Faraday Future FF91 (2018): Motor & Technik Fragezeichen hinter dem FF91

von Thomas Geiger 26.10.2018

Der Faraday Future FF91 sollte eigentlich Ende 2018 die Zukunft des Automobils einläuten, doch ist ein Marktstart des 1050-PS-Elektroauto durch eine finanzielle Schieflage des Autobauers äußerst ungewiss.

Ein neuer Name elektrisierte 2017 die PS-Branche: Faraday Future FF91 heißt das Auto, das die ganze Branche Ende 2018 revolutionieren wollte. Doch hängt der finanzielle Haussegen des erst 2014 mit chinesischem Geld im Silicon Valley gegründete Startup schon gewaltig schief. Es war angetreten, um nicht weniger als das Auto und mit ihm die Mobilität neu zu erfinden – das sagte zumindest Entwicklungschef Nick Sampson bei der Premiere 2017. Der gegen eine Anzahlung von 5000 Dollar schon bestellbare Faraday Future  FF91 (2018) soll nicht nur Modell S und Modell X in den Schatten stellen, sondern gleich auch noch Autos wie eine Mercedes S-Klasse und sogar einen Ferrari 488 überflüssig machen. "Das wird das leistungsfähigste Elektroauto, die luxuriöseste Limousine und das intelligenteste Fahrzeug der Welt", versprachen Sampson und sein Geldgeber, der chinesische Internet-Milliardär Jia Yueting. "Wer einen Faraday fährt, hat endlich wieder Platz in seiner Garage. Denn alle anderen Autos werden damit überflüssig", so Yueting. Dass der Faraday Future FF91 (2018) an so vielen Fronten zugleich kämpfen kann, liegt an Antrieb und am unkonventionellen Aufbau des 5,25 Meter langen Silberfisches, dessen Design an eine unkonventionelle Mischung aus Renault Espace und BMW i8 erinnert. Die Batterien im Wagenboden haben eine bislang unerreichte Kapazität von 130 kWh für mehr als 700 Kilometer Fahrstrecke, sind am Schnellader in weniger als einer Stunde wieder gefüllt und füttern einen 1050 PS und 1500 Newtonmeter Drehmoment starken E-Motor. Und innen bietet der Crossover mehr Platz und mehr Komfort als die Maybach-Version der S-Klasse, sagte zumindest Sampson.

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Faraday Future kämpft ums Überleben

Faraday Future FF91 im Video:

 
 

Faraday Future FF91 sollte 2018 kommen

Mit einem Sprintwert von 2,39 Sekunden auf Tempo 100 hängt der Faraday Future FF91 (2018) Autos wie Bentley Bentayga, Ferrari 488, Tesla Model X und Tesla Model S reihenweise ab.  Doch Sampson und seine Kollegen wissen selbst am allerbesten, dass solche Werte alleine künftig nicht mehr ausreichen werden, um die Kunden zu ködern. Deshalb versprach er noch viel mehr: Zum Beispiel die intelligentesten Sensoren für den besten Autopiloten, der den Wagen zur Not auch ganz ohne Fahrer steuert sowie ein Interieur mit mehr Platz, mehr Komfort und mehr Luxus als in einem Maybach. Ein Infotainment-System, das sich mit allem und jedem vernetzt und das Auto zum zentralen Knotenpunkt in der digitalen Lebenswelt macht. Und eine Personalisierung, die so weit geht, dass sogar der Schlüssel überflüssig wird, weil der Faraday Future FF91 (2018) die Insassen am Gesicht erkennt und ihnen automatisch die gegenläufig angeschlagenen Türen öffnet. Faraday Future will aber nicht nur ein neues Auto bauen, das schlauer, sparsamer und schneller ist als alles bisher dagewesene. Die Firma inszeniert sich außerdem auch mit fast schon missionarischem Eifer als Weltverbesserer, der die Mobilitätsindustrie auf den Kopf stellen und die konventionellen Blechbieger in die Steinzeit schicken will: "Nach 130 Jahren ist die alte Autowelt am Ende, und mit uns beginnt eine neue Ära," predigte Sampson. Einen Teil der Erlöse aus dem Verkauf will Faraday Future einer Umweltorganisation spenden. Und bei einem geschätzten Grundpreis zwischen 150.000 und 200.000 Dollar dürfte da schon etwas zusammenkommen.

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Faraday Future FF91 kostet ca. 150.000 US-Dollar

Wenn es überhaupt soweit kommt.: So viele Schlagzeilen die Ankündigung des Faraday Future FF91 (2018) verursacht hatte, so sehr steht das Startup wegen Finanzproblemen im Fokus. Nicht nur, dass ein paar teuer von BMW, VW oder Ferrari abgeworbene Spitzenmanager wieder abgesprungen sind. Auch Großinvestoren halten ihr Geld wieder zurück, weshalb die Fabrik in Las Vegas noch lange nicht so weit ist, dass dort schon ab Ende 2018 Tausende von Autos gebaut werden könnten. Und selbst bei der Premiere in Las Vegas war Faraday vom Glück verlassen: Ausgerechnet als Geldgeber Yueting den elektrischen Erstling zum Finale der Show autonom und führerlos auf die Bühne schicken wollte, haben die Sensoren ihren Dienst versagt und die Jungfernfahrt geriet gehörig ins Stocken. Ganz so greifbar, wie uns Faraday glauben machen will, ist die Zukunft deshalb wohl doch noch nicht.

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