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Mercedes-AMG GT Black Series: Tracktest AMG GT Black Series mit Bestwert auf dem Nürburgring

von Paul Englert 25.11.2021
Inhalt
  1. Der Mercedes-AMG GT Black Series im Tracktest
  2. Extrem feines ABS im Mercedes-AMG GT Black Series
  3. Mercedes-AMG GT Black Series: Nürgburgring GP-Runde in 1:28,3 Min.
  4. Messwerte & technische Daten des Mercedes-AMG GT Black Series

Mit kompromisslosen 730 PS und 800 Newtonmetern tritt der Mercedes-AMG GT Black Series zum Tracktest an. Reicht es für die Bestzeit auf dem Nürburgring?

Wir hatten da so eine Ahnung. Das war im Juni 2021, noch deutlich vor unserem Tracktest, beim ersten Date mit dem Mercedes-AMG GT Black Series, als wir bei einer zügigen Aufwärmrunde mit gebrauchten Reifen in unter 1:32,0 Minuten über die teils nieselberegnete GP-Sprintstrecke des Nürburgrings fuhren. Auf den anschließenden Wolkenbruch folgte der Abbruch – und wir rechneten: hier später bremsen, dort mehr Kurventempo, Geduld am Gas aus den engen Ecken, Traktionskontrolle eine Stufe höher. In der Theorie könnte es sehr eng werden für den Spitzenreiter auf unserem Zeitentableau, den McLaren Senna. Doch wie gesagt war das bloß eine Ahnung. Knapp zwei Monate später steht die zweite Verabredung mit dem unter AMG-Entwickler:innen liebevoll Blacky genannten Hyper-GT an. Die sympathische Ingenieurstruppe ist es auch, die uns hilft zu verstehen, warum Blacky so fährt, wie er fährt: trotz aller Extreme nämlich ziemlich einfach und deshalb selbst ohne Eingewöhnung irre schnell. Nicht, dass die bisherigen Top-Varianten GT R oder GT R Pro im Grenzbereich problematisch wären. Doch um die höchstmögliche Performance aus dem inzwischen über sechs Jahre alten, C190 genannten GT-Konzept herauszuholen, dachte man vorrangig die Themen Motor, Aerodynamik, Fahrwerk und Reifen teilweise neu. Vom GT3-Rennwagen wurden Frontgrill-Format und der dahinter schräg stehenden Wasserkühler übernommen. Darunter steckt ein ausziehbarer Frontsplitter, der sich bei hohem Tempo durch den Luftstrom absenkt und den Luftstrom beschleunigt, sodass sich der Vorderwagen auf die Fahrbahn saugt. So wird bei 200 km/h ein Gesamt-Abtrieb von 64 Kilogramm erzeugt. Denselben Effekt bringt der Diffusor am Heck, der durch Luftleiter im fast durchgängig verkleideten Unterboden angeströmt wird. Auch die riesigen Luftauslässe in der Motorhaube, die Louvers genannten Schlitze auf den vorderen Kotflügeln und die seitlichen Öffnungen hinter den Vorderrädern dienen nicht nur der Abführung heißer Luft, sondern bringen Anpressdruck und sind so ausgerichtet, dass sie den wie ein Geweih auf dem Heckdeckel thronenden Flügel optimal anströmen. Der große Spoiler besteht aus zwei Elementen, je dreifach einstellbar. Im oberen der beiden Elemente sitzt ein kleiner, je nach Fahrzustand um 20 Grad ausfahrender Flap, der beim Verzögern und in Kurven den Abtrieb von 150 Kilogramm bei 200 km/h kurzzeitig um 13 Kilogramm erhöht. So wird mit allen Aeromaßnahmen bei 250 km/h ein Gesamtabtrieb von 400 Kilogramm erreicht. Mehr zum Thema: Unsere Produkttipps auf Amazon

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Der Mercedes-AMG GT Black Series im Tracktest

Soweit die Theorie, also starten wir den von zwei Borg Warner BB02-Twinscroll-Ladern mit größeren Verdichterrädern und maximal 1,7 bar Ladedruck befeuerten Vierliter-Achtzylinder im Mercedes-AMG GT Black Series und machen auf den ersten Metern unseres Tracktests große Ohren: Vom typischen V8-Bass keine Spur, stattdessen ein rauer Klang, der an den einer Vierzylinder-Rennmaschine erinnert. Grund dafür sind die neue Flatplane-Kurbelwelle, bei der die Hubzapfen auf einer Ebene, also in einem 180-Grad-Winkel, einander gegenüberstehen und die daraus resultierende geänderte Zündreihenfolge 1-8-2-7-4-5-3-6. So wird ein noch besseres Ansprechverhalten erzeugt, und die Leistung kann weiter gesteigert werden. Dabei geht es jedoch nicht nur um die 730 PS, die M178 LS2, wie das weit hinter den Vorderrädern platzierte Kraftpaket intern bezeichnet wird, entwickelt. Entscheidend ist vielmehr das zwischen 2000 und 6000 Touren anliegende Drehmoment von 800 Newtonmetern, das bei aller Gewalt eine so fantastisch lineare Leistungsentfaltung erzeugt, dass man den V8 ultrafein mit dem rechten Fuß dosieren kann. Die Vierpunkt-Hosenträger-Gurte aus dem optionalen Track-Paket sind festgezurrt, das Lenkrad steht steil vor der Brust, dürfte für den 1,70 Meter großen Piloten aber gern noch ein, zwei Zentimeter weiter ausziehbar sein. Geschenkt, die Boxenampel steht auf Grün, und für die nächsten 60 Minuten gehört uns die Nürburgring-Sprintstrecke ganz allein. Fahrprogramm Race, Traktionskontrolle auf Stufe fünf, und los geht's in die Aufwärmphase. Die Lenkung spricht aus der Mittellage sehr direkt, aber harmonisch an und baut ihre Wirkung linear auf – nicht hektisch, jedoch hellwach, unterstützt durch eine erheblich verbesserte Elastokinematik an der Vorderachse mit Uniball-Gelenken, höheren Federraten, neuen Zweiventil-Dämpfern und zusätzlichem Karbon-Schubfeld. Dass die Hinterräder nicht mitlenken, bringt einen Gewichtsvorteil von neun Kilogramm. Nachteile bei der Fahrstabilität sucht man vergeblich. Noch sind die Reifen kühl, noch greift die Traktionskontrolle am Kurvenausgang stark ein. Doch sofort ist das vom ersten Date bekannte Gefühl wieder da, und schon beim ersten Bestzeit-Versuch mit angefahrenen Reifen meldet das VBox-Display eine niedrige Eins-Neunundzwanzig. Jetzt gilt es, das Potenzial von Blacky auszuloten und einzuschätzen, was der Fahrer davon umsetzen kann. Ein Blick in die von uns zuvor ermittelten Messwerte zeigt, dass man besonders auf der Bremse viel Zeit gewinnen oder verlieren kann, wenn man zu früh verzögert. Nicht allein die Karbon-Keramik-Scheiben, auch die Reifen haben einen hohen Anteil am Warmbremsweg von 28,7 Metern aus 100 km/h und 106,9 Metern aus Tempo 200. Hier war der rund 270 Kilogramm leichtere, mit Pirelli P Zero Trofeo R MC2 bereifte McLaren Senna nicht besser. Der Black Series hat die exklusiv entwickelte MO1A-Variante des Michelin Pilot Sport Cup 2 R aufgezogen. Das Kürzel MO1A und die Silhouette des Mercedes-AMG GT Black Series auf der Reifenflanke kennzeichnen die extraweiche Mischung des Slick-ähnlichen Profils im 285er-Format vorn und 335er hinten. Für Trackdays an besonders warmen Tagen ist auch eine härtere Mischung im Angebot, die langsamer abbaut, aber weniger Grip bietet. Allein dass es zwei Reifenmischungen für einen Wagen mit Straßenzulassung gibt, zeigt, wie ernst es Mercedes-AMG meint und wie stark der Black Series sich am Motorsport orientiert. Inzwischen steht der Traktionsregler auf Stufe sieben, da acht ausgangs der Kurzanbindung etwas zu viel Bewegung ins Heck brachte. Zwar ist die Traktion phänomenal gut, weil man den V8 extrem fein dosieren kann, die betriebstemperierten Reifen (über 80 Grad) exzellent haften, das adaptiv gedämpfte Gewindefahrwerk mit dreifach einstellbarem Stabi an der Hinterachse (vorn: zweifach) Wank- sowie Nickbewegungen gekonnt unterdrückt und Unebenheiten sehr effizient filtert. Doch bei all der Unterstützung durch die Technik sind es trotzdem wahnsinnig hohe Kräfte, die auf den Asphalt übertragen werden müssen und das Material an seine Grenzen bringen.

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Extrem feines ABS im Mercedes-AMG GT Black Series

Mit 1:28,7 Minuten zeigt Blacky, dass er in Schlagdistanz zum stärkeren und leichteren Senna ist. Doch kann er ihn im Tracktest auch knacken? Ja, sind wir uns inzwischen sicher, weil in der Kurzanbindung und durch die Veedol-Schikane noch etwas Luft nach oben ist. Also kommt ein Satz neuer Michelin darauf – auf 70 Grad vorgewärmt, 2,0 bar Fülldruck rundum. Und damit der Wasserkühler vorn noch besser angeströmt wird, nehmen wir das per Schnellverschluss arretierte Kennzeichen ab. Eine Runde Gummis anfahren, dann zählt's. Bremspunkt erste Kurve kurz bevor die Boxenausfahrtslinie abknickt. Die Bremskraftverteilung passt perfekt, das ABS arbeitet extrem fein mit schnellen Regeleingriffen immer haarscharf an der Blockiergrenze. Mit Schwung geht es in die Mercedes-Arena über die Kuppe und raus bis auf den Kerb, anschließend links runter, spitz an den Scheitel und mit der Innenseite auf die Rasengittersteine, den Kerb zwischen den Rädern. Dann den rechten Kerb anpeilen, drauf und drüber. Die Kurzanbindung wird nicht rund, sondern eckig in V-Form gefahren. Also bis kurz vor dem Scheitel bremsen, Auto mit Lastwechsel umsetzen und wieder kräftig ans Gas. Kurz zuckt das Heck des Mercedes-AMG GT Black Series, dann grippen die Michelin-Walzen, und das Volllast-Rauschen der Abgasanlage setzt erneut ein. Rauf in den vierten Gang, leicht abbremsen und zurück in den dritten.

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Mercedes-AMG GT Black Series: Nürgburgring GP-Runde in 1:28,3 Min.

Das Schalten überlassen wir dem Doppelkupplungsgetriebe, das im Race-Modus immer die richtige Stufe parat hat und extra an den Mercedes-AMG GT Black Series angepasst wurde. So ist der erste Gang länger ausgelegt, Stufe sieben und die Hinterachsübersetzung dagegen fallen kürzer aus als beim GT R. Mit 1,85 g Querbeschleunigung nehmen wir den flachen Kerb der leicht überhöhten Ravenol-Kurve, da winken schon die Bilstein-Rechts und die lange Hatzenbach-Sektion, an deren Ende die Veedol-Schikane steht. Mit knapp 150 km/h pflügt Blacky durch die Links-Rechts-Kombination im Tracktest, stützt sich kurz am Außenkerb ab, um für die letzte Kurve zu verzögern. An dieser Stelle ist es leicht wellig, sodass manche ABS-Systeme ein wenig aus dem Tritt geraten. Hier nicht. Später Scheitel, Lenkung auf und raus bis auf den Teppich. Nach 1:28,27 Minuten ist der Zielstrich erreicht, 14 Hundertstel früher als der McLaren Senna. Warum? Weil der Black Series einfacher schnell fährt, und Fahrzeugbalance, Bremse sowie Motor exzellent miteinander harmonieren, sodass es einem der Mercedes-AMG GT Black Series leicht macht, ohne schweißnasse Hände Topzeiten am laufenden Band zu produzieren. Besonders hilfreich sind dabei der fantastische Michelin-Reifen und das Streckenlayout der Sprintstrecke, auf der der Senna seine Stärken weniger gut ausspielen kann, der Gewichts- und Abtriebs-Nachteil von Blacky dagegen weniger stark zum Tragen kommt. Und am Ende dieses Tages voller Superlative steht wieder die Frage, ob AMG beim nächsten Hochdynamiker erneut einen draufsetzen kann. Wir haben da so eine Ahnung …

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Messwerte & technische Daten des Mercedes-AMG GT Black Series

AUTO ZEITUNG 23/2021Mercedes-AMG GT Black Series
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.V8/4; Biturbo
Hubraum3982 cm³
Leistung537 kW/730 PS bei 6700 /min
Max. Drehmoment800 Nm bei 2000 - 6000 /min
Getriebe/Antrieb7-Gang, Doppelkupplung,
Hinterradantrieb
Messwerte
Leergewicht (Werk)1623 kg
Beschleunigung 0-100 km/h (Test)3,3 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)325 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
32,1/28,7 m
Verbrauch auf 100 km (Test)13,5 l SP
CO2-Ausstoß (Werk)292 g/km
Preise
Grundpreis335.240 €

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