Crossland X/Captur/C4 Cactus/Soul: Test Crossland X gegen Captur, Cactus und Soul

von AUTO ZEITUNG 12.12.2017
Inhalt
  1. Der Opel Crossland X im City-SUV-Test
  2. Exzellenter Fahrkomfort im Crossland X
  3. Motor/Getriebe: Opel-Aggregat am sparsamsten
  4. Kia Soul mit bester Fahrdynamik
  5. Umwelt/Kosten: Renault Captur am günstigsten

Mit dem Meriva-Nachfolger Crossland X sagt Opel dem Mini-Van endgültig ade und steigt stattdessen ins City-SUV-Segment ein. In unserem Test begegnet er dabei den Crossover-Kreationen von Citroën, Kia und Renault. Auf welchem Platz parkt der Opel am Ende?

Mit der Kampagne "Umparken im Kopf" startete Opel vor zwei Jahren einen Feldzug gegen die bisherige Wahrnehmung der Marke als zwar solide, aber bieder. Umparken im Kopf muss heute jeder, der sich mit Opel beschäftigt. Die Rüsselsheimer wurden inzwischen komplett vom französischen PSA-Konzern übernommen. Ein erstes Produkt der schon vor Jahren begonnenen Kooperation wartet bereits auf dem Redaktionsparkplatz. Der Crossland X, wie der Name in bestem Denglisch schon sagt, ist ein Crossover, das sich die Plattform mit dem künftigen Peugeot 2008 und dem Citroën C3 Aircross teilt. Crossover steht gemeinhin für eine Mischformen aus verschiedenen Automobilgattungen. In diesem Fall paaren sich Design-Elemente von SUV, Van und Kombi. Das alles ist für die Konkurrenten Citroën C4 Cactus, Kia Soul und Renault Captur nicht neu, denn sie haben zum Teil schon drei oder mehr Jahre auf dem Blechbuckel. Starke Gegner mit reichlich Erfahrung haben sich die Rüsselsheimer da ausgesucht, was wiederum einen spannenden Vierkampf in unserem Test verspricht.

Der Opel Crossland X im Video:

 
 

Der Opel Crossland X im City-SUV-Test

Mit einer Außenlänge von 4,21 Meter übertrifft der Crossland X die Konkurrenz lediglich um maximal sechs Zentimeter. Im Innenraum fallen die Unterschiede beim Raumgefühl allerdings deutlicher aus. Obwohl der Opel mit der großen Tiefe seines Armaturenbretts viel Raum verschenkt, wirkt er vorne am geräumigsten. Am anderen Ende der Skala liegt der Citroën C4 Cactus, dessen Karosserieform eher an klassische Kompaktwagen angelehnt ist. Der Test offenbart: Nicht nur das niedrigere Dach, sondern auch ein zusätzlicher Wulst in der Dachverkleidung beeinträchtigen das Raumgefühl im Vergleich zur Konkurrenz nachhaltig. Mitreisende Fond-Passagiere freuen sich über das üppige Platzangebot im Kia Soul. Seiner Kopf- und Kniefreiheit hat die Konkurrenz wenig entgegenzusetzen. Auch wartet die Kastenform seiner Karosserie mit der besten Übersichtlichkeit in diesem Quartett auf, während sowohl die Front des Opels als auch die des Renault wegen der steil abfallenden Motorhauben nicht einzusehen sind. Längs verschiebbare Rücksitze bescheren dem Crossland X nicht nur ein Standard-Kofferraumvolumen von bis zu 520 Litern, sondern auch Punkte in der Variabilität. Doch er besitzt keinen durchgängig ebenen Ladeboden, weswegen ihm der Renault in dieser Disziplin Punkte abnimmt. Neben der höchsten Zuladung (518 Kilogramm) wartet der Opel auch mit der punkteträchtigsten Sicherheitsausstattung auf: Für 450 Euro ist er mit einem proaktiven Fahrerassistenzsystem ausgerüstet, das Hindernisse oder Personen auf der Fahrbahn erkennt und bis 50 km/h selbständig eine Vollbremsung einleitet. Unter anderem sind eine Verkehrszeichenerkennung und ein Notrufsystem serienmäßig an Bord. Bei der Bedienung entpuppt sich im Test der Touchscreen des Citroën als wenig berührungsempfindlich, während der Opel mit schnell rechnendem Navi und ebenso zügiger Telefonkoppelung gefällt. Im Renault läuft man Gefahr, mit dem Ablegen von Gegenständen in der Mittelkonsole die hervorstehende SD-Karte aus der Halterung zu lösen, worauf das Navi den Dienst einstellt. Mustergültig meistert hingegen der Koreaner den Bewertungspunkt Bedienung/Funktion. Geht es um das Thema Qualität und Verarbeitung, verschenkt der Opel mit unsauberen Passungen und Klappergeräuschen auf schlechter Fahrbahn Punkte. Hier kann sich die Konkurrenz eine Scheibe vom Kia abschneiden.

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Exzellenter Fahrkomfort im Crossland X

Mit seinen Ergonomie-Sitzen (595 Euro) bietet der Crossland X sehr komfortable vordere Plätze. Am anderen Ende des Quartetts sortiert sich das Citroën-Gestühl ein. Zwar gefallen die Sitze dieses Franzosen mit guter Oberschenkelauflage und einer hohen Rückenlehne, Seitenhalt stand aber erkennbar nicht im Lastenheft. Die Polster des Renault sind dagegen zu rutschig. Der seinen guten Sitzkomfort zum Teil seiner elektrisch einstellbaren Lendenwirbelstütze. Diese ist aber nur als Bestandteil des VIP-Paketes (1490 Euro) zu haben und erst ab der Ausstattung "Spirit", die gegenüber der Basisversion satte 5800 Euro extra kostet. Nichts extra kostet hingegen der beste Sitzkomfort innerhalb des Testfeldes, den die Passagiere im Fond des Koreaners finden. Hinsichtlich der Ergonomie am Arbeitsplatz verschenkt der Citroën wertvolle Punkte aufgrund der fehlenden Lenkrad-Längseinstellung. Auch sein digitales Tacho-Display ist etwas klein ausgefallen. Der Rüsselsheimer dagegen punktet mit einem Head-up-Display (300 Euro). Einmal in Fahrt, hinterlässt der Renault Captur akustisch den besten Eindruck, denn weder Abroll- noch Windgeräusche drängen allzu vorlaut ins Klangbild. Heißen Sommertagen begegnet der Soul mit optional belüftbaren Vordersitzen (ebenfalls Bestandteil des VIP-Pakets). Bei Kälte wärmt wie beim Opel eine optionale Lenkradheizung die Finger. Davon können sowohl Renault- als auch Citroën-Lenker nur träumen. Wird unterwegs der Asphalt schlechter, teilt die Kia-Hinterachse schon mal heftige Schläge aus. Diese Eigenschaft eint den Soul mit dem Opel, dessen Heck auf Bodenwellen darüber hinaus tief eintaucht. Damit plagt sich in unserem Test, wenn auch weniger ausgeprägt, ebenso der Renault. Der Citroën meistert die verschiedensten Straßenschäden dagegen recht souverän. Unter Ausnutzung der vollen Nutzlast zieht der Captur jedoch im Federungskomfort am Cactus vorbei, verbessert sich gar noch ein wenig gegenüber den Leerfahrten. Schlusslicht ist dabei der Kia, der seine Insassen über Gebühr durchschüttelt.

Fahrbericht Neuer Opel Crossland X (2017)
Neuer Opel Crossland X (2017): Erste Testfahrt  

Der Crossland X ist ein Erfolgskandidat

 

Motor/Getriebe: Opel-Aggregat am sparsamsten

Der von uns getestete Opel Crossland X wird von dem aus zahlreichen Modellen des PSA-Konzerns bekannten Dreizylinder-Turbo mit 1,2 Liter Hubraum und 130 PS angetrieben. Derart gerüstet, spurtet der Opel in 10,9 Sekunden auf 100 km/h und ist maximal 206 km/h schnell. Gleichzeitig benötigt der Crossland X im Durchschnitt nur 6,5 Liter Kraftstoff, womit er der sparsamste Testkandidat ist. Allerdings hängt sein Dreizylinder nicht sonderlich spontan am Gas und benötigt eine kleine Gedenksekunde, ehe der Turbo Druck aufgebaut hat. Ebenfalls nicht gut: Das Getriebe unseres Testwagens wies unschöne Kratzgeräusche beim Wechsel vom zweiten in den dritten Gang nahe der Höchstdrehzahl auf. Der Citroën C4 Cactus setzt auf das gleiche Triebwerk wie der Opel, allerdings in einer anderen Leistungsstufe. Dem nonkonformistischen Gallier müssen 110 PS und 205 statt 230 Newtonmeter Drehmoment genügen. Da der Cactus aber 124 Kilogramm leichter als der Opel ist, fällt der Leistungsunterschied in der Praxis nicht ins Gewicht. Im Gegenteil, im Standardsprint nimmt er dem Crossland eine halbe Sekunde ab. Lediglich bei der Höchstgeschwindigkeit (188 km/h) hat der C4 das Nachsehen. Anders als die Konkurrenten überträgt der Citroën die Antriebskräfte über eine Sechsstufen-Automatik auf die Vorderräder. Ein Handschalter war zum Testzeitpunkt seitens des Herstellers nicht verfügbar. Der Komfortzugewinn durch das Getriebe hält sich indes aufgrund der langen Schaltpausen in Grenzen. Außerdem nervt es bei Übersetzungswechseln bei langsamer Fahrt mit spürbarem Rucken. Unter der Haube des Kia Soul arbeitet der einzige Saugmotor im Testfeld. Der 1,6 Liter große Vierzylinder leistet 132 PS, produziert allerdings nur 161 Newtonmeter Drehmoment. In der Praxis macht sich dieser Umstand durch eine im Vergleich zu den Turbotriebwerken der Konkurrenz zähe Leistungsabgabe aus niedrigeren Drehzahlen bemerkbar. Überholvorgänge auf der Autobahn erfordern somit häufig den Wechsel in einen niedrigeren Gang – was wegen der knackigen Schaltung aber nur bedingt ein Ärgernis ist. Darüber hinaus beschleunigt der Koreaner aus dem Stand am flottesten und erreicht nach 10,2 Sekunden Landstraßentempo. Allerdings ist der Kia mit einem Verbrauch von 8,1 Litern auch der durstigste Wagen im Testfeld. Der 118 PS starke Turbo-Vierzylinder des Renault ist ebenfalls kein besonderer Ausbund an Temperament. Der Captur beschleunigt ebenso wie der Opel in 10,9 Sekunden auf 100 km/h. Auf der Autobahn ist der Franzose mit einer Spitzengeschwindigkeit von 182 km/h der Langsamste in diesem Quartett. Dafür macht dem 1,2-Liter-Motor in Sachen Laufkultur kein anderer etwas vor. Der Vierventiler arbeitet sich nahezu vibrationsfrei durch das Drehzahlband und übt sich akustisch wohltuend in Zurückhaltung. Und auch das manuelle Sechsgang-Getriebe weiß mit seinem präzise geführten Schalthebel zu gefallen.

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Kia Soul mit bester Fahrdynamik

Trotz des höchsten Leergewichtes umrundet der Kia Soul den Handlingkurs am schnellsten und wedelt am flottesten durch die Pylonengasse. Neben der sportlich straffen Fahrwerksabstimmung sowie der präzisen Lenkung der maßgebliche Grund für seine gute Performance: Sein ESP lässt sich komplett deaktivieren. Dies erlaubt es, das tatsächliche Limit des Fahrzeuges auszuloten. Bei den übrigen Testkandidaten lassen sich weder die Traktionskontrolle noch das dynamische Stabilitätsprogramm abstellen. Besonders der Renault Captur leidet unter seinem vorschnell eingreifenden ESP, das unnötig viel Geschwindigkeit in Kurven vernichtet. Dazu lässt der Schleuderschutz jegliche Feinfühligkeit vermissen. Stattdessen schreitet der elektronische Rettungsanker sehr ungestüm ins Geschehen ein und bremst die Fuhre fast bis zum Stillstand ein. Gerade bei den Richtungswechseln in der Slalom-Gasse erweist sich dieser Umstand als echter Hemmschuh. Die Konsequenz: Der Captur ist dort wie auch auf dem Handlingkurs unter den Testkandidaten mit deutlichem Rückstand das langsamste Fahrzeug. Allerdings bringt der kompakte Gallier die beste Bremsanlage mit. Ein Kalt- bremswert von 34,4 Metern aus 100 km/h ist in dieser Fahrzeugklasse eine echte Hausnummer – gerade im Vergleich zum zweiten Franzosen im Feld, dem Citroën C4 Cactus. Dieser benötigt für eine Vollbremsung aus 100 km/h bei kalter Anlage 37,1 Meter. Dafür ist der leichtgewichtige C4 auf dem Handlingkurs 2,7 Sekunden flotter unterwegs als der Renault – womit er aber immer noch das zweitlangsamste Auto im Handling ist. Und der Opel Crossland? Auch der Rüsselsheimer Neuling bekleckert sich fahrdynamisch nicht gerade mit Ruhm. So umrundet er den Handlingkurs 1,7 Sekunden langsamer als der Kia. Auch der Kaltbremsweg von 36,8 Meter aus 100 km/h ist verbesserungsfähig.

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Umwelt/Kosten: Renault Captur am günstigsten

Aufgrund des niedrigsten bewerteten Preises gewinnt der Renault Captur das Kostenkapitel des Tests vor dem zweitgünstigsten Testkandidaten, dem Citroën C4 Cactus. Der neue Opel Crossland X landet trotz der umfangreichsten Multimedia-Ausstattung und des ebenfalls recht günstigen bewerteten Preises nur auf dem dritten Platz des Kapitel-Rankings. Der Grund: Die mauen Garantieleistungen des Herstellers, die neben zweijähriger Technikgarantie lediglich ein Jahr Mobilitätsservice einschließt. Garantien sind bekanntlich eine Spezialität der Marke Kia, die auf ihre Fahrzeuge eine siebenjährige Gesamtgarantie gewährt. Dennoch landet der Soul im Kostenkapitel nur auf dem vierten Rang, da er aufgrund der teuren Sitz-Option des Testwagens den höchsten bewerteten Preis aufweist.

Technische DatenCitroën C4 Cactus PureTech 110Renault Captur Energy TCe 120
Motor3/4, Turbo4/4, Turbo
Hubraum1199 ccm1197 ccm
Leistung110 PS118 PS
Maximales Drehmoment205 Nm205 Nm
Getriebe6-Stufen-Automatik (optional)6-Gang, manuell
AntriebVorderradVorderrad
0-100 km/h10,4 s10,9 s
Höchstgeschwindigkeit188 km/h182 km/h
Leergewicht1050 kg1195 kg
Kofferraum348-1170 l377-1235 l
L/B/H in mm4157/1729/14904122/1778/1566
Testverbrauch7,3 l S/100 km7,5 l S/100 km
Grundpreis19.690 Euro19.090 Euro
Testwagenpreis21.190 Euro19.880 Euro
Platzierung42
Technische DatenKia Soul 1.6 GDIOpel Crossland X 1.2 Direct Injection Turbo
Motor4/43/4, Turbo
Hubraum1591 ccm1199 ccm
Leistung132 PS130 PS
Maximales Drehmoment161 Nm230 Nm
Getriebe6-Gang, manuell6-Gang, manuell
AntriebVorderradVorderrad
0-100 km/h10,2 s10,9 s
Höchstgeschwindigkeit185 km/h206 km/h
Leergewicht1200 kg1199 kg
Kofferraum354-1367 l410-1255 l
L/B/H in mm4140/1800/16004212/1825/1605
Testverbrauch8,1 l S/100 km6,5 l S/100 km
Grundpreis17.240 Euro21.100 Euro
Testwagenpreis24.530 Euro21.695 Euro
Platzierung31

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Unser Fazit

Marcel Kühler und Elmar Siepen Mit dem Opel Crossland X haben die Rüsselsheimer umgeparkt – aufs Siegerpodest. Zu den Stärken des Rüsselsheimer Neulings gehören ordentliche Komforteigenschaften, eine hohe Fahrsicherheit und der sparsamste Motor im Test. Hinzu kommt eine zeitgemäße, wenngleich teilweise optionale Ausstattung. Dahinter landet der Renault Captur. Der Franzose glänzt in der Fahrdynamik mit den kürzesten Bremswegen. Sein Vierzylinder-Motor gehört zum kultiviertesten, was man in dieser Leistungsklasse kaufen kann. Zudem gewinnt er das wichtige Umwelt/Kostenkapitel und schiebt sich so von Platz drei in der Eigenschaftswertung auf den zweiten Platz in der Gesamtwertung. Beim Kia Soul ist es genau umgekehrt. Sein durstiger Motor und der hohe bewertete Preis verhindern am Ende mehr als den dritten Platz. Der sympathische Citroën C4 Cactus besitzt zwar einen spritzigen Motor, lässt aber in anderen Disziplinen zu viele Federn.

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