Ford 17M P7 gegen Opel Rekord C: 70er-Jahre-Limos im Duell
1971 beherrschten Ford 17M (P7) und Opel Rekord C die Verkäufe in der Mittelklasse. Im Vergleichstest aus Heft 13/1971 ging die AUTO ZEITUNG der Frage auf den Grund, welcher der Rivalen der bessere ist. Das ist der verdiente Sieger nach zehn Kapiteln!
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- Duell der Rivalen: Ford 17M P7 gegen Opel Rekord C
- Karosserie: Gleichstand mit 73 Punkten
- Innenraum: 83:82 für den Ford
- Motor/Getriebe: 80 Punkte für beide Kontrahenten
- Fahrleistungen: 85:75-Sieg für den Ford
- Handlichkeit: Opel schlägt Ford mit 88:75
- Fahrverhalten: 88:80 für den Opel
- Fahrsicherheit: Opel siegt mit 82:75 Punkten
- Fahrkomfort: 68:66-Sieg für Opel
- Unterhaltskosten: Ford hat die Nase vorn – mit 94 zu 88
- Preiswürdigkeit: 83 Punkte für Opel, 75 für Ford
- Fazit
- Technische Daten von Ford 17M P7 und Opel Rekord C
Duell der Rivalen: Ford 17M P7 gegen Opel Rekord C
So still es im Neuheiten-Frühjahr 1971 auch um sie geworden sein mag, sie sind nach wie vor die Kassen- und Klassenknüller. Im vorherigen Jahr verkaufte Opel in Deutschland 168.510 Rekord C, und auch bei Ford kann sich der 17M/20M (P7) mit 108.981 Einheiten sehen lassen.
In diesem Vergleichstest untersucht die AUTO ZEITUNG, ob sich die beiden populärsten 1700er Konkurrenten, beide mit 75 PS (55 kW), wegen ihrer Reife und Zuverlässigkeit noch zu kaufen lohnen, oder ob man lieber auf die Nachfolger warten sollte.
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Karosserie: Gleichstand mit 73 Punkten
Jahrelanger Konkurrenzkampf hat sie einander sehr ähnlich gemacht. Und es ist schwer zu sagen, welche Styling-Abteilung von der anderen mehr abgeguckt hat. Zumindest kann man zur Formgestaltung sagen, dass jeder im Laufe der vergangenen Jahre stets das kopiert hat, was dem Konkurrenten zu besseren Verkaufszahlen verholfen hat.
Da war die vom Opel zur Schau getragene Fastback-Mode, die Ford vor allem im 67er Krisenjahr mit dem erfolglosen 17M kopierte, obgleich man in Köln damit auch nicht glücklicher wurde. Der Ford 17M steht allerdings seit der neuen Taunus-Generation in seinem Erscheinungsbild etwas auf der Schattenseite, während der Opel Rekord C gegenüber dem kleinen Ascona von der Dimensionierung her eine stärkere Position innehat.
Innenraum: 83:82 für den Ford
Weit deutlicher als das äußere Erscheinungsbild dokumentiert der Stil im Innenraum, dass Ford und Opel doch nicht ganz einer Meinung sind. Ford praktiziert im 17M noch ganz klar amerikanischen Automobil-Barock. Verspielte Instrumente, Verzierungen und Effekthascherei allenthalben sollen der Kundschaft ganz offensichtlich eine mittelständische Luxuswelt vorspiegeln.
Opel hingegen hat den Musik-Box-Stil überwunden. Im Rekord regiert zart-sportliche Sachlichkeit. Chrom ist hier längst verpönt. Und fast wirkt das radikal ausgenüchterte Interieur schon sparsam. Die Sitzposition ist in beiden Wagen souverän und angenehm. Einziger Unterschied: Der Ford 17M hat die schöneren und etwas tieferen, der Opel Rekord C hat – wegen der Seitenführung – bessere und etwas höhere Vordersitze.

Motor/Getriebe: 80 Punkte für beide Kontrahenten
Unkomplizierte, robuste und im Laufe der Jahre auch ausgegorene Technik zeichnet beide Kontrahenten aus. Was Opel Rekord 1700 und Ford 17M unter der Haube vorweisen, bietet einen hohen Grad von Zuverlässigkeit. Beide verfügen über das gleiche Konzept – Frontmotor und Antrieb auf die Hinterräder –, lassen sich jedoch von Motoren unterschiedlicher Bauweise antreiben.
Im Rekord entwickelt ein Reihenvierzylinder, im Ford ein V4 jeweils 75 Pferde (55 kW). Der 17M verfügt über das sparsamere Triebwerk, jedoch vermittelt sich das Rekord-Triebwerk etwas komfortabler und geräuschärmer.
Fahrleistungen: 85:75-Sieg für den Ford
Mit jeweils 75 PS sind beide Modelle nach den Maßstäben der biederen Mittelklasse ordentlich motorisiert. Sportlichen Idealen vermögen sie mit dieser Leistung nicht nachzustreben, denn sie müssen sich mit immerhin 1000 kg Leergewicht abrackern. Für zügiges Mithalten im heutigen Verkehr ist die stärkere Version (statt 66 bzw. 65 PS/48 kW) geeigneter. Absolut gleich stark motorisiert, liefern sich die beiden 1700-S-Modelle ein praktisch totes Rennen.
Der normale Fahrbetrieb deckt hier weder Vorteile noch Schwächen auf. Erst präzise Messungen fördern minimale Unterschiede zutage. Der Ford 17M beschleunigt geringfügig besser. Auch der Sieg in Sachen Höchstgeschwindigkeit geht an den Ford. Der Opel Rekord C schafft 153,1, der Ford 157 km/h.
Handlichkeit: Opel schlägt Ford mit 88:75
Die quicklebendigen Aus-Spaß-am-Fahren-Autos sind der Opel Rekord C und der Ford 17M keineswegs. Abmessungen und Raumangebot stehen in sehr vernünftigen Verhältnis zur Motorleistung, und wenn die Person am Steuer einmal richtiges Fahrvergnügen überkommen sollte, dann wird dazu nur selten der Charakter eines dieser Autos beigetragen haben.
Bei Wendemanövern sind im Rekord weniger Lenkkräfte aufzubringen als im Ford, die gesamte Lenkung ist zudem spürbar exakter und präziser. Ebenso benötigt man im 17M mehr Beinkraft, um die Pedalerie zu bedienen, während die Bedienungselemente der Kontrahenten in ihrem Ordnungsschema wie voneinander kopiert wirken. Insgesamt gibt sich der Ford eine Stufe schwergängiger und behäbiger als der Opel.
Fahrverhalten: 88:80 für den Opel
Beide Entwicklungsabteilungen verschrieben sich der konventionellen Bauweise mit Frontmotor und Heckantrieb. Damit waren günstige Gestehungskosten und ein im Prinzip gutmütiges Fahrverhalten gesichert. Im Detail aber lösten die Autobauer ihre Aufgabe dann doch recht unterschiedlich.
Im Ford führt eine McPherson-Konstruktion mit zwei Querlenkern die Vorderräder. Die starre Hinterachse muss sich mit Blattfedern und kurzem Querlenker begnügen. Opel benutzt eine Vorderachs-Konstruktion mit doppelten Querlenkern und durch einen Panhardstab geführte starre Hinterachse. Der Opel Rekord C ist ein braver und problemloser Untersteuerer. Der Ford 17M aber scheut nicht, das Heck in der Kurve nach außen zu werfen. Er verlangt mehr Aufmerksamkeit und mehr Konzentration.

Fahrsicherheit: Opel siegt mit 82:75 Punkten
In der Fahrsicherheit entsprechen beide Kontrahenten durchaus dem repräsentativen Durchschnitt auf unseren Straßen. Schon als Basis-Fahrzeuge verfügen beide über genügend Reserven. Sowohl Ford 17M als auch Opel Rekord C sind serienmäßig mit Bremsservo ausgerüstet.
Die Bremswirkung war bei beiden Testwagen zuverlässig und kontinuierlich, und selbst bei scharfer Fahrweise mit häufigen Vollbremsungen stellte sich kein Nachlassen der Bremswirkung ein. Bedingt durch die Konzeption verfügen beide Wagen über einen durchschnittlichen Geradeauslauf, jedoch ist es mit der Spursicherheit nicht weit her. Leichte Unebenheiten verändern die Laufrichtung der Räder.
Fahrkomfort: 68:66-Sieg für Opel
Gemäß ihrer Aufgaben als Alltags-Gebrauchsautos sollten die beiden Mittelklässler eigentlich einen relativ stark betonten Fahrkomfort haben. Rein räumlich gesehen können sie auch damit aufwarten, es sind große, bequeme Autos. Der Federungsabstimmung aber sind da schon durch den recht einfachen Fahrwerksbau gewisse Grenzen gesetzt.
Zwar erzeugen sowohl der Ford 17M als auch der Opel Rekord C durch Größe und Gewicht einen gewissen Komforteindruck. Aber das effektive Schluckvermögen der Federung ist durchaus nicht größer als bei bequemen Kleinautos. Echte Vorteile erkämpft keiner der Kandidaten. Gleiches gilt für die Geräuschentwicklung der beiden Motoren.
Unterhaltskosten: Ford hat die Nase vorn – mit 94 zu 88
Die eigentliche Stärke – und das ist wohl auch der Grund für den anhaltenden Erfolg dieser Modelle – liegt bei beiden Konkurrenten auf dem Sektor der Unterhaltskosten. Sowohl der Ford 17M als auch der Opel Rekord C sind von der Karosserie und vom Raumangebot her ausgewachsene Autos, die mit 75 PS (55 kW) maßvoll motorisiert sind und in ihren Betriebskosten erschwinglich bleiben.
Preiswürdigkeit: 83 Punkte für Opel, 75 für Ford
Im Bereich dieser Mittelklassewagen belauern sich die Kalkulator-Abteilungen von Ford und Opel scharf und misstrauisch wie beim Schachspielen. Keine Seite lässt ernsthafte Preisdifferenzen aufkommen. Es ist also ziemlich gleich, ob man einen Ford oder einen Opel kauft. Die Kosten sind nahezu dieselben. Da auch die Qualitäten beider Autos nicht eben enorm differieren, fällt es einigermaßen schwer, bei einem der beiden den besseren Gegenwert zu finden. Es kommt hier dann auch zu einem Unentschieden.
Der Ford 17 M erstreitet sich das mit dem besseren Raumangebot noch mehr als mit der Fahrleistung. Auf dem Konto des Opel Rekord C stehen der geringfügig geringere Preis und der ausgewogenere Charakter. Modelltreue und eine noch lange währende Bauzeit sind Dinge, die keiner der Wagen versprechen kann.
Fazit
Der Opel hat nach Punkten gewonnen: 807 zu 786. Sein Sieg ist verdient, wenngleich er auf den ersten Blick überrascht, denn er bietet den Raumbedürftigen nicht den meisten Platz und den Temperamentvollen nicht die besten Fahrleistungen. Sein Erfolg basiert auf dem gesunden Mittelmaß. Der Rekord ist einfach ein abgerundetes, fertiges Auto.
Der 17M kann seinen zweiten Platz nicht zuletzt seinem amerikanisch geprägten Charakter zuschreiben. Seine Entwicklung kennzeichnen häufige Karosserieänderungen, die jedoch nie so ganz auf der Wellenlänge des Publikums lagen. Rein äußerlich verzichtete Ford auf eine eigene Note. Bei der Innenausstattung wurde der Zeitgeschmack vernachlässigt, und für technische Verfeinerung bleib bei der notgedrungen hektischen Modellpolitik für diesen Typ nicht viel Zeit. Darum fehlt dem Ford auch jene Reife, die den Opel gewinnen lässt.
Ihre im wesentlichen zweckbetonte Transportaufgabe erfüllen beide Autos sehr ordentlich und höchst zuverlässig.
Technische Daten von Ford 17M P7 und Opel Rekord C
AUTO ZEITUNG 13/1971 | Ford 17M P7 | Opel Rekord C |
|---|---|---|
Zylinder / Ventile pro Zylin. | 4 / 2 | 4 / 2 |
Hubraum | 1688 cm³ | 1679 cm³ |
Leistung | 55 kW/75 PS bei 5000 U/min | 55 kW/75 PS bei 5200 U/min |
Max. Gesamtdrehmoment bei | 127 Nm bei 2400 U/min | 127 Nm bei 2700 U/min |
Getriebe / Antrieb | 4-Gang-Getriebe / Hinterrad | 4-Gang-Getriebe / Hinterrad |
L / B / H | 4721 / 1756 / 1478 mm | 4550 / 1754 / 1456 mm |
Leergewicht | 1062 kg | 1078 kg |
Bauzeit | 1968 – 1971 | 1966 – 1971 |
Stückzahl | 567.482 | 541.221 |
Beschleunigung null auf 100 km/h | 16,2 s (AZ 13/1971) | 16,4 s (AZ 13/1971) |
Höchstgeschwindigkeit | 157 km/h (AZ 13/1971) | 153 km/h (AZ 13/1971) |
Verbrauch auf 100 km | 13,4 l S (AZ 13/1971) | 12,8 l S (AZ 13/1971) |
Grundpreis (Jahr) | 8717 Mark (1971) | 8679 Mark (1971) |




















