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Interview

Bridgestone-Boss: "Engagement und hohe Investitionen"

Während wir mit Christian Mühlhäuser, Vice President Bridgestone Central Europe, im Auto unterwegs sind, sprechen wir über die Premiumreifen-Marke, den Einsatz von künstlicher Intelligenz, Motorsport und neue Produkte. Seine Sicht der Dinge im Interview.

 Christian Mühlhäuser (li.) kniet beim Interview mit AUTO ZEITUNG-Redakteur Martin Urbanke vor einem Bridgestone Reifen, der an einem Porsche montiert ist. Auf Pinterest merken
„Wir haben genau die richtigen Produkte“, sagt Christian Mühlhäuser (li.) im Interview mit AUTO ZEITUNG-Redakteur Martin Urbanke. Der Bridgestone-Boss setzt große Stücke auf die virtuelle Reifenentwicklung, betont aber: „Physische Tests bleiben ein integraler Bestandteil unserer Entwicklungsarbeit.“ Foto: Frank Ratering

Herr Mühlhäuser, welche Rolle spielen Innovation und Technologie für die Marke Bridgestone?

Bridgestone steht für Cutting Edge Technology – Spitzentechnologie. Wir sind ein japanisches Unternehmen, und die Leidenschaft für kontinuierliche technologische Weiterentwicklung ist tief in unserer DNA verwurzelt. Ein Highlight unserer Innovationsstärke ist die exklusive Enliten-Technologie, die in der aktuellen Generation unserer Premiumreifen zum Einsatz kommt. Sie ermöglicht zuverlässige Performance ohne Kompromisse.

Was treibt Sie dabei an?

Unser Ziel ist es, die Ansprüche unserer Kunden bestmöglich zu erfüllen. Das geht nur mit einem sehr hohen Qualitätsanspruch, einem großen Engagement des Teams sowie hohen Investitionen in den Bereichen Forschung und Entwicklung.

Wie hoch sind diese Investitionen?

Auf globaler Ebene investiert Bridgestone jährlich rund 800 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung.

Die Innenaufnahme zeigt eine Laborumgebung beim Reifenhersteller Bridgestone. Ein Pfeil an der Wand weist den Weg zum Noise Innovation Hub.
Foto: Bridgestone

Wohin fließen diese Gelder? Auch in die Einbindung künstlicher Intelligenz?

Unter anderem in die virtuelle Reifenentwicklung. Anfang des Jahres wurde in unserem europäischen F&E-Zentrum nahe Rom unser neuer Driver-in-the-Loop Simulator in Betrieb genommen. In diesem hochmodernen Simulator taucht man in eine hyperrealistische Umgebung ein. Das subjektive Feedback erlaubt in Kombination mit High-Fidelity 46 Simulationen, historischen Daten sowie dank KI-Nutzung schnellere und genauere Design-Entscheidungen. Das Thema KI gewinnt an Bedeutung, besonders in Entwicklung, Logistik und Produktion. Bei nicht wertschöpfenden, reproduktiven Anwendungen hat die Technologie großes Potenzial, das wir aber auch beherrschen und beurteilen können müssen. Wir wollen zukünftig noch stärker werden, wollen, dass unser Business weiter wächst. Dazu werden wir mehr Ressourcen brauchen – hier kann KI sehr nützlich sein.

Was bringt der Einsatz von KI respektive der virtuellen Entwicklung konkret?

Wir können mehr Reifenspezifikationen in kürzerer Zeit unter einer Vielzahl unterschiedlicher Bedingungen bewerten. Somit kann die Entwicklungszeit reduziert werden, und Produkte gelangen schneller zur Marktreife.

Werden die üblichen Testfahrten dadurch womöglich überflüssig?

Die umfassenden physischen Tests sind und bleiben ein integraler Bestandteil unserer Entwicklungsarbeit und Reifenvalidierung. Das ist unerlässlich. Sie bilden die Realität ab und gleichen die Grenzen digitaler Methoden aus, zudem sind sie in vielen Ländern auch vorgeschrieben.

Das Cockpit-Foto zeigt Christian Mühlhäuser, Vice President Bridgestone Central Europe, während des Interviews am Steuer eines Porsche Macan 4S.
Foto: Frank Ratering

Welche Vorteile bieten diese neuen Technologien?

Die Vorteile sind vielfältig: Mit Enliten können unter anderem der Rollwiderstand optimiert und die Laufleistung verbessert werden. Der Einsatz unseres neuen Simulators reduziert den Bedarf an physischen Prototypen enorm – wir sprechen hier immerhin von rund 12.000 Versuchsreifen, die jährlich eingespart werden.

Das Potraitfoto zeigt Christian Mühlhäuser, Vice President Bridgestone Central Europe, vor einem Porsche Macan 4S. - Foto: Frank Ratering
Zur Person
  • Christian Mühlhäuser, 52, Vice President Bridgestone Central Europe, ist bei dem Premium-Reifenhersteller seit 2018 verantwortlich für Deutschland, Österreich, Schweiz und Skandinavien.

  • Zuvor war der Ingenieur über 25 Jahre lang in leitenden Funktionen bei Pirelli tätig.

  • Für unser Interview begleiteten wir Mühlhäuser bei einer Fahrt im Porsche Macan 4S auf Bridgestone Potenza Sport-Reifen, die speziell auf das Elektro-SUV abgestimmt sind.

Im Zusammenhang mit der zukunftsweisenden Reifenentwicklung spricht Bridgestone vom Motorsport als „mobilem Labor“. Was genau steckt dahinter?

Bridgestone ist weltweit im Rennsport aktiv und lässt die dort gewonnenen Erfahrungen in die Entwicklungsarbeit für Straßenreifen einfließen. Auf der Strecke testen unsere Techniker:innen die neuesten Technologien unter extremen Bedingungen. Diese werden weiterentwickelt, um dann auf die Konzeption von Pkw- und Nutzfahrzeugreifen übertragen zu werden, die uns im Alltagsverkehr begleiten. Ein Beispiel dafür ist das diesjährige Indy 500 der NTT Indycar Serie: Hier sind die neuesten Firestone-Rennreifen mit Enliten-Technologie im Einsatz. Neben den Bridgestone-Rennreifen unserer Potenza-Serie, die in der japanischen Super GT verwendet werden, sind wir auch im Motorradrennsport engagiert: Seit 2017 unterstützen wir die Rennteams der FIM-Langstrecken-Weltmeisterschaft (EWC) mit Bridgestone Battlax Premiumreifen. Diese Wettbewerbe sind ein echter Prüfstein für die Performance und die Haltbarkeit von Motorradreifen. Deshalb sind wir stolz, dass in der Saison 2025 fünf von sechs Spitzenplätzen in der Gesamtwertung von Teams auf Bridgestone-Reifen belegt wurden. Und auch in der Saison in diesem Jahr sieht es wieder sehr gut für uns aus.

Die fahrdynamische Außenaufnahme zeigt Christian Mühlhäuser, Vice President Bridgestone Central Europe, am Steuer eines Porsche Macan 4S während des Interviews mit der AUTO ZEITUNG..
Foto: Frank Ratering

Sie rüsten aber nicht nur Rennsportteams aus, sondern vor allem eine Vielzahl renommierter Fahrzeughersteller. Wie ist Bridgestone aktuell im Bereich der Erstausrüstung aufgestellt?

Die Partnerschaft mit führenden Fahrzeugherstellern wie Audi, BMW oder Mercedes ist für uns ein zentraler Bestandteil unserer Unternehmensstrategie. Beim 24h Rennen am Nürburgring dieses Jahr wurde der ID. Polo GTI von Volkswagen vorgestellt. Auch für ihn haben wir maßgeschneiderte Potenza Sport-Reifen entwickelt. Und für die neuesten Modelle von Maserati sowie Lamborghini, den MCPURA und den Fenomeno Roadster, wurden speziell abgestimmte Premiumreifen der Potenza-Serie konzipiert. Das jüngste Beispiel ist unser Potenza Race R, der als maßgeschneiderter Semi-Slick speziell für den Lamborghini Revuelto SV entwickelt wurde. Als offizieller technischer Partner von Lamborghini sind Projekte wie dieses ein Sinnbild für technische Innovation und Leistung auf höchstem Niveau.

Welche Leistungseigenschaften zeichnen Bridgestone-Reifen im Detail aus?

Je nach Fahrzeugmodell, Einsatzgebiet und Fahrprofil unterscheiden sich die Anforderungen an die Bereifung maßgeblich. Sowohl im Rahmen unserer Erstausrüster-Entwicklung als auch bei unseren Neureifen für den Ersatzmarkt analysieren unsere Techniker:innen diese Ansprüche im Detail. Sicherheit und die tatsächlichen Anforderungen unserer Kund:innen stehen dabei immer im Fokus. Auch Eigenschaften wie Komfort oder souveräne Leistung bei Nässe spielen eine wichtige Rolle. Entsprechend zeichnen sich unsere Premiumreifen, egal ob Sommer-, Winter- oder Allseason-Modelle, vom UHP-Reifen bis zum All-Terrain-Produkt, durch höchste Qualitätsstandards und die entscheidenden Sicherheitsparameter aus, beispielsweise kurze Bremswege.

Welche Neuigkeiten haben Sie im Portfolio?

Eines unserer neuesten Highlight-Produkte ist der Bridgestone Potenza Sport EVO. Er ist der Nachfolger unseres mehrfach ausgezeichneten Premiumreifens Potenza Sport. Er ist noch sportlicher ausgelegt und liefert gleichzeitig mehr Kontrolle bei Nässe. Damit einher gingen auch eine optimierte Kilometerleistung und eine verbesserte Kraftstoff- respektive Energieeffizienz. Sehr zugunsten der leistungsstarken Elektrofahrzeuge, auf die der Potenza Sport EVO dank Enliten-Technologie ebenso ideal passt, wie er auf Autos mit Verbrennern montiert werden kann.

Welche Angebote haben Sie im Winter- und Allseason-Segment?

Mit dem Blizzak 6 und dem Turanza Allseason 6 sind wir in der kommenden Saison gut aufgestellt. Während die Anzahl verkaufter Reifen dieses Jahr kumuliert um rund zwei Prozentpunkte nachgibt, legen wir gegen den Trend zu. Offenbar haben wir genau die richtigen Produkte.