Wildunfall mit Auto: Was tun? & Versicherung So verhalten sich Autofahrer:innen nach einem Wildunfall richtig

von Christina Finke 29.04.2021
Inhalt
  1. So können Autofahrer:innen Wildunfällen vorbeugen
  2. Viele Autofahrer:innen unterschätzen die Gefahr durch Wildunfälle
  3. Wildunfall: Das sollten Autofahrer:innen am Unfallort tun
  4. Aufnahme des Wildunfalls durch Polizei & Jagdpächter:in/Förster:in
  5. Wildunfall: Welche Schäden übernimmt die Versicherung?
  6. Wann besteht ein Schadenersatzanspruch nach einem Wildunfall?
  7. Schäden bei durch Wild verursachten Auffahrunfällen

Wildunfälle mit dem Auto können für Mensch und Tier verheerende Folgen haben. Die AUTO ZEITUNG erklärt, was Autofahrer:innen tun sollten, wenn ihnen Hirsch, Fuchs oder Reh vor das Fahrzeug laufen. Und: In diesen Fällen kommt die Versicherung für entstandene Schäden auf!

Im Schnitt kollidieren in Deutschland pro Tag rund 734 Wildtiere mit Autos, wie aus der Wildunfall-Statistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervorgeht. Die aktuellste Auswertung mit Zahlen aus dem Jahr 2018 zeigt aber nicht nur die Zahl der Wildunfälle, sondern auch die ausgeschütteten Schadenssummen: Die Versicherer zahlten 2018 für jeden Wildunfall mit einem Pkw im Schnitt mehr als 2800 Euro, die Gesamtsumme betrug rund 757 Millionen Euro. Die AUTO ZEITUNG erklärt, wie Autofahrer:innen Wildunfällen vorbeugen können, sich im Falle eines Zusammenstoßes richtig verhalten und welche Schäden am Auto von der Kfz-Versicherung übernommen werden. Mehr zum Thema: Aussagen nach einem Unfall

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So können Autofahrer Unfällen vorbeugen (Video):

 
 

So können Autofahrer:innen Wildunfällen vorbeugen

Autofahrer:innen können durch das Anpassen ihrer eigenen Fahrweise bereits einiges dafür tun, um Wildunfällen vorzubeugen. Vor allem auf Landstraßen entlang von Wiesen, hochstehenden Maisfeldern und durch Waldgebiete sollten sie im Herbst, aber auch im Frühjahr vermehrt mit Wild an der Straße rechnen. Meist passieren Wildunfälle in der Dämmerung und bei beginnender Dunkelheit, die sich für Pendler:innen auf dem Nachhauseweg mit der Zeitumstellung Ende Oktober nochmals verlängert. Besonders häufig überqueren Tiere die Straßen in den Abend- und frühen Morgenstunden. Deshalb sollten Autofahrer:innen die Geschwindigkeit drosseln, Straßenränder im Auge behalten und stets bremsbereit sein. Oft taucht das Wild nämlich in einer Entfernung von gerade einmal 20 Metern oder noch weniger vor der Kühlerhaube auf – und das auch meist nicht allein, sondern im Rudel. Wer zu schnell fährt, hat dann keine Chance mehr zu bremsen. Taucht tatsächlich Wild auf der Fahrbahn auf, heißt es: möglichst schnell das Fernlicht ausschalten und durch Hupen versuchen, das Tier zu vertreiben. In so einem Fall mit den Scheinwerfern aufzublenden, bewirkt eher das Gegenteil, wie der ADAC Nordrhein in Köln warnt: "Das grelle Licht verwirrt die Tiere und nimmt ihnen jede Orientierungsmöglichkeit, sodass sie verunsichert häufig einfach nur verharren und nicht weiterlaufen."

 

Viele Autofahrer:innen unterschätzen die Gefahr durch Wildunfälle

Um Autofahrer:innen für die häufig unterschätzte Gefahr, die von Wildunfällen ausgeht, zu sensibilisieren, haben der Automobil-Club Verkehr (ACV) und der Deutsche Jagdverband die Kampagne "Tiere kennen keine Verkehrsregeln" ins Leben gerufen. Initiatoren sind die beiden Public Interest Design-Masterstudierenden Diana Kaiser und Mareike Schlösser. Dabei steht der Vergleich mit afrikanischen Wildtieren im Mittelpunkt, der die Gefahr durch Wildunfälle veranschaulichen soll. Demnach wirkt bei einem Zusammenstoß mit einem Rothirsch bei einer Geschwindigkeit von 60 km/h die Kraft von zirka fünf Tonnen Gewicht auf das Fahrzeug ein – das ist in etwa so viel, wie ein ausgewachsener Elefant auf die Waage bringt. Und die Wucht, mit der ein Wildschwein bei derselben Geschwindigkeit in das Fahrzeug einschlägt, entspricht mit 3,5 Tonnen immer noch dem eines ausgewachsenen Nashorns. 

"Tiere kennen keine Verkehrsregeln" im Video:

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Wildunfall: Das sollten Autofahrer:innen am Unfallort tun

Lässt sich ein Wildunfall trotz vorausschauender Fahrweise und erhöhtem Gefahrenbewusstsein nicht vermeiden, sollten Autofahrer:innen Tieren auf keinen Fall ausweichen. Sie könnten sonst den Gegenverkehr, nachfolgende Autos und sich selbst gefährden – etwa wenn sie auf nasser, mit Laub bedeckter Straße die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlieren und in der Folge in den Gegenverkehr oder gegen einen Baum schleudern. Der Schaden fällt beim Zusammenstoß mit einem Wildtier in der Regel geringer aus, als bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Auto oder einem Baum. Daher sollten Autofahrer:innen möglichst stark abbremsen und das Lenkrad gut festhalten, wenn ein Wildschwein, Hirsch oder Reh plötzlich auf der Fahrbahn steht. Nach einem Zusammenstoß heißt es dann in jedem Fall: Ruhe bewahren. Außerdem sollte unverzüglich die Warnblinkanlage eingeschaltet und die Unfallstelle abgesichert werden. Zudem muss die Polizei über den Wildunfall und den genauen Standort informiert werden. Wurden Personen verletzt, müssen Autofahrer:innen zusätzlich die Notrufnummer 112 wählen. Anfassen sollten Autofahrer:innen das tote Wild aufgrund eventueller Tollwutgefahr nicht. Auch von verletzten Tieren lassen Beteiligte besser die Finger, da sie sich wehren könnten. Vom Unfallort entfernt werden darf das tote Wild übrigens nicht. Wer es trotzdem tut, riskiert eine Anzeige wegen Wilderei. Und: Wer nach einem Wildunfall ein Tier verletzt zurücklässt, begeht einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Entfernen sich Autofahrer:innen nach einem Zusammenstoß von der Unfallstelle und meldet den Wildunfall nicht, müssen sie mit einer Anzeige wegen Tierquälerei rechnen, was Geldstrafen zwischen 5000 und 65.000 Euro nach sich ziehen kann. 

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Aufnahme des Wildunfalls durch Polizei & Jagdpächter:in/Förster:in

Nach einem Wildunfall sollten Beteiligte in jedem Fall auf das Eintreffen der Polizei am Unfallort warten. Die Beamt:innen suchen dann in der Umgebung sowie am Auto selbst nach Spuren suchen und dokumentieren Schäden, Blutflecken oder Haarreste am Fahrzeug. Die Beweis- und Spurensicherung ist für die Versicherung wichtig. Zusätzlich sollten Jagdpächter:in beziehungsweise Förster:in über den Vorfall informiert werden, damit sie sich um das angefahrene oder tote Tier kümmern können. Nach der Aufnahme des Wildunfalls stellt die Polizei oder der:die Jagdpächter:in dann eine sogenannte Wildschadenbescheinigung aus: Nur wer diese bei der Kasko-Versicherung vorlegt, kann entsprechende Leistungen geltend machen.

 

Wildunfall: Welche Schäden übernimmt die Versicherung?

Sowohl durch eine Kollision als auch ein Ausweichmanöver können bei einem Wildunfall Schäden am Fahrzeug entstehen. Die Haftpflichtversicherung übernimmt diese Kosten nicht, der Schaden kann lediglich über eine Teil- oder Vollkaskoversicherung reguliert werden. Wenn anhand von Wildschadenbescheinigung, Zeugenaussagen und Beweisfotos eindeutig nachgewiesen werden kann, dass Schäden am fahrenden Auto durch einen Zusammenstoß mit Wild entstanden sind, ersetzt die Teilkasko-Versicherung die Schäden. Viele Versicherer beschränken ihre Ersatzpflicht jedoch auf Unfälle mit Haarwild – also Rehen, Hirschen, Füchsen oder Wildschweinen. Es gibt aber auch Tarife, bei denen auch Schäden durch Unfälle mit Vögeln, Nutztieren und sogar Haustieren übernommen werden. Autofahrer:innen sollten die Konditionen ihrer Police dahingehend prüfen. Gar nicht selten ereignet sich ein Unfall jedoch, ohne dass das Fahrzeug mit dem Wildtier – zum Beispiel Wildschwein, Fuchs oder Reh – direkt zusammenstößt. Das kann passieren, wenn Autofahrer:innen erschrecken und das Lenkrad verreißen oder dem Tier sogar ganz bewusst ausweichen, um einen Zusammenstoß zu vermeiden. Dann müssen Autofahrer:innen eindeutig nachweisen können, dass ein großes Tier den Unfall verursacht hat, das Ausweichmanöver erforderlich war und nur so ein größerer Schaden verhindert werden konnte – wobei eigentlich nur Zeug:innen helfen können. Ansonsten entfällt der Versicherungsschutz der Teilkaskoversicherung. Wenn ein Ausweichmanöver wegen eines kleinen Wildtiers, etwa einem Hasen, durchgeführt wurde, berufen sich Versicherungen häufig auf grobe Fahrlässigkeit. Die Begründung: Große Schäden sind bei einer Kollision mit solch einem Tier nicht zu erwarten. Wer einem Hasen ausweicht, muss aber nicht zwingend ohne Versicherungsschutz dastehen, vorausgesetzt er oder sie hat eine Vollkasko-Versicherung. Denn diese springt im Allgemeinen für die Folgen eines Unfalls ein, solange dieser nicht vorsätzlich herbeigeführt wurde. Allerdings müssen Autofahrer:innen dann damit rechnen, dass der Versicherungsnehmer sie hochstuft und sie ihren Schadenfreiheitsrabatt teilweise einbüßen.

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Wann besteht ein Schadenersatzanspruch nach einem Wildunfall?

Bei Wildunfällen ist ein Schadenersatzanspruch gegen Jagdpächter:innen oder Waldbesitzer:innen in der Regel nicht möglich. Grund dafür ist, dass Wildtiere im juristischen Sinne als herrenlose Sache angesehen werden. Andere Regelungen gelten lediglich bei Jagdveranstaltungen wie Treib- und Drückjagden. Dabei sind die Jagdveranstalter:innen dazu verpflichtet, das Wild nicht in Richtung befahrener Straßen zu treiben. Halten sie sich nicht daran, haften sie für ihren Fehler. Prinzipiell besteht zudem die Chance, dass die jeweilige Straßenbehörde für Schäden nach einem Wildunfall aufkommt, wenn das Verkehrszeichen "Wildwechsel" an entsprechenden Gefahrenstellen nicht angebracht wurde. 

 

Schäden bei durch Wild verursachten Auffahrunfällen

Autofahrer:innen, die wegen eines kleinen Wildtieres abbremsen und dadurch einen Auffahrunfall verursachen, kann eine Mitschuld treffen. Denn bei kleinerem Wild – etwa einem Hasen oder Eichhörnchen – geht die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer:innen vor.

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