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BMW M2 Coupé/Porsche 718 Cayman GTS: Test Sport-Coupés im Performance-Test

von Martin Urbanke 19.12.2018
Inhalt
  1. BMW M2 Coupe und Porsche 718 Cayman GTS im Test
  2. Fahrkomfort: M2 mit kultivierteren Antrieb
  3. Karosserie: Cayman-Sitzfläche nur 20 cm über Asphalt
  4. Fahrdynamik: Porsche unterbietet M2 im Slalom
  5. Umwelt/Kosten: BMW 15.000 Euro günstiger als Cayman
  6. Technische Daten

Porsche 718 Cayman GTS und BMW M2 Coupé verheißen schon vor dem Test Fahrspaß pur: knackige Optik, dynamische Fahrwerke und Motoren mit mehr als 350 PS. Wer gewinnt die Sportwagen-Wertung?

Bringen wir es doch mal auf den Punkt: Wer sich lediglich nach einem alltagstauglichen Kompakten mit sportlichen Charakterzügen umschaut, wird auch andernorts fündig und kann eine Menge Geld sparen. Wer sich jedoch für eines dieser beiden anspruchsvollen Sport-Coupés interessiert, sucht einen reinrassigen Sportler, der ein Maximum an Dynamik und Fahrspaß bietet. Darum haben wir für diesen Test auch konsequenterweise nicht das übliche Bewertungsschema angesetzt, sondern unsere Sportwagen- Wertung zugrundegelegt. Den Rubriken Motor/Getriebe sowie Fahrdynamik fällt dabei eine stärkere Bedeutung zu als den Kapiteln Karosserie, Komfort und Kosten. BMW M2 Coupé und Porsche 718 Cayman GTS treten an um zu klären, wer der potentere Sportwagen ist. Nicht mehr und nicht weniger.

Der Porsche 718 Cayman (2016) im Video:

 
 

BMW M2 Coupe und Porsche 718 Cayman GTS im Test

Die reinen Zahlen sprechen zunächst klar für den BMW. Sein Reihensechszylinder mit einem Twinscroll-Turbolader entfacht satte 370 PS und stemmt ein Drehmoment von 465 Nm. Im Overboost steigert sich dieser Wert sogar kurzfristig auf volle 500 Nm. Der Dreiliter begeistert aber nicht nur mit seiner schieren Leistung, sondern auch mit der Art und Weise, wie er diese freisetzt: Schon bei niedrigen Drehzahlen nimmt der M2-Motor ausgesprochen willig Gas an, packt voller Elan zu und dreht ebenso feurig wie geschmeidig hoch. Sein Turbokonzept äußert sich höchstens im jederzeit üppigen Drehmoment – ein zögerliches Ansprechen lässt er sich indes nicht vorwerfen. Der 2,5 Liter große Vierzylinder- Boxer im Heck des 718 GTS hält jedoch trotz der nominell fünf PS niedrigeren Leistung wacker dagegen: Im Sprint von null auf 100 km/h knöpft der Porsche dem BMW eine halbe Sekunde ab, bis 200 km/h wächst der Vorsprung des Cayman gar auf 1,6 s an. Dass der VTG-Lader des GTS-Motors ein im Vergleich zum 718 S (350 PS) größeren Verdichter hat, spürt man aber nicht nur am geringfügig auf 430 Nm gewachsenen Drehmoment, sondern auch daran, dass der Motor unterhalb von 3000 Touren etwas verhalten auf Gasbefehle reagiert. Der Porsche- Vierzylinder ist trotz seines nahezu perfekt arbeitenden Doppelkupplungsgetriebes (Option), das sogar "Segeln" kann, im Test etwas durstiger als der Sechszylinder im BMW, doch dies kompensiert er teilweise mit einem größeren Tankvolumen und der darum größeren Reichweite – diese Runde geht an den Stuttgarter.

 

Fahrkomfort: M2 mit kultivierteren Antrieb

Aber so schnell gibt sich der Bayer nicht geschlagen: Gerade wer längere Etappen fährt, wird auch in einem Sportwagen Komfort zu schätzen wissen. Hier punktet der M2 neben dem kultivierteren Antrieb zudem mit dem auf Dauer bekömmlicheren Klangbild. Der Sportauspuff des Cayman sorgt für einen prägnanten, aber präsenteren Tonfall. Zudem sammelt der M2 emsig Punkte in den Rubriken Klimatisierung und Multimedia – sowie beim Raumangebot: Der Porsche ist ein reiner Zweisitzer, während der BMW zwei durchaus akzeptable Sitzplätze im Fond offeriert. Die adaptiven Sportsitze (Option) des 718 bieten indes einen noch besseren Kompromiss aus Seitenhalt und Bequemlichkeit als die passgenauen Sportsitze des 2er, und sein Fahrwerk beweist dank der adaptiven Dämpfer selbst auf welligen, löchrigen oder rauen Straßen ein beachtliches Schluckvermögen. Hier offenbart der M2 eher unnachgiebige Härte. Dennoch – Punkt für BMW.

 

Karosserie: Cayman-Sitzfläche nur 20 cm über Asphalt

Raumangebot und Variabilität spielen zwar sicherlich nur eine untergeordnete Rolle – doch das Mittelmotorlayout und das extremere Styling des Cayman fordern ihren Tribut. Der BMW ist nicht nur viersitzig, sondern bietet wegen des Standardantriebs (Motor vorn, Antrieb hinten) mit 390 Litern auch den wesentlich geräumigeren Kofferraum. Ins Heck des 718 passen nur 275 Liter. Zudem lässt sich die Rückbank des 2er optional (200 Euro) dreiteilig umklappen. Der Porsche besitzt dafür zusätzlich unter der vorderen Haube noch ein Gepäckfach mit 150 Liter Volumen – und bietet deshalb insgesamt sogar mehr Stauraum.Was im Alltag aber noch stärker auffällt: Während man im BMW beinahe 45 Zentimeter über Fahrbahnthront, liegt die Sitzfläche im Cayman nur gut 20 Zentimeter über dem Asphalt. Das erschwert zwar den Ein- und Ausstieg im Porsche, sorgt aber zugleich für eine optimalins Auto integrierte Sitzposition. Das Fahrgefühl an Bord des M2 wirkt nicht zuletzt dadurch bereits im Stand weniger dynamisch.

 

Fahrdynamik: Porsche unterbietet M2 im Slalom

Aber wen interessiert's? Was zählt, sind die Fahreindrücke. Also ab auf die Piste. Hier fühlt sich der BMW keineswegs wie ein gewöhnlicher Kompaktwagen an, sondern lässt Adrenalin und Glückshormone sprudeln, sobald der Pilot Tempo aufnimmt. In den Fahrmodi Sport und Sport+ arbeitet die Lenkung angenehm fest, präzise und sehr direkt. Auf den optionalen Semislicks beißt sich der M2 an den geforderten Kurvenradien fest wie ein ungezogener Terrier und lässt den Hecktriebler ohne nerviges Untersteuern um die Ecken wetzen. Reicht der Grip nicht mehr aus, zackt das Heck zur Seite und fordert gute Refl exe – sofern das DSC (ESP) deaktiviert wurde. Auch wer gern driftet, wird den M2 lieben. Mehr Entertainment können selbst Supersportler mit 700 PS nicht bieten. Doch der 718 Cayman GTS beweist, dass weniger Spektakel meist auch weniger Zeit bedeutet und unterbietet seinen Rivalen sowohl im Slalom als auch auf der Rundstrecke. Dank der weniger aggressiven Bereifung ist er dabei einfacherin der Handhabung und kündigt  sein Limit klarer an, erzielt aber dennoch die höheren Kurvengeschwindigkeiten. Seine Lenkung arbeitet noch gefühlvoller und exakter, die Traktion ist noch besser, und die Eingriffe des PSM (ESP) erfolgen in Sport+ so spät und sanft, dass das System selbst auf der Rundstrecke aktiviert bleiben kann. Ausgerüstet mit der optionalen Karbon-Keramik-Bremsanlage verzögert der 718 überdies vollkommen fadingfrei.

 

Umwelt/Kosten: BMW 15.000 Euro günstiger als Cayman

Gemessen am Fahrspaß dürfen beide Kontrahenten durchaus noch als „preiswert“ gelten. Denn viel mehr Freude bereiten selbst deutlich teurere Boliden nur im Ausnahmefall. Die recht komplette Ausstattung des 718 GTS relativiert dessen im Vergleich zum minimal schwächeren Cayman S happigen Grundpreis, doch die Tarife für den BMW sind ein Kracher. Nicht nur dass er rund 15.000 Euro (mit Test-Optionen sogar gut 18.000 Euro) unter dem Porsche bleibt: Auch gegenüber dem BMW M4 Coupé mit 431 PS spart der legitime Nachfolger des legendären 2002 turbo fast exakt 20.000 Euro in der Anschaffung.

 

Technische Daten

 BMW M2 CoupéPORSCHE 718 Cayman GTS
Zylinder/Ventile pro Zylin.R6/4, TurboB4/4, Turbo
Hubraum2979 ccm2497 ccm
Leistung370 PS365 PS
Max. Gesamtdrehmoment465 Newtonmeter430 Newtonmeter
Getriebe/Antrieb7-Gang, Doppelkupplung (Opt.)/Hinterrad; elek. ger. Sperrdiff.7-Gang, Doppelkupplung (Opt.)/Hinterrad; Sperrdifferenzial
Beschleunigung  
0 - 100 km/h4,3 s3,8 s
0 - 200 km/h15,3 s13,7 s
Höchstgeschwindigkeit250 km/h (optional: 270 km/h)290 km/h
Leergewicht (Werk)1520 kg1405 kg
Bremsweg aus 100 km/h warm33,1 m31,2 m
Verbrauch (Test/EU)10,3/7,9 l SP/100 km10,6/8.2 l SP/100 km
CO2-Ausstoß (Test/EU)244/185 g/km251/186 g/km
Grundpreis59.900 Euro76.137 Euro
Testwagenpreis71.349 Euro89.787 Euro
Punktzahl (max. 5000 Punkte)2695 Punkte2753 Punkte
Platzierung21

von Martin Urbanke von Martin Urbanke
Unser Fazit

Kritiker der Baureihe 718 werden auch dem neuen Cayman GTS vorwerfen, dass er trotz eines Testwagen-Preises von knapp 90.000 Euro nur vier Zylinder bietet. Dennoch überzeugt der Porsche 718 Cayman GTS auf ganzer Linie mit seinen sportlichen Eigenschaften: Der Turbo-Boxer verhilft ihm zu sehr flotten Fahrleistungen, das perfekt austarierte Fahrwerk setzt diese Power in freudvolle Querdynamik um. Ein würdiger Sieger. Das BMW M2 Coupé ist jedoch kein Verlierer-Typ: Sein konventionelles Konzept verleiht ihm etliche pragmatische Vorzüge, und der phantastische Sechszylinder-Turbo ist ein echtes Prachtstück – das bald noch mehr Biss bekommt …

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