Als VW in den Krieg der Sterne zog: Passat W8 vs. Mercedes E 430
Anno 2001 hatte sich Volkswagen Mercedes als Hauptgegner auf dem Markt ausgesucht. Die AUTO ZEITUNG ließ die Achtzylinder-Flaggschiffe VW Passat W8 und Mercedes E 430 zum großen Showdown antreten.
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Der VW Passat W8 fordert den Mercedes E 430 heraus
Volkswagen stehe gegen „Daimler“, Audi gegen BMW, Seat gegen Alfa und Skoda gegen Volvo – so sprach VW-Chef Dr. Ferdinand Piëch und so sollte es geschehen. „Wenn uns Mercedes unten angreift“ – damit meinte Piëch das Kompaktwagensegment und die A-Klasse –, „dann kommen wir ihnen oben entgegen.“ Den Start für das „vierblättrige Kleeblatt“ von Oberklasse-Volkswagen vollzieht der Passat W8 (275 PS/202 kW).
Der muss sich nun folgerichtig mit einer Achtzylinder-Limousine von Mercedes messen: dem E 430. Diesem ist er schon von der Statur her unterlegen, was per se noch kein Nachteil sein muss: Manch Achtzylinder-Kundschaft geht es ja weniger um das Platz- als um das Leistungsangebot. Doch der Passat lässt beides und noch mehr vermissen: 1. das Gefühl, erster Klasse zu reisen, 2. das Gefühl, schier unbegrenzt Motorkraft aus dem Drehzahlkeller holen zu können, und 3. das vielleicht Wichtigste: Prestige.
Der Mercedes 560 SEC im Fahrbericht (Video):

Großzügige Reiselimousine: Der Mercedes E 430
Der Mercedes E 430 vermittelt die vertraute innere Großzügigkeit, wie sie einer 279-PS-Reiselimousine (205 kW) gut ansteht. Niemand fühlt sich beengt, Beine und Ellbogen haben Bewegungsfreiheit. Anders der VW Passat W8: Während die Vornesitzenden trotz geringerer Innenbreite auch lange Fahrtstrecken kommod absolvieren, wird es hinten auf die Dauer eng. Wie ein Auto dieser Klasse Fahrbahnunebenheiten absorbiert, zeigt der Schwabe geradezu musterhaft. Der Niedersachse gibt Querfugen und Bodenwellen recht ruppig an die Passagiere weiter.
Was Material- und Verarbeitungsqualität betrifft, macht der VW Passat W8 auf den ersten Blick einen hochwertigen Eindruck. Das defekte Beifahrergurtschloss mag als Einzelfall durchgehen, die launische Zentralverriegelung, die die rechte Vordertür mitunter verschlossen ließ, auch. Beides zusammen jedoch lässt auf ein Qualitätsniveau schließen, das der Oberklasse nicht würdig ist.
Hektischer Kickdown im Passat W8
Tritt man im Mercedes E 430 auf das Gaspedal, passiert nur eines: mühelose Beschleunigung. Wenn nötig, wählt die Automatik dezent eine niedrigere Übersetzung. Im Nobel-VW Passat W8 bewirkt ein durchgetretenes Gaspedal zunächst nur dürftige Geschwindigkeitszunahme. Erst ein kräftiges Kickdown vermag den Motor aus seiner Beschaulichkeit zu wecken, dann legt er allerdings unangemessene Aufgeregtheit an den Tag: Mit einem Ruck wird der dritte Gang aufgesucht, der plötzliche Zeigerausschlag des Drehzahlmessers macht sich akustisch durch heftiges Motorengewinsel bemerkbar. Genau diese Charakteristik will bei einem 4,0-l-Achtzylindermotor bestimmt niemand haben.

Auf der Autobahn fiel es dem W8 kilometerweit sogar schwer, einem davoneilenden Pumpe-Düse-TDI-Passat (130 PS/96 kW) Einhalt zu gebieten. Auch die Messdaten sprechen ein klares Wort: Schon für den Sprint von 0 auf 100 nimmt der VW sich fast eine Sekunde mehr Zeit als der nur 15 kg schwerere Benz.
20.000 Mark Preisvorteil für den Wolfsburger
Alles in allem sind die Fahrleistungen des VW Passat W8 weder seinem Hubraum noch seiner Motorleistung angemessen. Im Drehmoment (370 Nm) ist er dem Mercedes E 430 nur um 30 Nm unterlegen, dennoch fehlt ihm dessen souveräne Art der Leistungsabgabe. Liegt es am Allradantrieb? Sicherlich auch. Hat „4motion“ auch Vorteile gegenüber dem Heckantriebskonzept des Mercedes? Kaum: Die Traktion des E 430 mit ESP und ASR (Antriebsschlupfregelung) lässt keine Wünsche offen.

Ein wichtiger Pluspunkt für den Volkswagen: Der VW Passat W8 mit Tiptronic kostet etwa 20.000 Mark weniger als der Mercedes E 430. Dennoch wird, wer so viel Geld für eine Achtzylinderlimousine ausgibt, mehr erwarten als ein Auto, das aussieht wie eben – ein Passat. Von Peter Pisecker
Technische Daten von VW Passat W8 und Mercedes E 430
AUTO ZEITUNG 23/2001 | VW Passat W8 | Mercedes E 430 |
|---|---|---|
Zylinder / Ventile pro Zylin. | W8 / 4 | 8 / 3 |
Hubraum | 3999 cm³ | 4266 cm³ |
Leistung | 202 kW/275 PS bei 6000 U/min | 205 kW/279 PS bei 5750 U/min |
Max. Gesamtdrehmoment bei | 370 Nm bei 2750 U/min | 400 Nm bei 3000 U/min |
Getriebe / Antrieb | 5-Gang-Automatik / Allrad | 5-Gang-Automatik / Hinterrad |
L / B / H | 4703 / 1746 / 1461 mm | 4818 / 1799 / 1433 mm |
Leergewicht | 1665 kg | 1680 kg |
Bauzeit | 2001 – 2004 | 1999 - 2002 |
Stückzahl | ca. 11.000 | 46.461 |
Beschleunigung null auf 100 km/h | 8,2 s (AZ 23/2001) | 7,3 s (AZ 23/2001) |
Höchstgeschwindigkeit | 250 km/h (AZ 23/2001) | 250 km/h (AZ 23/2001) |
Verbrauch auf 100 km | 12,4 l S (AZ 23/2001) | 13 l S (AZ 23/2001) |
Grundpreis (Jahr) | 83.074 Mark (2001) | 103.909 Mark (2001) |


















