Porsche 911/BMW 8er: Vergleichstest Der 8er fordert den Elfer heraus

von Caspar Winkelmann 17.08.2020
Inhalt
  1. Porsche 911 und BMW 8er im Vergleichstest
  2. Fahrkomfort: Porsche 911 Carrera 4 mit strafferem Fahrwerk
  3. Motor/Getriebe: BMW 840i xDrive mit famoser Achststufen-Automatik
  4. Fahrdynamik: Porsche 911 mit brillianter Traktion
  5. Umwelt/Kosten: BMW 8er entscheidet das Kosten-Kapitel für sich
  6. Messwerte & technische Daten BMW 840i xDrive Coupè & Porsche 911 Carrera 4

Porsche 911 und BMW 8er sind große Namen der deutschen Automobil-Geschichte. Die Neuauflagen präsentieren sich so digital und sportlich wie nie. Der 911 Carrera 4 und der 840i xDrive im Vergleichstest!

Gesamtbewertung (max. Punkte)BMW 840i xDrive CoupèPorsche 911 Carrera 4
Karosserie (1000)570499
Fahrkomfort (1000)672584
Motor/Getriebe (1000)656683
Fahrdynamik (1000)767859
Eigenschaftswertung (4000)26652625
Kosten/Umwelt (1000)208189
Gesamtwertung (5000)28732814
Platzierung12

Der Porsche 911, hier im Vergleichstest gegen den BMW 8er, zählt zu den Urgesteinen unter den Sportwagen: Am Performance-Gedanken samt Heckmotorkonzept und der unverwechselbaren Silhouette hält man in Zuffenhausen seit vielen Jahrzehnten fest. Die achte Elfer-Generation macht da keine Ausnahme, folgt jedoch mit "entknopftem" Cockpit, neuen Multimedia-Features und einer größeren Anzahl an Assistenzsystemen dem digitalen Zeitgeist. Dass BMW-Modelle auf Fahrdynamik setzen und klassenübergreifend im Wettberwerber-Umfeld stets zu den sportlichsten Fahrzeugen gehören, hat ebenfalls Tradition. Und als die Münchener 2018 die legendäre 8er-Reihe neu auflegten, dürften nicht nur eingefleischte Markenfans gejubelt haben. Jetzt treffen mit Porsche 911 Carrera 4 und BMW 840i xDrive Coupé die beiden Einstiegsvarianten erstmals im Vergleichstest aufeinander. Das Duell entscheidet sich jedoch nicht nur auf der Rennstrecke, denn Komforteigenschaften und Alltagstauglichkeit kommt eine ebenso große Bedeutung zu.

 

Porsche 911 und BMW 8er im Vergleichstest

Ein Elfer muss auf den ersten Blick als Elfer zu erkennen sein – das gilt auch für die neue 992-Generation Die stärker ausgestellten Radhäuser und das durchgehende Leuchtenband am Heck, das nun alle Elfer-Typen auszeichnet, verleihen dem Porsche 911 noch mehr Präsenz. Mit seiner großen Kühlerniere, der langen Motorhaube und den großen, L-förmigen Rückleuchten ist auch der mit 4,84 Metern über 30 Zentimeter längere BMW 8er eine imposante Erscheinung. Beim Raumangebot für Fahrer und Beifahrer geben sich die beiden Kontrahenten nicht viel: Die etwas bessere Kopffreiheit des Porsche kontert der BMW 8er mit einer um stattliche zwölf Zentimeter größeren Innenbreite. Allerdings: Die wuchtige Mittelkonsole schränkt den Beinraum vergleichsweise stark ein. Die beiden Fondsitzplätze eignen sich hier wie dort am besten als Ablageflächen für Jacken und kleines Gepäck, denn aufgrund der jeweils enorm eingeschränkten Kopf- sowie Kniefreiheit können hinten als Passagiere höchstens kleinere Kinder halbwegs kommod mitreisen. Mit seinem 420 Liter großen Kofferraum sowie 429 Kilogramm Zuladung (Porsche: 391 kg) ist der BMW 8er jedoch das praktischere Auto und empfiehlt sich auch für längere Urlaubsfahrten zu zweit. Der Laderaum unter der Fronthaube des Porsche 911 Carrera 4 fasst spärliche 132 Liter, sodass zwar eine Getränkekiste verstaut werden kann, zum Transport von größeren Gepäckstücken jedoch der Raum im Fond genutzt werden muss. Zugelegt hat der grundsolide verarbeitete Porsche in puncto Sicherheitsausstattung, schließlich sind etwa mit Abstandsregler oder Nachtsichtassistenten einige moderne Sicherheitsfeatures erhältlich. Dennoch: Ber BMW 840i xDrive fährt in diesem Vergleichstest alles an Sicherheitstechnik, was die Marke aktuell zu bieten hat – inklusive aufpreispflichtiger teilautonomer Fahrfunktionen oder serienmäßiger vorausschauender Crashsensorik.

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Fahrkomfort: Porsche 911 Carrera 4 mit strafferem Fahrwerk

Neben dem umfangreichen Angebot an Fahrerassistenzsystemen zeigen die ausgeprägten Komforteigenschaften, dass die Münchener auch mit der Neuauflage des BMW 8er keinen kompromisslosen Sportwagen entwickelt haben. Vielmehr besticht der Bajuware in diesem Vergleichstest mit seiner sehr guten Geräuschdämmung, dem gelassenen Federungskomfort sowie den größeren und besser nutzbaren Ablagemöglichkeiten als kommodes Reisemobil. An Bord des Porsche geht es in allen Geschwindigkeitsbereichen aufgrund stärker ausgeprägter Motor-, Fahrtwind- und Abrollgeräusche deutlich lauter zu. Und gerade im Stadtverkehr dringen Fahrbahnunebenheiten wegen des straffer ausgelegten Fahrwerks stärker durch – ohne die Passagiere jedoch mit unwilligem Anfedern oder harten Stößen zu behelligen. Auf der Autobahn bietet der Porsche 911 zudem einen im Vergleich mit dem Vorgänger deutlich verbesserten Schnellfahrkomfort. Punkten kann der Porsche 911 Carrera 4 in diesem Vergleichstest mit den aufpreispflichtigen Sportsitzen Plus (3618 Euro), die sich dank zigfacher Einstellmöglichkeiten perfekt an den Körper anpassen lassen und den Spagat zwischen Bequemlichkeit auf Langstrecken und Seitenhalt bei der Kurvenhatz noch besser meistern als die weniger ausgeprägt konturierten Multifunktionssitze des BMW 840i xDrive.

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Motor/Getriebe: BMW 840i xDrive mit famoser Achststufen-Automatik

Beide Sportler setzen in diesem Vergleichstest auf sechs Zylinder, Turboaufladung und drei Liter Hubraum – ansonsten unterscheiden sie sich jedoch grundlegend voneinander und folgen der jeweiligen Markenphilosophie. Unter der langen Haube des 840i kommt ein Reihensechszylinder mit einem Lader, 340 PS und 500 Newtonmeter Drehmoment zum Einsatz. Im Heck des Porsche 911 arbeitet der aus dem 991 bekannte und weiterentwickelte Boxer mit Biturboaufladung, der es nun auf 385 PS bringt und bis zu 450 Newtonmeter auf die Kurbelwelle stemmt. Den Sprint von null auf Tempo 100 hakt der mit 1594 kg deutlich leichtere Porsche 911 Carrera 4 in gerade einmal 3,9 Sekunden ab (BMW: 4,6 Sekunden), erreicht Tempo 200 sogar vier Sekunden schneller und hat auch beim Topspeed von 291 km/h klar die Nase vorn. Zudem reagiert der Elfer direkter auf Gasbefehle und schiebt in jeder Fahrsituation noch vehementer an als der BMW 8er. Vorteile verbucht der seidenweich laufende BMW 840i xDrive dafür in puncto Laufruhe und Effizienz. Im Schnitt verbraucht er 9,8 Liter Super Plus auf 100 Kilometern – 0,4 Liter weniger als sein Rivale. Die famose Achtstufen-Automatik schaltet in jeder Fahrsituation nahezu perfekt und wirkt im Stop-and-go-Betrieb oder beim Rangieren harmonischer als das zuweilen etwas ruckig agierende Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe des 911.

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Fahrdynamik: Porsche 911 mit brillianter Traktion

Egal ob verwinkelte Landstraßen oder abgesperrte Rennstrecke: Der Porsche 911 ist auch mit dem Basismotor auf jedem Terrain eine Fahrmaschine reinsten Wassers und gewinnt das Vertrauen seines Fahrers bereits in der ersten Kurve. Die ultra-direkt ansprechende Lenkung liefert ein glasklares Feedback und erlaubt ein präzises Entlangtasten an der Ideallinie, während die adaptiven Dämpfer im Sportmodus Karosseriebewegungen auf ein absolutes Minimum reduzieren. Die brillanten Traktionseigenschaften des Allradlers und die enorm feinfühlig arbeitenden Regelsysteme erlauben es auch weniger versierten Fahrern, mit dem Porsche 911 Carrera 4 sehr schnell unterwegs zu sein. Ein Extralob verdient zudem die mit 8937 Euro zwar sündhaft teure, gleichzeitig aber auch gnadenlos zupackende Karbon-Keramik-Bremse: Im kalten Zustand braucht der 911er aus Tempo 100 nur 33,4 Meter bis zum Stillstand, mit warmer Anlage sind es sogar nur 32,0 Meter (BMW 840i xDrive: jeweils 35,1 Meter). Auch der BMW 8er pfeift in diesem Vergleichstest mit enormen Geschwindigkeiten durch Kurven aller Art und kennt Traktionsprobleme dank 20-Zoll-Mischbereifung und xDrive-Allradantrieb nur vom Hörensagen, insgesamt wirkt er aber etwas distanzierter als der Porsche. Und die größeren Außenabmessungen sowie das knapp 260 Kilogramm höhere Gewicht merkt man dem Münchener – vor allem beim direkten Umsteigen aus dem Porsche – deutlich an.

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Porsche 911 Carrera 4S Cabriolet: Test Das 911 Carrera 4S Cabrio im Test

 

Umwelt/Kosten: BMW 8er entscheidet das Kosten-Kapitel für sich

Mit 112.509 Euro Grundpreis ist der Porsche 911 satte 13.000 Euro teurer als der BMW 8er. Mit der testrelevanten Ausstattung beträgt die Preisdifferenz sogar 21.000 Euro – da helfen dem Porsche auch die Vorteile bei Werkstatt- sowie Versicherungskosten und Wertverlust nicht.

Test BMW M850i xDrive Gran Coupé
BMW M850i xDrive Gran Coupé: Test Das 8er Gran Coupé im Test

 

Messwerte & technische Daten BMW 840i xDrive Coupè & Porsche 911 Carrera 4

AUTO ZEITUNG
09/2020
BMW 840i xDrive CoupèPorsche 911 Carrera 4
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.R6/4; TurboB6/4; Turbo
Hubraum2998 cm³2981 cm³
Leistung250 kW/340 PS283 kW/385 PS
Max. Drehmoment500 Nm450 Nm
Getriebe/Antrieb8-Stufen-Automatik/ Allrad; aktives M Sportdiff. hi. (opt.)8-Gang-Doppelkupplung/ Allrad; Hinterachssperrdiff.
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)1770/1851 kg1555/1594 kg
Beschleunigung (Test)  
0 - 100 km/h4,6 s3,9 s
0 - 150 km/h9,6 s7,6 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)250 km/h291 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
35,1/35,1 m33,4/32,0 m
Verbrauch (Test/EU)9,8/8,9 l SP/100 km10,2/10,2 l SP/100 km
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)227/206 g/km236/231 g/km
Preise
Grundpreis99.500 Euro112.509 Euro
Testwagenpreis109.150 Euro130.139 Euro

von Caspar Winkelmann von Caspar Winkelmann
Unser Fazit

Aus diesem hochklassigen Vergleichstest geht der BMW 840i xDrive Coupé als Sieger hervor, weil er durch seine Allroundqualitäten überzeugt: Mit großem Kofferraum, lückenloser Sicherheitsausstattung sowie den ausgeprägten Komforteigenschaften sammelt der trotz des hohen Gewichts sehr dynamische Bajuware viele Punkte. Die Bremsleistung bleibt jedoch hinter den Erwartungen zurück. Der Porsche 911 Carrera 4 ist deutlich stärker auf Dynamik getrimmt: Das sensationell präzise Handling, die top Bremsen und die nochmals besseren Fahrleistungen machen den Reiz der Sportwagen-Ikone aus. Gleichzeitig ist die neue Elfer-Generation in puncto Multimedia- und Sicherheitsausstattung inzwischen auf Höhe der Zeit. Diese Qualitäten lässt sich Porsche jedoch fürstlich bezahlen.

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