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Alle Tests zum VW Golf

Software-Update für VW Golf: Test Software-Update für den VW Golf

Paul Englert 01.03.2022
Inhalt
  1. Das Software-Update des VW Golf im Test
  2. Software-Update ermöglicht Sprechen und Zuhören gleichzeitig
  3. Software-Update für die alten, zusätzlich neue Hardware für alle neuen VW Golf
  4. Verbesserte Bedienung im VW Golf dank gesperrter Flächen
  5. Software-Update: Alle Neuigkeiten auf einen Blick

Touchscreen ohne Anzeige, funktionslose Klimabedienung, Verbindungsabbrüche: Mit einem erneuten Software-Update soll das VW Golf-Infotainment nun störungsfrei laufen. Ob das stimmt, klärt ein Alltags-Test.

 

Das Software-Update des VW Golf im Test

Der VW Golf ist das erfolgreichste Produkt von Volkswagen – seit der achten Generation aber auch ein Problemfall, denn es hakte bei Soft- und Hardware. Ausgefallene Assistenzsysteme, Touchscreens ohne Anzeige und damit eine stillgelegte Klimabedienung sowie Verbindungsabbrüche zwischen Smartphones und Multimedia-Einheit waren bei Golf-Testwagen und den Derivaten von Skoda und Seat die Regel. Auch viele unserer Leser:innen berichteten über ähnliche Störfälle. Bereits Anfang 2021 wurde ein Software-Update mit Verbesserungen für das Infotainment-System MIB3 eingeführt, betroffen waren Fahrzeuge ab Produktionsstart bis Kalenderwoche 29 des Jahres 2020. Doch noch immer fielen Testwagen mit träge reagierendem Infotainment, Verbindungsabbrüchen oder einer sperrigen Sprachassistenz auf. Jetzt legt VW abermals nach und bietet für Bestandsfahrzeuge bis Produktionswoche 48 des Jahres 2020 ein Steuergeräte-spezifisches Software-Update an, laut VW allerdings nur für Fahrzeuge mit den Navigationssystemen Discover Media (1115 Euro) oder Discover Pro (1950 Euro; beide mit 10-Zoll-Touchscreen) inklusive Sprachbedienung. Das Standard-Radio Composition erhält kein Software-Update. In vier bis fünf Stunden sollen die Daten via OBD-Anschluss beim Händler aufgespielt werden. Denn anders als in den vollelektrischen ID-Modellen mit Zentralrechner sind im dezentral gesteuerten Golf je nach Ausstattung 70 bis 80 Steuergeräte im Einsatz, OTA-Updates (Over the Air) per Internetverbindung sind also nur für Verzeichnisse wie Navigationsdaten möglich. Seit Ende 2021 neu gebaute VW Golf bekommen aber nicht bloß eine neue Soft-, sondern auch eine verbesserte Hardware mit leistungsfähigeren Verarbeitungseinheiten. Die Central Processing Units (CPU) sollen 25 Prozent mehr Rechenkapazität bieten, die neue Grafikkarte sogar dreimal so viel leisten wie bisher. Außerdem wurde eine Sperrlogik für einzelne Bedienoberflächen implementiert, die Fehlbedienungen verhindern soll. Mehr zum Thema: Unsere Produkttipps auf Amazon

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Der VW Golf (2019) im Video:

 
 

Software-Update ermöglicht Sprechen und Zuhören gleichzeitig

So weit, so gut. Doch was bringt der ganze Aufwand wirklich? Auffällig beim Aktivieren der Zündung: Das System des VW Golf fährt schnell hoch, prompt sind alle wichtigen Funktionen verfügbar. Das war früher anders, weil der Rechner bisher immer sofort alle Funktionen auf einmal aktivierte – auch solche, die in der Regel erst einmal nicht gebraucht werden. Oft musste man ein bis zwei Minuten warten, ehe man die Temperatur ändern, den Radiosender wechseln oder ein Telefonat starten konnte. Der Sprachassistent ist nach dem Weckruf "Hallo Volkswagen" ("Hallo VW" oder "Hallo Golf" funktionieren nicht) sofort aktiv und schaltet die Sitzheizung ein. Gut ist, dass man nach dem Weckruf nun nicht mehr auf ein "Ja bitte" oder "Was kann ich für Sie tun" warten muss, sondern den Befehl direkt anschließen kann. Wenn man während des Dialogs mit dem Computer den Rückwärtsgang einlegt, wird die Assistenz pausiert – sicher ist sicher. Dafür erscheint das Kamerabild (325 Euro) nun innerhalb von Sekundenbruchteilen auf dem Bildschirm. Auch hier hakte es in der Vergangenheit. Überhaupt klappt im Test nun alles viel schneller – die Umsetzung von Funktionen über Felder auf dem Touchscreen, das Scrollen und Wischen durch die einzelnen Menüs und die Berechnung von Navizielen. Die meisten Dinge lassen sich aber ohnehin über den Sprachassistenten regeln, der selbst undeutlich oder zögerlich gesprochene ("Hallo Volkswagen", zwei Sekunden Pause, dann "Navigiere nach, ääh, Krahnhofstraße, Holzem"), salopp oder nur halb formulierte Befehle ("Wo ist die nächste Tanke?", "Sebastian anrufen") treffsicher umsetzt. Darüber hinaus kann der Assistent gleichzeitig sprechen und zuhören. Fällt man der freundlich-distanzierten Damenstimme also ins Wort, werden neu formulierte Befehle dennoch ausgeführt. Nur selten kommen die Rückfrage "Wie bitte?" oder andere Vorschläge für Sprachbefehle. Zwei Wünsche in einem Satz ("Mir ist kalt, navigiere nach Köln") kann der Computer im VW Golf aber nicht verarbeiten, und teilweise werden Straßen nicht erkannt, wenn man statt der Gemeinde oder Stadt einen Ortsteil als Ziel nennt. Praktisch bei der Steuerung von Klimafunktionen ist, dass mittels mehrerer Mikrofone in der Dachkonsole erkannt wird, wer im Auto einen Sprachbefehl absetzen ("Meine Füße sind kalt"). Auch Sonderziele (POI: Points of Interest) hat der dauerhaft per Datenleitung ans Internet gekoppelte und zusätzlich aus einem Offline-Speicher mit Daten versorgte Sprachassistent darauf, sogar spezielle wie Zahnärzte, Baumärkte oder afrikanische Restaurants.

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Software-Update für die alten, zusätzlich neue Hardware für alle neuen VW Golf

Allerdings gibt es für die mit vielen neuen Codezeilen ausgestattete Infotainment-Software auch Grenzen. Denn während einer Testfahrt mit dem VW Golf durch eine wenig besiedelte Gegend mit schlechter Netzabdeckung quittierte der Sprachassistent die Frage nach dem nächsten VW-Vertragshändler mit dem Hinweis, dass die Online-Funktionen nur eingeschränkt zur Verfügung stünden und man es später noch einmal versuchen solle. Bei Befehlen wie "Beleuchtung dimmen", "Fahrmodus wechseln", "Head-up-Display" oder "Fahrassistenz" stößt man jedoch selbst mit Internetverbindung auf Unverständnis – das können die Systeme anderer Hersteller besser, teilweise schon seit Jahren. Sagt man "Fahrassistenten" statt Fahrassistenz, wird immerhin die Oberfläche aktiviert, auf der man Dinge wie Notbremsfunktion Serie), Toter-Winkel-Warner (440 Euro) oder Verkehrsschild-Erkennung (Bestandteil Navi: ab 1115 Euro) konfigurieren kann. Auch die zahlreichen Funktionen gespiegelter Smartphone-Oberflächen (Apple CarPlay, Android Auto, Mirror Link) lassen sich nicht per Spracheingabe steuern. Dafür muss man die Hände vom Lenkrad nehmen und auf der glatten Touchscreen-Oberfläche das richtige Feld treffen. Das mag mit einem Tablet auf dem Sofa zu Hause gut klappen, während der Fahrt aber lenkt diese Art der Bedienung ab. Um etwas mehr Stabilität und Treffsicherheit mit dem touchenden Zeigefinger zu bekommen, stützt man den Daumen intuitiv auf dem unterm Display platzierten Steg ab. Doch auf diesem Slider sind nicht nur beim VW Golf die Funktionsflächen für Temperatur- und Lautstärkeregelung untergebracht. Die Folge: Während der Touchscreen-Eingabe dröhnt die Musik plötzlich volles Rohr oder das Gebläse pustet eiskalte oder heiße Luft durchs Cockpit. Alternativ greift man also mit vier Fingern hinter den Bildschirm und bedient diesen mit dem Daumen, was noch mehr Aufmerksamkeit erfordert.

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Verbesserte Bedienung im VW Golf dank gesperrter Flächen

Doch auch mit diesem Dilemma ist jetzt Schluss, zumindest bei neu produzierten Gölfen mit aktualisierter Hardware wie in unserem Testwagen. Hier ist nämlich immer nur eine Bedienebene aktiv. Sobald man den Touchscreen berührt, sperrt das System die Slider-Fläche, die übrigens nach wie vor nicht beleuchtet ist, weshalb man bei Dunkelheit nicht sieht, welche Funktionsfläche man mit dem Finger berührt. Man munkelt, dass dieses Problem erst mit der großen VW Golf-Modellpflege 2023 behoben wird. Auch das Quartett aus berührungssensitiven Direktwahlfeldern für Assistenz, Parken, Klima und Fahrmodi um den analogen Warnblinkschalter wird gesperrt, sobald sich die Hand dem Bildschirm nähert – wobei durch den großen Abstand zwischen Touchscreen und den vier Direktwahlfeldern nie die Gefahr einer Doppelbedienung bestand. Apropos doppelt: Nach wie vor koppelt das Infotainment im VW Golf zwei Smartphones gleichzeitig per Bluetooth. Die Schnittstellen via Apple CarPlay oder Android Auto (App-Connect Wireless ab 485 Euro) funktionieren ebenfalls kabellos. Im Test der Software fiel jedoch auf, dass nach der problemlosen Integration eines iPhone 12 das Gerät am nächsten Tag nicht mehr via CarPlay gekoppelt werden konnte, mit dem Hinweis, das Smartphone sei entweder nicht im Fahrzeug oder ausgeschaltet und deshalb nicht erreichbar. Auch der Wechsel von einer reinen Bluetooth-Verbindung für Telefonie und Audio-Streaming zu einer CarPlay-Verbindung klappte nicht – trotz aktiviertem WLAN. Dafür musste das im Infotainment-System aufgelistete Gerät entfernt und neu verbunden werden. War die Verbindung per Bluetooth oder WLAN aber erst einmal hergestellt, wurde sie – anders als in der Vergangenheit – nicht mehr unterbrochen.

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Software-Update: Alle Neuigkeiten auf einen Blick

Für Bestandsfahrzeuge des VW Golf bis Produktionswoche 48/2020: Infotainment-Update für MIB3 (Software 1890) mit verbessertem Sprachassistenten, Reduzierung überflüssiger Schnittstellen, stabil laufenden Programmen. Dauer des Updates in der Werkstatt: vier bis fünf Stunden. Betroffen sind rund 60.000 Fahrzeuge. Für Neufahrzeuge gibt es ein Infotainment-Update wie für Bestandsfahrzeuge. Zusätzlich: Neue Hardware mit höherer Rechenleistung (H58), verbessertes Anzeigenbedienteil (ABT Hardware H42) mit neuer Software (3080), Sperrung der Direktwahl-Touchflächen um den Warnblinkschalter bei Annäherung des Fingers an den Touchscreen, Sperrung der Slider für Temperatur und Lautstärke unterm Bildschirm bei Berührung der Bildschirmfläche.

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Paul Englert Paul Englert
Unser Fazit

Schnelle und stabile Infotainment-Funktionen dank neuer Prozessoren sowie geänderter Prioritäten bei der Datenverarbeitung und ein schlauerer Sprachassistent machen Schluss mit dem Bedien-Frust im VW Golf 8. Volles Tempo mit starker CPU und die neue Sperrlogik für einzelne Touch-Flächen bekommen aber nur die Kundschaft neu produzierter Fahrzeuge.

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