Ranking

Zu gewagt für die Serie: Audis spektakulärste Studien

Im Zeichen der vier Ringe entstehen seit Jahrzehnten legendäre Autos mit dem Namenszusatz Quattro, Avant oder RS. Aber nicht jede Idee aus Ingolstadt hat es bis in die Serie geschafft. Wir zeigen sieben spektakuläre Audi-Studien, denen aus unterschiedlichsten Gründen eine echte Auto-Karriere verwehrt blieb.

(1/8)
Collage mit vier Audi-Studien
Das Beste der vier Ringe, das Audi nie gebaut hat: Wir präsentieren sieben Ausnahme-Studien, die wir uns in Serie gewünscht hätten. Foto: Audi
Audi V8 Avant statisch von schräg vorne fotografiert.
Der Audi V8 Avant ist der Stoff, aus dem Kultautos gestrickt werden: Eine einmalige, experimentelle Kombi-Variante des ersten Oberklasse-Audi mit Achtzylindermotor, von dem es in den späten 1980er-Jahren praktisch nur dieses eine Exemplar gab – einst für Ferdinand Piëchs Dienstwagen-Flotte entwickelt und heute ein echter Hingucker. Technisch verbindet die Luxusklasse klassische Avant-Praktikabilität der 200er-Baureihe mit dem luxuriösen V8-Antrieb und bietet damit einen faszinierenden Blick auf die Weitsicht der Audi-Ingenieursabteilung, die schon damals Kombis mit noblen Ambitionen verschmelzen wollte. Während der V8 letztlich nur als Limousine in die Produktion ging, trägt dieser Avant-Prototyp immer die charmante „Was-wäre-wenn?“-Frage im großen Kofferraum spazieren. Foto: Audi
Der Audi Avus Quattro stehend von schräg vorne.
Der Audi Avus Quattro debütierte 1991 als spektakuläre Studie, die sowohl den Mythos der einstigen Auto-Union-Silberpfeile, als auch die zukünftige Leichtbau-Technologie unter der polierten Alu-Karosserie vereinte. Mit einem angedachten Sechsliter-W12 und 509 PS (374 kW), der den Mittelmotorsportler auf theoretische 340 km/h hätte schießen sollen, trieb der Avus die Fantasie von Supercar-Fans an – auch wenn in der Realität nur eine Attrappe aus Holz- und Kunststoff unter der Haube steckte. Dabei darf man nicht vergessen, dass sich zu diesem Zeitpunkt weder Bentley, noch Lamborghini oder gar Bugatti unter der VW-Ägide befanden. Der Avus war also das exotischste Projekt, das sich der Konzern bis dahin geleistet hatte. Foto: Audi
Der Audi Asso di Picche stehend von schräg vorne.
Der Audi Asso di Picche war 1973 ein für Audi radikaler Design-Entwurf mit keilförmiger Silhouette, den Karosseriebauer Karmann mit Italdesign-Star Giorgetto Giugiaro auf Basis des Audi 80 entwickelte. Auf der IAA präsentierte das futuristische 2+2-Coupé seine kantigen Linien und das ungewöhnliche Innenraumdesign mit tragbaren Türtaschen und röhrenförmigen Instrumententräger – ein Mutterschiff der Gestaltungsfreiheit, das nie in Serie ging, aber die Zukunft inspirierte. Zwar blieb der Wagen ein Einzelstück, doch seine ausgeprägten Kanten und Proportionen fanden später Verwendung bei VW Scirocco, Lotus Esprit und Lancia Delta – allesamt ebenfalls von Giugiaro skizziert. Foto: Audi
Der Audi Sport Quattro RS 002 Gruppe S stehend von vorne.
Der Audi Sport Quattro RS 002 Gruppe S hatte zwar einen langen Namen, aber dafür eine umso kürzere Karriere.Das weiße Coupé war Audis kühnster Versuch, den Rallyesport der späten 1980er erneut zu dominieren – mit einem Mittelmotor-Allradmonster nach dem Vorbild von Peugeot 205 T16 und Co. Unter seiner zweckmäßigen GfK-Hülle verbarg sich ein um 180 Grad gedrehter 2,1-l-Fünfzylinder-Turbo, der rund 460 PS (338 kW) an ein neu entwickeltes Getriebe senden sollte. Doch weder die Ingenieursabteilung noch das Designstudio konnten letzte Verfeinerungen vornehmen, weil das angekündigte Gruppe-S-Reglement 1986 überraschend gekippt wurde. Deshalb erinnert auch optisch abseits der vier Ringe nichts an die Audi-Modellpalette der 80er. Immerhin darf das Einzelstück heute auf Classic-Events das nachholen, was ihm einst verwehrt blieb. Foto: Audi
Der Audi Avantissimo stehend von hinten fotografiert.
Der Audi Avantissimo trat 2001 konzeptionell gewissermaßen in die Fußstapfen des V8 Avant, blieb aber ebenso ein Solitär. Auf der IAA zeigte die Marke, wie ein Luxus-Kombi im neuen Jahrtausend aussehen könnte: Mehr als fünf Meter lang, fast zwei Meter breit und bis aufs Dach vollgepackt mit technischen Finessen. Unter der imposanten Karosserie arbeitete der doppelt aufgeladene 4,2-l-V8 mit 430 PS (316 kW), wie er ein Jahr später in ähnlicher Form auch im allerersten RS 6 eingesetzt wurde. Dazu gabs ein Luftfahrwerk sowie Quattro-Allradantrieb. Innen bot der Avantissimo Komfort auf höchstem Niveau, inklusive elektrisch verstellbarer Fond-Einzelsitze, elektrohydraulisch öffnender Heckklappe und Features wie einem solargetriebenen Dach zur Standlüftung. Zudem führte Audi mit ihm zukunftsweisende Technik wie das Multi Media Interface (MMI), das später in Serienmodellen wie dem A8 und A6 Einzug hielt, ein. Trotz all dieser Innovationen blieb der Avantissimo ein Einzelstück und fand letztlich keine Serienfertigung – nicht zuletzt, weil SUVs wie der Touareg gerade das Prestige-Segment für sich entdeckten. Audi setzte folglich auf dessen Bruder Q7 statt auf den Avantissimo. Foto: Audi
Der Audi Quattro Spyder stehend von vorne
Während der Avus Quattro 1991 vor allem zum Träumen anregte, war der Audi Quattro Spyder aus demselben Jahr ein todernst gemeinter Angriff auf BMW und Mercedes. Denn den kompakten, zweisitzigen Mittelmotor-Sportler wollte die Marke mit den vier Ringen tatsächlich in Serie bringen. Leider fiel er in letzter Minute dem Rotstift zum Opfer, weil beim Erbsenzählen aufgefallen war, dass der Image-Beschleuniger teurer werden würde als die ursprünglich festgesetzten 100.000 Mark. Unter der Haube des Alu-Allradlers saß ein quer eingebauter 2,8-l-V6 mit 174 PS (128 kW). Noch heute gilt der Quattro Spyder als mild ausgeprägter Vorläufer des R8, der rund 15 Jahre später debütierte. Foto: Audi
Der Audi 100 RS4 stehend von vorne
Der Audi 100 RS4 war Audis geheimer Sporttraum der frühen 1990er – eine durch den Performance-Wolf gedrehte Oberklasse-Limousine mit maximalem Understatement. Im Grunde steckte unter dem unauffälligen Blech ein 100 S4, dem Audi dank des Fünfzylinders aus dem RS2 rund 315 PS (232 kW) Leistung verpasste. Damit nahm der Viertürer das um Jahre vorweg, was wir ab 2002 als RS 6 kennen und schätzen lernen würden – dann allerdings mit V8. Während die Hülle so unscheinbar wie möglich gestaltet wurde, konzentrierte Audi seine Motorsport-Erfahrung auf das Cockpit, wo noch heute modern wirkende Schalensitze, ein Alu-Schaltknauf, gelochte Pedale und ein Airbag-freies Nardi-Lenkrad logierten. Foto: Audi

Große Träume aus Ingolstadt: Die faszinierendsten Audi-Modelle, die es nie in die Serie geschafft haben

Heute ist Audi längst ein etablierter Premium-Hersteller auf der Höhe von BMW und Mercedes. Der Weg dorthin war ein langer wie schwerer. Ihn ebneten Modelle wie der erste Audi 100 und 80, deren Geschichte A4/A5 beziehungsweise A6 noch heute fortschreiben. Ebenso unvergessen ist der Ur-Quattro sowie seine geistigen Nachfahren mit RS-Signet und Allradantrieb.

Der Audi Q6 Sportback im Fahrbericht (Video)

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Aber nicht nur die Serienmodelle definieren das, was die vier Ringe ausmacht. Auch die unzähligen Studien dienten stets als Wegweiser für das, was in den kommenden Jahren folgen sollte. Nicht selten waren diese Prototypen mit so einem großen Will-haben-Faktor ausgestattet, dass die Enttäuschung anschließend groß war, als sie wieder zurück in den Ingolstädter Katakomben landeten. Sieben Beispiele dafür haben wir in diesem Artikel aufgelistet!