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Preise von Neuwagen (2022): Entwicklung Das Auto droht zum Luxusgut zu werden

Markus Bach 14.10.2022

Neuwagen sind so teuer wie nie, der Anstieg der Preise hat ein ungeahntes Tempo erreicht. Wir sagen, wer dahintersteckt und blicken auf die Folgen. Auch eine Untersuchung des ADAC führt die Preisentwicklung von Neuwagen vor Augen.

Dass Autos immer teurer werden, ist kein Geheimnis. Schließlich kostete ein VW Golf I im Jahr 1974 nur 7995 Mark, während heute für einen Golf VIII mindestens 29.560 Euro fällig sind. Die Inflation betrifft eben auch Neuwagen. Doch in der Vergangenheit stiegen die Preise unserer Autos oft schneller als die anderen Güter. Das liegt in der steten Weiterentwicklung der Fahrzeuge begründet, die über alle Klassen hinweg seit Jahrzehnten immer größer, leistungsstärker, komfortabler und vor allem sicherer geworden sind. Daher ist es ungerecht, einen VW Golf VIII preislich mit einem Golf I zu vergleichen. Selbst ein VW Up bietet deutlich mehr Ausstattung, Sicherheit und Leistung als das kompakte Urmeter von 1974. In letzter Zeit hat sich die Spirale der Preisentwicklung bei Neuwagen allerdings immer schneller gedreht. So kletterte der Listenpreis für den günstigsten VW Golf innerhalb eines Jahres um 8860 Euro. Gab es 2021 das 90 PS leistende Basismodell noch für 20.700 Euro, muss die Kundschaft heute den 130 PS starken Einstiegs-Golf für 29.560 Euro nehmen – ein Plus von 43 Prozent. Beim Opel Corsa, dem beliebtesten Kleinwagen der Deutschen, liegt die Preissteigerung auf einem ähnlichen Niveau. Hier hat sich im Gegensatz zum VW Golf noch nicht einmal der Basismotor verändert: Kostete das 1,2-Liter-Benziner-Modell mit 75 PS 2021 noch 14.600 Euro, gibt es dieses heute erst ab 20.440 Euro – ein Plus von 40 Prozent. Für den starken Preisanstieg gibt es zahlreiche Gründe, die sich zu einem "perfekten Sturm" aufsummieren: Teilemangel, Lieferschwierigkeiten und dadurch ausgelöste Produktionsengpässe führen dazu, dass sich die Hersteller auf bestimmte Baureihen konzentrieren müssen. Natürlich bekommen die teureren Modelle, Ausstattungen und Motorisierungen Vorfahrt. So baut Mercedes lieber gewinnträchtige S- statt margenschwächere A-Klassen. Und im VW-Konzern spricht man hinter vorgehaltener Hand von "Porsche statt Polo". Gestiegene Einkaufspreise für Bauteile heizen diese Spirale weiter an. Zudem hat Corona dazu geführt, dass Hersteller und Händler in den Monaten der gedrosselten Produktion ihre Lagerbestände abgebaut haben – mit dem Ergebnis, dass heute deutlich weniger Neuwagen auf dem Markt verfügbar sind. Und ein schrumpfendes Angebot sorgt für höhere Preise. Auch interessant: Unsere Produkttipps auf Amazon

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Preise bei Neuwagen: Enormer Anstieg und Wegfall von Basismodellen

Die Neuwagen-Rabatte in Deutschland zum Beispiel, die vor der Corona-Krise auf einem Rekordniveau lagen, sind 2021 stark geschrumpft. Ein weiterer Grund ist die hochlaufende Elektromobilität: Stromer sind aktuell noch teurer als vergleichbare Benziner. So kostet ein Hyundai Kona Elektro in der günstigsten Variante 36.400 Euro, der Einstiegs-Kona mit Benzinmotor dagegen nur 20.750 Euro. Die staatliche Prämie verführte zudem viele Hersteller dazu, die Preise für ihre E-Autos zu erhöhen oder bei gänzlich neuen Modellen mit besonders teuren Varianten zu starten. Der Einstiegspreis des Ford Mustang Mach-E kletterte etwa innerhalb eines Jahres von 46.900 auf 62.900 Euro. Das ist ein Plus von unglaublichen 16.000 Euro. Als würde das alles noch nicht reichen, schrumpft gleichzeitig das Angebot an Klein- und Kleinstwagen immer stärker: Gab es vor fünf Jahren noch 47 Modelle in den beiden kleinsten Segmenten, stehen heute nur noch 29 Fahrzeuge zur Auswahl – ein Minus von 38 Prozent. Selbst einstige Bestseller wie Ford Ka oder Fiat Punto fielen dem Streichkonzert zum Opfer. Hauptursache sind die strengeren Abgasnormen der EU für Verbrenner, die nur durch den Einbau teurer Spritspartechnik erreicht werden können. Branchen-Insider sprechen von 3500 Euro pro Fahrzeug. Das verteuert zwar alle Verbrenner, bei großen SUV oder Limousinen sind es jedoch nur wenige Prozent. Bei den City-Cars, die vor fünf Jahren meist noch um die 10.000 Euro kosteten, bedeutet ein solcher Preisanstieg oft das Aus. Dazu kommt die Einführung neuer EU-Mindeststandards bei Assistenzsystemen. Auch diese verteuern vor allem kleine Autos, bei denen sie noch nicht Serie waren. Angesichts dieser Preisentwicklung überrascht es nicht, dass der durchschnittliche Kaufpreis eines Neuwagens inklusive Rabatte und staatlicher Prämie seit 2019 um satte 6990 Euro stieg. Zum Vergleich: In den sechs Jahren vor Corona kletterte der Preis um lediglich 4350 Euro. Wurden für einen Neuwagen 2012 noch 26.780 Euro bezahlt, liegt der Durchschnittspreis heute bei 40.570 Euro – ein Anstieg um 51,5 Prozent. Dagegen erhöhte sich das durchschnittliche Nettogehalt in Deutschland im gleichen Zeitraum lediglich um 29,5 Prozent von 20.730 auf 26.850 Euro. Die Folge: Heute muss deutsche Autokäufer:innen für einen Neuwagen 151 Prozent ihres Jahresgehalts ausgeben, 2012 reichten noch 129 Prozent.
Von Markus Bach

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ADAC-Auswertung zur Preisentwicklung von Neuwagen

Das Spiel mit dem Neuwagen-Konfigurator im Internet kennen viele: Kaum sind zwei, drei Klicks gesetzt, um das Auto nicht als rollende Verzichtserklärung zu kaufen, erhöht sich dessen Preis deutlich. Welches Ausmaß der Preisunterschied zwischen Basis- und Vollausstattung über die Jahre erreicht hat, hat die AUTO ZEITUNG bereits 2017 aufgezeigt (siehe Galerie). Doch aufgrund von Lieferschwierigkeiten, Halbleitermangel und gestiegenen Einkaufspreisen sind nun auch die Grundpreise so hoch wie nie. Die Showrooms der Händler sind leer und die Rabatte auf die Bruttopreislisten, die einst die Kundschaft anlocken sollten, sind Schnee von gestern. Viele Hersteller haben zudem ihr Angebot auf ein Minimum eingedampft. Basismodelle sind Mangelware – oft beginnt die Auswahl erst bei stärkeren Motoren und höhere Ausstattung. "Vor einem Jahr konnte ein Golf mit 90 PS als Basismodell zum Preis von 20.700 Euro bestellt werden, jetzt nur noch mit 130 PS für 29.560 Euro. Der Fiat Tipo mit 100 PS war im Mai 2021 noch ab 17.490 Euro zu haben, mittlerweile ist er nur noch als 130-PS-Hybridversion zum Grundpreis von 28.490 Euro erhältlich", stellte der ADAC in einer Untersuchung zur Preisentwicklung von Neuwagen 2022 fest. Der Grund ist einfach erklärt: Mehr Ausstattung bedeutet eine höhere Marge je Fahrzeug. 

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Wie der ADAC in einer Untersuchung zu den Neuwagenpreisen 2022 festgestellt hat, sind die Durchschnittspreise aller angebotenen Modelle zwischen 2017 und Mitte 2022 von 44.908 Euro auf 53.525 Euro angestiegen. Der Preisanstieg beträgt im genannten Zeitraum somit 19 Prozent. Stellt man das der Inflation von 16 Prozent im Juli 2022 gegenüber, erweisen sich die gestiegenen Kosten bei einem Neuwagenkauf als Inflationstreiber, so die Aussage des ADAC. Der Autoclub macht zudem darauf aufmerksam, dass diese Entwicklung von Herstellern im Auge zu behalten sei, damit die Preisentwicklung von Neuwagen und der Mangel an günstigen Basisvarianten nicht dazu führt, dass neue Pkw nicht mehr bezahlbar sind. Mobilität muss auch für Menschen mit geringeren finanziellen Mitteln erschwinglich bleiben, mahnt der ADAC. Doch gerade beim günstigsten Segment der Kleinstwagen zeigt sich die größte Preissteigerung. Lag der Durchschnittspreis hier im Oktober 2017 noch bei 15.275 Euro, so müssen Kund:innen im Juli 2022 für einen Kleinstwagen im Durchschnitt 22.048 Euro bezahlen. Das ist ein Preisanstieg von 6.773 Euro beziehungsweise 44,3 Prozent. Am geringsten fallt der Anstieg des Durchschnittspreises bei der Oberklasse aus. Dieser steig im gleichen Zeitraum von 105.302 Euro auf 118.345 Euro, also um 12,4 Prozent, was einem durchschnittlichen Mehrpreis von 13.043 Euro entspricht.
Von Vicky Zippmann

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Unser Fazit

Zahlreiche politische und wirtschaftliche Faktoren haben dazu geführt, dass sich die Neuwagenpreise in bisher ungekanntem Ausmaß erhöhen. Doch auch die Autohersteller tragen ihren Teil zur Verschärfung bei, indem sie sich auf die gewinnträchtigen Modelle konzentrieren. Das führt dazu, dass sich gerade kleine und einst günstige Modelle mit Verbrennungsmotor stark verteuern oder sogar ganz verschwinden. Zudem ist der Einstieg in die Welt der E-Mobilität noch teuer und nur leidlich durch die staatliche Prämie abgedeckt. So kommt die Kundschaft um Kredite nicht mehr herum – bereits 2021 wurden zwei Drittel aller Neuwagen finanziert, weitere 18 Prozent geleast –, oder sie greifen zu Gebrauchtwagen, deren Preise jedoch auch auf einem Allzeit-Hoch sind. Hier entsteht auf dem Markt eine große Lücke, die von den chinesischen Neueinsteigern genau beobachtet wird. Nach dem Zweiten Weltkrieg prägte der Neuwagen als bezahlbare Massenware entscheidend den wirtschaftlichen Aufstieg Europas und machte seine Autoindustrie groß. Nun droht er wieder zum Luxusgut zu werden.

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