Wildunfall: Verhalten & Versicherung So verhalten sich Autofahrer nach einem Wildunfall richtig

von Christina Finke 20.08.2019
Inhalt
  1. So können Autofahrer Wildunfällen vorbeugen
  2. Wildunfall: Richtiges Verhalten am Unfallort
  3. Aufnahme des Wildunfalls durch Polizei & Jagdpächter/Förster
  4. Wildunfall: Welche Schäden übernimmt die Versicherung?
  5. Wann besteht ein Schadenersatzanspruch nach einem Wildunfall?
  6. Schäden bei durch Wild verursachten Auffahrunfällen

Wildunfälle können für Mensch und Tier verheerende Folgen haben. Die AUTO ZEITUNG erklärt, wie sich Autofahrer am besten verhalten, wenn ihnen Hirsch, Fuchs oder Reh vor das Fahrzeug laufen. In diesen Fällen kommt die Versicherung für entstandene Schäden auf!

Im Schnitt kollidieren in Deutschland pro Tag rund 750 Wildtiere mit Autos – Tendenz steigend, wie aus der Wildunfall-Statistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervorgeht. Die aktuellste Auswertung mit Zahlen aus dem Jahr 2017 zeigt aber nicht nur eine Trend zu mehr Kollisionen, sondern auch zu höheren Schäden. Die AUTO ZEITUNG erklärt, wie Autofahrer Wildunfällen vorbeugen können, sich im Falle eines Zusammenstoßes richtig verhalten und welche Schäden am Auto von der Kfz-Versicherung übernommen werden. Mehr zum Thema: Aussagen nach einem Unfall

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So können Autofahrer Unfällen vorbeugen (Video):

 
 

So können Autofahrer Wildunfällen vorbeugen

Autofahrer können durch das Anpassen ihrer eigenen Fahrweise bereits einiges dafür tun, um Wildunfällen vorzubeugen. Vor allem auf Landstraßen entlang von Wiesen, hochstehenden Maisfeldern und durch Waldgebiete sollten sie zu Herbstbeginn vermehrt mit Wild an der Straße rechnen. Meist passieren Wildunfälle in der Dämmerung und bei beginnender Dunkelheit, die sich für Pendler auf dem Nachhauseweg mit der Zeitumstellung Ende Oktober nochmals verlängert. Besonders häufig überqueren Tiere die Straßen in den Abend- und frühen Morgenstunden. Deshalb sollten Autofahrer die Geschwindigkeit drosseln, Straßenränder im Auge behalten und stets bremsbereit sein. Oft taucht das Wild nämlich in einer Entfernung von gerade einmal 20 Metern oder noch weniger vor der Kühlerhaube auf – und das auch meist nicht allein, sondern im Rudel. Wer zu schnell fährt, hat dann keine Chance mehr zu bremsen. Taucht tatsächlich Wild auf der Fahrbahn auf, heißt es: möglichst schnell das Fernlicht ausschalten und durch Hupen versuchen, das Tier zu vertreiben. In so einem Fall mit den Scheinwerfern aufzublenden, bewirkt eher das Gegenteil, wie der ADAC Nordrhein in Köln warnt: "Das grelle Licht verwirrt die Tiere und nimmt ihnen jede Orientierungsmöglichkeit, so dass sie verunsichert häufig einfach nur verharren und nicht weiterlaufen."

 

Wildunfall: Richtiges Verhalten am Unfallort

Lässt sich ein Wildunfall trotz vorausschauender Fahrweise und erhöhtem Gefahrenbewusstsein nicht vermeiden, sollten Autofahrer Tieren auf keinen Fall ausweichen. Sie könnten sonst den Gegenverkehr, nachfolgende Autos und sich selbst gefährden – etwa wenn sie auf nasser, mit Laub bedeckter Straße die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlieren und in der Folge in den Gegenverkehr oder gegen einen Baum schleudern. Der Schaden fällt beim Zusammenstoß mit einem Wildtier in der Regel geringer aus, als bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Auto oder einem Baum. Daher sollten Autofahrer möglichst stark abbremsen und das Lenkrad gut festhalten, wenn ein Wildschwein, Hirsch oder Reh plötzlich auf der Fahrbahn steht. Nach einem Zusammenstoß heißt es dann in jedem Fall: Ruhe bewahren. Außerdem sollte unverzüglich die Warnblinkanlage eingeschaltet und die Unfallstelle abgesichert werden. Zudem muss die Polizei über den Wildunfall und den genauen Standort informiert werden. Wurden Personen verletzt, müssen Autofahrer zusätzlich die Notrufnummer 112 wählen. Anfassen sollten Autofahrer das tote Wild aufgrund eventueller Tollwutgefahr besser nicht anfassen. Auch von verletzten Tieren lassen Beteiligte besser die Finger, da sie sich wehren könnten. Vom Unfallort entfernt werden darf das tote Wild übrigens nicht. Wer es trotzdem tut, riskiert eine Anzeige wegen Wilderei. Und: Wer nach einem Wildunfall ein Tier verletzt zurücklässt, begeht einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Entfernen sich Autofahrer nach einem Zusammenstoß von der Unfallstelle und meldet den Wildunfall nicht, muss mit einer Anzeige wegen Tierquälerei rechnen, was Geldstrafen zwischen 5000 und 50.000 Euro nach sich ziehen kann. 

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Aufnahme des Wildunfalls durch Polizei & Jagdpächter/Förster

Nach einem Wildunfall sollten Beteiligte in jedem Fall auf das Eintreffen der Polizei am Unfallort warten. Die Beamten suchen dann in der Umgebung sowie am Auto selbst nach Spuren suchen und dokumentieren Schäden, Blutflecken oder Haarreste am Fahrzeug. Die Beweis- und Spurensicherung ist für die Versicherung wichtig. Zusätzlich sollte der Jagdpächter beziehungsweise Förster über den Vorfall informiert werden, damit er sich um das angefahrene oder tote Tier kümmern kann. Nach der Aufnahme des Wildunfalls stellt die Polizei oder der Jagdpächter dann eine sogenannte Wildschadenbescheinigung aus: Nur wer diese bei der Kasko-Versicherung vorlegt, kann entsprechende Leistungen geltend machen.

 

Wildunfall: Welche Schäden übernimmt die Versicherung?

Sowohl durch eine Kollision als auch ein Ausweichmanöver können bei einem Wildunfall Schäden am Fahrzeug entstehen. Die Haftpflichtversicherung übernimmt diese Kosten nicht, der Schaden kann lediglich über eine Teil- oder Vollkaskoversicherung reguliert werden. Wenn anhand von Wildschadenbescheinigung, Zeugenaussagen und Beweisfotos eindeutig nachgewiesen werden kann, dass Schäden am fahrenden Auto durch einen Zusammenstoß mit Wild entstanden sind, ersetzt die Teilkasko-Versicherung die Schäden. Viele Versicherer beschränken ihre Ersatzpflicht jedoch auf Unfälle mit Haarwild – also Rehen, Hirschen, Füchsen oder Wildschweinen. Es gibt aber auch Tarife, bei denen auch Schäden durch Unfälle mit Vögeln, Nutztieren und sogar Haustieren übernommen werden. Autofahrer sollten die Konditionen ihrer Police dahingehend prüfen. Gar nicht selten ereignet sich ein Unfall jedoch, ohne dass das Fahrzeug mit dem Wildtier – zum Beispiel Wildschwein, Fuchs oder Reh – direkt zusammenstößt. Das kann passieren, wenn der Autofahrer erschreckt und das Lenkrad verreißt oder dem Tier sogar ganz bewusst ausweicht, um einen Zusammenstoß zu vermeiden. Dann müssen Autofahrer eindeutig nachweisen können, dass ein großes Tier den Unfall verursacht hat, das Ausweichmanöver erforderlich war und nur so ein größerer Schaden verhindert werden konnte – wobei eigentlich nur Zeugen helfen können. Ansonsten entfällt der Versicherungsschutz der Teilkaskoversicherung. Wenn ein Ausweichmanöver wegen eines kleinen Wildtiers, etwa einem Hasen, durchgeführt wurde, berufen sich Versicherungen häufig auf grobe Fahrlässigkeit. Die Begründung: Große Schäden sind bei einer Kollision mit solch einem Tier nicht zu erwarten. Wer für einen Hasen bremst, muss aber nicht zwingend ohne Versicherungsschutz dastehen, vorausgesetzt er hat eine Vollkasko-Versicherung. Denn diese springt im Allgemeinen für die Folgen eines Unfalls ein, solange dieser nicht vorsätzlich herbeigeführt wurde. Allerdings müssen Autofahrer dann damit rechnen, dass der Versicherungsnehmer sie hochstuft und sie ihren Schadenfreiheitsrabatt teilweise einbüßen.

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Wann besteht ein Schadenersatzanspruch nach einem Wildunfall?

Bei Wildunfällen ist ein Schadenersatzanspruch gegen den Jagdpächter oder Waldbesitzer in der Regel nicht möglich. Grund dafür ist, dass Wildtiere im juristischen Sinne als herrenlose Sache angesehen wird. Andere Regelungen gelten lediglich bei Jagdveranstaltungen wie Treib- und Drückjagden. Dabei sind die Jagdveranstalter dazu verpflichtet, das Wild nicht in Richtung befahrener Straßen zu treiben. Halten sie sich nicht daran, haften sie für ihren Fehler. Prinzipiell besteht zudem die Chance, dass die jeweilige Straßenbehörde für Schäden nach einem Wildunfall aufkommt, wenn das Verkehrszeichen "Wildwechsel" an entsprechenden Gefahrenstellen nicht angebracht wurde. 

 

Schäden bei durch Wild verursachten Auffahrunfällen

Autofahrer, die wegen eines kleinen Wildtieres abbremsen und dadurch einen Auffahrunfall verursachen, kann eine Mitschuld treffen. Denn bei kleinerem Wild – etwa einem Hasen oder Eichhörnchen – geht die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer vor.

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