Alle Tests zum DS 9

Neuer DS 9 (2020): Erste Testfahrt Wir fahren die Oberklasse DS 9

von Caspar Winkelmann 28.05.2021
Inhalt
  1. Erste Testfahrt mit dem neuen DS 9 (2020)
  2. 225 und 360 PS starke DS 9-Plug-in-Hybride
  3. 360 PS starkes Topmodells DS 9 E-Tense 360 

Mit dem neuen DS 9 (2020) meldet sich Frankreich nach jahrelanger Abstinenz zurück in der automobilen Oberklasse. Zur ersten Testfahrt stehen zwei Plug-in-Hybridantriebe mit 225 und 360 PS Systemleistung bereit.

Zur ersten Testfahrt im neuen DS 9 (2020) nehmen wir zunächst hinten rechts Platz. Schließlich ist das Flaggschiff der jungen Pariser Premium-Marke der neue Dienstwagen des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron – da sollte es im Fond entsprechend feudal zugehen. Die bekannte EMP2-Plattform, auf der etwa der Konzernbruder Peugeot 508 steht, kommt beim größten DS in ihrer längsten Ausführung zum Einsatz: Der DS 9 streckt sich auf 4,93 Meter Außenlänge und trumpft mit 2,90 Metern Radstand auf, der bei Fondpassagier:innen für eine stattliche Beinfreiheit sorgt. Trotz der abfallenden Dachlinie sollte auch der Kopfraum für die meisten Staturen ausreichen. Um die Bewegungsfreiheit in der zweiten Reihe ist es schon mal gut bestellt, noch mehr beeindruckt jedoch der Sitzkomfort: Die Rückbank ist bequem gepolstert und die Beinauflage bietet eine brauchbare Abstützung. Für 4500 Euro Aufpreis sind die beiden durch eine Lounge-Armlehne getrennten hinteren Einzelplätze sowohl beheizt als auch belüftet, und verfügen über drei Massageprogramme mit jeweils drei Intensitätsstufen. Derartigen Luxus sucht man in der Oberklasse bei deutschen Premium-Konkurrenten vom Schlage einer Mercedes E-Klasse vergeblich. Massiert werden Reisende auf der Rückbank erst in der S-Klasse – und die kostet schnell doppelt so viel wie der zur ersten Testfahrt bereit stehende und ab 47.550 Euro (Stand: Mai 2021) erhältliche DS 9 (2020).

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Der DS 9 (2020) im Video:

 
 

Erste Testfahrt mit dem neuen DS 9 (2020)

Gehobenen Ansprüchen wird das gesamte Interieur des neuen DS 9 (2020) gerecht, weil man bei der ersten Testfahrt die Detailverliebtheit der DS-Entwickler:innen überall spürt: Optional sind Sitze und Armaturenträger mit Nappaleder von oberbayerischen Kühen bezogen, das sich nicht nur gut anfühlt, sondern mit feinherbem Geruch auch der Nase schmeichelt. Perlenstickereien in den Türverkleidungen, belederte Haltegriffe im Dachhimmel, Chromapplikationen oder die bei jedem Motorstart automatisch aus dem Armaturenträger herausfahrende Analoguhr komplettieren das DS-Erlebnis. Die volle Portion Luxus gibt es übrigens für die Ausstattungslinie "Rivoli +" (3850 Euro), standardmäßig fährt der DS 9 als "Performance Line +" mit eher sportiv angehauchtem Alcantara-Innenraum vor. Den Namen DS verbindet man vor allem mit erlesenem Fahrkomfort, schließlich setzte die von 1955 bis 1975 produzierte und im Volksmund "Göttin" genannte Citroën DS mit ihrer Hydropneumatik Maßstäbe. Statt eines hydraulischen Federungssystems kommt im neuen DS 9 (2020) eine Stahlfederung mit adaptiven Dämpfern, die von einer Kamera mit Informationen über die Fahrbahnbeschaffenheit versorgt werden, zum Einsatz. Wellige Landstraßen und Autobahnen überfährt die Limousine auf der ersten Testfahrt mit sanftem Karosseriewogen sehr souverän. Der Langsamfahrkomfort und insbesondere das Ansprechverhalten der Hinterachse auf Kanten oder Schlaglöcher kann dieses hohe Niveau aber nicht mitgehen. Dass Abroll- und Windgeräusche wirkungsvoll von den Insass:innen ferngehalten werden, ist ein Verdienst der aufwändigen Dämmung samt rundum knapp vier Millimeter dicker Akustikverglasung.

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225 und 360 PS starke DS 9-Plug-in-Hybride

Auf der Motorenseite haben Kund:innen beim neuen DS 9 (2020) zunächst die Wahl zwischen einem 225 PS starken 1,6-Liter-Turbobenziner (ab 47.550 Euro) und einem Plug-in-Hybriden, bei dem sich die 181 PS des Vierzylinder-Turbobenziners und die 110 PS der E-Maschine auf 225 PS Systemleistung summieren (ab 52.810 Euro; Stand: Mai 2021). Die 11,9-kWh-Batterie lädt Wechselstrom (AC) mit maximal 7,4 kW. Alternativ lässt sich der Energiespeicher während der Fahrt auch über den Verbrenner laden, was natürlich einen deutlich erhöhten Spritverbrauch zur Folge hat. Rein elektrisch realisiert der DS 9 E-Tense 225 nach WLTP-Norm 48 Kilometer Reichweite. Praktisch: Unter dem Boden des 510 Liter großen Kofferraums lässt sich ein Ladekabel verstauen – längst keine Selbstverständlichkeit bei Plug-in-Hybriden. Unsere erste Testfahrt führt uns hauptsächlich über Landstraßen inklusive kurzem Volllastanteil auf der Autobahn. Nach 110 Kilometern meldet der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von 5,0 Litern und vier Kilometer verbleibende E-Reichweite. Im Komfortmodus unterstützt der E-Motor den Verbrenner sehr intelligent, statt hauptsächlich allein für Vortrieb zu sorgen und den Stromspeicher so entsprechend schnell zu leeren. Das Zuschalten des 1,6-Liter-Turbos erfolgt auf der ersten Testfahrt angenehm ruckfrei, während sich die Wandlerautomatik ohne Hektik durch ihre acht Fahrstufen arbeitet. Starkes Beschleunigen – etwa bei Überholmanövern – quittiert der Verbrenner mit typischem Vierzylinder-Sound, ohne akustisch jedoch zu aufdringlich zu werden. In unspektakulären 8,7 Sekunden spurtet der Plug-in-Hybrid auf Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 240 km/h. DS beschreibt das Fahrverhalten des Flaggschiffs selbst mit "dynamische Gelassenheit", wobei der Fokus ganz klar auf gelassenem Gleiten liegt. Mit spürbarer Karosserieneigung wirft sich der 1,8 Tonnen schwere DS 9 (2020) auf der ersten Testfahrt in Kurven, baut dann jedoch dank der serienmäßigen UHP-Reifen im 19-Zoll-Format (Michelin Pilot Sport 4) ein beachtliches Gripniveau auf.

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360 PS starkes Topmodells DS 9 E-Tense 360 

Ein seriennaher Prototyp des 360 PS starken Topmodells DS 9 E-Tense 360 stand ebenfalls für eine erste Testfahrt bereit. Die Kombination aus Vierzylinder-Turbo und zwei E-Motoren kennen wir bereits aus dem Peugeot 508 PSE. Aber auch mit etwas strafferer Fahrwerksabstimmung, 20-Zoll-Rädern mit Michelin Pilot Sport 4 S Bereifung und verstärkter Bremsanlage bleibt sich der neue DS 9 (2020) auf der ersten Testfahrt als Komfort-orientierte Limousine treu. Der E-Motor an der Hinterachse macht den DS zum Allradler, sodass auch auf regennasser Fahrbahn ohne Traktionseinbußen munter beschleunigt werden kann. Die Topversion wird im Laufe des Jahres ab 64.250 Euro (Stand: Mai 2021) erhältlich sein. Zudem hat DS einen weiteren Plug-in-Hybriden mit 250 PS Systemleistung und dank 15,6-kWh-Batterie rund 60 Kilometer WLTP-Elektroreichweite angekündigt. Eine Dieselversion oder ein prestigeträchtiger Sechszylinder sind dagegen für den neuen DS 9 (2020) nicht vorgesehen, auch weil die Französ:innen konsequent an der weiteren Reduzierung der Flottenverbräuche und -emissionen arbeiten. Hochmodern präsentiert sich auch die teils aufpreispflichtige Sicherheitsausstattung mit teilautonomen Fahrfunktionen, Matrix-LED-Scheinwerfern oder Nachtsichtassistent.

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von Caspar Winkelmann von Caspar Winkelmann
Unser Fazit

Dass DS eine stattliche Oberklasse-Limousine und kein weiteres SUV als Topmodell anbietet, ist heutzutage eine willkommene Abwechslung. Der neue DS 9 (2021) überzeugt bei unserer ersten Testfahrt mit detailverliebtem Innenraum, modernen Komfortfeatures sowie gelassenem Fahrverhalten und wendet sich an all jene, die eben keinen Audi oder Mercedes fahren wollen. Bei den Antrieben setzt DS auf Elektrifizierung und bedient sich dabei im Konzernregal. Hohe Stückzahlen sind hierzulande im von deutschen Herstellern dominierten Premium-Segment zwar nicht zu erwarten, dennoch ist die große Limousine eine echte Bereicherung und wird ihre Fans finden.

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