E-Auto abschleppen: Regeln, Tipps & sichere Methoden
E-Autos abschleppen – geht das? Die AUTO ZEITUNG erklärt, wie man liegengebliebene Elektroautos abschleppen kann und wann man es auf keinen Fall machen sollte.

Wer mit dem Elektroauto liegenbleibt, braucht Pannenhilfe. Doch lässt sich ein E-Auto einfach abschleppen? Grundsätzlich gilt: nur unter bestimmten Bedingungen. Werden diese nicht eingehalten, drohen schwere Schäden am Fahrzeug.
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Warum E-Autos nur eingeschränkt abgeschleppt werden dürfen
Bei Fahrzeugen mit reinem Elektroantrieb wird im ausgeschalteten Zustand Strom generiert, sobald sich die Räder drehen. Das bedeutet: Wird das Auto hinter einem Abschleppwagen gezogen, arbeitet der Elektromotor wie ein Dynamo und erzeugt Induktionsspannung. Diese kann von der abgeschalteten Steuerelektronik nicht verarbeitet werden und führt im schlimmsten Fall zu Defekten. Je höher die Geschwindigkeit, desto größer das Risiko. Der Auto Club Europa (ACE) rät generell dazu, E-Autos nicht selbst abzuschleppen, sondern immer Profis zu beauftragen.
Für den Notfall gibt es hier Kauftipps für Abschleppstangen und Abschleppseile.
Sicherheitsanforderungen beim Abschleppen von E-Autos
Herstellervorgaben unbedingt beachten
Es gibt keine einheitliche Regelung: Die meisten Hersteller verbieten das klassische Abschleppen (mit Seil oder Stange), wenige erlauben es unter genau definierten Bedingungen. Welche das sind, steht im Handbuch des Fahrzeugs. Der VW ID.3 erlaubt beispielsweise das Abschleppen bis 50 km/h und maximal 50 km Strecke bei eingeschalteter Zündung und Stellung "N".
Modelle mit einem echten "Neutralmodus" oder Abschleppmodus ermöglichen in manchen Fällen ein vorsichtiges Abschleppen (z. B. Tesla, BMW i3), viele Hersteller wie Hyundai und Kia erlauben dies dagegen gar nicht.
Wichtig: Werden die Herstellervorgaben beim E-Auto Abschleppen missachtet, können Schäden entstehen, die nicht von der Garantie (hier alle Herstellergarantien in der Übersicht) oder Versicherung abgedeckt werden.
Sicherste Methode: Abschleppwagen
Der sicherste Transportweg für Elektroautos ist ein Abschlepp- oder Transportwagen mit Ladefläche, bei dem alle vier Räder auf einer Transportfläche stehen. Das verhindert unkontrollierte Stromerzeugung durch rotierende Räder. Dabei wird das Auto entweder mit Kran oder Seilwinde auf die Pritsche befördert. Kurze Bewegungen – etwa beim Rangieren auf den Abschleppwagen oder beim Schieben über wenige Meter – sind unproblematisch. Wichtig ist, dass beim Anheben der Akku im Unterboden nicht beschädigt wird.
Auch ein Anheben allein der Antriebsachse ist möglich (Wheel-Lift), wenn es sich nicht um ein E-Auto mit Allradantrieb handelt.
Besonderheit: leerer Akku
Bleibt ein E-Auto liegen, weil der Antriebs-Akku leer ist und lässt sich die Bordelektronik nicht mehr einschalten (Zündung/Fahrbereitschaft), darf das Fahrzeug nicht mehr auf eigenen Rädern bewegt werden – mit Ausnahme weniger Meter im Schritttempo. In diesem Fall bleibt nur das Aufladen vor Ort oder der Abtransport mit einem Bergungsfahrzeug. Testprojekte wie das "Mobile Charging" des ADAC in Kooperation mit Hyundai existieren zwar, sind aber regional begrenzt. Auch Hersteller wie VW oder Anbieter wie eTree arbeiten an mobilen Ladelösungen. Rekuperatives Aufladen durch Abschleppen ist nicht vorgesehen und kann das Fahrzeug beschädigen.
Wer kann E-Autos abschleppen?
Im Pannenfall sollte immer ein professioneller Abschleppdienst gerufen werden.
Mögliche Hilfequellen sind:
Mobilitätsgarantie des Herstellers (bei regelmäßig gewarteten Fahrzeugen oft kostenlos).
Automobilclubs wie ADAC, ACE oder AvD.
Schutzbriefe der Kfz-Versicherung.
Wichtig: Beim Notruf immer angeben, dass es sich um ein Elektroauto handelt, damit ein entsprechend ausgerüstetes Fahrzeug geschickt wird.