Mercedes 300 CE 6.0 AMG Hammer Coupé: Der ultimative 124er

Dieser Benz ist teurer und seltener als ein Countach und obendrein auch noch schneller. Die Rede ist vom Mercedes 300 CE 6.0 AMG Hammer Coupé, das die damals noch unabhängige Tuning-Schmiede auf die Sportwagenwelt losließ. Wir lassen den Hammer gedanklich nochmal kreisen.

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Das Mercedes 300 CE 6.0 AMG Hammer Coupé stehend von schräg vorne.
Mercedes 300 CE 6.0 AMG Hammer Coupé Foto: RM Sotheby's

Das Mercedes 300 CE 6.0 AMG Hammer Coupé gehörte als Neuwagen zu den teuersten Autos überhaupt und wird noch heute für weit mehr als eine halbe Million Euro gehandelt.

Der Mercedes 300 CE 6.0 AMG Hammer Coupé stehend von schräg hinten.
Mercedes 300 CE 6.0 AMG Hammer Coupé Foto: RM Sotheby's

Das hier gezeigte Hammer-Coupé kam 2019 bei RM Sotheby's unter den Hammer.

Der Mercedes 300 CE 6.0 AMG Hammer Coupé stehend von vorne.
Mercedes 300 CE 6.0 AMG Hammer Coupé Foto: RM Sotheby's

Dabei handelt es sich um eines von nur zwölf Hammer Coupés mit dem Sechsliter-V8 und breiter Karosserie.

Der Mercedes 300 CE 6.0 AMG Hammer Coupé stehend seitlich.
Mercedes 300 CE 6.0 AMG Hammer Coupé Foto: RM Sotheby's

Statt Chromzierleisten gabs bei AMG viel schwarz und ein klassisches Karosseriekit.

Der Mercedes 300 CE 6.0 AMG Hammer Coupé stehend von hinten.
Mercedes 300 CE 6.0 AMG Hammer Coupé Foto: RM Sotheby's

Das Heck zieren ein Entenschwanzspoiler sowie eine quadratische Auspuffanlage.

Das Cockpit des Mercedes 300 CE 6.0 AMG Hammer Coupé.
Mercedes 300 CE 6.0 AMG Hammer Coupé Foto: RM Sotheby's

Das AMG-Lenkrad ist stilistisch eher mäßig gealtert, der Tacho bis 320 kaum übertrieben.

Die Sitze des Mercedes 300 CE 6.0 AMG Hammer Coupé.
Mercedes 300 CE 6.0 AMG Hammer Coupé Foto: RM Sotheby's

Die Recaros ließen sich über eine Konsole in der Sitzwange vielfach elektrisch verstellen.

Der Motor des Mercedes 300 CE 6.0 AMG Hammer Coupé.
Mercedes 300 CE 6.0 AMG Hammer Coupé Foto: RM Sotheby's

Der V8 aus der S-Klasse erhielt von AMG unter anderem einen Vierventilkopf und eine Hubraumerweiterung auf sechs Liter.

"I want to be your Sledgehammer", dröhnte Peter Gabriel 1986 in die Radios. So wie sich der britische Musiker mit dem groovigen Rocksong zum Weltstar vorkämpfte, schwang auch AMG zwei Jahre später den Vorschlaghammer in der Sportwagenwelt. Der Mercedes 300 CE 6.0 AMG verschob die Grenzen von dem, was man mit einem E-Klasse-Coupé anstellen konnte. Begann der W124er als dieselnde Wanderdüne 200 D mit 72 PS (53 kW) und als Coupé 200 E mit 118 PS (87 kW), schöpfte die schärfste AMG-Kreation aus sechs Litern Hubraum unglaubliche 385 PS (283 kW). Und doch schien in Deutschland niemand so recht bemerkt zu haben, was die Zylinder-Zaubernden aus Affalterbach da für ein finsteres Wesen erschaffen hatten. Scheinbar hatte der ein Jahr zuvor eingeschlagene Ruf CTR Yellowbird mit seinen 342 km/h Topspeed die Aufmerksamkeit der PS-Fans für sich gepachtet.

Jenseits des großen Teichs entging er hingegen niemandem. Erstmals war das Kürzel "Ey Em Dschi" in den USA in aller Munde und ein Spitzname für den Über-Mercedes schnell gefunden: "The Hammer". Bei einem Drehmoment (Unterschied von Leistung und Drehmoment erklärt) von 566 Nm und einer von Mercedes offiziell bescheinigten Höchstgeschwindigkeit von 303 km/h kein Wunder. Das Triebwerk dieses ultimativen deutschen Muscle-Cars holte sich AMG damals aus der S-Klasse W126 und tunte ihn vor dem Einbau in den 124er nochmal komplett auf links. Im Zentrum stand ein weitgehend eigenständiger Vierventil-Zylinderkopf, der samt schärferer Nockenwellen, Hubraumerweiterung auf sechs Liter, verbesserter Kühlung und neuer Elektronik infernalisch ging. Um den frei saugenden Monster-Motor überhaupt unter die Haube zu stemmen, mussten die Rahmenträger neu positioniert werden.
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Der Mercedes 560 SEC von Bruno Sacco im Fahrbericht (Video):

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Video: AUTO ZEITUNG

Ultimativer 124er-Benz: Mercedes 300 CE 6.0 AMG Hammer Coupé mit 385 PS

Auch fahrwerksseitig brauchte es Nachhilfe, damit sich die Power nicht beim Anfahren in Reifenqualm oder spätestens in der ersten Kurve in eine Kaltblechverformung mit sechsstelliger Versicherungssumme verwandelte. Der 124er erhielt unter anderem gekürzte Federn und härtere Dämpfer sowie eine elektronische Fahrwerksregulierung und verstärkte Bremsen. Ein Torsen-Sperrdifferential verteilte die Kraft an die Hinterräder, die dank der Karosserieverbreiterungen auf 265er-Maße hinten und 235er vorne anwachsen durften. Als typischer AMG der 80er rollte der Hammer-Benz mit weggecleanten Mercedes-Logos, geschwärzten Zierleisten und einem aus heutiger Sicht eher profanen als prolligen Karosseriekit. Auch der mit einem flachen Entenschwanzspoiler (Diese Spoiler-Typen gibt es) verlängerte Kofferraumdeckel schrie nicht gerade die Potenz des Coupés hinaus. Dafür sorgte eher die hauseigene Abgasanlage, die schon damals quadratische Endrohre beinhaltete.

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Im Innenraum dirigierte man die 385 PS (283 kW) mächtige Urgewalt von Recaro-Sportsesseln aus, die anno 1988 mindestens genauso High-End waren wie der Rest des AMG. So besaßen die Ledersitze auf der jeweils am Getriebetunnel befindlichen Sitzwange eine ganze Armada an Knöpfen zur vollelektrischen Verstellung. Ansonsten: volle Hütte mit Holzvertäfelung, ein Tacho bis 320, ein stilistisch nicht so gut gealtertes Vierspeichenlenkrad und ... ein Automatik-Wählhebel (So funktionieren Automatikgetriebe). Am Ende war der Benz eben ein Luxus-Coupé, was sich auch im unglaublichen Preis von 335.550 Mark widerspiegelte – 35.000 DM teurer als ein Rolls-Royce Corniche II und 30 Riesen mehr als ein Countach. Nicht zuletzt wegen des Wandlers schaffte das Hammer Coupé den Standardsprint in vergleichsweise irdischen fünf bis sechs Sekunden. Wie lange es bis 300 Sachen dauerte? Schwer zu sagen. Bei Peter Gabriel fiel der Hammer nach vier Minuten und 58 Sekunden.