Dacia-Verkaufszahlen: 50-jähriges Markenjubiläum Dacia verkauft mehr Autos als Peugeot oder Mazda

von Markus Bach 24.10.2018
Inhalt
  1. Dacia-Verkaufszahlen zum 50-jährigen Markenjubiläum
  2. 2017 hat Dacia den Verkaufsrekord gebrochen
  3. Dacia zum plakativ niedrigen Einstiegspreisen

Zum 50-jährigen Markenjubiläum schauen wir auf die Dacia-Verkaufszahlen. Der Siegeszug der Marke begann erst mit der Übernahme durch Renault. Eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte.

Als Renault-Manager in den 1990er-Jahren den rumänischen Staatsbetrieb Dacia besuchten, staunten sie nicht schlecht: In dem heruntergewirtschafteten Werk lief noch immer der Dacia 1300 vom Band, ein Nachbau des Renault 12 von 1969. Die älteren französischen Manager kannten das Modell noch aus ihrer Ausbildung. Zwar war die Lizenz bereits 1978 abgelaufen, aber die Rumänen bauten den 1300 mit leichten Änderungen mangels Alternativen einfach weiter. Doch nach dem Besuch der Renault-Manager und der Übernahme von Dacia durch die Franzosen im Jahr 1999 sollte kein Stein mehr auf dem anderen bleiben. Ausgerechnet die Rumänen setzten eine ehrgeizige Vision des damaligen Renault-Chefs Louis Schweitzer um: Dieser wollte für die aufstrebenden Schwellenländer in Osteuropa, Südamerika und Asien ein 5000-Euro-Auto bauen. Bis dahin hatten die großen Konzerne in neuen Märkten einfach alte Modelle kostengünstig weitergebaut - beispielsweise VW den Santana in China. Aber 2004 erschien mit dem Dacia Logan das angekündigte Billigauto – mit 7200 Euro auch in Deutschland der mit Abstand günstigste Neuwagen. Die Experten waren skeptisch: So unterzog AUTO ZEITUNG den rumänischen Billigheimer erstmal einem Elchtest – den dieser mit Bravour bestand. Und auch sonst machte das Modell seinen Erfindern große Freude: Allein in den ersten zwölf Monaten wurden über 100.000 Logan verkauft. Die Überraschung: Nicht nur in den Schwellenländern griffen die Kunden zu, auch in Westeuropa fand der Dacia seine Freunde. Das Auto passte gut in die Zeit des Geiz-ist-geil und zum Siegeszug der Discounter und Billigflieger. Auch die Verkäufer waren zufrieden: Dacia gibt bis heute keine Rabatte, die Händlermarge liegt bei rund fünf Prozent. Mehr zum Thema: Die aktuellen Zulassungszahlen

Fahrbericht zum Dacia Duster (2018) im Video:

 
 

Dacia-Verkaufszahlen zum 50-jährigen Markenjubiläum

Der Durchbruch in Deutschland gelang schließlich 2009: Die Abwrackprämie sorgte für einen Boom bei billigen Neuwagen – und die Rumänen hatten mit dem neuen Sandero genau das passende Fahrzeug parat. Das moderne Schrägheckmodell entsprach mehr dem Geschmack der Deutschen als der eher konservative Logan mit Stufenheck. Seither hat sich die Billigmarke auf dem Premiummarkt Deutschland etabliert. Mit neuen Modellen konnte Dacia weitere Kunden gewinnen. Vor allem der Duster erwies sich 2010 als das richtige Auto zum richtigen Zeitpunkt: Der anhaltende Boom des Segments spülte das günstigste Kompakt-SUV in die Spitzengruppe der Verkaufsstatistik. 13.051 Duster fanden allein im ersten Halbjahr 2018 in Deutschland einen Käufer. Dacia insgesamt kam auf 39.193 Verkäufe – ein sattes Plus von 24,6 Prozent. Mit einem Marktanteil von 2,1 Prozent liegen die Rumänen bei uns mittlerweile vor etablierten Wettbewerbern wie Peugeot, Mazda und Nissan. Während sich die Billigmarke in den letzten Jahren bei uns Respekt verschaffte, setzte sie weltweit sogar zu einem Siegeszug an: Wurde 2008 bereits die Marke von 500.000 Verkäufen geknackt, erreichte Dacia fünf Jahre später schon über eine Million Auslieferungen.

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2017 hat Dacia den Verkaufsrekord gebrochen

Auch der Verkaufsrekord von 2017 mit 1,33 Mio. Stück wird voraussichtlich nicht lange halten: Im ersten Halbjahr 2018 lag Dacia bereits 13,4 Prozent über dem Vorjahresergebnis. Obwohl das Stammwerk im rumänischen Pitesti bereits 2006 vergrößert wurde, konnte es die internationale Nachfrage nicht mehr decken: Die Modelle Lodgy und Dokker werden seit 2012 in einer neu gebauten Fabrik im marokkanischen Tanger gefertigt. In Casablanca und im algerischen Oran unterhält Dacia zwei weitere Werke. Auch in Brasilien, Argentinien, Venezuela, Russland und Indien werden Modelle der Marke produziert – die Fabriken gehören zu Renault oder zu Lada. Übrigens: Dacia ist der einzige Autohersteller, dessen Autos zum Großteil nicht unter seinem eignen Namen verkauft werden. So trugen 2017 ganze 50,8 Prozent aller weltweit ausgelieferten Dacia ein Renault-Emblem. Denn außerhalb Europas ist die rumänische Marke nicht bekannt. Die Renault-Dacia haben dabei eine Menge Erfolg: Der Duster ist das meistverkaufte Modell der Franzosen in Russland. Und der Renault Sandero gehört in Brasilien zu den beliebtesten Autos überhaupt.

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Wirtschaft: Dacia
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Dacia zum plakativ niedrigen Einstiegspreisen

Auf dem schwierigen Wachstumsmarkt Indien ist Renault die mit Abstand größte europäische Marke. Zu verdanken haben es die Franzosen auch hier vor allem den Dacia-Modellen. Mittlerweile stecken unter 24,4 Prozent aller weltweit verkauften Renault die Fahrzeuge von Dacia. Zwar bescheren die Billigautos den Franzosen ordentliche Zuwächse und helfen dabei, den Namen Renault in den Boom-Märkten bekannt zu machen. Andererseits verdrängen sie jedoch in Frankreich entwickelte Modelle wie etwa den Renault Clio. Außerdem verschmilzt in diesen Ländern das Image von Renault mit dem der schlichten Billigautos. Künftig wird es den Franzosen daher schwerfallen, dort hochwertigere Fahrzeuge wie den Mégane unter dem gleichen Logo anzubieten. Ein Phänomen ist jedoch rund um den Globus gleich: Nur wenige Kunden kaufen einen Dacia zum plakativ niedrigen Einstiegspreis. Egal ob in Brasilien, Russland oder Deutschland: Meist werden die etwas stärkeren und besser ausgestatteten Varianten bestellt – obwohl der Dacia ohnehin schon so billig ist …
 

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