Diesel-Fahrverbote: Kommentar Schluss mit dem Diesel-Bashing!

von Holger Ippen 28.02.2018

Diesel-Fahrverbote mögen zur Verbesserung der Luft beitragen, können aber niemals die alleinige Lösung sein, findet AUTO ZEITUNG-Redakteur. Deshalb fordert er Hardware-Nachrüstungen und ganzheitliche Maßnahmen gegen zu hohe Stickoxid- und Feinstaubbelastung in Großstädten. Kommentar

Das Urteil zu möglichen Dieselfahrverboten hat ein gut gemeintes Ziel: Es soll das Recht auf saubere Atemluft stärken. Doch tut es dies? Hochrechnungen von Verkehrsforschern, die im Auftrag des WDR (Quarks &Co) die Veränderungen der NOx-Belastung im Straßenverkehr durch Diesel-Fahrverbote ermitteln, lassen zwar eine Verringerung der Schadstoffe erkennen, belegen aber auch, dass die gültigen Grenzwerte allein dadurch nicht erreicht werden können. Richtig ist, dass Autos mit wirklich alter Diesel-Technik durch neue ersetzt werden müssen. Dazu bedarf es lukrativer Förderprogramme aus Steuermitteln. Klar, denn es geht hier um das Allgemeinwohl. Bei moderneren Dieseln mit Euro-5-Abgasnorm und Euro-6-Fahrzeugen ohne ausreichende NOx-Reduktion verhält sich das anders. Hier müssen die Hersteller mit Hardware-Nachrüstlösungen reagieren, schließlich ließen sich einige Autobauer durch die recht lückenhafte Gesetzgebung zum Schummeln und Tricksen verführen. Da auch hier Kontrollen durch KBA & Co. (Kraftfahrbundesamt) ausblieben, rollen etliche Autos im Verkehr, die die – wohlgemerkt zulässigen und technisch nötigen – Abschalt-Einrichtungen viel zu häufig betätigen. Hier sind Korrekturen fällig, die allerdings keinesfalls zu Lasten der Autobesitzer gehen dürfen. Mehr zum Thema: Alle Informationen zur Blauen Plakette

News Diesel-Fahrverbot
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Informationen zur Blauen Plakette im Video:

 
 

Kommentar: Diesel-Fahrverbote reichen nicht aus

Und vor allem muss Schluss sein mit dem Diesel-Bashing! Denn der Diesel hat nach wie vor Zukunftspotenzial: Kein Verbrenner arbeitet so effizient wie der Diesel. Zudem sind moderne Diesel grundsätzlich sauber, Feinstäube hier kein Problem. Bei der Klimagas-Emission CO2 liegen sie sogar mit minus 25 Prozent deutlich unter den Werten des Benziners. Prinzip bedingt verbrauchen sie deutlich weniger als ein gleich starker Benziner. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung der Klima-Erwärmung. Und genau das sollte derzeit Priorität haben. Um die Stickoxide und Feinstäube aus den betroffenen Großstadtlagen zu verbannen, reicht es nicht, Autofahrer zu verteufeln. Hier sind ganzheitliche Maßnahmen gefragt:

  • die Grüne Welle, damit Bremsstaub und Zusatz-Emissionen durch das häufige Anfahren vermieden werden
  • Stadtbusse und Taxen, die 24 Stunden sieben Tage die Woche in der Stadt rollen, müssen schleunigst modernste Abgas-Reinigungs-Technik bekommen
  • Straßenbahnen sollten aufhören, mit Sand zu bremsen (Feinstäube)
  • Industrie, Kraftwerke und Binnenschifffahrt gehören mit ihren viel, viel höheren Emissionen an den Pranger, damit sich auch hier endlich etwas tut

Nur so gibt es künftig saubere Atemluft für alle.

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