BMW 4er/Mercedes E-Klasse Cabrio: Test BMW 4er und Mercedes E-Klasse im Cabrio-Duell

von Martin Urbanke 18.10.2021
Inhalt
  1. BMW 4er Cabrio und Mercedes E-Klasse Cabriolet im Vergleichstest
  2. Fahrkomfort: Luftfederung im Mercedes E-Klasse Cabriolet
  3. Motor/Getriebe: Effizienter Antrieb im BMW 4er Cabrio
  4. Fahrdynamik: Mercedes E-Klasse Cabriolet mit guter Traktion
  5. Umwelt/Kosten: Serienausstattung spricht fürs BMW 4er Cabrio
  6. Messwerte & technische Daten BMW 4er Cabrio (M440i xDrive) und Mercedes E-Klasse Cabriolet (E 450 4Matic)

Das BMW 4er Cabrio trifft im Vergleichstest auf das Mercedes E-Klasse Cabriolet. Ring frei für Genuss und Fahrvergnügen mit Sechszylindern in BMW M440i xDrive und Mercedes E 450 4Matic.

Gesamtbewertung (max. Punkte)BMW
M440i
xDrive
Cabrio
Mercedes
E 450
4Matic
Cabriolet
Karosserie (1000)560564
Fahrkomfort (1000)675707
Motor/Getriebe (1000)711692
Fahrdynamik (1000)776746
Eigenschaftswertung (4000)27222709
Kosten/Umwelt (1000)264254
Gesamtwertung (5000)29862963
Platzierung12

BMW 4er Cabrio und Mercedes E-Klasse Cabriolet begeistern im Vergleichstest mit elegantem Design und Hightech-Antrieben: Sechszylinder-Turbomotoren, intelligente Automatik-Getriebe, technisch brillante Allradsysteme und aufwendige Fahrwerkskonstruktionen erzeugen ein hochemotionales Fahrerlebnis. Ein schickes Cabriolet mit kraftvollem Benzinmotor ist aber heutzutage sicherlich kein Trendsetter mehr. Doch für viele Enthusiast:innen sind und bleiben solche Autos die schönste Art automobiler Fortbewegung, die über den reinen Transportgedanken hinaus geht. Doch trotz aller Ähnlichkeit offenbaren die beiden Rivalen M440i xDrive und E 450 4Matic unverwechselbare Charakterzüge. Welcher trifft Ihren Geschmack?

Das BMW 4er Cabrio im Video:

 
 

BMW 4er Cabrio und Mercedes E-Klasse Cabriolet im Vergleichstest

Ist es das progressiv gestylte BMW 4er Cabrio, dessen neu interpretierter Nieren-Grill polarisiert? Oder spricht Sie eher der zeitlos-elegante Look des Mercedes E -Klasse Cabriolets in diesem Vergleichstest an? Jenseits aller Design-Philosophien bleibt festzuhalten, dass die beiden Cabrios trotz ihrer Klassenunterschiede – der 4er ist ein Mittelklasse-Modell, während die E-Klasse zur Oberklasse zählt – erstaunlich nahe: Der Mercedes ist nur gut sechs Zentimeter länger, der Radstand fällt sogar nur um rund zwei Zentimeter länger aus. Fahrer:in und Beifahrer:in finden hier wie dort ausreichend Platz vor, wobei der Benz etwas breiter baut und die Mittelkonsole nicht so prominent ist wie im BMW M440i xDrive Cabrio. Klettert man indes auf die hinteren Sitze, bietet der offene BMW 4er gerade noch ausreichend Platz für zwei Erwachsene, die wegen der weit eingezogenen Seitenverkleidung in ständigem Schulterschluss zueinander reisen. Im Fond des Mercedes E 450 4Matic Cabriolets sind zwar auch nur zwei Personen vorgesehen, doch man fühlt sich dort auch länger als bis zur nächsten Eisdiele gut untergebracht. Die Kofferräume der beiden Kandidaten offerieren im Vergleichstest ebenfalls genug Platz, um mehr als eine Spritztour zu unternehmen. Zumal die umklappbaren Rücklehnen (BMW einteilig mit Durchreiche, Mercedes 50:50) und zusammenfaltbare Verdeckkästen sogar eine variable Nutzung ermöglichen. Hinzu kommen verblüffend hohe Zuladungen (BMW: 464 kg, Mercedes: 500 kg) sowie eine beachtliche Anhänger-Zuglast von jeweils bis zu 1,8 Tonnen. Hinsichtlich der Sicherheitstechnik mit aktiven Überrollschutzbügeln sowie einem ganzen Arsenal an Assistenz-Systemen liegen beide Kontrahenten in diesem Vergleichstest nahezu gleichauf und wirken selbst auf schlechten Wegstrecken vertrauenerweckend solide. Allerdings sind wegen des aktuellen Mangels an Halbleiter-Komponenten nicht alle Optionen bestellbar.

 

Fahrkomfort: Luftfederung im Mercedes E-Klasse Cabriolet

Die soliden Grundkonstruktionen von BMW 4er Cabrio und Mercedes E-Klasse Cabriolet legen zudem den Grundstein für einen hohen Fahrkomfort – nicht nur in diesem Vergleichstest. Mit der optionalen Luftfederung ermöglicht besonders der Mercedes E 450 ein butterweiches Dahingleiten. Dank Niveauregulierung bleibt er auch bei voller Zuladung perfekt ausbalanciert und zeigt immense Reserven beim Absorbieren von Bodenwellen und Schlaglöchern. Schnell aufeinanderfolgende Impulse sorgen wegen der tendenziell eher laschen Dämpfung für Unruhe und ein lästiges Nachschwingen an Bord des Mercedes E 450 4Matic Cabriolet. Das BMW M440i xDrive Cabrio gibt sich im Vergleichstest zwar spürbar straffer, überzeugt für sich genommen aber mit einem sensiblen Ansprechverhalten der Federung und zeigt eine ausgesprochen harmonische Dämpferabstimmung. Sein Motorsound ist dank des Sportauspuffs stets präsent, und der BMW 4er überträgt mehr Abrollgeräusche in den Innenraum – doch die Frequenzen klingen nie störend. Im Gegenteil. Im Mercedes geht es meist leiser zu, aber bei geöffnetem Verdeck verursacht ausgerechnet der ausgefahrene Windabweiser im Frontscheibenrahmen ab 60 km/h einen Zisch-Laut, den nicht jeder als angenehm empfindet. Dafür brilliert der Benz mit optionalen Multikontur-Sitzen, die sich nahezu jeder Statur anpassen – nur das zur Mitte hin versetzte und leicht schräg gestellte Lenkrad irritiert, während man sich im BMW vom ersten Meter an perfekt integriert fühlt.

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Motor/Getriebe: Effizienter Antrieb im BMW 4er Cabrio

Nahe an der Perfektion ist zudem der Reihensechszylinder des BMW 4er Cabrio im Vergleichstest mit dem Mercedes E-Klasse Cabriolet. Mit der Unterstützung durch einen Twinscroll-Turbolader und den elektrischen Boost des 48-Volt-Starter-Generators nehmen die drei Liter des BMW M440i xDrive Cabrio jederzeit spontan Gas an und begeistern mit linearer Kraftentfaltung sowie ausgeprägter Drehfreude. 374 PS und bis zu 500 Newtonmeter sorgen für enorme Kraftreserven in allen Lagen, und der Testverbrauch von lediglich 8,7 Litern zeigt, wie effizient moderne Verbrenner selbst in dieser Leistungsliga arbeiten können. Auch im Mercedes E 450 Cabriolet schnurrt ein Reihensechszylinder mit drei Liter Hubraum, der von einem Starter-Generator flankiert wird. Ferner treibt das Mercedes E 450 Cabriolet mit der 48-Volt-Technik einen elektrischen Verdichter an, der schon bei niedrigsten Drehzahlen unterstützt, bevor der konventionelle Abgasturbolader zu voller Leistung aufgelaufen ist. Damit pusht der Benz zwar noch früher mit voller Kraft (500 Nm), dreht aber verhaltener hoch. Die Neunstufen-Automatik reagiert in diesem Vergleichstest zudem oft etwas zögerlich oder schaltet schon bei moderater Beschleunigung zwei oder drei Gänge zurück, anstatt die üppigen Kraftreserven auszuschöpfen.

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Fahrdynamik: Mercedes E-Klasse Cabriolet mit guter Traktion

Wer dem potenten Mercedes E-Klasse Cabriolet auf kurviger Straße die Sporen gibt, stellt im Vergleichstest mit dem BMW 4er Cabrio fest, dass auch der 4Matic-Allrad noch lange nicht ausgereizt ist. Traktionsschwächen? Nicht im Ansatz erkennbar. Und auch wenn Lenkrad und Bremspedal eine etwas diffuse Rückmeldung liefern, bleibt das Fahrverhalten selbst in Extremsituationen im Vergleichstest leicht beherrschbar. Doch das BMW M440i Cabrio zeigt sich dem Mercedes E 450 4Matic dynamisch in fast allen Punkten überlegen: Die Bremse hat mehr Biss und arbeitet punktgenau. Auch die Lenkung ist ein Muster an Präzision und vermittelt ein glasklares Feedback über das aktuelle Grip-Niveau. Zudem begeistert der hecklastig ausgelegte Allrad des Münchners mit famoser Agilität und unterstützt eine ausgesprochen sportliche Fahrweise. Bei abgeschalteter Dynamik-Regelung ist dann aber mehr Eigeninitiative nötig.

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Umwelt/Kosten: Serienausstattung spricht fürs BMW 4er Cabrio

Seinen etwas höheren Grundpreis gleicht das BMW 4er Cabrio mit der beim M440i xDrive besseren Serienausstattung aus und spart bei den Betriebskosten ein paar Euro. Der Mercedes E-Klasse Cabriolet punktet im Vergleichstest als E 450 4Matic mit längeren Garantie-Fristen und günstigeren Typklassen.

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Messwerte & technische Daten BMW 4er Cabrio (M440i xDrive) und Mercedes E-Klasse Cabriolet (E 450 4Matic)

AUTO ZEITUNG 20/2021BMW
M440i
xDrive
Cabrio
Mercedes
E 450
4Matic
Cabriolet
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.6/4; Turbo;
48V
6/4;
Turbo;
el. Verdichter;
48V
Hubraum2998 cm³2999 cm³
Leistung275(+8) kW/
374(+11)PS
5500 - 6500
/min
270 (+16)kW/
367(+22)PS,
5500 - 6100
/min
Max. Drehmoment500 Nm,
1900 - 5000
/min
500 Nm,
1600 - 4500
/min
Getriebe/Antrieb8-Stufen,
Automatik /
Allrad
9-Stufen,
Automatik /
Allrad
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)1890/1926 kg1965/2050 kg
Beschleunigung 0-100 km/h (Test)4,6 s4,9 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)250 km/h
(abger.)
250 km/h
(abger.)
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
34,1/34,0 m35,0/34,9 m
Verbrauch auf 100 km (Test/WLTP)8,7/7,8 l S9,4/8,5 l S
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)206/177
g/km
223/193
g/km
Preise
Grundpreis75.900 €74.655 €
Testwagenpreis77.620 €79.177 €

von Martin Urbanke von Martin Urbanke
Unser Fazit

Auch wenn sie in der Punktwertung sehr nahe zusammenliegen, verkörpern die beiden Cabrios doch völlig unterschiedliche Charaktere: Der famose Sechszylinder und das sauber abgestimmte Fahrwerk definieren das BMW 4er Cabrio als ambitionierten Sportler, der sich mit Hingabe der "Freude am Fahren" widmet. Dennoch kann der Bayer auch mit Komfort und Alltagsnutzen überzeugen – und sich in diesem Vergleichstest knapp vor dem Mercedes E-Klasse Cabriolet platzieren. Für das unterm Strich etwas teurere Mercedes E 450 4Matic Cabriolet sprechen im Vergleichstest in erster Linie die perfekt auf Fahrkomfort abgestimmte Kombination aus geschmeidig-kraftvollem Reihensechszylinder, flauschiger Federung und einem für Cabrio-Verhältnisse großzügigen Raumangebot. Kultiviertes Cruising und rasantes Reisen sind seine Domäne.

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