, der sich dank seiner strafferen Fahrwerksabstimmung mit weniger Seitenneigung sowie der im Sport-Modus der Fahrprogrammauswahl direkten und rückmeldungsfreudigen Lenkung zielgenau durch die Kurven treiben lässt. Diese lässt den Tschechen auch ein wenig behänder durch den Slalom-Parcours wedeln. Bei zu flott angegangenen Biegungen drängt zwar mitunter die Hinterachse nach außen, wird durch das Stabilisierungsprogramm aber schnell und zuverlässig wieder eingefangen. Das Hyundai Tucson Facelift gibt sich insgesamt gutmütiger, baut überschüssige Geschwindigkeit im Zweifel mittels eines Schiebens über die Vorderräder ab. Die Bremse des Tucson lässt sich wegen des etwas diffusen Pedalgefühls zwar nicht ganz so gut dosieren wie die des Karoq, dafür steht der Koreaner bei einer Vollbremsung aus 100 km/h nach weniger als 33 m. Das verdient Respekt. Der Skoda erreicht dieses hohe Niveau nicht ganz, benötigt für diese Übung mit kalter Bremsanlage 34,4 m, mit betriebswarmen Scheiben und Belägen 33,4 m – und braucht sich angesichts dieser Werte auch nicht zu verstecken.

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Umwelt/Kosten: Geringer Werverlust beim Skoda Karoq

Zum Zeitpunkt des Tests war der Skoda Karoq in der Version mit 2,0-Liter-Dieselmotor und Doppelkupplungsgetriebe wegen noch nicht erfolgter Homologation nach WLTP-Standard nicht konfigurierbar. In der bewertungsrelevanten Ausstattung ist der Tscheche dann mit 34.120 Euro immerhin 2500 Euro günstiger als das Hyundai Tucson Facelift. Für den Skoda Karoq sprechen zudem unter anderem die umfangreichere Multimedia- Ausstattung, der geringere Wertverlust, die niedrigeren Wartungskosten sowie die günstigere Typklassen- Einstufung. Der Hyundai kann im Kostenkapitel nur mit den umfangreicheren Garantien Punkte auf seinen tschechischen Konkurrenten gutmachen. So ist der Koreaner gegen technische Fehler werksseitig für fünf Jahre abgesichert (Skoda: zwei Jahre), und die Hyundai- Lackgarantie läuft über fünf Jahre – die des Skoda endet zwei Jahre früher. Mehr zum Thema: Hyundai Tucson (Facelift)

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Technische Daten Hyundai Tucson Facelift & Skoda Karoq

 Hyundai Tucson 1.6 CRDi 4WDSkoda Karoq 2.0 TDI 4x4
Zylinder/Ventile pro Zylinder4/4; Turbodiesel4/4; Turbodiesel
Hubraum1598 cm³1968 cm³
Leistung100 kW/136 PS bei 4000/min110 kW/150 PS bei 3500-4000/min
Maximales Drehmoment373 Nm bei 1500-2500/min340 Nm bei 1750-3000/min
Getriebe/Antrieb7-Gang, Doppelkupplung (Option), Allrad7-Gang, Doppelkupplung (Option), Allrad
Beschleunigung  
0 - 100 km/h11,6 Sekunden8,3 Sekunden
0 - 150 km/h27,8 Sekunden21,4 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit180 km/h195 km/h
Bremsweg aus 100 km/h warm32,9 Meter33,4 Meter
Leergewicht1601 Kilogramm1486 Kilogramm
Verbrauch (Test)7,7 l D/100 Kilometer7,2 l D/100 Kilometer
Grundpreis30.150 Euro31.290 Euro
Testwagenpreis36.693 Euro34.120 Euro
Punkte (5000 möglich)29703044
Platzierung21

von Carsten van Zanten von Carsten van Zanten
Unser Fazit

Das Hyundai Tucson Facelift hat dem SUV in vielen Bereichen gutgetan. So gewinnt er unter anderem in puncto Komfort und Sicherheitsausstattung hinzu. Auch weiß seine Bremsanlage mit sehr guten Leistungen zu überzeugen. Auf den neuen 1,6-Liter- Dieselmotor in der mit 136 PS stärkeren Variante trifft dies hingegen nicht zu – zumindest in Kombination mit dem optionalen Doppelkupplungsgetriebe. Denn bei den Fahrleistungen hinkt der Koreaner deutlich hinterher, verbraucht zudem mehr. Der Skoda Karoq kann somit einen ungefährdeten Sieg einfahren. Seine etwas geringeren Außenmaße kompensiert er mit seiner guten Raumökonomie. Hinzu kommen sein spritziger Antrieb, seine hohen fahrdynamische Qualitäten und die in der Summe günstigere Kostenbilanz.

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