Alle Tests zum Bugatti Chiron

Neuer Bugatti Chiron (2016): Erste Testfahrt Neuer Chiron wie 50 Käfer

von Volker Koerdt 14.03.2019
Inhalt
  1. Erste Testfahrt im neuen Bugatti Chiron (2016)
  2. Neuer Chiron (2016) absolut alltagstauglich
  3. Hart, aber nicht unkomfortabel
  4. Konsequenter Leichtbau beim neuen Chiron (2016)
  5. Einfache Bedienung im neuen Bugatti Chiron (2016)
  6. Technische Daten

Der neue Bugatti Chiron (2016) ist das teuerste, stärkste und mit 420 km/h schnellste Serienauto der Welt. Er geht einfach tierisch ab – wir wagen uns zur ersten Testfahrt!

Der Schub bricht herein mit einer Urgewalt, es geht einfach nur vorwärts. Der Körper wird in den Sitz gepresst, die Atmung flacher. So müssen sich Raumfahrer beim Raketenstart fühlen. Bei durchgedrücktem Gaspedal schießt der neue Bugatti Chiron (2016) bei unserer ersten Testfahrt über die Straßen, dass jedes andere Auto dabei blass aussieht. Die analoge Tachonadel – der Tacho geht sage und schreibe bis 500 km/h – huscht in Lichtgeschwindigkeit über die Zahlen. Null bis 100 km/h in 2,4 Sekunden, null bis 200 km/h in 6,5 Sekunden, und – man glaubt es kaum – 300 km/h sind nach 13,6 Sekunden erreicht. Doch der Schub geht unaufhaltsam weiter. Selbst deutlich über 300 km/h pulverisieren die 1500 PS den Luftwiderstand, als existiere er nicht. Bei über 360 km/h diktiert die Streckenführung schließlich zu bremsen. Auch die Verzögerung des neuen Bugatti Chiron (2016) ist gewaltig. Die vorn fast einen halben Meter im Durchmesser großen Scheiben, die von acht Bremskolben in die Zange genommen werden, und der große Heckspoiler, der sich ab 180 km/h beim Bremsen als sogenannter Airbrake in den Wind stellt, bauen atemberaubende Verzögerungskräfte auf.

Der neue Bugatti Chiron (2016) im Video:

 
 

Erste Testfahrt im neuen Bugatti Chiron (2016)

Der bis zu 420 km/h schnelle und neue Bugatti Chiron (2016) ist der automobile Superlativ des 21. Jahrhunderts. Das Fahrerlebnis mit diesem technischen Wunderwerk ist selbst für einen erfahrenen Automobiljournalisten ein Highlight. "1500 PS – das ist schon der Wahnsinn, oder?", grinst Andy Wallace, offizieller Bugatti-Testfahrer, Le Mans-Gewinner und mein Copilot bei dieser Fahrt. Leicht sprachlos murmele ich nur: "Da fällt einem nichts mehr ein." Und doch: Irgendwie muss ich bei dieser aberwitzigen PS-Zahl an das Jahr 1960 zurückdenken – als ich als kleiner Knirps stolz im 30 PS starken "Käfer" meines Vaters mitfahren durfte. Dies war für mich der Beginn der Mobilität. Jetzt sitze ich am Steuer eines Bugatti Chiron, der so viel leistet wie damals 50 Käfer-Motoren zusammen. Und der Käfer und der neue Bugatti Chiron (2016) haben noch etwas gemeinsam: Sie sind so etwas wie die Kathode und Anode des Autobaus. Der eine war der Schlüssel zur Massenmobilität, der andere ist der Schlüssel zur Grenzerfahrung des automobil Machbaren. Beide werden ihren Platz in den Geschichtsbüchern auf ewig behalten.

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Neuer Chiron (2016) absolut alltagstauglich

Trotzdem ist der neue Bugatti Chiron (2016) – der schnellste  Seriensportwagen der Welt – keine unzähmbare Bestie. Er ist in allen Lebenslagen alltagstauglich, nimmt auch im Stop-and-go-Verkehr klaglos ohne Ruckeln Gas an und fährt sich relativ komfortabel sowie leichtfüßig. Letzteres liegt daran, dass die Ingenieure um dieses Monster aus Motor und Getriebe herum den aufwändigsten Leichtbau betrieben haben, den man sich vorstellen kann. Monocoque und Heck bestehen aus Karbon, dazu gesellen sich viele Bauteile aus Alu und Titan. Lediglich beim Logo wurde man dem Vorsatz des Leichtbaus untreu: Das Emblem im Kühlergrill ist aus Silber mit Emaille gefertigt und wiegt stolze 155 Gramm. Dass der neue Bugatti Chiron (2016) deutlich besser fährt als der Veyron, liegt vor allem an dem neuen Fahrwerk, der neuen Lenkung, der verbesserten Aerodynamik und an der Wärmeabfuhr. Die Hitze aus dem Motorraum zu bringen, war eine Hauptaufgabe. Ein ausgeklügeltes System von vielen Luftein- und -auslässen – so hat der Chiron im Heck deutlich mehr Auslässe als der Veyron – sind die Grundlage dafür. Die Lufteinlässe vorn kühlen vor allem die riesigen Bremsen, und an den Seiten decken sie den Atmungsbedarf des 16-Zylinders. Ein fast komplett gerader Unterboden mit Luftleitflächen vor und hinter den Vorderrädern sorgt für Downforce und maximalen Anpressdruck. Tatsächlich saugt sich der neue Bugatti Chiron (2016) förmlich am Boden an. Selbst bei hohen Tempi weit über 300 km/h liegt das Auto spurstabil – von Auftrieb keine Spur. Gute Rückmeldung und Fahrbahnkontakt vermittelt dabei die neue, elektro-mechanische Lenkung. Sie ist deutlich direkter als die des Vorgängers und arbeitet hochpräzise mit einem Gesamtübersetzungsverhältnis von 16 bis 18 : 1. Sie gehört mit zum Besten, was der Sportwagenbau zu bieten hat.

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Hart, aber nicht unkomfortabel

Aber auch beim Fahrwerk blieb keine Feder auf der anderen. Joachim Schwalbe, Leiter Fahrwerksentwicklung, formuliert den Anspruch so: "Der neue Bugatti Chiron (2016) muss leicht zu fahren sein, die maximale Power auf den Boden bringen, aber auch reise- und alltagstauglich sein." Erstmals gibt es nun im Bugatti ein adaptives Fahrwerk das mehr Agilität und Fahrkomfort vereint. Vier Fahrmodi sind per Schalter im Lenkrad anwählbar: Autobahn, Handling, Transport und EB (Automatikmodus). Für die Straße empfiehlt sich der Autobahnmodus, wobei sich das Fahrzeug ab 180 km/h automatisch absenkt. Selbstverständlich ist der Chiron bei der schieren Leistung sportlich hart gefedert, aber nicht unkomfortabel. Denn er will ein Gran Turismo im klassischen Sinne sein – und dazu gehört auch Langstreckenfahrkomfort, den er ohne Zweifel bietet. Den Geräuschkomfort, speziell die Dämmung des Motors, kann man nur als gelungen bezeichnen. Doch wer dem Bugatti auf kurvigen Strecken die Sporen gibt, ist überrascht, wie neutral er sich inzwischen fährt. Im Gegensatz zum Vorgänger Veyron, der deutlich untersteuerte, lässt sich der neue Bugatti Chiron (2016) fast wie ein Hecktriebler bewegen. Für sein relativ hohes Gewicht ist er handlich und glänzt durch eine ausgezeichnete Traktion. Großen Anteil daran haben die neu entwickelten Michelin-Reifen, die kein Pax-Sicherheitssystem mehr haben und nun für eine Laufleistung bis 7500 Kilometer gut sein sollen. Komfortabel, sehr schnell und sehr weich wechselt auch das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe die Gänge, allerdings erlaubt das Getriebe keinen Kickdown. Wer schnell beschleunigen will, muss runterschalten. Bräche das gewaltige Drehmoment des Motors urplötzlich über das Getriebe herein, würde die Kraftübertragung kollabieren. Der Allrad erlaubt eine variable Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterrädern und unterstützt damit schnelle Kurvenfahrten.

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Konsequenter Leichtbau beim neuen Chiron (2016)

Großen Aufwand trieben die Ingenieure auch noch einmal beim Motor des neuen Bugatti Chiron (2016), der im Wesentlichen bereits aus dem Veyron bekannt ist. Doch um das Leistungsplus von 25 Prozent zu realisieren, leisteten die Entwickler ganze Arbeit. Die Mehrleistung erbringen vor allem die um 69 Prozent größeren Turbolader und die Duplex-Kraftstoffeinspritzung mit 32 Ventilen. Größere Ladeluftkühler setzen nun mehr als 60.000 Liter Luft pro Minute um. Dazu gehört auch die richtige Temperatur durch das Motormanagement. So pumpt die Kühlmittelpumpe in einer Minute 800 Liter Wasser durch den gesamten Motor. Die vier Turbolader arbeiten mit  zweistufiger Aufladung. Mit der Registeraufladung startet der neue Bugatti Chiron (2016) lediglich mit zwei Turbos. Erst bei 3800 Umdrehungen werden die übrigen zwei hinzugeschaltet. Dies ergibt ab 2000 Umdrehungen eine absolut lineare Leistungskurve. Um der Gewichtszunahme durch die größeren Lader und Ladeluftkühler zu begegnen, sparten die Ingenieure an anderer Stelle am Motor an Gewicht. Denn auch die Katalysatoren und Auspuffrohre wurden deutlich größer. Beim Auspuff aus Titan konnten 3,6 Kilo Gewicht reduziert werden, der Ansaugkrümmer aus Karbon sparte 3,6 Kilo, die Kurbelwelle wurde um 1,4 Kilo erleichtert. Auch die Pleuel konnten gewichtsreduziert werden. Weitere unvorstellbare Zahlen: Der Ölfluss durch den Motor beträgt 120 Liter pro Minute, und die Klappen der Lader, die jeweils mit einem Ladedruck von 1,85 bar arbeiten, müssen bis zu 980 Grad Hitze aushalten können. Ein derart aufwendiger Verbrennungsmotor wird wohl nie mehr gebaut werden. 

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Einfache Bedienung im neuen Bugatti Chiron (2016)

Vergleichsweise einfach geht es für den Fahrer im Interieur des neuen Bugatti Chiron (2016) zu. Die Bedienung gibt keine Rätsel auf, alles gestaltet sich auf einen Blick sehr übersichtlich. Hochwertigste Materialien aus zweifarbigem Leder, Karbon und Aluminium verwöhnen die Insassen. Eine schmale und einzigartig designte Mittelkonsole beinhaltet Gangwählhebel und vier runde Klima-Bedientasten, die in ihrer Funktion aber mehrfach auf Knopfdruck belegt sind. Direkt im Blickfeld des Fahrers liegt das in ein Aluminiumgehäuse eingefasste Kombiinstrument. Es besteht aus drei kompakten Displays, die den analogen Tacho einrahmen. Die Darstellung der Grafiken ist gestochen scharf und hochauflösend. Wer beim Sound auf Abwechslung steht und nicht nur dem Motor lauschen möchte, kann die von der Firma Accuton entwickelte High End-Anlage anschalten. Es ist die wohl luxuriöseste Anlage, die es derzeit in einem Auto gibt. So arbeitet in den vier Hochtönern jeweils eine Ein-Karat-Diamant-Membran. Und tatsächlich klingt die Anlage sensationell. Dass bei den ganzen Superlativen der Zahlen auch der Preis dementsprechend ist, verwundert kaum. 2,4 Millionen Euro plus Mehrwertsteuer beträgt der Basispreis des auf 500 Exemplare limitierten und neuen Bugatti Chiron (2016).

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Technische Daten

Technische DatenBugatti Chiron
MotorW16, Quad-Turbo
Hubraum7993 ccm
Leistung1500 PS
Maximales Drehmoment1600 Nm
Getriebe7-Gang, Doppelkupplung
AntriebAllrad
0-100 km/h2,5 s
Höchstgeschwindigkeitca. 420 km/h
Leergewicht1995 kg
L/B/H in mm4544/2038/1212
Testverbrauch22,5 l SP/100 km
Grundpreis2.856.000 Euro

Reifen 400-km/h-Reifen von Michelin
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