X1/GLA/Tiguan Facelift: Vergleichstest Tiguan Facelift stellt sich X1 und GLA

von Marcel Kühler 01.02.2021
Inhalt
  1. BMW X1, Mercedes GLA & VW Tiguan Facelift im Vergleichstest
  2. Fahrkomfort: Adaptive Dämpfer im Mercedes GLA
  3. Motor/Getriebe: VW Tiguan Facelift der Durstigste im Testfeld
  4. Fahrdynamik: Kürzester Bremsweg beim BMW X1
  5. Umwelt/Kosten: VW Tiguan Facelift mit den besten Garantiebedingungen
  6. Messwerte & technische Daten BMW X1 xDrive18d, Mercedes GLA 200 d 4Matic & VW Tiguan 2.0 TDI SCR 4Motion

Zur Bewährungsprobe trifft das VW Tiguan Facelift im Vergleichstest auf den BMW X1 und den Mercedes GLA.

Gesamtbewertung (max. Punkte)BMW X1
xDrive18d
Mercedes
GLA 200
d 4Matic
VW Tiguan 2.0
TDI SCR
4Motion
Karosserie (1000)632641683
Fahrkomfort (1000)686700698
Motor/Getriebe (1000)631633606
Fahrdynamik (1000)723674691
Eigenschaftswertung (4000)267226482678
Kosten/Umwelt (1000)360355359
Gesamtwertung (5000)303230033037
Platzierung231

Ring frei für den anspruchsvollen Vergleichstest zwischen VW Tiguan 2.0 TDI SCR 4Motion, BMW X1 xDrive18d und Mercedes GLA 200 d 4Matic. Der erfolgsverwöhnte VW Tiguan hatte es zuletzt nicht leicht. Zahlreiche Emporkömmlinge versuchten, an seinem Thron im Kompakt-SUV-Olymp zu sägen. Mit einem umfangreichen Facelift soll der facettenreiche Bestseller nun seine Führungsposition auch für die Zukunft sichern. Neben optischen Retuschen macht das VW Tiguan Facelift mit erweiterter Sicherheitsausstattung sowie überarbeiteter Bedienlogik auf sich aufmerksam. Doch reichen diese Maßnahmen für eine nachhaltige Spitzenposition? Wir haben die drei populären Kompakt-SUV mit Allrad, 150-Diesel-PS und markanten Hauben unter die Lupe genommen.

Im Video VW Tiguan Facelift (2020):

 
 

BMW X1, Mercedes GLA & VW Tiguan Facelift im Vergleichstest

Modellpflegemaßnahmen haben ja grundsätzlich das Ziel, kleinere Schwächen eines Fahrzeugs auszumerzen. Zumindest in einem Punkt ist dies beim neuen VW Tiguan 2.0 TDI SCR 4Motion jedoch nicht gelungen: bei der Bedienung. Dies betrifft weniger das tastenlose Multimedia-System, das bereits aus dem Vorgänger bekannt ist, als vielmehr das neue Lenkrad mit seinen bei unserem Testwagen eher zufällig reagierenden Touchflächen/Slidern sowie die neue Klima-Bedieneinheit. Letztere verzichtet ebenfalls auf echte Tasten oder Regler und kommt dafür mit berührungssensitiven Flächen daher, auf denen beispielsweise zur Temperaturregelung auch gewischt werden darf. Gerade während der Fahrt lenkt das Ertasten dieser kleinen Touchfelder aber vom Geschehen ab – zumal das Modul relativ weit unten im Armaturenträger und somit weit entfernt vom natürlichen, auf die Straße gerichteten Blickfeld des Fahrers:der Fahrerin liegt. Kein Wunder also, dass das VW Tiguan Facelift in Sachen Bedienbarkeit im Vergleichstest keine Chance hat gegen den intuitiven BMW X1 xDrive18d und den Mercedes GLA 200 d 4Matic mit seiner cleveren Sprachsteuerung, die auf "Hey Mercedes"- Zuruf ihre Hilfe anbietet. Weit positiver sticht dafür die erweiterte Sicherheitsausstattung inklusive auf Wunsch verfügbarer autonomer Fahrfunktionen heraus. Selbst der technokratische Daimler erhält trotz beeindruckenden Assistenz-Arsenals weniger Punkte, da sich die Schwaben:die Schwäbinnen einige Dinge extra bezahlen lassen, die im VW bereits serienmäßig an Bord sind. Dem BMW merkt man am Fehlen von mittlerweile obligatorischen Systemen, etwa einem Toter-Winkel-Warner, das fortgeschrittene Alter an. Eine wesentliche Eigenschaft des Tiguan berührt das umfangreiche Facelift indes nicht: Bei der vor rund fünf Jahren eingeführten zweiten Generation des Wolfsburger Hochsitzers handelt es sich um ein ausgesprochen praktisches Gefährt, das mit einer längs verschiebbaren Rückbank samt dreiteilig umlegbarer Lehne punktet. Optional lässt sich die Variabilität zusätzlich mit einer umklappbaren Beifahrersitzlehne sowie einem variablen Ladeboden erweitern. Allerdings bietet all dies die Vergleichstest-Konkurrenz auf Wunsch ebenfalls. Was dem VW als Alleinstellungsmerkmal bleibt, ist dessen geradezu pompöses Raumangebot für Gepäck und Mensch. Sowohl vorn als auch in Reihe zwei finden selbst großgewachsene Passagiere mehr Platz vor als in den besonders seitlich enger geschnittenen Premium-Gegnern.

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Fahrkomfort: Adaptive Dämpfer im Mercedes GLA

Und auch der Sitzkomfort auf den Top-Komfortsitzen, mit denen das VW Tiguan Facelift den Vergleichstest bestreitet, entziehen sich mit ihrer bequemen Polsterung und der wirkungsvollen Seitenabstützung jeglicher Kritik. Doch auch hier gilt: Die Optionssitze der Wettbewerber schützen ähnlich gut vor etwaigen Ermüdungserscheinungen auf langen Strecken. Letztere bestreitet man bekanntlich am zeiteffizientesten auf der Autobahn. Und genau dort beeindruckt das mit adaptiven Dämpfern bestückte Fahrwerk (1019 Euro) des VW Tiguan 2.0 TDI SCR 4Motion, indem es den Aufbau angenehm ruhig hält und lange wie kurze Wellen wirkungsvoll ausgleicht. Bei langsamer Fahrt können die vom Hersteller aufgesattelten 20-Zoll-Riesenräder ihre geringe Eigendämpfung aber nicht verhehlen. Entsprechend poltrig reicht das Set-up manche Kanten und Asphaltflicken an die Passagiere weiter. Ähnliches lässt sich über den sportlich straff gefederten BMW X1 xDrive18d sagen. Auch seine Federung samt elektronisch geregelter Dämpfer (487 Euro) filtert Unebenheiten nicht ganz so effizient wie die des Mercedes GLA 200 d 4Matic. Speziell bei langsamer Fahrt dringen Unebenheiten im vergleichsweise flauschig gefederten und adaptiv gedämpften (1148 Euro) Daimler weniger merklich durch.

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Motor/Getriebe: VW Tiguan Facelift der Durstigste im Testfeld

Weitere Pluspunkte sammelt der Mercedes GLA 200 d 4Matic durch seinen spritzigen Antrieb. Mit seinem 150 PS starken Selbstzünder spurtet der Mercedes in nur 8,3 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und ermöglicht eine Endgeschwindigkeit von 205 km/h. Zum Vergleich: Der VW Tiguan 2.0 TDI SCR 4Motion benötigt für den Standardsprint eine glatte Sekunde mehr Zeit und wirkt bei Geschwindigkeiten jenseits 160 km/h im Gegensatz zum weiter stramm nach vorn marschierenden Schwaben recht zugeschnürt. Darüber hinaus arbeitet das Daimler-Herz mindestens so kultiviert wie etwa der Vierzylinder-Turbodiesel des BMW X1 xDrive18d. Allerdings wirkt dessen aufpreispflichtiges Automatik-Getriebe im Vergleichstest insgesamt noch etwas wacher mit meist plausiblen und nahtlosen Schaltmanövern. Dass ein moderner Diesel immer noch eine Top-Motorisierung für ein SUV ist, beweist das Testfeld durch seinen durchweg geringen Kraftstoffkonsum. So genügen dem BMW und dem Mercedes auf unserer Testrunde gerade einmal 6,5 Liter für die Distanz von 100 Kilometern. Und auch das VW Tiguan Facelift ist mit durchschnittlich 7,1 Litern recht sparsam unterwegs.

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Fahrdynamik: Kürzester Bremsweg beim BMW X1

Auf dem Rundkurs und im Slalom des Vergleichstests macht der leichtgewichtige BMW X1 xDrive18d kurzen Prozess mit seinen Gegnern. Der Bajuware ist – begünstigt durch die sehr direkte, optionale Sportlenkung – mit Abstand das fahraktivste Auto im Test. Er leistet sich kaum ein Untersteuern und dreht das Heck beim gezielten Gaswegnehmen sanft in die Kurve ein. Gekrönt wird die tolle Vorstellung im Fahrdynamik-Kapitel des Vergleichstests durch die insgesamt kürzesten Bremswege. Mit 36,4 Metern benötigt der Mercedes GLA 200 d 4Matic fast zwei Meter mehr Wegstrecke für die Vollbremsung aus Tempo 100 mit kalter Anlage. Ansonsten ist der Schwabe auf abgesperrter Strecke ein recht unauffälliges Auto, lenkt ordentlich ein und untersteuert sanft, ehe das ESP sensibel und zielgerichtet eingreift. Und der VW? Das VW Tiguan Facelift wirkt trotz seiner stattlichen Leermasse von 1767 Kilogramm deutlich agiler als der Mercedes GLA 200 d und begegnet Kurven – unterstützt durch seine haftstarke Bereifung – neutraler. Im weiteren Kurvenverlauf baut der VW Tiguan 2.0 TDI SCR 4Motion hohe Querkräfte auf und lässt sich auch durch provozierte Lastwechsel nicht aus der Ruhe bringen.

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Umwelt/Kosten: VW Tiguan Facelift mit den besten Garantiebedingungen

Der VW Tiguan 2.0 TDI SCR 4Motion konkurriert nicht nur mit seinen technischen Qualitäten auf Augenhöhe mit den Premium-Wettbewerbern von BMW und Mercedes, auch preislich stößt er mittlerweile in ähnliche Sphären vor – selbst wenn das Basismodell des 2.0 TDI 4Motion deutlich umfangreicher ausgestattet ist als ein BMW X1 xDrive18d oder der Mercedes GLA 200 d 4Matic. Inklusive aller testrelevanten Extras summiert sich der bewertete Preis des Wolfsburgers auf stramme 44.289 Euro. Damit ist er 2657 Euro teurer als der BMW. Selbst der Mercedes liegt mit einem bewerteten Preis von 43.181 Euro noch 1108 Euro hinter dem VW Tiguan Facelift. Dass letzterer in diesem Kapitel des Vergleichstests aber zumindest den noblen Daimler hinter sich lassen kann und bis auf einen Punkt auf den BMW aufschließt, hat neben der erwähnten umfangreicheren Serienausstattung noch weitere Gründe: So liegen die Kosten für die Versicherung unter denen der Wettbewerber. Und auch die Garantieleistungen fallen kundenfreundlicher aus als bei der Konkurrenz.

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Messwerte & technische Daten BMW X1 xDrive18d, Mercedes GLA 200 d 4Matic & VW Tiguan 2.0 TDI SCR 4Motion

AUTO ZEITUNG 26/2020BMW X1
xDrive18d
Mercedes GLA
200 d 4Matic
VW Tiguan 2.0
TDI SCR 4Motion
Technik 
Zylinder/Ventile pro Zylin.4/4; Turbodiesel4/4; Turbodiesel4/4; Turbodiesel
Hubraum1995 cm³1950 cm³1968 cm³
Leistung110 kW/150 PS
4000 /min
110 kW/150 PS
3800 /min
110 kW/150 PS
3000 /min
Max. Drehmoment350 Nm
1750 - 2500 /min
320 Nm
1400 - 3200 /min
360 Nm
1600 - 2750 /min
Getriebe/Antrieb8-Stufen-Automatik (opt.)/
Allrad, permanent
8-Gang, Doppelkupplung /
Allrad, permanent
7-Gang, Doppelkupplung /
Allrad, permanent
Messwerte 
Leergewicht (Werk/Test)1605/1677 kg1595/1729 kg1640/1767 kg
Beschleunigung 0-100 km/h (Test)9,0 s8,3 s9,3 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)204 km/h205 km/h198 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
34,5/34,2 m36,4/35,5 m35,9/35,3 m
Verbrauch auf 100 km (Test/WLTP)6,5/5,6 l D /100km6,5/5,6 l D /100km7,1/6,1 l D /100km
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)173/146 g/km173/148 g/km189/161 g/km
Preise 
Grundpreis36.603 €40.310 €38.787 €
Testwagenpreis41.632 €43.181 €44.289 €

von Marcel Kühler von Marcel Kühler
Unser Fazit

Am Ende kann der überarbeitete VW Tiguan 2.0 TDI SCR 4Motion den Vergleichstest für sich entscheiden. Das wie eh und je üppige Raumangebot sowie die erweiterte Sicherheitsausstattung sind wesentliche Bausteine für den Testsieg. Die Bedienung hat durch das VW Tiguan Facelift aber an Nutzerfreundlichkeit verloren, und auch die Preise drohen allmählich abzudriften. Aus diesem Grund kommen dem Volkswagen die Premium-Gegner in der Endabrechnung gefährlich nahe. Dies gilt vor allem für den zweitplatzierten BMW X1 xDrive18d, der mit seiner Fahrdynamik und dem – Achtung! – günstigeren Preis nur fünf Zähler hinter dem Tiguan ins Ziel kommt. Und auch der edle Mercedes GLA 200 d 4Matic bleibt in Schlagdistanz – trotz des deutlich kleineren Gepäckraums und der weniger ausgeprägten dynamischen Eigenschaften.

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