Glyn Haase von Aral im Interview: "Mehr Leistung rausholen"
Aral-Experte Glyn Haase spricht im Interview über die lange Motorsport-Tradition des Konzerns bis hin zur aktuellen Formel 1. Und er verrät, wie auch Kund:innen an der Tankstelle von den Hochleistungskraftstoffen profitieren.
Herr Haase, wieso war Aral schon kurz nach Einführung der Marke im Jahr 1924 im Rennsport zu finden?
Um das zu verstehen, muss man sich in die damalige Zeit zurückversetzen: Es gab kein Fernsehen, und fast niemand besaß ein Auto. Daher war die Begeisterung für Fahrzeuge und Motorsport sowohl bei den Zuschauern als auch bei den Unternehmen, die die Leistungsfähigkeit ihrer Produkte demonstrieren wollten, außerordentlich hoch. Für Aral gilt seit inzwischen mehr als 100 Jahren, dass wir uns Herausforderungen stellen und mit unseren Produkten Höchstleistungen unterstützen wollen.
Bei Kraftstoffen kannte die Experimentierfreude damals keine Grenzen. Was wurde im Sport alles getankt?
In diesen frühen Jahren des Motorsports wurden – aus heutiger Perspektive – teilweise sehr ungewöhnliche Kraftstoffmischungen eingesetzt. Das Ziel war stets, die Klopffestigkeit, also die Oktanzahl, zu erhöhen und noch mehr Leistung aus den Motoren herauszuholen. Dazu gehörten unter anderem Mischungen mit Alkohol, Benzol, Methanol und sozusagen allem, was gut verbrennt. Oktanzahlen waren in den 1920er-Jahren noch sehr niedrig, häufig unter 80. Die Entwickler haben aber schon damals erkannt, dass höhere Oktanzahlen zur Abstimmung der Motoren sehr vorteilhaft sind und zum Beispiel reines Benzol oder auch Spiritus zugemischt. Aral war damals wie heute Treiber für Innovationen im deutschen Markt, etwa durch die berühmte namensgebende Mischung aus ARomaten und ALiphaten, die genau deshalb eingeführt wurde: um eine hohe Oktanzahl zu erreichen.

Aral verwendete auch im Motorsport den an Tankstellen für alle verfügbaren Kraftstoff. Wieso?
Erfolge auf der Rennstrecke sollten für die Kunden nachvollziehbar sein. Bewährt sich ein im Markt verfügbarer Kraftstoff im Motorsport, stärkt dies das Vertrauen in seine Qualität an der Zapfsäule. Rennsport wurde damit nicht nur zum Technologietest, sondern auch zum realen Nachweis der Leistungsfähigkeit und der Verlässlichkeit eines Kraftstoffs unter Extrembedingungen.
Seit den 1950er-Jahren war der blaue Bus des Aral-Renndienstes an vielen Strecken zu finden. Was hatte es damit auf sich?
Der Bus war weit mehr als nur ein Servicefahrzeug. Er war für viele Motorsportler eine feste Anlaufstelle an der Rennstrecke. Dort gab es nicht nur Kraft- und Schmierstoffe, sondern auch technische Unterstützung und wertvolle Tipps aus erster Hand. In einer Zeit, in der der Motorsport noch deutlich weniger strukturiert war als heute, wurde der blaue Bus für zahlreiche Fahrer und Teams zu einem verlässlichen Begleiter auf dem Weg zum Rennerfolg.

Von 2005 bis 2020 war Aral exklusiver Partner der DTM. Welcher Hochleistungs-Serienkraftstoff feierte hier seine Premiere?
Die DTM war für Aral eine wichtige Plattform, um die Leistungsfähigkeit von Aral Ultimate unter Beweis zu stellen. Der Kraftstoff basiert auf modernster Forschung und wurde – ganz im Sinn des Motorsports – konsequent auf höhere Performance ausgelegt. Ungefähr zeitgleich kamen Serienfahrzeuge mit immer stärkeren Motoren auf, die häufig mit Turboladern ausgerüstet waren. Diese Motoren bevorzugen konstruktionsbedingt höhere Oktanzahlen. Aral Ultimate 100 und später Ultimate 102 trafen genau den Nerv dieser Entwicklungen. Aufgrund des hohen motorischen Potenzials ist Ultimate 102 auch heute noch ein sehr begehrter Kraftstoff bei DTM-Fans und Autofahrern.
Der Aral-Mutterkonzern BP ist aktuell in der Formel 1 vertreten. Wie unterstützen Ihre Kollegen dort das Audi-Werksteam?
Die Partnerschaft zwischen BP und dem Audi-Formel-1-Team hat Technologien zusammengebracht, um Seite an Seite Hochleistungskraftstoff und Hybrid‑Antriebseinheit gemeinsam zu entwickeln. Nach einem umfassenden Entwicklungs‑ und Validierungsprozess zur Erfüllung der strengen Formel-1-FIA-Kraftstoffanforderungen für 2026 im Bereich fortschrittlicher nachhaltigerer Kraftstoffe wurde BP Ultimate Racing offiziell von der zuständigen Sportorganisation zertifiziert.
Nico Hülkenberg tankt nicht nur in der Formel 1 Ultimate, sondern auch an der Tankstelle. Welche Rolle spielt der deutsche Pilot für Aral?
Nico Hülkenberg, der Fahrer des Audi-Formel-1-Teams, ist Markenbotschafter für Aral und unseren Hochleistungskraftstoff Aral Ultimate. Wir sind sehr stolz darauf, mit ihm zusammenarbeiten zu dürfen. Top‑Performance auf der Rennstrecke, deutsche Ingenieurskunst und dazu unsere Expertise im Bereich der Hochleistungskraftstoffe kommen hier zusammen.

Welche Performance-Vorteile bieten die Hochleistungskraftstoffe Ultimate für Straßenfahrzeuge?
Zunächst einmal beinhalten sämtliche Aral-Kraftstoffe unsere Anti-Schmutz-Formel. Diese reinigt den Motor, hilft die Bildung neuer Ablagerungen zu verhindern und unterstützt somit eine optimale Motorfunktion. Beim Hochleistungskraftstoff Ultimate 102 kann die hohe Oktanzahlaußerdem zu einer verbesserten Leistungsentfaltung beitragen. Zusätzlich schützt die hohe Oktanzahl vor Motorschäden, wenn höchste Leistung gefordert ist. Und das kann Sportwagen ebenso betreffen wie Fahrzeuge, die hohe Lasten wie etwa einen Wohnanhänger ziehen.
Bieten sie auch ganz praktische Vorteile, etwa eine längere Reichweite?
Ja, die verbesserte Sauberkeit des Motors und die optimierte Verbrennung können sich positiv auf die Effizienz auswirken. Bei kontinuierlicher Nutzung von Aral Ultimate ergeben sich gegenüber herkömmlichem Kraftstoff bis zu 600 km zusätzliche Reichweite pro Jahr, wenn wir von einer Fahrleistung von 10.000 km ausgehen. Die Vorteile können je nach Fahrzeug, Fahrstil, Straßenverhältnissen und anderen Faktoren variieren.
Ist es heute schwieriger, einen Kraftstoff für Serienautos oder für Rennwagen zu entwickeln?
Die Herausforderungen sind ebenso unterschiedlich, wie Rennwagen oder Serienautos selbst zu konstruieren. Rennkraftstoffe werden auf maximale Performance unter sehr exakt definierten Einsatzbedingungen ausgelegt und müssen gleichzeitig engen regulatorischen Vorgaben entsprechen. Kraftstoffe für Serienfahrzeuge hingegen müssen in Millionen Fahrzeugen mit unterschiedlichster Technik zuverlässig funktionieren. Da fahren Fahrzeuge mit und ohne Turbolader, Direkteinspritzer und Hochdrehzahlmotoren mit dem identischen Kraftstoff. Und das bei Hitze und Kälte, auf Kurz- sowie Langstrecken und über viele Jahre hinweg. Insofern lässt sich aufgrund der sehr unterschiedlichen Entwicklungsziele nicht eindeutig sagen, dass das eine schwieriger ist als das andere.
Das Gespräch führte Markus Bach
Vita
Glyn Haase, 51, ist seit 2008 in der Aral-Forschung tätig. Dort arbeitet er als Project Engineer Automotive im Bereich der Fahrzeug- und Motorenprüfstände. Davor hatte Haase die technische Verantwortung für die Entwicklung und die Markteinführung von Kraftstoffen in Europa. Der Techniker kommt aus der Motorenentwicklung.
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