Gemballa M635 CSi: BMW-Paradiesvogel mit düsterer Historie

So grell sein Autoleben begann, so düster endete es: Der Gemballa BMW M635 CSi war erst der breiteste und schnellste Postbriefkasten der Welt, folgte dann dem nahöstlichen Ruf des Geldes und spielte schlussendlich eine unrühmliche Rolle im Irak-Krieg.

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Collage zeigt den Innenraum des Gemballa M635 CSi (links), das Auto im Irak-Krieg mit US-Soldaten davor (oben rechts) und in einer Werbeaufnahme.
Gemballa M635 CSi Foto: Gemballa/US Army/Collage: AUTO ZEITUNG

Was ein Postauto, Bildschirme im Innenraum und der Irak-Krieg mit dem Gemballa M635 CSi zu tun haben? Die Auflösung folgt hier!

Der Gemballa M635 CSi stehend von schräg vorne.
Gemballa M635 CSi Foto: Gemballa

... und ab geht die Post: Bereits im Serientrimm galt der BMW M635 CSi als schnellster Viersitzer seiner Zeit. Humorvolle Mitarbeitende platzierten das sonnengelbe Werk daraufhin neben einem Post-Transporter.

Der Gemballa M635 CSi stehend seitlich.
Gemballa M635 CSi Foto: Gemballa

Die Kotflügelverbreiterungen im Testarossa-Style beherbergen 345er-Hinterreifen und verhelfen dem Bajuwaren zu fast zwei Meter Breite.

Der Gemballa M635 CSi stehend von vorne.
Gemballa M635 CSi Foto: Gemballa

Die Versuchung muss damals groß gewesen sein, Briefe durch den gelb lackierten Grill zu schieben. 

Der Gemballa M635 CSi stehend von hinten.
Gemballa M635 CSi Foto: Gemballa

Dank der mittigen Vierrohr-Abgasanlage wirkt das Heck noch fetter als ohnehin schon.

Das Cockpit des Gemballa M635 CSi.
Gemballa M635 CSi Foto: Gemballa

Ein beträchtlicher Teil der 180.000 Mark Umbaukosten dürfte auf den Hightech-Innenraum zurückzuführen sein.

Der Gemballa M635 CSi stehend mit Soldat.
Gemballa M635 CSi Foto: US Army

Ein Bild, das noch heute durchs Netz geistert: Ein US-Soldat posiert im Irak vor dem ramponierten Gemballa.

Es ist schon seltsam, dass auf Grabsteinen die Geburt und der Tod hervorgehoben werden, obwohl doch alles, was den Verstorbenen ausgemacht hat – seine Lebensgeschichte – genau dazwischen passiert ist. Etwas anders verhält es sich mit diesem Gemballa BMW M635 CSi: Erstens besitzt das leuchtend gelbe Sportcoupé keinen Grabstein und zweitens sind es vor allem sein Anfang und sein Ende, die seine Geschichte erst erzählenswert machen.

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Gemballa, die schillernde Tuningfirma aus Leonberg bei Stuttgart, bot neben aufgetakelten Mercedes und Porsche auch einen Highend-Umbau für den damals teuersten BMW, den M635 CSi, an. Der kostete 180.000 Mark – ohne Basisfahrzeug, versteht sich. Es brauchte also schon knapp 280.000 Mark, um sich den seinerzeit schnellsten Viersitzer der Welt samt Breitbau und Fernseher im Armaturenbrett in die persönliche Sammlung zu stellen. So viel Geld, dass man sich davon auch zwei Porsche 911 und dazu noch einen 911 Turbo hätte kaufen können. Oder anders gesagt: genau der Preis, den die Kundschaft aus dem Nahen Osten für ein individuelles Kunstwerk auf Rädern ausgeben würde.
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Der BMW M2 CS (2025) im Fahrbericht (Video):

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Schnellster Postbriefkasten der Welt: Gemballa BMW M635 CSi mit augenzwinkernden Pressefotos

Der arabische Käufer des hier gezeigten Gemballa hatte sich offenbar von der gleißenden Wüstensonne seines Heimatlandes inspirieren lassen, denn er orderte seinen M635 CSi in einem leuchtenden Gelbton. Inklusive gelb lackierter Zierelemente und ebenfalls gelber Ronal-Turbo-Felgen. In den Gemballa-Hallen 5000 km nordwestlich kam im Zuge der Bestellung einem humorvollen Mitarbeitenden dann anscheinend "postwendend" eine Idee. Für Pressefotos platzierten die Tuner ihr jüngstes Werk neben einem Post-Transporter. Sogar Posthorn-Aufkleber sind auf manchen Aufnahmen am BMW angebracht. Dass der gelb vergitterte Kühlergrill, die Lufthutze auf der Motorhaube und die hinteren Kotflügelverbreiterungen im Testarossa-Style an Briefschlitze erinnerten, machte die ganze Sache noch ulkiger.

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Hoffentlich ohne Post-traumatische Belastungsstörungen durch im Motorraum dahinsengender Zuschriften trat der mächtige 6er dann die Reise nach Saudi-Arabien an, wo sich seine Spur vorerst verlor. Es bleibt zu hoffen, dass der 286 PS (210 kW) starke Reihensechser aus dem M1 zumindest regelmäßig Auslauf erhielt und das übrige Wüstenvolk über die üppigen GfK-Schürzen, die 345er-Hinterräder, den massiven Heckspoiler und die zusammengestauchte Vierrohr-Abgasanlage staunen durfte. Wären die Scheiben nicht so dunkel getönt, hätten sie außerdem das wahre Highlight des knapp zwei Meter breiten Coupés erkannt: seinen Innenraum.

Husseins Auto geht im Irak-Krieg verloren

Das herrlich fokussierte Cockpit des Serienmodells ergänzte Gemballa um ein modifiziertes Armaturenbrett, das auf fast schon erschreckend richtungsweisende Art die Bildschirm-Ansammlungen der heutigen Premium-Riege vorwegnahm. Rechts neben der Klimabedienung flimmerte tatsächlich ein kleiner Fernseher, vor dem Beifahrersitz gabs dann auch noch den dazugehörigen Equalizer. Hinter dem Lenkrad fanden sich weitere Digitalinstrumente, während man im Takt zur dröhnenden Hifi-Anlage die vier Recaro-Sitze elektrisch in jedwede Richtung verstellen konnte. Selbstverständlich waren die Fauteuils mit einer Mixtur aus Leder und Velours bezogen sowie passend zur Außenfarbe mit gelben Ziernähten vollendet.

Der Gemballa M635 CSi stehend mit Soldat.
Foto: US Army

Irgendwann nahm dann der neue Besitzer, ein gewisser Udai Hussein, dort Platz. Es handelte sich um den ältesten Sohn des irakischen Präsidenten Sadam Hussein. Während US-Militärs Udai im Nachgang des Irak-Kriegs 2003 in seinem Heimatland erschossen, folgte auch vom Gemballa M635 CSi ein allerletztes Lebenszeichen: Die amerikanischen Truppen entdeckten den gelben Exoten ramponiert inmitten von Stacheldrähten und Straßenblockaden. Ein Foto, auf dem einer der Soldaten vor dem BMW posiert, geistert bis heute durchs Netz. Seitdem gilt der Breitbau-Bimmer als verschollen.