Staria/V-Klasse/T7 Multivan: Vergleich Raumlaster von Hyundai, Mercedes und VW im Konzeptvergleich

von Markus Schönfeld 07.12.2021
Inhalt
  1. Hyundai Staria, Mercedes V-Klasse & VW T7 Multivan im Vergleich
  2. VW T7 vertraut, Hyundai Staria extrem solide
  3. Technische Daten von Hyundai Staria 2.2 CRDi Allrad, Mercedes V 300 d lang & VW Multivan 1.5 eHybrid

Mit dem VW T7 stellt sich die Marke im Kleinbus-Segment breiter auf. Südkorea kontert mit dem futuristischen Hyundai Staria, und Stuttgart vertraut hier auf die ausgereifte Mercedes V-Klasse. Ein Vergleich.

Jetzt wird es kompliziert. Nicht wegen der beiden frischen Gesichter VW T7 und Hyundai Staria im Kleinbus-Segment, die wir hier im ersten Vergleich gegen die etablierte Mercedes V-Klasse antreten lassen, sondern weil der neue VW T7 offiziell weder so heißen darf (Volvo hält die Namensrechte) noch der wirkliche Nachfolger des seit 2003 gebauten T5/T6 ist. Vielmehr ist der T7 – pardon: der neue Multivan – eine Ergänzung zum ohnehin schon breit gefächerten Bus-Portfolio der jüngst eingeführten Baureihe T6.1. Der Neue steht nun nicht auf der Nutzfahrzeug-Basis, sondern wie Golf oder Tiguan auf der MQB-Plattform. Und das schafft in der Nutzfahrzeugwelt ganz neue Möglichkeiten: Hybrid-Antrieb, Adaptiv-Fahrwerk, Glas-Dach, High-End-Soundsysteme. Die Liste der bisher unbekannten Möglichkeiten scheint endlos. Den noch behält VW den deutlich pragmatischeren, schwereren und etwas größeren T6.1 im Programm – als Caravelle, Transporter, California und Multivan mit Top-Diesel und Allradantrieb. Letzteren gibt es noch nicht für den VW T7. Mehr zum Thema: Unsere Produkttipps auf Amazon

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Der VW T7 (2021) im Video:

 
 

Hyundai Staria, Mercedes V-Klasse & VW T7 Multivan im Vergleich

Die erste Sitzprobe im VW T7 suggeriert viel Vertrautes. Man fühlt sich wie in einem VW-Bus. Auch wenn er faktisch etwas kleiner ist, glänzt der 1,91 Meter hohe Niedersachse doch mit der gleich guten Übersicht von der hohen Sitzposition aus. Zwei Karosserielängen stehen zur Auswahl: 4,97 und 5,17 Meter. Dabei geht es hinten variabler zu als im altbekannten T6 mit seiner schweren Dreierbank. Allerdings hat der Innenraum der längeren T7-Version etwa das Format des kurzen T6. Die viel leichteren Einzelsitze lassen sich hier dafür kinderleicht ausbauen, umdrehen oder auf den drei Schienenpaaren im Boden zu einer Dreierbank zusammensetzen. Kein Vergleich zur Schwerstarbeit beim Vorgänger. Der Fahrschalter im T7 sitzt in Form einer Wippe im Armaturenträger. Und weil wir für die Jungfernfahrt das Hybrid-Modell gewählt haben, geht es die ersten Kilometer zunächst komplett lautlos voran. Ganze 50 Kilometer soll der Bus rein elektrisch schaffen. Wir aktivieren schon vorher den Hybrid-Modus, um auch den gut gedämmten 1,4-Liter-Turbobenziner zu beschäftigen. Der hat leichtes Spiel mit der Fuhre, denn im Vergleich zum T6.1 ist der neue gut 200 Kilogramm leichter. Der gediegene Abrollkomfort des adaptiven Fahrwerks (1357 Euro) macht sich sofort bemerkbar. Sonderbar gelassen rollt dieser Multivan durch die Landschaft. Und so erschließt sich einem allmählich der Sinn für diese komplizierte Aufspreizung der Nutzfahrzeugpalette. Denn auch der T7 wird in Hannover gebaut – auf dem gleichen Band wie der T6.1 und in Zukunft der Elektro-Bulli ID. Buzz. Günstigstes Modell wird zu Beginn der VW T7 mit 1,5 Liter großem TSI und 136 PS sein, den es ab 44.839 Euro (Stand: November 2021) gibt. Der Multivan als Plug-in-Hybrid kostet 57.174 Euro. Die Version mit 20 Zentimeter längerem Aufbau ist stets gut 2100 Euro teurer. Zum Vergleich: Der bekannte Multivan auf T6-Basis, den es nur mit Zweiliter-Diesel gibt, startet mit kurzem Radstand, 110 PS und magerer Trendline-Ausstattung bei 42.174 Euro. Am anderen Ende der Preisliste rangiert der Multivan (T6.1) mit langem Radstand, 204 PS und Allradantrieb ab 69.252 Euro.

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VW T7 vertraut, Hyundai Staria extrem solide

Als echte Bus-Konkurrenz zu Mercedes V-Klasse oder Hyundai Staria darf man den VW T7 allerdings nicht begreifen, sondern vielleicht eher als etwas größeren Nachfolger des (noch nicht) eingestellten Sharan. Denn schon beim Umstieg in den neuen, futuristischen Hyundai Staria fällt auf, wie viel geräumiger so ein 5,25 Meter langer und rund zwei Meter hoher wie breiter Kasten doch ist. Und in der zunächst ausschließlich erhältlichen Topversion Signature protzt das koreanische Ufo regelrecht mit Luxus-Extras, Ablagen und natürlich den riesigen, elektrischen Liegesesseln in zweiter Reihe. Wie man allerdings elegant auf die Rücksitzbank mit den Plätzen fünf, sechs und sieben klettern soll, steht nicht in der Betriebsanleitung. So quetscht man sich irgendwie an den beiden Luxus-Sesseln vorbei. Zudem versperrt die Dreierbank den Gepäckraum. Dahinter bleiben maximal nur 431 Liter Platz. Wer einen Lademeister sucht, sollte auf die angekündigten Einstiegsversionen warten, die etwas mehr Variabilität bieten. Denn insgesamt macht der Hyundai Staria einen extrem soliden Eindruck. Angefangen beim perfekt gekapselten 2,2-Liter-Diesel mit viel Dampf und dem gut abgestimmtem Automatik-Getriebe stört nur das im Vergleich zum VW Bus etwas grobere Fahrwerk. Dennoch ist der neue Hyundai, dessen voll ausgestattetes Topmodell ab 56.150 Euro (Frontantrieb) zu haben ist, eine echte Empfehlung. Eine solche bekommt natürlich auch die Mercedes V-Klasse, die sich schon vor dem Facelift von 2019 als eines der meistverkauften Modelle des Segments etabliert hat. Nicht ohne Grund: Das Qualitätsniveau ist hoch, die Motoren sind kräftig und die Preise keinesfalls höher als bei der Konkurrenz. Dazu gibt es die V-Klasse in drei unterschiedlichen Längen, mit zwei Radständen und optional sogar mit Luftfederung. Die ist auch bei unserem Fotomodell installiert. Sie verschleiert wirkungsvoll, dass es sich bei dem Konzept eigentlich auch um ein Nutzfahrzeug handelt. Zusammen mit der Neunstufen-Automatik, dem 500 Newtonmeter mobilisierenden Diesel und der edlen Sechs-Sessel-Ausstattung verwandelt sich der V 300 d in einen Schnellzug erster Klasse. Dass das Konzept aber schon sieben Jahre alt ist, merkt man spätestens beim Blick auf die Assistenzsysteme. Hier haben VW T7 und Hyundai Staria eindeutig die Nase vorn.

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Technische Daten von Hyundai Staria 2.2 CRDi Allrad, Mercedes V 300 d lang & VW Multivan 1.5 eHybrid

AUTO ZEITUNG 24/2021Hyundai Staria 2.2 CRDi AllradMercedes V 300 d langVW Multivan 1.4 eHybrid
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbodiesel4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbodiesel4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbo
Hubraum2199 cm31950 cm31395 cm3
Gesamtleistung130 kW/177 PS174 kW/237 PS160 kW/218 PS
Leistung Verbrenner/E-Motor110/85 kW
Max. Gesamtdrehmoment430 Nm500 Nm350 Nm
Batterie10,4 kWh
Getriebe8-Stufen-Automatik9-Stufen-Automatik6-Gang, Doppelkupplung
Messwerte
Leergewicht (Werk)2443 kg2150 kg2257 kg
Maße (L/B/H)5253/1997/1990 mm5140/1928 (2249)/1901 mm4973/1941 (2252)/1907 mm
Kofferraum117 – 431 l1030 – 4630 l1700 – 3300 l
Beschleunigung 0-100 km/h (Werk)13,5 s7,8 s11,6 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)185 km/h220 km/h190 km/h
Verbrauch auf 100 km (Werk)8,9 l D7,4 l D1,5 l S + 14,6 kWh
CO2-Ausstoß (Werk)232 g195 g CO2/km34 g CO2/km
Preise
Grundpreis58.150 €56.858 €57.174 €

von Markus Schönfeld von Markus Schönfeld
Unser Fazit

Warum VW eine zusätzliche, komplett neu entwickelte Bus-Baureihe vom Band laufen lässt, erschließt sich erst bei der Fahrt. Der VW T7 Multivan kann vieles besser als der T6. Er ist mit etwas weniger Platz und Nutzfahrzeugcharakter extrem komfortabel, sparsam und sehr modern. Mit ähnlichen Tugenden wurde der neue Hyundai Staria gesegnet – der dazu eine Nummer größer ist. Und die solide Mercedes V-Klasse gehört nicht grundlos seit Jahren zu den Megasellern im Segment.

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