Elektrische C-Klasse im ersten Test: Entspannter Kilometerfresser
Die neue elektrische Mercedes C-Klasse rollt zum ersten großen Test an: mit 360 kW (489 PS), 800 Volt und bis zu 350 kW Ladeleistung. Wir sind nicht nur von einer Sache begeistert!
Einzeltest: Überzeugt der Mercedes C 400 4Matic elektrisch?
Bei den deutschen Premiumherstellern ist gerade ordentlich Bewegung im Elektro-Geschäft. BMW schickt mit der Neuen Klasse eine komplett neue Elektro-Generation auf die Straße. Audi hat mit A6 e-tron und Q6 e-tron ebenfalls leistungsfähige Stromer im Programm. Und Mercedes stellt mit CLA sowie GLC bereits zwei Modelle auf die neue 800-Volt-Technik.
Jetzt folgt der nächste wichtige Baustein für die Stuttgarter: die elektrische C-Klasse. Und die tritt gleich als C 400 4Matic mit 360 kW (489 PS) und 94-kWh-Akku zum großen Test an. Mercedes verspricht – je nach Ausstattung – bis zu 762 Kilometer Reichweite und 350 kW Ladeleistung. Die technische Ausgangslage ist also vielversprechend. Doch wie gut funktioniert das Paket im Alltag und vor allem auf langen Strecken?
Video: 500 km mit dem Mercedes GLC 400 4Matic EQ

Innenraum: Vorn viel Platz, teils einfache Materialien
Über das Platzangebot darf man sich jedenfalls nicht beschweren. Die knapp 4,90 Meter lange, elektrische C-Klasse ist innen selbst für große Passagiere ausreichend luftig – auch weil das serienmäßige Glasdach reichlich Licht in den Innenraum lässt. Hinten wird es für Großgewachsene jenseits der 1,90 Meter zuerst über dem Kopf knapp – das ist für eine Tagestour sicher kein Problem. Wer allerdings regelmäßig mit großen Mitfahrern unterwegs ist, sollte die Sitzprobe nicht auslassen.
Das Interieur folgt stark dem aktuellen Mercedes-Rezept. Der Hyperscreen ist dabei unübersehbar. Das fast über die gesamte Breite reichende Display birgt einen großen Unterhaltungswert, allerdings haben die simulierten Tasten und Touchflächen teilweise sehr kleine Bedienfelder. Auf holprigem Untergrund kann das gezielte Treffen einzelner Funktionen daher schon mal schwierig werden.
Beim Materialeindruck hinterlässt die C-Klasse nicht ausschließlich einen Premium-Eindruck. Die Dekorfolie auf der Mittelkonsole wirkt selbst für die Premium-Mittelklasse zu einfach, und auch die Türverkleidungen mit der großen Burmester-Tafel versprühen arge Plastik-Dominanz. An der Verarbeitung an sich kann man aber nichts bemängeln.

Fahrkomfort: Die elektrische C-Klasse gleitet flüsterleise und extrem souverän
Und bereits auf den ersten Kilometern entschädigt die C-Klasse mit dem, was sie am besten kann: einfach fahren. Das reine Abrollen beherrscht der Mercedes trotz üppiger 20-Zöller sensationell gut. Ein Blick in die Reifenspezifikation erklärt den flüsterleisen Auftritt: Die Pirellis sind nämlich geräuschoptimierte Reifen mit Schaumabsorber. Auf der Innenseite der Lauffläche (im Reifenhohlraum) wird dafür eine Schicht aus speziellem temperatur- und feuchtigkeitsbeständigen Polyurethan-Schaumstoff verklebt.
Die Unebenheiten des Alltags kann der C 400 zusätzlich durch die optionale Luftfederung sauber wegfiltern. So gleitet die C-Klasse also extrem souverän, bleibt auch bei höherem Tempo sehr ruhig und kann gleichzeitig ordentlich Druck machen, wenn es darauf ankommt. In nur vier Sekunden stürmt der Allradler lautlos auf Tempo 100. Viel beeindruckender ist aber, wie selbstverständlich die Limousine hohe Geschwindigkeiten mit ebenso hohem Fahrkomfort verbindet. Und so entwickelt sie sich ausgerechnet auf der Autobahn – lange Zeit die No-Go-Area von Elektro-Autos – zum echten Kilometerfresser. Die imposante Restkilometer-Angabe verschwindet bald aus dem Bewusstsein. Wetten, dass der Fahrer früher an die Raststätte muss als das Auto?

Reichweite: 580 bis 600 Kilometer sind kein Problem
Nur zehn Minuten benötigt der Schwabe an der Schnellladesäule, um Strom für die nächsten rund 250 zügigen Autobahnkilometer nachzuladen. Nach gut 20 Minuten steht der Batteriezustand spätestens wieder bei 80 Prozent. Auf der Verbrauchsrunde der AUTO ZEITUNG – wohlgemerkt mit Volllastanteil auf der Autobahn – verlangt der C 400 nach gut 20 kWh je 100 km. Selbst dann würde der Akku also für über 460 Kilometer reichen. Wer es ruhiger angehen lässt, kann mit 580 bis 600 Kilometern planen – damit werden die bei dieser Ausstattung versprochenen 622 Kilometer absolut realistisch. Die sparsamste Konfiguration mit schmalen Aero-Rädern soll sogar 762 Kilometer schaffen.
Leichtlaufreifen würden dem sportlichen Potenzial der C-Klasse aber nicht gerecht. Sie lässt sich nämlich sehr präzise und durchaus agil bewegen. Die Lenkung spricht jederzeit willig an, der Wagen lenkt gierig ein und bleibt auch im Grenzbereich angenehm neutral. Dass sich die Limousine dabei handlicher anfühlt, als es ihr Leergewicht von knapp 2,5 Tonnen vermuten lässt, dürfte auch an der optionalen Hinterachslenkung liegen.
Etwas weniger überzeugend ist die Feinfühligkeit des Antriebs. Beim Rangieren und beim langsamen Anfahren wirkt das Anfahrmoment etwas unsensibel. Die Leistung lässt sich nicht ganz so fein dosieren wie etwa bei den engsten Konkurrenten aus München. Ähnliches gilt für die Rekuperation: In der stärksten Stufe, die sich über die Lenkradpaddel anwählen lässt, verzögert die C-Klasse sehr kräftig. Das ist beim Auflaufen auf vorausfahrenden Verkehr auf der Autobahn durchaus angenehm, bei langsamen Manövern braucht es dagegen etwas Gefühl im Fahrpedal.
Doch dieses Jammern schallt auf hohem Niveau. Wer aktuell nach einer neuen C-Klasse sucht, kann zwar auch zur jüngst aufgefrischten Verbrenner-Version schielen. Diese hier ist für uns aber die eindeutig vielseitigere, sportlichere und modernere Mittelklasse aus Stuttgart.
Fazit
Schnell, komfortabel und extrem langstreckentauglich: Der C 400 zeigt, wie souverän ein E-Auto inzwischen sein kann. Bei Leistungsdosierung und Materialanmutung bleibt noch Luft nach oben – insgesamt hinterlässt die elektrische Mercedes C-Klasse aber einen top Eindruck.
Technische Daten & Messwerte
AUTO ZEITUNG 20/2026 | Mercedes C 400 4MATIC elektrisch |
|---|---|
Technik | |
Motor | 2 permanenterregte Synchronmaschinen |
Systemleistung | 360 kW / 489 PS |
Max. Drehmoment | 800 Nm |
Antrieb | 2-Gang-Reduktion, Allrad |
Akku | Lithium-Ionen |
Spannung | 800 V |
Kapazität brutto / netto | 100 / 94 kWh |
Ladeleistung AC / DC (Werk) | 11 (22 opt.) / 350 kW |
Gewicht | |
Leergewicht (Werk / Test) | 2385 / 2437 kg |
Zulässiges Gesamtgewicht | 2965 kg |
Effektive Zuladung | 528 kg |
Gewichtsverteilung (v / h) | 49 / 51 % |
Anhängelast (gebr. / ungebr.) | 1800 / 750 kg |
Dachlast / Stützlast | 75 / 80 kg |
Abmessungen | |
Gesamtmaße (L / B / H) | 4883 / 1892 (2065)* / 1503 mm |
Radstand | 2962 mm |
Kofferraumvolumen | 470 + 101 l (Frunk) |
Fahrleistung | |
0 – 50 km/h | 1,8 s |
0 – 100 km/h | 4,0 s |
0 – 150 km/h | 8,0 s |
Höchstgeschwindigkeit | 210 km/h |
Bremsweg | |
100 – 0 km/h (kalt / warm) | 33,8 / 33,3 m |
50 – 0 km/h / 150 – 0 km/h | 8,9 / 70,6 m |
Verbrauch & Reichweite | |
WLTP-Reichweite | 622 km |
WLTP-Verbrauch auf 100 km | 15,2 kWh |
Test-Reichweite min / max. | 463 / 583 km |
Test-Verbrauch auf 100 km | 20,4 kWh |
Ladevorgang 10 – 80 % SoC | |
Ladedauer | 23 min |
Ladeleistung Ø | 207,5 kW |
Nachgeladene Energie | 66,2 kWh |
Nachgeladene Reichweite | 324 km |
Preis | |
Grundpreis | 67.711 € |
Testwagenpreis | 89.214 € |
Rabatt | 4460 € |
Steuer & Versicherung | |
Kfz-Steuer pro Jahr | 0 € |
KH / VK / TK Typklassen | k. A. |
KH / VK / TK Versicherung | k. A. |
Wartung & Garantie | |
Serviceintervall | 24 Monate / lt. Anzeige |
Garantie Gesamtfahrzeug | 2 Jahre |
Garantie Hochvolt-Akku | 8 Jahre / 160.000 km |
Garantie Lack / Rost | 2 / 30 Jahre |
Mobilitätsgarantie | 30 Jahre |




















