VW Polo GTI/Ford Fiesta ST (2018): Test Fiesta ST und Polo GTI im Performance-Check

von Marcel Kühler 11.06.2019
Inhalt
  1. VW Polo GTI & Ford Fiesta ST im Test
  2. Fahrdynamik: Fiesta ST mit äußerst direkter Lenkung
  3. Fahrkomfort: Polo GTI mit kommoderen Federungseigenschaften
  4. Karosserie: VW bietet besseres Raumangebot
  5. Connectivity: VW mit häufigen Empfangsverlust
  6. Umwelt/Kosten: Ford Fiesta beginnt bei 22.100 Euro
  7. Technische Daten VW Polo GTI, Ford Fiesta ST

Der neue Ford Fiesta ST und der ebenfalls taufrische VW Polo GTI beweisen im Test eindrucksvoll, dass auch Kleinwagen ernstzunehmenden Sportler sein können.

Der Test zwischen dem Ford Fiesta ST und dem VW Polo GTI wird geprägt von kompakten Abmessungen, einem knackig abgestimmten Fahrwerk und eine potente Antriebsquelle. Mehr braucht es für großen Fahrspaß eigentlich auch nicht. Die beiden kleinen Kraftpakete zelebrieren mit genau dieser Rezeptur das Autofahren als Erlebnis. Besonders erfreulich: Mit Einstandspreisen von deutlich unter der 25.000 Euro handelt es sich in beiden Fällen um echte Volks-Sportler. Doch welche der Rennsemmeln kombiniert Emotion mit Ratio am besten? Mehr zum Thema: Die letzte Generation im Test

Fakten zum VW Polo im Video:

 
 

VW Polo GTI & Ford Fiesta ST im Test

Im Fiesta ST anno 2018 sorgt ein 1,5 Liter großer Dreizylinder-Turbo für Vortrieb – und das auf eine sehr unterhaltsame Art und Weise. Der 200 PS starke EcoBoost spricht nicht nur sehr sensibel aufs Gaspedal an, er dreht überdies fröhlich hoch, bietet aber dank 290 Newtonmetern auch in niedrigeren Drehzahlregionen jede Menge Schmalz. Auch für akustische Emotionen ist gesorgt: Beim Beschleunigen entwickelt das Triebwerk eine herrlich knurrige Klangkulisse. Letzteres gilt vor allem, wenn die serienmäßige Klappenauspuffanlage in den beiden Sportmodi auf Durchzug schaltet. Weiterer Quell der Freude ist das großartige Sechsgang-Schaltgetriebe, das nicht nur mit äußerst präziser Schalthebelführung aufwartet, sondern auch mit perfekten Ganganschlüssen. Der 2,0 Liter große TSI des Polo GTI verfügt über einen Zylinder mehr, produziert 30 zusätzliche Newtonmeter und leistet wie der Fiesta ST 200 PS. In Verbindung mit dem serienmäßigen, zuweilen aber recht träge reagierenden Doppelkupplungsgetriebe schafft es der VW, sich zunächst von seinem Widersacher abzusetzen. So gewinnt er den Standardsprint aus dem Stand auf Tempo 100, den er in 6,4 Sekunden absolviert, mit einem Vorsprung von 0,4 Sekunden. Erst ab 150 km/h schafft es der Ford, den Spieß umzudrehen und erreicht am Ende die 200-km/h-Marke 1,1 Sekunden eher. Die Verbrauchswertung indes geht mit 7,6 zu 8,0 Litern je 100 Kilometer wieder an den Polo.

 

Fahrdynamik: Fiesta ST mit äußerst direkter Lenkung

Auf der Rundstrecke zeigt der ST dem GTI relativ eindeutig, wer Chef im Ring ist. Mit seiner herzerfrischenden Agilität, der äußerst direkten Lenkung, dem extrem leichtfüßigen Einlenkverhalten und dem passiv mitlenkendem Heck bereitet er nicht nur jede Menge Fahrspaß, sondern erzielt auch deutlich schnellere Rundenzeiten als der Polo. Ein weiterer Garant für die gute Vorstellung auf der Piste ist das optionale Sperrdifferenzial, das es im Verbund mit einer Launch Control zum Paketpreis von 950 Euro gibt. Verliert das kurveninnere Rad an Grip, verlagert es die Antriebskraft nach außen, was dem Fiesta am Kurvenausgang einen echten Vorteil gegenüber dem Polo GTI einbringt. Während Letzterer trotz serienmäßiger elektronischer Sperre zuweilen mit durchdrehenden Rädern kämpft, prescht der Ford mit deutlich mehr Vortrieb aus engen Kehren. Der Polo GTI fährt sich wegen seiner weniger direkten Lenkung und sanfter Tendenz zum Untersteuern grundsätzlich unspektakulärer als der wuselige, rund 100 Kilogramm leichtere Wettbewerber. Die Stoppuhr spiegelt das subjektiv Empfundene wider: Der VW fährt dem Ford auf der Handlingstrecke mit einem Abstand von 2,6 Sekunden hinterher. Was dem Polo aber an Agilität fehlt, macht er mit seiner ausgeprägten Fahrsicherheit wieder wett. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet die Bremsanlage. Zwar lässt ihre Wirkung nach vielen harten Bremsmanövern etwas nach, doch der Kaltbremsweg von nur 33,3 Metern ist selbst für einen so sportlichen Kleinwagen aller Ehren wert. Zu guter Letzt beschert der wesentlich kleinere Wendekreis dem GTI einen Vorteil gegenüber dem ST, der etwa beim Rangieren in engen Parkhäusern mit seinem für ein derart kompaktes Fahrzeug sehr großen Wendekreis überraschend unhandlich wirkt.

Neuheiten Ford Fiesta ST (2017)
Ford Fiesta ST (2018): Preis & Motor Das kostet der Fiesta ST

 

Fahrkomfort: Polo GTI mit kommoderen Federungseigenschaften

Dass beide kleinen Kraftprotze nicht gerade als Sänften durchgehen, leuchtet ein. Dennoch glänzt der GTI in Summe mit den etwas kommoderen Federungseigenschaften. Im Verbund mit adaptiven Dämpfern (290 Euro) spricht sein Set-up vergleichsweise sensibel auf kleinere bis mittlere Fahrbahnschäden an und filtert kurze Wellen oder Asphaltflicken recht geschickt. Erst auf wirklich schlechten Straßen beginnt der Wolfsburger, ruppig zu werden. Der Fiesta ST beweist noch mehr Härte und verlangt von seinen Passagieren deshalb Nachsicht. Selbst auf vermeintlich topfebenen Strecken ist seine Karosserie stets etwas unruhig. Erst mit maximaler Beladung liegt der Ford nahezu genauso ruhig auf ebenem Asphalt wie der Polo. Zudem geht es im Kölner etwas leiser zu. In beiden Fällen gibt es über die Sportsitze, die in den dynamischen Speerspitzen ihrer Baureihen zum Serienumfang gehören, nichts zu meckern. Die Recaro-Sitze des ST bestechen vor allem durch die feste Polsterung und den fast schon schraubstockartigen Seitenhalt, während die mit dem GTI-typischen Karomuster bezogenen Sitze des Polo für breitere Staturen besser geeignet sind.

 

Karosserie: VW bietet besseres Raumangebot

Der Wolfsburger offeriert durch seine sehr breite Karosserie auf allen Plätzen das bessere Raumangebot. Erschwerend für den Fiesta kommt hinzu, dass Ford den ST zum Testzeitpunkt nur als Dreitürer im Pressefuhrpark hatte, was wegen des unkomfortablen Einstiegs in den Fond zu Punktabzug führt. Auch das Gepäckraumvolumen spricht mit 305 zu 292 Litern knapp für den Polo GTI. Den größten Punktevorsprung im Karosseriekapitel sichert sich der VW jedoch durch seine umfangreichere Sicherheitsausstattung. Einen Notbremsassistenten gibt es beispielsweise für den Fiesta im Gegensatz zu seinem Kontrahenten nicht. In beiden Fällen lobenswert: die einfache Bedienung über große Bildschirme und logisch aufgebaute Menüstrukturen.

 

Connectivity: VW mit häufigen Empfangsverlust

Die Multimedia-Ausstattung im VW Polo GTI umfasst ab Werk nur ein MP3-fähiges Radio. Smartphone-Integration und eine Bluetooth-Schnittstelle kosten extra bzw. sind Bestandteil eines höherwertigen Radios. Ein Navi gibt es für 1005 Euro, DAB für 245 Euro. In der Praxis nervte Letzteres aber mit häufigen Empfangsverlusten. Beim Ford Fiesta ST ist das einfach zu bedienende Multimediasystem SYNC 3 inklusive Smartphone-Integration via Apple CarPlay und Android Auto sowie Bluetooth-Schnittstelle serienmäßig enthalten. Ein Navi kostet 450 Euro, der digitale Radioempfang 200 Euro. Das klangstarke B&O-Soundsystem gibt es ab 400 Euro.

Test VW Polo GTI (2017)
VW Polo GTI (2017): Test Fahrspaß im Polo GTI

 

Umwelt/Kosten: Ford Fiesta beginnt bei 22.100 Euro

Gemessen am gebotenen Fahrspaß sind die zwei Sportskanonen ein wahres Sonderangebot. Der Fiesta ST beginnt als Dreitürer bei 22.100 Euro. Der stets fünftürige VW kostet mit einem Grundpreis von 23.950 Euro zwar 1850 Euro mehr, bietet dafür aber nicht nur zwei Türen, sondern auch einige Ausstattungsmerkmale mehr, darunter eine serienmäßige Einparkhilfe fürs Heck. Im Fall unserer Testwagen müssen wir für den bewerteten Preis hier wie da die schicken 18-Zoll-Optionsräder berechnen. Beim Ford kommt das Performance- Paket samt Sperrdifferenzial und Launch-Control hinzu, sodass die Kontrahenten unterm Strich nur noch 740 Euro voneinander trennen. Aber auch sonst liefern sich die sportlichen Zwerge ein Kopf-an-Kopf-Duell im Kostenkapitel. Zwar muss man beim VW Polo GTI etwas mehr Geld für die regelmäßigen Wartungen einplanen, im Gegenzug punktet der Wolfsburger dafür mit den günstigeren Versicherungs-Einstufungen. Zudem bedingt sein geringerer Durst ein etwas niedrigeres Tankbudget. Am Ende gewinnt dennoch der Ford Fiesta ST das Kostenkapitel mit einem minimalen Vorsprung von gerade einmal vier Zählern.

 

Technische Daten VW Polo GTI, Ford Fiesta ST

 VW Polo GTIFord Fiesta ST
Zylinder/Ventile pro Zylin.4/4, Turbo3/4, Turbo
Hubraum1984 ccm1497 ccm
Leistung200 PS200 PS
Max. Gesamtdrehmoment320 Newtonmeter290 Newtonmeter
Getriebe/Antrieb6-Gang, Doppelkupplung/Vorderrad6-Gang, manuell/Vorderrad
Beschleunigung  
0 - 100 km/h6,4 s6,8 s
0 - 200 km/h26,7 s25,6 s
Höchstgeschwindigkeit237 km/h232 km/h
Leergewicht (Werk)1280 kg1187 kg
Bremsweg aus 100 km/h warm34,5 m34,2 m
Verbrauch (Test/EU)7,6/5,9 l S/100 km8,0/6,0 l SP/100 km
CO2-Ausstoß (Test/EU)180/134 g/km190/136 g/km
Grundpreis23.950 Euro22.100 Euro
Testwagenpreis24.690 Euro23.950 Euro
Punktzahl (max. 5000 Punkte)2957 Punkte2903 Punkte
Platzierung12

von Marcel Kühler von Marcel Kühler
Unser Fazit

Der neue Ford Fiesta ST fährt sich mit seinen großartigen Handlingfähigkeiten umgehend in die Herzen sportlich ambitionierter Fahrer. Seine direkte, mitteilsame Lenkung ist ein Gedicht, und der kraftvolle Dreizylinder sorgt auch durch seinen charakterstarken Klang stets für gute Laune. Allerdings müssen ST-Piloten mit einer relativ rustikalen Federung und dem geringeren Raumangebot leben. Insgesamt erfordert der VW Polo GTI im Alltag durch seine großzügiger geschnittene Fahrgastzelle und etwas mehr Gepäckraum sowie die insgesamt komfortableren Federungseigenschaften weniger Kompromissbereitschaft. Dies sichert ihm im Verbund mit den etwas besseren Fahrleistungen, der im kalten Zustand sehr wirkungsvollen Bremse sowie dem geringeren Durst den Testsieg.

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