Neuwagenkauf: Extras machen Autos immer teurer Die Aufpreis-Abzocke beim Neuwagen

von Markus Bach 13.04.2018

Für jedes Extra beim Neuwagenkauf wird das Auto deutlich  teurer. Ein Exkurs in den Wahnsinn der Preislisten.

Besucher eines Neuwagen-Konfigurators im Internet kennen das Spiel: Kaum sind zwei, drei Klicks gesetzt, um das Auto nicht als rollende Verzichtserklärung zu kaufen, erhöht sich dessen Preis deutlich. Schnell hat man einen Kleinwagen für 20.000 Euro oder einen Kompakten für 30.000 Euro konfiguriert. Auch der Besuch im Autohaus lässt einem den Atem stocken, wenn man einen Blick auf die Preisschilder der gut ausgestatteten Neuwagen wirft. An fünf Beispiel-Autos haben wir die Auswirkungen dieses Aufpreis-Irrsinns einmal genauer betrachtet: Unsere Neuwagen konfigurierten wir sowohl als Basis-Modell als auch mit der Voll-Ausstattung. Wohlgemerkt: Die Beispiel-Autos haben stets den gleichen Motor, das gleiche Getriebe und die gleiche Antriebsvariante. Das Ergebnis zeigt, dass die Modelle mit der Voll-Ausstattung oft doppelt so teuer sind. So lässt sich etwa ein Ford C-MAX mit 100-PS-Benziner sowohl für 19.450 Euro als auch für 38.435 Euro kaufen. Einen Mercedes C 180 d mit 116-PS-Diesel gibt es in der Basis für 34.248 Euro, mit allen Extras erhöht sich sein Preis auf unglaubliche 74.143 Euro (+116 Prozent). Den Vogel schießt jedoch der Audi Q2 mit 116-PS-Benziner ab: Er kostet maximal 53.805 Euro – so viel wie ein Audi Q5 mit 252-PS-Benziner und Allradantrieb.

So viel verdienen Hersteller am Auto im Video:

 
 

Neuwagenkauf: Immer teurer durch Extras

Was unsere Recherche noch zeigt: Das Basis-Modell dient oft nur noch als Lockangebot: Der Dacia Duster etwa ist in der günstigsten Ausstattung für 11.290 Euro nur mit dem kleinsten Motor und Frontantrieb erhältlich. Wer mehr Leistung, einen Diesel oder Allrad wünscht, muss eine teurere Ausstattung wählen. Auch Assistenzsysteme und Multimedia-Features lassen sich meist nicht einzeln, sondern nur noch als Pakete oder in teuren Kombinationen kaufen: Wer etwa beim Opel Corsa einen automatischen Parkassistenten für 595 Euro haben möchte, muss mindestens das Radio CD 3.0 BT für 675 Euro als Voraussetzung dazubestellen. Auch die Smartphone-Kopplung über Apple CarPlay oder Android Auto geht oft unverhältnismäßig stark ins Geld: Häufig ist diese Funktion an die höheren Ausstattungslinien gekoppelt oder mit den besten Infotainmentsystemen verknüpft, etwa beim Skoda Octavia für 1270 Euro.

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Neuwagenpreis steigt jedes Jahr

Selbst Farbe bekennen ist teuer: So gibt es beim VW Golf nur noch „Uranograu Uni“ ohne Aufpreis, alle anderen Lacke kosten mindestens 230 Euro mehr. Kein Wunder, dass die durchschnittlichen Neuwagenpreise seit Jahren nur eine Richtung kennen – nach oben: Der Durchschnittspreis hat sich seit dem Jahr 2000 um satte 47,9 Prozent auf 29.650 Euro erhöht. Die Entwicklung des durchschnittlichen Jahres-Nettolohns in Deutschland kann da nicht mithalten: Er hat sich im gleichen Zeitraum nur um 31,6 Prozent gesteigert. Betrachtet man allerdings die Basispreise, muss ein Arbeitnehmer heute im Durchschnitt für einen Neuwagen nicht länger als im Jahr 2000 arbeiten: Für einen VW Golf mit Basis-Ausstattung sind heute 205 Arbeitstage nötig – so viele wie vor 18 Jahren. Für die Hersteller jedenfalls lohnt sich das Geschäft mit den Extras: Mehr Ausstattung bedeutet eine höhere Marge je Fahrzeug. Zudem können die Firmen neue Techniken mit beliebten Systemen in Paketen zusammenfassen, um die Hürden für ihre Erstnutzung zu senken – in der Hoffnung, dass wer sich einmal etwa an einen Toter-Winkel-Assistenten gewöhnt hat, ihn nicht mehr missen will.

Aufpreis-Abzocke 

von Markus Bach von Markus Bach
Unser Fazit

Zugegeben: Wir Kunden haben uns in den letzten Jahren an immer neue Komfort-Ausstattungen, Sicherheitssysteme und Multimedia-Features gewöhnt. Doch eine richtige Wahl haben wir auch nicht mehr: Wer seinen Neuwagen nicht völlig nackt kaufen möchte oder eine wirtschaftlichere Motorisierung wünscht, muss dafür ordentlich draufzahlen. Seien wir ehrlich: Ist denn eine Auswahl von mehr als einer Lackfarbe ohne Aufpreis zu viel verlangt? Und die ordentliche Anbindung unserer Smartphones ans Auto sollte in einer digitalen Gesellschaft nicht an die 1000 Euro kosten. Leider werden wir die Steigerung der Listenpreise nicht stoppen können. Einziger Hoffnungsschimmer: Auch die Rabatte auf Neuwagen sind in den letzten Jahren meist gestiegen.

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