Neuer Bugatti Chiron: Erste Testfahrt Noch beeindruckender geht gar nicht!

von Thomas Geiger 21.01.2018

Testfahrt im Bugatti Chiron: Selbst im Mutterland des Tempolimits findet man genügend Highways und Byways, auf denen der neue Chiron wenigstens ein bisschen was von dem zeigen kann, was in ihm steckt.

Sie ist ein Traum in Teer und er ein Kunstwerk aus Karbon. Denn keine Küstenstraße ist schöner als der Pacific Coast Highway, der über 1000 wunderbar gewundene Panorama-Kilometer der kalifornischen Küste folgt und dabei unter anderem San Francisco und Los Angeles verbindet. Und kein Auto ist spektakulärer als der Bugatti Chiron, mit dem die edelste aller VW-Töchter die Messlatte für den ultimativen Sportwagen sehr hoch gelegt hat. Hier die Traumstraße, da der Traumwagen – aber selbst nach dem dritten Zwicken sehe ich noch immer, wie die weiß gekrönten Wellenkämme an den Strand von Pebble Beach schlagen und spüre, wie der schwere Schlüssel des Chiron kühl in meiner Hand liegt. Dieser Traum ist keiner, und allem Jetlag zum Trotz bin ich plötzlich hellwach. Erst recht, wenn hinter mir 16 Zylinder durch acht Liter Hubraum stampfen und vier Turbos mehr Wind machen als ein Orkansturm in der Half Moon Bay.

Der Bugatti Chiron im Video:

 
 

Testfahrt im 1500 PS starken Bugatti Chiron

Zwar schreit in mir schon nach dem Start alles nach Vollgas, schließlich kann ein Zivilist am Boden nirgendwo eine höhere Geschwindigkeit erreichen: Kein anderes Auto, kein Zug und nicht einmal die Magnetschwebebahn in Shanghai sind ernsthaft schneller. Und jedes Flugzeug hat da längst abgehoben. Doch ausgerechnet das stärkste Serienauto der Welt schöpft seine Souveränität aus dem Wissen um seine unerreichte Stärke, die ihn zugleich zu einem unglaublich entspannten Cruiser macht. Das freut die verwöhnte Kundschaft in China, Dubai oder Los Angeles, weil man dort eher posen statt rasen will und im Dauerstau selbst mit einem Drei-Millionen-Euro-Auto nicht schneller vorankommt. Das ist ein Segen für mich. Denn da mit kalifornischen Cops nicht zu spaßen ist, könnte dieser Traumtrip sonst schnell als Alptraum hinter Gittern enden. Zumal die Highway Patrol neugierig genug sein wird, sich ein Auto, das es weltweit nur 500 Mal geben wird, genau anzusehen. Also lasse ich es entspannt angehen im Chiron und ärgere mich nicht über die vielen offenen Mustang und Camaro, mit denen die Touristen die legendäre California State Route 1 verstopfen. Schließlich lernt man in dieser Luxuslounge aus Lack und Leder sehr schnell, dass es nur einen Wimpernschlag braucht, um auch an größeren Kalibern vorbeizuziehen, als würden sie parken. Stattdessen genieße ich die fast erschreckende Ruhe und eine unerreichte Leichtigkeit, mit der dieses Geschoss der Küstenlinie folgt. Breit, flach und gewaltig wie ein riesiger Teufelsrochen wirkt der Chiron dabei, und genauso grazil lässt er sich über die Straße führen. Federleicht fühlt sich das Zwei-Tonnen-Kunstwerk an, es folgt dem kleinsten Fingerzeig. Das einzige, was bei diesem Auto anstrengend ist, ist der stete Kampf mit der eigenen Moral und der Angst vor der nächsten Radarpistole.

Neuheiten Bugatti Chiron (2016)
Bugatti Chiron (2016): Preis & Motor  

Exklusives Glasdach für den Chiron

 

Die Turbos pfeifen wie die Brandung von Big Sur

Doch auch dieser Fight hat im Chiron etwas Faszinierendes. Denn wenn das Böse in mir gewinnt, gibt es zum Lohn einen Kick in der Magengrube. Und wenn das Gute wieder die Oberhand bekommt, belohnt der W16-Motor das mit einem Tusch, den kein anderes Auto bieten kann: Kaum nehme ich den Fuß vom Gas, pfeifen die Turbos ihren Überdruck durch die Wastegates – und es klingt, als stehe ich mitten in der Brandung von Big Sur, so laut ist das Rauschen im Rücken. Das ist ein doppelter Genuss: erstens, weil es ein wirklich einzigartiges Geräusch ist. Und zweitens, weil es zumindest ein bisschen dafür entschädigt, dass Big Sur wegen eines Erdrutsches gerade nicht erreichbar ist und die Route deshalb immer mal wieder durchs Hinterland führt. Dort ist es zwar nicht ganz so pittoresk, doch dafür umso leerer. Und plötzlich zeigt der Chiron, dass er nicht nur mehr Beauty ist als der Veyron, sondern auch mehr Biest – und dieses wartet darauf, von der Kette gelassen zu werden. Ich muss nur den kleinen Zeh im rechten Fuß einen Hauch weiter krümmen, dann schaltet die Welt da draußen auf fast forward. Nicht umsonst stehen zwischen 2000 und 6000 Touren die vollen 1600 Nm bereit, die die Grenzen der Physik pulverisieren. Für die Auffassungsgabe eines normalen Autofahrers ist dieses Überauto einfach zu schnell. Erst recht, wenn man sich irgendwann auf den Mullholland Drive und in seine Seiten-Canyons verirrt, wo die Stars aus Malibu und Beverly Hills ihre PS-Spielzeuge ausfahren. Denn selbst auf den vielleicht kurvigsten Straßen, die man in Kalifornien finden kann, fühlt sich der Chiron so wohl, dass man viel zu schnell an die Grenze der Erlaubten stößt. Auch das Ende dieser Tour könnte kaum passender sein: Nach dem heißen Ritt durch die einsamen Canyons und dem obligatorischen Stopp am Strand von Santa Monica rollt der Chiron ganz brav durch Hollywood, wo er seine heimliche Heimat hat. Nicht nur, weil das Auto hier tatsächlich ins Straßenbild passt und es hier mehr Millionäre gibt als sonst irgendwo in Amerika. Sondern weil Träume hier schließlich industriell in Serie produziert werden. Vielleicht wird ja auch dieser für mich irgendwann einmal wahr. Oder bekommt – wie alles in Hollywood – eine Fortsetzung. Spätestens in ein, zwei Jahren, wenn der Roadster startet …

Vergleichstest Bugatti Chiron vs. Koenigsegg Regera
Bugatti Chiron/Koenigsegg Regera: Vergleich  

Regera versus Chiron im Check

Technische DatenBugatti Chiron
MotorW16, Quad-Turbo
Hubraum7993 ccm
Leistung1500 PS
Maximales Drehmoment1600 Nm
Getriebe7-Gang, Doppelkupplung
AntriebAllrad
0-100 km/h2,5 s
Höchstgeschwindigkeitca. 420 km/h
Leergewicht1995 kg
L/B/H in mm4544/2038/1212
Testverbrauch22,5 l SP/100 km
Grundpreis2.856.000 Euro

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