Honda Civic/Mazda3 Fastback: Vergleichstest Der Mazda3 fordert den Honda Civic heraus

von Marcel Kühler 18.02.2020
Inhalt
  1. Honda Civic und Mazda3 Fastback im Vergleichstest
  2. Fahrkomfort: Honda Civic bleibt bei Unebenheiten ruhiger
  3. Motor/Getriebe: Sparsamerer Mazda3 Fastback weniger spritzig
  4. Fahrdynamik: Honda Civic schneller im Handlingkurs
  5. Umwelt/Kosten: Mazda3 mit lebenslangen Mobilitätsgarantie
  6. Messwerte & technische Daten: Honda Civic Limousine 1.5 VTEC Turbo & Mazda3 Fastback Skyactive-X 2.0 M Hybrid

Einmal mehr schlägt Mazda mit dem neuen Skyactiv-X-Triebwerk eigene Wege ein. Unter der Haube des Mazda3 Fastback stellt sich der technisch hochkomplexe Motor erstmals der Konkurrenz. Wie schlägt sich der Mazda3 Fastback Skyactiv-X 2.0 M Hybrid gegen den Honda Civic 1.5 VTEC Turbo im Vergleichstest?

Gesamtbewertung (max. Punkte)Honda Civic Limousine 1.5 VTEC TurboMazda3 Fastback Skyactiv-X 2.0 M Hybrid
Karosserie (1000)525538
Fahrkomfort (1000)702706
Motor/Getriebe (1000)710697
Fahrdynamik (1000)674692
Eigenschaftswertung (4000)26112633
Kosten/Umwelt (1000)417429
Gesamtwertung (5000)30283062
Platzierung21

Obwohl Mazda zu den kleineren unabhängigen Herstellern gehört, macht das Unternehmen aus Hiroshima in schöner Regelmäßigkeit mit technischen Innovationen auf sich aufmerksam. Das jüngste Werk aus der japanischen Ideenschmiede ist der Skyactiv-X genannte Mildhybrid-Vierzylindermotor, der in weiten Teilen nach dem Kompressionszündungsprinzip arbeitet. Was das bringen soll? Die Effizienz eines modernen Diesels mit der Abgasqualität eines frei saugenden Benziners. Im Vergleichstest zwischen Honda Civic und Mazda3 Fastback muss ich die 182 PS starke Limousine Civic 1.5 VTEC Turbo gegen das Skyactiv-X-Triebwerk im neuen Fastback beweisen.

Der Mazda3 im Video:

 
 

Honda Civic und Mazda3 Fastback im Vergleichstest

Der Mazda3 Fastback ist ebenso wie der Kontrahent von Honda eine klassische Kompaktlimousine mit vier Türen, vergleichsweise kurzem Stufenheck und konventionellem Kofferraumdeckel. Mehr Platz stellt im Vergleichstest allerdings der hierzulande seit 2017 erhältliche Civic zur Verfügung. Der Mazda ist vorn wie hinten schmaler geschnitten und lässt seinen Passagieren darüber hinaus weniger Luft über dem Scheitel. Und auch der deutlich üppigere Knieraum im Fond sorgt dafür, dass sich großgewachsene Erwachsene eher zu einer längeren Fahrt im Honda überreden lassen dürften. Dafür beinhaltet der innen edler gemachte und besser verarbeitete Mazda bereits werksseitig ein beeindruckendes Arsenal an Assistenzsystemen. So gehören – wie übrigens auch beim Civic – eine Notbremsautomatik mit Fußgängererkennung, strahlend helle LED-Scheinwerfer sowie Assistenten zum Spurhalten und Spurwechseln zur Serienausstattung. Darüber hinaus hat der Fastback bereits in der Basisvariante einen Notrufassistenten und autonome Fahrfunktionen an Bord, die den Fahrer etwa in Stausituationen unterstützen sollen. Diese Extras sind für den Wettbewerber nicht erhältlich. Und auch in Sachen Nutzerfreundlichkeit ist der Mazda seinem Widersacher dank der einfachen Bedienung über einen griffgünstig platzierten Dreh-Drück-Steller überlegen. Besonders das umständliche Multimedia-System sorgt im Civic beim Vergleichstest bisweilen für Verdruss. Unverständlich ist ferner, warum sich beispielsweise die Kofferraumklappe der Limousine lediglich via Tastendruck auf dem Fahrzeugschlüssel oder per Schalter von der Fahrertür aus öffnen lässt. Die eher kleinen Ladeluken der Kofferräume von Honda Civic und Mazda3 Fastback verlangen erheblich größere Zugeständnisse beim Einladen sperriger Gegenstände als die praktischeren fünftürigen Derivate der kompakten Japaner. Das größere Gepäckraumvolumen bringt indes die Civic-Limousine mit: Hier passen 519 Liter ins Heck, während der Mazda3 Fastback lediglich 450 Liter für das Transportgut bereitstellt.

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Fahrkomfort: Honda Civic bleibt bei Unebenheiten ruhiger

Mazda hat sein Modell 3 nicht nur optisch auf Sport getrimmt. Auch die Fahrwerksabstimmung ist vergleichsweise straff geraten. So rollt der Fastback auch bei höherem Tempo auf vermeintlich glatten Straßen tendenziell etwas unruhig ab. Der Honda Civic bügelt im Vergleichstest mit dem Mazda3 Fastback kleinere Unebenheiten softer weg, gleicht in der Summe tiefere Fahrbahnschäden kompetenter aus und weist auch auf der Autobahn weniger Bewegungen im Aufbau auf. Lediglich mehrere aufeinanderfolgende kurze Wellen können für Unruhe an Bord sorgen. Im Gegenzug bringt der Mazda die wirkungsvollere Geräuschisolierung mit. Gerade bei niedrigeren Geschwindigkeiten profitiert der Viertürer von seinem äußerst leise zu Werke gehenden Antrieb. Im Stand ist der neue Skyactiv-X-Motor vom Innenraum aus sogar kaum zu hören.

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Motor/Getriebe: Sparsamerer Mazda3 Fastback weniger spritzig

Auch beim Ausdrehen erhebt der 180 PS starke Vierzylinder im Mazda3 nie über Gebühr die Stimme und klingt über den gesamten Drehzahlverlauf wie ein herkömmlicher Vierzylinder-Ottomotor. Gut so, denn wer leidlich flott unterwegs sein will, muss den Motor über hohe Drehzahlen bei Laune halten und entsprechend eifrig schalten, was aufgrund des präzise zu bedienenden Getriebes eher Lust als Last ist. "Unten herum" geht der Sauger hingegen ziemlich lethargisch zu Werke. Der mit 182 PS nahezu gleichstarke Turbo des Honda wirkt jedenfalls in jedem Drehzahlbereich deutlich spritziger und gewinnt nicht nur die Beschleunigungswertung, sondern vor allem die Elastizitätsprüfung mit großem Vorsprung. Doch das erklärte Entwicklungsziel der Mazda-Ingenieure lag bekanntlich nur bedingt auf maximaler Performance. Viel eher soll die Skyactiv-X-Technologie einen möglichst effizienten Umgang mit fossilen Brennstoffen gewährleisten. Tatsächlich erweist sich der innovative Mild-Hybrid-Vierzylinder, der übrigens explizit für den Betrieb mit der Kraftstoffsorte Super E10 ausgelegt ist, auf unserer Testverbrauchsrunde mit Honda Civic und Mazda3 Fastback als das sparsamere Auto. Durchschnittlich genügen ihm 6,5 Liter. Allerdings ist der Honda Civic mit seinem Turbo-Triebwerk nicht viel durstiger und verbrennt im Vergleichstest 7,1 Liter Super pro 100 Kilometer.

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Fahrdynamik: Honda Civic schneller im Handlingkurs

Dass der 154 Kilogramm schwerere Mazda gegenüber dem deutlich kraftvoller spurtenden Honda auf dem Handlingkurs lediglich 0,3 Sekunden verliert, hat mehrere Gründe. Zum einen baut der Fastback aufgrund der haftstarken Michelin-Bereifung deutlich höhere Querkräfte auf als sein Kontrahent, woraus auch schnellere Kurvengeschwindigkeiten resultieren. Darüber hinaus liegt er neutraler als der stärker untersteuernde Honda und verfügt über die bessere Traktion, was sich durch eine schlupfärmere Beschleunigung aus engen Kurven heraus bemerkbar macht. Und zu guter Letzt sorgt auch das zurückhaltende ESP dafür, dass sich der Mazda3 querdynamisch voll entfalten kann. Der elektronische Rettungsanker des Civic greift dagegen stärker ins Geschehen ein und regelt häufig bereits vor dem Erreichen des fahrdynamischen Limits die Geschwindigkeit herunter. Das grundsätzlich hohe fahrdynamische Potenzial zeigt sich auch in der Pylonengasse, die der Fastback noch etwas schneller als die leichtfüßige und mit einer angenehm direkten Lenkung gesegnete Civic-Limousine durcheilt. In Sachen Fahrsicherheit nehmen sich Honda Civic und Mazda3 Fastback nicht viel. Lastwechselreaktionen sind den Japanern weitgehend fremd, und auch die Kaltbremswege von unter 35 Metern aus Tempo 100 gehen in Ordnung. Mit warmer Bremsanlage verzögert der Mazda im Vergleichstest jedoch vehementer als der Honda und benötigt 1,1 Meter weniger Wegstrecke zum Stillstand.

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Umwelt/Kosten: Mazda3 mit lebenslangen Mobilitätsgarantie

Unter Berücksichtigung der test-relevanten Extras liegen Honda Civic und Mazda3 Fastback im bewerteten Preis lediglich 600 Euro auseinander – zugunsten des 29.690 Euro teuren Mazda3. Dass der Neuling das Kostenkapitel im Vergleichstest dennoch recht klar für sich entscheiden kann, liegt neben dem geringeren Wertverlust an den großzügigeren Garantieleistungen von Mazda. So gewährt der Hersteller unter Einhaltung der Wartungsvorschriften eine lebenslange Mobilitätsgarantie. Bei Honda gibt es lediglich 36 Monate Mobilitätsservice ab Werk. Die Gesamtgarantie beläuft sich hingegen hier wie dort auf drei Jahre. Bei den übrigen laufenden Kosten liegen die asiatischen Wettbewerber auf einem ähnlich niedrigen Niveau.

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Messwerte & technische Daten: Honda Civic Limousine 1.5 VTEC Turbo & Mazda3 Fastback Skyactive-X 2.0 M Hybrid

AUTO ZEITUNG
22/2019
Honda Civic Limousine 1.5 VTEC TurboMazda3 Fastback Skyactiv-X 2.0 M Hybrid
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.4/4; Turbo4/4; Mild-Hybrid
Hubraum1498 cm³1998 cm³
Leistung134 kW/182 PS132 kW/180 PS
Max. Drehmoment240 Nm224 Nm
Getriebe/Antrieb6-Gang, manuell/ Vorderrad6-Gang, manuell/ Vorderrad
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)1206/1285 kg1320/1439 kg
Beschleunigung (Test)  
0 - 100 km/h7,4 s8,7 s
0 - 150 km/h14,5 s19,0 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)210 km/h216 km/h
Bremsweg aus 100 km/h kalt/warm (Test)34,6/35,4 m34,2/34,3 m
Verbrauch (Test/WLTP)7,1/5,9 l
S/100 km
6,5/5,4 l
S/100 km
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)168/134 g/km154/122 g/km
Preise
Grundpreis29.690 Euro27.290 Euro
Testwagenpreis29.690 Euro29.290 Euro

von Marcel Kühler von Marcel Kühler
Unser Fazit

Der neue Mazda3 Fastback gewinnt den Vergleichstest gegen den Honda Civic. Seine Stärken sind die gute Sicherheitsausstattung, die einfache Bedienung, die standfeste Bremsanlage und der geringere Kraftstoffkonsum. Vom Skyactiv-X-Motor mit 180 PS hätten wir jedoch mehr Temperament erwartet. Die Honda Civic-Limousine bietet das deutlich üppigere Raumangebot für Mensch und Gepäck, den angenehmeren Federungskomfort sowie den wesentlich spritzigeren Antrieb zu vergleichbaren Preisen wie bei Mazda. Ein Verlierer ist der Honda daher nicht. An der Funktionalität hapert es aber, und auch die Qualität dürfte im Detail sorgfältiger ausfallen.

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