Fahrradfreundlichste Städte: ADFC-Auswertung Schlechte Stimmung unter den Radfahrern

von Christina Finke 11.04.2019

Vor allem der Mangel an sicherer Infrastruktur sorgt beim Fahrradklima-Test 2018 des ADFC für schlechte Noten. Das sind der Auswertung zufolge die fahrradfreundlichsten Städte Deutschlands!

Radfahrer in Deutschland werden einer ADFC-Auswertung zufolge immer unzufriedener mit ihrer Situation. Das zeigen die Ergebnisse des Fahrradklima-Tests 2018 zu den fahrradfreundlichsten Städten Deutschlands. Als Gesamteindruck vergaben die Umfrage-Teilnehmer die Schulnote 3,9 – also nur "ausreichend". Dabei ist Radfahren in Deutschland durchaus sehr beliebt: Laut Verkehrsministerium gibt es hierzulande derzeit 75 Millionen Fahrräder. Allein 2018 kamen 4,2 Millionen neue Drahtesel bundesweit hinzu. Außerdem ist das Radfahren dank Elektrorädern nur noch bedingt vom Alter abhängig. Trotzdem führen vor allem fehlende Radweg-Systeme, ein lascher Umgang mit Falschparkern und ungünstige Ampelschaltungen zu Frust bei vielen Radfahrern. Vor allem ein Trend ist besorgniserregend: Ein Großteil der befragten Radfahrer gab nämlich an, sich immer unsicherer zu fühlen und vergaben nur die Schulnote 4,2. Das führt die ADFC-Auswertung vor allem auf viel zu schmale Radwege und die häufig fehlende Trennung von Rad- und Autoverkehr zurück. Dabei war gerade letzteres in der Befragung für 81 Prozent der Teilnehmer sehr wichtig oder wichtig: Sie wünschen sich glatt asphaltierte Radwege, die auch breit genug fürs Überholen sind. Außerdem gab die Mehrheit der Eltern in Großstädten an, dass sie ihre Kinder nur mit ungutem Gefühl allein aufs Rad lassen – zu gefährlich. Mehr zum Thema: Fahrradträger fürs Auto

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ADFC-Auswertung zu fahrradfreundlichsten Städten Deutschlands

Der Fahrradklima-Test 2018 kürt außerdem die fahrradfreundlichsten Städte – je nach Größe. Rund 683 Städte und Gemeinden schafften es diesmal in die ADFC-Auswertung. Demnach sind Bremen, Hannover und Leipzig die fahrradfreundlichsten Städte mit mehr als 500.000 Einwohnern. Doch selbst Sieger wie beispielsweise Karlsruhe oder Göttingen erreichen maximal eine 3 auf der Schultnoten-Skala. Gute Noten vergaben Radfahrer vor allem in kleineren Städten und Kommunen: So belegten Bocholt und Reken im Münsterland sowie das hessische Baunatal die Spitzenplätze in ihren Einwohnerkategorien. Der Sonderpreis für die familienfreundlichste Fahrradstadt ging an Wettringen im Münsterland. Sie alle setzten wie auch die nahe gelegenen Niederlande schon lange mit Enthusiasmus auf Radverkehr. Eine interaktive Karte mit den Auswertungen zu den fahrradfreundlichsten Städten und Gemeinden gibt es hier.

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Fahrradklima-Test 2018 als Stimmungsbarometer

Rund 170.000 Bürgerinnen und Bürger haben für den Fahrradklima-Test 2018 des ADFC vom 1. September bis zum 30 November 2018 Fragebögen ausgefüllt und Schulnoten vergeben. Das war eine neue Rekordbeteiligung und rund 40 Prozent mehr als noch 2016. Drei Viertel der Befragten gaben an, sowohl Fahrrad als auch Auto zu fahren und kennen somit beide Seiten im Straßenverkehr. Der Anteil der ADFC-Mitglieder war mit 15 Prozent eher gering. Die Fragestellungen lauteten etwa: "Wie ist das Radfahren in Ihrer Stadt?", "Wird bei Ihnen viel für den Radverkehr getan?" und "Bedeutet Radfahren für Sie Spaß oder Stress?". Die Befragung gibt es seit 1988 und wurde 2018 zum achten Mal durchgeführt. Repräsentativ ist die ADFC-Befragung zu den fahrradfreundlichsten Städten Deutschlands zwar nicht, gilt aber als Stimmungsbarometer. Daher nimmt auch Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) die Ergebnisse ernst: "Das Sicherheitsgefühl muss sich verbessern", sagte er bei der Präsentation im April 2019. Helme und Abbiege-Assistenten für Lastwagen gehörten für ihn dazu. Es gehe aber vor allem darum, den Verkehrsraum so zu entflechten, dass alle Platz haben – Respekt vorausgesetzt. Bis Pfingsten will Scheuer nun Vorschläge für eine Novelle der Straßenverkehrsordnung vorlegen. Denkbar sei es etwa, Einbahnstraßen in Gegenrichtung für den Radverkehr zu öffnen und das Zuparken von Radwegen zu thematisieren. Details seien aber Sache der zuständigen Kommunen.

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