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Mercedes Marco Polo 300d: Faszination Mit dem Marco Polo mehr Sport wagen

von Christian Steiger 10.10.2019

Nie ging Entschleunigung so schnell. Klingt paradox, ergibt aber Sinn – für alle, die Ruhe und Erholung im neuen Mercedes Marco Polo 300d suchen!

Die magische Zahl fehlt am Mercedes Marco Polo 300d tatsächlich. Nur Marco Polo steht hinten drauf, aber nicht die 300, obwohl sie bei Mercedes seit jeher für schnelle Trendsetter steht. Schon der Flügeltürer war einst ein 300, später auch der erste Turbodiesel von Mercedes. Jetzt gehört das wohl schnellste Schlafzimmer der Welt dazu: Mercedes baut den Campervan Marco Polo als 300d, mit 239 PS, 500 Newtonmetern Drehmoment und 214 km/h Spitze. Es ist ein erstaunliches Auto in einer Branche, die dem Trend zur Entschleunigung so viel verdankt. Einerseits. Andererseits ergibt ein lässiges „"Ich bin mal schnell weg" im Mercedes Marco Polo 300d einen ganz neuen Sinn. Mit einem Grundpreis von 67.556 Euro ist der Marco Polo zwar so teuer wie ein Teilintegrierter mit Badezimmer, Heckgarage und Sechs-Personen-Dinette, kann dafür aber den doppelt so teuren Chefwagen ersetzen. Selbst eine lange S-Klasse bietet im Fond nicht die fürstliche Beinfreiheit des Marco Polo, dessen Doppelsitzbank ganz nach hinten gerückt ist. Vom Klapptisch, an dem sich unterwegs bequem managen lässt, und dem ausgefeilten Lichtkonzept einmal ganz abgesehen. Er ist das perfekte Auto für wichtige Männer, die es mit der Work-Live-Balance ernst nehmen. Tatsächlich, so sagen sie bei Mercedes, werden viele Marco Polo als Dienst- und Firmenwagen angeschafft. Erstaunlich ist das nicht, denn der Umstieg vom Personenwagen fällt leicht. Nichts wirkt hier wie im Vito des Gas-Wasser-Installateurs, obwohl die V-Klasse aus dem selben Genpool stammt. Nur das MBUX-Infotainment mit Sprachsteuerung ist im Mercedes Marco Polo 300d nicht für Geld und gute Worte zu haben. Aber das liegt nicht an der gewerblichen Herkunft, sondern am Alter der V-Klasse, die 2014 auf den Markt kam. Der neue Sprinter dagegen reagiert schon seit dem vergangenen Jahr auf "Hey, Mercedes"-Rufe. Mehr zum Thema: So fährt sich das Mercedes V-Klasse Facelift

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Faszination Mercedes Marco Polo 300d

Im 239-PS-Camper Mercedes Marco Polo 300d ist eher das irre Kichern des Fahrers zu hören, während die stille Macht des Drehmoments die Kasseler Berge flach bügelt. Ansonsten ist das Reisen im Marco Polo ein leises Vergnügen. Nicht einmal die Fahrt über holprige Straßen kann es stören. Das liegt natürlich am langen Radstand und der komfortablen Fahrwerksabstimmung, aber auch an der Verarbeitung im Innenraum. Wo selbst Edelcamper gerne mal mit den Schrankklappen und Hubbetten rumoren, bleibt der Marco Polo still wie ein schwäbischer Fünf-Sterne-Campingplatz während der Mittagsruhe. Auch nach fünf Jahren ist er das Designer-Appartment unter den Campervans. Aus der Mode gekommen ist es nicht: Zur aktuellen Modellpflege gehören Details wie Rollenlager für die Schlafsitzbank, die sich jetzt etwas leichter durchs Innere schieben lässt. Es gibt auch ein neues Soundsystem mit Lautsprechern im Heck. Die kleine Küche ist zum Glück die alte: Mit mattem Aluminium und schwarzen Glasflächen erinnert sie mehr am Bulthaup als an Benz – und bietet auch noch eine Menge Stauraum. Nicht alles ist vollkommen praktisch am Mercedes Marco Polo 300d. Das Drehen der beiden Vordersitze zum Beispiel bleibt ein fummeliger Prozess. Und wer die optionalen Campingmöbel für 430 Euro extra bestellt, blockiert sich den Gepäckraum unter der hinteren Sitzbank – das hat VW beim California eleganter gelöst. Auch die Aufstelldach-Betätigung im Kellergeschoss der Mittelkonsole hätte den Modellpflegern auffallen können. Die Verbeugung passt nicht so recht zur Schwerelosigkeit, mit der sich der Marco Polo auf 2,35 Meter Stehhöhe entfaltet. Nur das Hochklettern über die Vordersitze fordert nochmal kurz Gelenkigkeit, doch dann ist das tellergefederte 2,05-Meter-Bett im ersten Stock der beste Platz im Mercedes Marco Polo 300d – erst recht dann, wenn man beim Bestellen das elektrische Glasschiebedach zum Sternegucken angekreuzt hat. Der Eilcamper braucht 8,6 Sekunden von null auf 100 km/h. Und später, beim Öffnen des Dachs, nur viermal so lange vom Anhalten bis zum Angekommensein. Das ist sie, die wahre Magie dieses Autos. Mehr zum Thema: VW T6 gegen Mercedes V-Klasse

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von Christian Steiger von Christian Steiger
Unser Fazit

Reizvolle Idee, so ein Campervan, der nicht nur ins Familienleben passt, sondern auch in den Berufsalltag von Vielfahrern. Zumal der Eilzuschlag beim Mercedes Marco Polo 300d maßvoll ausfällt: Selbst schnelle Langstrecken kosten nicht viel mehr als zehn Liter Diesel auf 100 Kilometer. Jeder ausgebaute Kastenwagen braucht genau so viel. Und die wenigsten der Wohn-Transporter können den Erstwagen ersetzen.

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