Alle Tests zum Porsche Taycan

Neuer Porsche Taycan (2019): Erste Testfahrt Taycans spannende Geschichte

von Elmar Siepen 05.09.2019
Inhalt
  1. Erste Testfahrt im neuen Porsche Taycan (2019)
  2. Porsche macht E-Mobilität spannend
  3. Ausreichend Platz trotz Akkus im Boden

119 Jahre nach dem Lohner-Porsche steht der neue Porsche Taycan (2019) als erster vollelektrischer, viersitziger Sportwagen zur ersten Testfahrt bereit!

Bevor ich zur ersten Testfahrt mit dem neuen Porsche Taycan (2019) ans Steuer darf, geht es erst einmal auf die hauseigene Versuchsstrecke in Weissach. Versuchsfahrer Benjamin Gehring schnallt sich an. Ich auch. Besser ist das, wenn man in einem Porsche-Prototypen auf dem hauseigenen Track mitfahren darf. Hier wird alles, was mit Porsche-Logo später auf die Straße darf, auf Herz und Nieren geprüft. Der erfahrene Testfahrer drückt den Startknopf. Das Signal, das volldigitale Display zu erleuchten. Bis auf ein leises Surren im Hintergrund hört man nichts. Wie bei einem konventionellen Automatik-Auto zieht Gehring den Wählhebel im Armaturenbrett auf D und rollt untermalt von einem leise singenden Ton im Hintergrund hinaus auf den kurvenreichen Track. Gehring drückt das Strompedal durch und der neue Porsche Taycan (2019) drückt einen mit Macht in den Sitz. Die Beschleunigung fühlt sich an wie auf einem potenten Sportmotorrad und die reißen die 100 km/h-Marke bekanntlich im Bereich von drei Sekunden oder gar weniger. Das Beschleunigungserlebnis ist mit dem eines Supersportlers vergleichbar. Ich tippe mal auf deutlich über 600 PS und ein Drehmoment an der Grenze zur Vierstelligkeit.

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Walter Röhrl fährt den neuen Porsche Taycan (2019) im Video:

 
 

Erste Testfahrt im neuen Porsche Taycan (2019)

Die Geschwindigkeit des neuen Porsche Taycan (2019) beim Beschleunigen abzulesen fällt schwer. Die Digitalanzeige scheint kaum nachzukommen, so heftig ist der Tempozuwachs. Unter zehn Sekunden soll die 200 km/h-Marke erreicht sein, erzählt man sich hinter vorgehaltener Hand. Dann folgt die erste Kurve. Die mächtigen Festsättel nehmen den Vorwärtsdrang des Taycan erfolgreich in die Zange und wandeln die Bewegungsenergie in Wärme und elektrische Energie, die zurück in die Batterie fließt. Gehring lenkt ein. Spürbar willig folgt der Taycan den Lenkbefehlen, das spürt man auch auf dem Beifahrersitz. Auch fühlt man, dass der Elektroporsche alles andere als ein Leichtgewicht ist. Ich tippe mal auf zwei Tonnen. Im Scheitelpunkt tritt Gehring das Fahrpedal wieder durch und Taycan zieht mit heraushängendem Heck aus der Kurve. Driften geht also auch! Ich beobachte, dass Gehring keine hektischen Lenkbewegungen braucht, um den E-Sportler wieder in die Spur zu bringen. So was nennt man gutmütig und bestens kontrollierbar. Und wieder zoomt der Elektrosportler den Horizont heran. Wenig später überschreiten wir die  200 km/h-Marke. Wieviel als Höchstgeschwindigkeit möglich ist? Darüber hüllen sich die anwesenden Markenvertreter in vornehmes Schweigen, wie übrigens über zahlreiche andere genaue technische Daten auch. Die gebe es erst auf der offiziellen Präsentation. Doch ist bei den Fahrleistungen davon auszugehen, dass die Zuffenhausener sich ihres Rufes, stets am oberen Ende des jeweiligen Fahrzeugsegments zu liegen, bewusst sind und diesen auch verteidigen wollen. Die folgende langgezogene Rechtskurve zeigt, was der neue Porsche Taycan (2019) unter Querbeschleunigung versteht und das ist weder etwas für empfindliche Mägen noch für Kreislaufschwache. Gefühlt dürfte es sich locker im Bereich einfacher Erdbeschleunigung befinden, nur eben quer. So geht es Runde um Runde. In Wechselkurven bleibt der Taycan frei von Seitenneigung, dank der Wankstabilisierung. Gefühlt lässt auch die Leistung nicht nach, ein ziemlich eindeutiger Hinweis auf ein ausgeklügeltes Thermomanangement.

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Mark Webber testet den neuen Porsche Taycan (2019) im Video:

 
 

Porsche macht E-Mobilität spannend

Fahrerwechsel, jetzt geht es zur Testfahrt mit dem neue Porsche Taycan (2019) hinaus auf eine Landstraßenrunde. Der Taycan, obwohl noch Vorserienfahrzeug, macht bereits einen erstaunlich guten Eindruck. Keinerlei Knister- und Klappergeräusche sind vernehmbar. Die Karosserie wirkt sehr verwindungssteif. Landstraßen dritter Ordnung lassen seine Dreikammerluftfederung ziemlich unbeeindruckt. Die Karosserie liegt völlig ruhig, Fahrbahnunebenheiten verebben nahezu vollständig in den Federelementen. Bis auf einige arg kariöse Stellen im Asphalt, welche die Eigendämpfung der 21-Zöller an die Grenzen bringt. Doch das ist kein Mangel an Abstimmung sondern Physik. Die Lenkung entspricht dem, was man von Porsche gewohnt ist. Feinfühlig, nicht zu nervös. Damit lässt sich der neue Porsche Taycan (2019) absolut zielgenau über die kurvenreichen Abschnitte der Teststrecke zirkeln. Durch die Batterie im Fahrzeugboden und dem damit verbundenen extrem niedrige Schwerpunkt lenkt der Stromer-Porsche extrem direkt ein. Robert Meyer, Projektleiter Gesamtfahrzeugentwicklung und damit verantwortlich für den Taycan animiert zum Gas- ...pardon... Stromgeben, was ich mir nicht zweimal sagen lasse. Der Tritt aufs Strompedal presst die Besatzung abermals in die Sitze, während die Alleebäume am Straßenrand wie ein Lattenzaun vorbeifliegen. Hier ist zweifellos jede Menge Selbstdisziplin gefragt, wenn der Führerschein im Besitz des Fahrers bleiben soll. Die nächste Kurve kommt, bremsen! Beeindruckend wie transparent das Pedalgefühl bleibt, während der neue Porsche Taycan (2019) beim Verzögern rekuperiert. Beste Dosierbarkeit eingeschlossen. Das ist bei Elektrofahrzeugen keineswegs selbstverständlich. Die Rekuperationsleistung soll bis in den Regelbereich des ABS reichen.

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Porsche Taycan (2019) im Video:

 
 

Ausreichend Platz trotz Akkus im Boden

Wir kommen zum Testgelände zurück. Der Blick auf die Anzeige des neuen Porsche Taycan (2019) zeigt keinerlei dramatischen Reichweitenverfall. Vielleicht vierzig Kilometer. Nach dem Aussteigen fragt die Mannschaft gleich nach den Eindrücken. Moment bitte, erst noch mal eine Sitzprobe im Fond Platz. Die Sitze bieten eine gute Torso-Abstützung und eine anständige Oberschenkelauflage. Hier hat man im Fahrzeugboden, in dem die Fahrbatterie angeordnet ist, für mehr Fußraum offenbar eine Aussparung angelegt. Die Kopffreiheit passt für durchschnittlich Staturen. Was soll ich sagen? Wenn das Serienauto so fährt wie dieser Prototyp, dann dürfte die Mission E, mit der Porsche 2015 seine erste Elektro-Auto-Studie vorstellte, erfolgreich auf die Straße übertragen worden sein. Und nicht nur das. Die angedeutete Performance dürfte auch jene Zweifler eines Besseren belehren, die Elektromobilität für eine gänzlich spaßfreie Angelegenheit halten. Im Gegenteil – der neue Porsche Taycan (2019) ist eine in jeglicher Hinsicht spannende Geschichte!

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