Hyundai i20/VW Polo Facelift: Vergleichstest Das Polo Facelift stellt sich dem i20

von Elmar Siepen 11.11.2021
Inhalt
  1. Hyundai i20 und VW Polo Facelift im Vergleichstest
  2. Fahrkomfort: VW Polo bietet komfortablere Geräuschkulisse
  3. Motor/Getriebe: Trotz Mild-Hybrid-Technik verbraucht der Hyundai i20 mehr
  4. Fahrdynamik: Kurze Bremswege im VW Polo Facelift
  5. Umwelt/Kosten: Günstige Anschaffungskosten sprechen für den Hyundai i20
  6. Messwerte & technische Daten Hyundai i20 1.0 T-GDI 48V Hybrid und VW Polo 1.0 TSI

Im Vergleichstest treffen mit dem VW Polo Facelift und dem Hyundai i20 zwei kostengünstige Kleinwagen aufeinander. Wer macht das Rennen?

Gesamtbewertung (max. Punkte)Hyundai i20
T-GDI 48V Hybrid
VW
Polo 1.0 TSI
Karosserie (1000)512535
Fahrkomfort (1000)595604
Motor/Getriebe (1000)604613
Fahrdynamik (1000)669651
Eigenschaftswertung (4000)23802403
Kosten/Umwelt (1000)494459
Gesamtwertung (5000)28742862
Platzierung12

Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit – im gewissen Sinne trifft das auch auf diesen Vergleichstest zu, in dem das jüngst vorgestellte VW Polo Facelift auf den Hyundai i20 trifft. Denn das bekannte Wortspiel gilt auch für den Automarkt im Allgemeinen und für das Kleinwagensegment im Besonderen: Knallhart umkämpft mit niedrigen Margen und hohem Konkurrenzdruck muss der etwas tun, der die Kunden bei der Stange halten will. Hier hat sich der VW Polo 1.0 TSI der aktuellen sechsten Generation bislang bestens behauptet, obwohl der Wettbewerb zunehmend härter wird. Das zeigt das Debüt des aktuellen Hyundai i20 1.0 T-GDI 48V Hybrid Ende 2020. Entsprechend gespannt richten sich die Blicke jetzt auf das Ergebnis des Facelifts, das die Wolfsburger:innen dem Polo turnusgemäß zur Hälfte seines Lebenszyklus angedeihen ließen.

Der Hyundai i20 N (2021) im Video:
 

 
 

Hyundai i20 und VW Polo Facelift im Vergleichstest

Markantestes Kennzeichen des VW Polo Facelift ist eine durchgängige LED-Lichtleiste im Kühlergrill. Das Platzangebot im Innenraum blieb unverändert. Heißt: Vier Insass:innen finden bequem Platz, obwohl der Hyundai i20 das Größenwachstum im Kleinwagensegment der vergangenen Jahre noch deutlicher dokumentiert. Vorn wie hinten wirkt er noch eine Spur luftiger als sein Konkurrent. Die augenfälligste Änderung im Polo zeigt sich jedoch im Armaturenträger, wo die Klimabedienung per Drehregler optional durch Slider ersetzt wird, wie sie derzeit aus dem aktuellen Golf bekannt sind. Immerhin sind diese hier im Vergleich zu denen des Kompakten beleuchtet. Bei deren Bedienung gleitet man mit dem Finger über die Touchflächen, um Temperatur- und Gebläseeinstellung zu ändern. Auf Holperpisten ist dies nicht unbedingt ein leichtes Unterfangen. Ansonsten punktet der VW Polo 1.0 TSI im Vergleichstest mit seiner erweiterten Sicherheitsausstattung: Mit dem auf Wunsch lieferbaren IQ.DRIVE Travel Assist kann er etwa gleichzeitig die Spur und den Abstand zum Vordermann halten und das Tempo an die jeweils vorgeschriebene Fahrgeschwindigkeit anpassen. Ebenfalls optional sind beispielsweise die IQ.LIGHT LED Matrix-Scheinwerfer für eine optimierte Fahrbahnausleuchtung. Aufpreisfrei ist dagegen der bessere Qualitätseindruck im Vergleich zu dem des Hyundai i20. Eine hinterschäumte Armaturentafel und die Klavierlackoptik wirken höherwertiger als die matt glänzenden Plastikflächen und die kratzempfindliche Blende des Fensterheber-Bedienfelds in der Fahrertür des Koreaners. Bedingt durch die Hybrid-Technik mit der Batterie im Kofferraumboden verfügt der Asiate über ein geringeres Kofferraumvolumen als sein deutscher Konkurrent: 262 bis 1075 Liter im i20 stehen 351 bis 1125 Liter im Polo gegenüber. Dafür besitzt der Hyundai i20 1.0 T-GDI 48V Hybrid nach dem Umklappen der Sitze eine ebene Ladefläche, womit der Europäer nicht dienen kann.

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Fahrkomfort: VW Polo bietet komfortablere Geräuschkulisse

Dass man auch in Kleinwagen mühelos große Distanzen bewältigen kann, zeigt der Sitzkomfort der beiden Kandidaten des Vergleichstests. Der Hyundai i20 gefällt mit gut ausgeformter Sitzfläche und Lehne, während das VW Polo Facelift etwas weniger angewinkelte Beine erfordert. Dennoch sind die Sitzgelegenheiten in beiden sehr langstreckentauglich. Auch im Fond bettet der i20 seine Passagier:innen dank etwas strafferer Polster bequemer als der Polo. Auf längeren Touren fällt allerdings auf, dass der Wolfsburger das bessere Ablagenangebot bereithält. So offeriert er auch im Fond die Möglichkeit, 1,5-Liter-Getränkeflaschen in den Türverkleidungen unterzubringen. Ein Fach für die Sonnenbrille in der Dachverkleidung hat er seinem Kontrahenten ebenfalls voraus. Punkteträchtiger ist zudem seine Akustik, denn er verursacht nicht nur einen niedrigeren Innengeräuschpegel, sondern produziert auch dank besser gedämmter Abrollgeräusche das angenehmere Klangbild. In Sachen Klimatisierung verzichtet der Hyundai zwar auf eine Zweizonen-Regelung für die Klimaautomatik, hält dafür aber die Option auf eine Lenkradheizung und beheizbare Sitzflächen auch im Fond bereit. Schlechte Straßen pariert der VW Polo 1.0 TSI etwas besser als sein Konkurrent: Er filtert Fahrbahnunebenheiten feinfühliger heraus und wahrt auch mit voller Zuladung (462 Kilogramm, Hyundai: 437 Kilogramm) die Fassung, während der Hyundai i20 1.0 T-GDI 48V Hybrid etwa auf welligem Kopfsteinpflaster stärker in Bewegung gerät. Dennoch bedeutet dies für diese Fahrzeugklasse Klagen auf hohem Niveau.

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Motor/Getriebe: Trotz Mild-Hybrid-Technik verbraucht der Hyundai i20 mehr

Beide Kandidaten im Vergleichstest werden von Dreizylinder-Turbos mit einem Liter Hubraum angetrieben. Das Aggregat des Hyundai i20 1.0 T-GDI 48V Hybrid leistet 100 PS, das des VW Polo 1.0 TSI 95, zusätzlich verfügt der i20 über 48-Volt-Mild-Hybrid-Technik mit Starter-Generator und einer Lithium-Ionen-Polymer-Batterie im Kofferraumboden, die die Rekuperationsenergie speichert. Dennoch kann der mit einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe bestückte Testwagen (eine Schalterversion konnte Hyundai zum Zeitpunkt des Vergleichstests nicht zur Verfügung stellen) keine Verbrauchsvorteile gegenüber dem VW Polo 1.0 TSI mit serienmäßiger Fünfgang-Handschaltung herausfahren. Obwohl auf einem leicht niedrigeren Drehzahlniveau unterwegs, benötigt er sogar mehr Kraftstoff: So konsumiert der Hyundai i20 1.0 T-GDI 48V Hybrid auf der Verbrauchsrunde 6,5 Liter Super pro 100 Kilometer, während sich das VW Polo Facelift als 1.0 TSI mit 6,3 Litern begnügt. Außerdem überzeugt der Wolfsburger mit geringfügig besseren Fahrleistungen. Dank ordentlicher Durchzugskraft im häufig genutzten mittleren Drehzahlbereich taugen beide aber auch für längere Strecken, zumal sie mit ihren 40-Liter-Tanks über 600 Kilometer am Stück schaffen.

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Fahrdynamik: Kurze Bremswege im VW Polo Facelift

Wie gewohnt, zeigt sich das VW Polo Facelift auch weiterhin agil und fahrsicher. Kurven umrundet er mit weitgehend neutralem Eigenlenkverhalten. Wird eine Asphaltbiegung etwas zu schnell angegangen, beantwortet er die Gaswegnahme mit leicht nach außen drückendem Heck, was den Fahrer jedoch nie vor Probleme stellt, weil im Zweifelsfall das ESC (ESP) sanft, aber bestimmend eingreift. Kurze Bremswege vervollständigen das positive Bild. Der Hyundai i20 würzt seine Fahrvorstellung mit einer Prise Sportlichkeit. Lenkbefehlen folgt er im Vergleichstest deutlich spontaner als der VW Polo 1.0 TSI, auch wenn sein Volant bei mittleren Lenkwinkeln subjektiv etwas weniger Fahrbahnkontakt vermittelt. In engen Wechselkurven verkneift er sich im Gegensatz zum VW Polo deutliche spürbare Wankbewegungen. Lastwechselreaktion sind ihm ebenso fremd. Dank seiner haftstarken Michelin Pilot Sport 4-Bereifung zeigt er eine etwas bessere Traktion als der Polo. Rundherum mit Scheibenbremsen bestückt, glänzt der Hyundai i20 1.0 T-GDI 48V Hybrid im Vergleichstest außerdem mit einem um einen Meter kürzeren Kaltbremsweg als der mit Trommelbremsen an der Hinterachse bestückte Volkswagen.

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Umwelt/Kosten: Günstige Anschaffungskosten sprechen für den Hyundai i20

Mit testrelevanter Ausstattung ist der Hyundai i20 1.0 T-GDI 48V Hybrid trotz des optionalen Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes gut 2600 Euro günstiger als der VW Polo 1.0 TSI. Mit Schaltgetriebe fiele die Differenz sogar noch höher aus. Hier zeigt sich, dass die Wolfsburger Aufpreispolitik nicht gerade zu den kundenfreundlichsten gehört. So gibt es die getestete 95-PS-Variante nicht in Verbindung mit der Basisausstattung, sondern erst ab Life. Wer auf den im Testwagen eingebauten, bequemen Sport-Komfortsitzen Platz nehmen möchte, muss sogar die Top-Ausstattungslinie Style (2340 Euro) ordern. Dort ist das Gestühl serienmäßig, ansonsten separat aber nicht zu haben. Wer das VW Polo Facelift aber vier Jahre und 80.000 Kilometer fährt, muss darüber hinaus laut Deutscher Automobil Treuhand (DAT) einen um gut 1300 Euro höheren Wertverlust einkalkulieren. Die Kfz-Steuer fällt beim Hyundai i20 mit 77 zu 114 Euro pro Jahr ebenfalls etwas günstiger aus. Dank der niedrigeren Typklassen-Einstufung zahlen Polo-Fahrer:innen pro Jahr 269 Euro weniger für Haftpflicht inklusive Vollkasko als die Besitzer:innen eines Hyundai i20. Auch die Kraftstoffkosten fallen aufgrund des geringeren Verbrauchs etwas niedriger aus. Das hilft dem Wolfsburger allerdings nicht, denn mit fünf Jahren Vollgarantie sammelt der Koreaner weitere Punkte, wodurch der Polo im Vergleichstest deutlich zurückfällt.

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Messwerte & technische Daten Hyundai i20 1.0 T-GDI 48V Hybrid und VW Polo 1.0 TSI

AUTO ZEITUNG 21/2020Hyundai i20
1.0 T-GDI 48V
Hybrid
VW
Polo
1.0 TSI
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.3/4;
Turbo,
Starter-Generator
3/4;
Turbo
Hubraum998 cm³999 cm³
Leistung74 kW/
100 PS
4500 - 6000
/min
70 kW/
95 PS
5000
/min
Max. Drehmoment172 Nm,
1500 - 4000
/min
175 Nm,
1600 - 3500
/min
Getriebe/Antrieb7-Gang
Doppelkupplung (opt.)/
Vorderrad
5-Gang,
manuell /
Vorderrad
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)1115/1213 kg1097/1158 kg
Beschleunigung 0-100 km/h (Test)11,2 s10,8 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)185 km/h187 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
33,8/34,3 m34,8/34,5 m
Verbrauch auf 100 km (Test/WLTP)6,5/5,6 l S6,3/5,9 l S
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)154/123 g/km149/139 g/km
Preise
Grundpreis18.590 €20.550 €
Testwagenpreis20.966 €23.570 €

 

von Elmar Siepen von Elmar Siepen
Unser Fazit

Mit der Überarbeitung zeigt sich das VW Polo Facelift nunmehr nicht nur sicherheitstechnisch und in Sachen Konnektivität auf der Höhe der Zeit. Nach wie vor ist auch sein Komfortniveau für diese Wagenklasse beachtlich und wird durch die guten übrigen Fahreigenschaften ergänzt. Qualität und Verarbeitung liegen in diesem Segment ebenfalls auf einem hohen Niveau. So verwundert der VW-Sieg in der Eigenschaftswertung nicht. Hier gefällt der Hyundai i20 mit seiner einfacheren Bedienung und einem höheren fahrdynamischen Niveau. Ausschlaggebend für seinen Gesamtsieg ist jedoch die deutlich bessere Kostenbilanz. Damit setzt er schließlich in der Endwertung zum Überholen an und fährt mit knappem Vorsprung auf den ersten Platz im Vergleichstest.

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