50 Jahre AMG: AMG-Chef Tobias Moers (Interview) 100 Prozent Sport

von Stefan Miete 15.06.2018
Inhalt
  1. 50 Jahre: AMG-Chef Tobias Moers im Interview
  2. Zusätzliche AMG-Varianten geplant
  3. Stück für Stück elektrifizieren

Beim 50-jährigen AMG Jubiläum zeigt die Marke, was richtig (ab)geht. Die Sportwagenmarke wird deutlich über 100.000 Autos verkaufen. Ein Besuch in der Zentrale der Kraft und ein Interview mit AMG-Chef Tobias Moers.

Wären die Herren Aufrecht und Melcher nicht gewesen, und hätte Aufrechts Geburtsort nicht Großaspach geheißen – die aus den drei Anfangsbuchstaben gebildete Firma AMG würde wahrscheinlich nicht existieren und ganz sicher auch nicht so heißen. Dann würden nicht 1600 Mitarbeiter ihr Brot mit der Entwicklung von Sport-Automobilen und dem Bau hochklassiger Ottomotoren verdienen, und es gäbe eine Reihe von Kunden auf der ganzen Welt, die entweder zu Fuß gehen oder – für glühende Fans der heißesten Mercedes-Marke noch schlimmer – ein anderes Fabrikat fahren müssten. Doch es kam anders. Seit 50 Jahren ist AMG nun im Geschäft und seit 2005 ein hundertprozentiger Teil der Daimler AG.

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50 Jahre: AMG-Chef Tobias Moers im Interview

In Geschichten über die Marke ist oft von Affalterbach die Rede und damit von Apfelbäumen (althochdeutsch "afal" = Apfel und "tra" = Baum), die da im Kreis Ludwigsburg am Bache stehen und deshalb auch das Firmenwappen prägen. Wer die aus allen Nähten platzende AMG-Zentrale besucht, dem drückt der Chef schon mal ein Exemplar in die Hand. "Ist g’sund," sagt Tobias Moers, gebürtiger Freiburger, der schon seit 2002 die Gesamtfahrzeugentwicklung aller AMG-Baureihen verantwortet und seit vier Jahren als Vorsitzender der Geschäftsführung alle Fäden in der Hand hält. Moers will, dass seine Leute fit bleiben. In vielen Gebäuden des stetig wachsenden AMG-Komplexes stehen deshalb gut sortierte Apfelkisten herum. Moers, Jahrgang 1966, hat Maschinenbau studiert und bringt die direkte Art der Rennstrecke mit in seinen Betrieb. Fester Händedruck, klare Worte, Krawatte zu Hause im Schrank. Die neue Lockerheit "beim Daimler", wo nicht nur der Vorstandschef jetzt Turnschuhe und Jeans tragen darf, die gab es in Affalterbach schon immer. Knapp 100.000 Autos hat Moers’ Team im vergangenen Jahr auf die Straße gebracht, und es sollen noch mehr werden: "Wir sind mit einer klaren Produktpyramide unterwegs", sagt er. "Das neue Hypercar Project ONE steht definitiv an der Spitze. Der GT und auch der neue Viertürer werden direkt darunter als AMG Sportwagen positioniert." Vom Imagetransfer profitieren auch all die Varianten zahlreicher anderer Mercedes-Baureihen mit den AMG-Zusatzbezeichnungen 63, 43 und 45, bei denen die Experten aus Affalterbach nicht nur den Antrieb und das Design beeinflussen, sondern auch alle anderen für die gesteigerte Fahrdynamik wichtigen Baugruppen.

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Zusätzliche AMG-Varianten geplant

Noch größeren Schwung soll die ab 2018 beginnende Erneuerung der Kompaktfamilie rund um die A-Klasse bringen, für die zusätzliche AMG-Varianten geplant sind. Das Produkt-Portfolio der Schwaben ist so breit aufgestellt wie nie. Das beflügelt den Vertrieb. "Mittlerweile haben wir 500 Performance- Center, darunter viele private Händlerbetriebe, die von sich aus in ihre Standorte investieren", sagt Moers, dessen Kollegen Mercedes-Verkäufer aus aller Welt zu AMG-Spezialisten weiterbilden – inklusive Fahrtrainings auf der Rennstrecke. Moers bittet zum Rundgang durch die Achtzylinder-Fertigung. Händeschütteln, Schulterklopfer, der Chef ist da. Nach der Devise "One man, one engine" bauen hier die Motorenprofis ihre 4,0-Liter-V8- Kraftwerke zusammen, die wenig später vom C 63 über den GT bis zur S-Klasse mit ihrem unverwechselbaren Sound für mächtigen Vortrieb sorgen werden. Zwei Motoren am Tag schaffen die Manufaktur- Schrauber. Auffallend viele junge Mitarbeiter sind am Werk. Ein Job bei der Performance-Marke gilt als cool, ist aber keine Hängematte zwischen lauter Apfelbäumen.

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Stück für Stück elektrifizieren

"Wir suchen Experten, die schnell umdenken können und über den Tellerrand schauen."Das ist nicht immer einfach in einer Region, in der neben Dickschiffen wie Daimler, Porsche und Bosch auch viele Zulieferer die Ingenieure aufsaugen. "Die Elektrifizierung wird ein entscheidender Erfolgsfaktor sein. Wir werden unsere Antriebsstränge Stück für Stück elektrifizieren", blickt Moers in die Zukunft. Und der Sound? Auf einem schallisolierten Prüfstand im Hintergrund läuft ein neuer V8 im Kalttest. Dabei wird der Motor durch einen externen Elektroantrieb "geschleppt", also ohne eigene Zündung auf bis zu 3000 Umdrehungen gebracht. Sogar ohne explodierendes Kraftstoff-/Luftgemisch ist das Wummern der acht auf und nieder rasenden Kolben dominant. Kaum vorstellbar, dass ein AMG der Zukunft nicht mehr so klingen soll. Moers lächelt: "Beim rein elektrischen Auto werden wir nicht nur wegen der gesetzlichen Vorgaben etwas bieten müssen. Das wird aber weder ein Piepsen wie bei einem rangierenden Müllwagen sein, noch ein imitiertes Verbrennergeräusch." Der AMG-Chef macht eine Pause. "Bei einem Hybrid finde ich es aber schon cool, im E-Modus auch mal leise zu fahren."

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