Opel Senator gegen BMW 730 & Mercedes 280 SE: Vergleichstest
Mit moderner Technik in die Luxusklasse: Der Opel Senator wollte hoch hinaus, weshalb ihn die AUTO ZEITUNG 1978 in den Vergleichstest mit den Luxuskarossen BMW 730 und Mercedes 280 SE schickte. Ein Rückblick!
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- BMW 730, Mercedes 280 SE & Opel Senator im Vergleichstest von 1978
- Opel zieht beim Fahrwerk mit beiden Rivalen gleich
- Der leise Opel überzeugt auch beim Fahrkomfort
- Licht und Schatten bei der Beurteilung der Sitze
- Fahrleistungen & Effizienz von 730, 280 SE & Senator
- Technische Daten von BMW 730, Mercedes 280 SE & Opel Senator 3.0
- Fazit
BMW 730, Mercedes 280 SE & Opel Senator im Vergleichstest von 1978
Zitat Anfang: "Nicht Traditionalismus oder sportliche Ambition, sondern Funktionalismus und technischer Fortschritt prägen seinen Charakter." Zitat Ende. Quelle: die Opel Senator-Werbebroschüre. Wie sagt man doch in Berlin so treffend: "Nachtigall, ick hör dir trapsen." Im Kampf um die Kundschaft von Modellen der automobilen Oberklasse genügt es scheinbar nicht mehr, allein mit der Präsentation der Technik zu werben. Immer häufiger müssen auch verbale Kraftakte dafür herhalten. Die Konkurrenten werden indirekt, sozusagen zwischen den Prospekt und Werbezeilen, als solche benannt oder sogar abqualifiziert.
Wer erinnert sich nicht an die aggressiven Sprüche der BMW- und Mercedes-Anzeigen im Vorjahr, in denen Werbetexter um das vermeintlich beste Automobil der Welt stritten. Auf welche Konkurrenten Opel mit "Traditionalismus" und "sportlicher Ambition" hinweisen will, das zeigt sich in unserem Vergleichstest. Wir stellen den "Traditionellen" (Mercedes) und den "sportlich Ambitionierten" (BMW) dem "Funktionellen" (Opel Senator) gegenüber. Die Marktstrategen aus Rüsselsheim machen es jedoch Senator-Interessierten, die Vergleiche anstellen wollen, nicht leicht, das neue Produkt in eine bestimmte Klasse einzuordnen. Motorleistung, Abmessungen und die Preisgestaltung rücken den Senator praktisch auf einen Platz zwischen den Klassen. Er ist nicht nur Konkurrent der kompakten Luxuslimousinen wie BMW 528i und Mercedes 280 E, sondern auch ernsthafter Gegner der automobilen Spitzenklasse. BMW tritt dort mit der 7er-Reihe auf, Daimler-Benz schickt die S-Klasse ins Rennen. AUTO ZEITUNG konfrontierte den Opel Senator im ersten Vergleichstest mit den Spitzenmodellen der Konkurrenz: dem BMW 730 und dem Mercedes 280 SE.
Die Zusammensetzung nach Motorleistung: Senator mit 132 kW/180 PS, BMW mit 135 kW/184 PS und Mercedes mit 130 kW/177 PS. Ob der Senator gegen diese Elite bestehen kann, hängt von vielen Faktoren ab. Einer der wichtigsten Faktoren für den Verkauf: das Image. Zum Image eines luxuriösen Automobils gehört leider nun mal ein hoher Kaufpreis. Die Preise zum Vergleich: Den Senator gibts ab 29.065 Mark, den BMW ab 34.850 Mark und den Mercedes ab 34.115 Mark. Einschließlich der Getriebeautomatik, die in dieser Fahrzeugklasse sehr populär ist und mit der Opels Senator bis in den Herbst hinein ausschließlich zu haben ist, ergeben sich folgende Preise: Senator: 30.730 Mark, BMW: 36.500 Mark, Mercedes: 35.963 Mark.
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Der BMW i7 (2023) im Fahrbericht (Video):

Opel zieht beim Fahrwerk mit beiden Rivalen gleich
Doch Image kommt nicht vom Preis allein. Opel hat durch eine geschickte Promotionpolitik das Interesse an seinem neuen Produkt regelrecht geschürt: Premiere auf der IAA im Herbst 1977 und weitere Vorstellungen auf diversen anderen Salons, breit angelegte Präsentation in Zeitungen und Zeitschriften (siehe auch AUTO ZEITUNG Heft 8/78) – das alles sind Stationen auf dem Weg zu einem erstaunlich hohen Bekanntheitsgrad. Erfüllt der Opel Senator die in ihn gesetzten Erwartungen? Das Konzept ist in der Spitzenklasse jedenfalls neu. Basierend auf dem preiswerten Schwestermodell Opel Rekord, steckt jedoch eine Menge wesentlich aufwendigerer Technik im neuen Opel-Topmodell.
Während die Vorderachse mit McPherson-Federbeinen mit der des Rekord identisch ist, hängen die Hinterräder nicht an einer Starrachse, sondern an einer bei Opel erstmals verwendeten Schräglenker-Achse. Damit zieht man in Rüsselsheim mit der Konkurrenz aus Stuttgart und München gleich, denn beide schwören schon lange auf die Einzelradaufhängung an der Hinterachse. Vergleicht man nun in der Praxis die technisch identischen, also mit gleichen Voraussetzungen antretenden Konstruktionen, so ergibt sich hier das erste Plus für das neue Modell. Der Opel Senator ist ein ganz hervorragender Kompromiss aus Fahrkomfort und Fahrverhalten.
Mit dem Knowhow, das man Opel jedoch in Bezug auf die Einzelradaufhängung überhaupt nicht zugetraut hat, verpasst Rüsselsheim dem Spitzenmodell ein nahezu narrensicheres Fahrverhalten. Autobahnkurven, in denen die Konkurrenz-Fahrzeuge des Vergleichs– vor allem der nach wie vor nicht überzeugende BMW 730, aber auch der Mercedes 280 SE – Schwächen zeigen und ein ungutes Gefühl produzieren, umrundet der Senator ohne jede Reaktion. ln engen Kurven bleibt der Opel lange Zeit neutral, wischt aber dann im Grenzbereich gut kontrollierbar mit dem Heck weg.
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Der leise Opel überzeugt auch beim Fahrkomfort
Und dieses ungemein gutmütige Verhalten behält der Opel Senator auch bei nasser Fahrbahn bei. Hier gibt er wiederum den Konkurrenten das Nachsehen. Der BMW 730 agiert bei Nässe wesentlich indifferenter. Und auch der Mercedes 280 SE reagiert nicht so gutmütig wie der "Herr Senator". Seine Gutmütigkeit verliert der Luxus-Opel auch dann nicht, wenn statt der serienmäßigen Reifen vom Format 195/70 HR 14 Pirelli P6 der Dimension 205/60 VR 15 montiert sind. Im Gegenteil: Das Fahrverhalten schien mit den Pirelli-Pneus sogar noch ausgewogener. Auf glatter Straßenoberfläche (Teerfugen auf Beton) erzeugt der Pirelli-Breitreifen allerdings ein singendes Geräusch. Dies bleibt aber auch die einzige Beeinträchtigung des Fahrkomforts. Egal, ob er auf Serie-60- oder Serie-70-Reifen läuft, der Senator erweist sich bei aller Fahrsicherheit auch noch als ein komfortables und sorgfältig abgestimmtes Fahrzeug.
Während Mercedes eine eher straffere Auslegung bevorzugt, betont auf Fahrbahnkontakt hinarbeitet und damit Komfortbeeinträchtigungen durch kurze Fahrbahnstöße bewusst in Kauf nimmt, absorbiert der Opel derartige Unebenheiten völlig. Das Fahrwerk spricht fast sanft auf Bodenwellen und Querfugen an. Dagegen fühlt sich der BMW 730 eher schon weich an. Keine Frage: Der Senator ist dem in der Vorderachse etwas stuckrigen und insgesamt nicht so sorgfältig abgestimmten 730 überlegen. Auch lange, das Fahrzeug zum Aufschwingen treibende Bodenwellen steckt der Senator besser weg als der 730. Der BMW baut deutlich Nickschwingungen auf. Auf derart langen Wellen spielt jedoch der Mercedes einen Trumpf aus. Hier macht er auch dem Opel noch was vor.

Licht und Schatten bei der Beurteilung der Sitze
Komfort heißt aber auch möglichst niedriger Geräuschpegel im Innenraum. Der Opel Senator ist hier nicht nur dem subjektiven Gehör nach, sondern auch den Messwerten zufolge der Zurückhaltendste.
Die dB(A)-Werte der drei Konkurrenten bei jeweils 100 km/h, 130 km/h und bei Höchstgeschwindigkeit:
- Opel: 64/71/79 dB(A)
- BMW: 66/72/82 dB(A)
- Mercedes: 70/72/79 dB(A)
Der Automatik-Senator flüstert bis in hohe Drehzahlen, wobei er allerdings um 5500 U/min herum ein vernehmliches Brummen hören lässt. Der Mercedes 280 SE wird in den unteren Geschwindigkeitsbereichen durch seinen etwas rau arbeitenden, nicht zu überhörenden Motor benachteiligt. Das BMW-Triebwerk läuft sehr sanft und leise, dafür werden aber die Karosseriegeräusche stärker bemerkt.
Zum Thema Sitzkomfort: Der Senator verfügt über wohlgeformte Vollschaumsitze mit Veloursbespannung (ab Ausstattungsvariante C). Die Rückenlehne bietet perfekten Seitenhalt, die Sitzfläche einen zumindest ausreichenden. Doch schwitzt man in den Vollschaumsitzen stark. Anders hier die härteren Daimler-Sitze. Sie sind kühler, fühlen sich dafür aber im Winter etwas zu kalt an – wegen ihres Federkerns. Auf längeren Strecken sitzt man im Mercedes dennoch entspannter. Dem Mercedes-Normalgestühl fehlt es allerdings an Seitenführung. Die BMW-Sitze bieten guten Seitenhalt, schwingen aber ein wenig nach. Kritikwürdiger jedoch: die zwar serienmäßige, aber keineswegs überzeugende Sitzhöhenverstellung. Man findet praktisch nie die optimale Position, im Senator und auch im Mercedes fällt dies eindeutig leichter. Der Opel Senator weist in der getesteten C-Version ebenfalls eine Sitzhöhenverstellung auf, die aber mühselig zu bedienen ist.
Zugunsten von BMW 730 und Mercedes 280 SE wendet sich das Blatt in Bezug auf die Rücksitze. Hier bieten die beiden nahezu identischen Knieraum, während der Senator bei optimaler Fahrerposition rund fünf Zentimeter weniger Platz für die Beine der Fondgäste übrig lässt. Die Gestaltung der Innenräume trägt natürlich unterschiedlichen Geschmäckern Rechnung. So gefällt die Ton-in-Ton-Variante des Senators mit der identischen Farbgebung für nahezu alle Innenraummaterialien sicher nicht allen. Als störend fürs Stilempfinden können auch die vom Rekord-Interieur übernommenen Elemente betrachtet werden. Ob Hebel, Cockpit-Design oder Formgebung, alles wirkt bei einem derartigen Luxusmobil ein wenig zu schlicht, nicht wertvoll genug. Ob nun der Kunststoff-Look im BMW 730 oder das konservative Mercedes-lnterieur besser gefallen, ist die andere Frage.
Eindeutiger zu werten: die Verkaufspreise. Wer jedoch aufgrund dieser Sümmchen eine Ausstattungsorgie erwartet, der sieht sich getäuscht. Elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung und anderes Luxus-Zubehör – all das fehlt und will recht teuer zusätzlich bezahlt werden. Doch spendiert Opel dem Senator einiges mehr an wertvollen Extras als die Konkurrenz: Leichtmetallräder zum Beispiel. Für den Opel Senator folgt die komplette Produkt- und Ausstattungspalette erst im Herbst.
Fahrleistungen & Effizienz von 730, 280 SE & Senator

Nicht nur Opel-Händler beklagen dies. So sind vorerst weder Klimaanlage noch Schiebedach lieferbar. Und eines von beiden benötigt der Opel Senator dringend. Denn mit der serienmäßigen Belüftung ist es nicht zum Besten bestellt. Auch bei voll aufgedrehtem, nicht zu überhörendem Gebläse heizt sich der Opel innen zu stark auf. Gibt es im Innenraum also noch das eine oder andere zu tun, so kann man mit der Motorleistung recht zufrieden sein. Der aus dem Commodore GS/E bekannte Motor wurde auf knapp drei Liter Hubraum aufgebohrt. Die Leistung stieg auf exakt 180 PS (132 kW). Und so bringt es der Senator denn auch auf ganz hervorragende Fahrleistungen. Hier die kennzeichnenden Werte im Vergleich:
0 – 100 km/h / Höchstgeschwindigkeit (Automatikgetriebe):
- Opel: 10,1 s/194 km/h
- BMW: 11,5 s/196 km/h
- Mercedes: 12,8 s/192 km/h
Zieht man für diesen Vergleich die Versionen mit Schaltgetriebe heran, so sieht der Senator noch um einiges besser aus:
0 – 100 km/h / Höchstgeschwindigkeit (Schaltgetriebe):
- Opel: 8,8 s/206 km/h
- BMW: 9,1 s/199 km/h
- Mercedes: 10,2 s/196 km/h
Dass derartige Fahrleistungen, wenn man sie öfter ausnutzt, ihren Kraftstoff-Tribut fordern, kann nicht verwundern. So verbrauchten die Modelle in der Automatik-Version auf 100 km 16,2 l (Opel Senator), 16,6 l (BMW 730) und 17,3 l (Mercedes 280 SE). Der Opel Senator erweist sich demnach trotz des geringsten Gewichts – Opel 1400 kg, BMW 1630 kg, Mercedes 1670 kg – als nicht übermäßig sparsam. AUTO ZEITUNG wollte deshalb genau wissen, ob es um die Aerodynamik des Senator wirklich so gut bestellt ist, wie es der Werbetext verspricht. Wir zogen deshalb in Deutschlands modernsten Windkanal: zu VW nach Wolfsburg.
Und dort zeigten sich doch recht erstaunliche Ergebnisse: Die cW-Messungen ergaben folgende Werte: 0,45/040 (Opel), 0,45/0,42 (BMW) und 0,41/0,39 (Mercedes). Die Werte wurden einmal bei offenem Kühlergrill – der Normalfall also – und ein anderes Mal bei abgedecktem Kühlergrill (Werte hinter dem Schrägstrich) gemessen. Und hier zeigte sich, dass Opel den grundsätzlich hervorragenden cW-Wert des Senator durch zu große Lufteinlässe neben dem Kühler wieder verschlechtert. Ob dies geändert werden könnte, ohne thermische Probleme zu schaffen, müssten Versuche verdeutlichen. Doch der cW-Wert allein sagt nur wenig aus. Erst die Multiplikation mit dem Wert der Fahrzeug-Projektionsfläche ergibt einen vergleichbaren Luftwiderstandswert. Und danach ergeben sich diese Werte: 0,90 (Opel), 0,95 (BMW) und 0,90 (Mercedes).
Von Werner Müller
Technische Daten von BMW 730, Mercedes 280 SE & Opel Senator 3.0
| AUTO ZEITUNG 15/1978 | BMW 730 | Mercedes 280 SE | Opel Senator 3.0 |
| Zylinder/Ventile pro Zylin. | R6/2 | R6/2 | R6/2 |
| Hubraum | 2966 cm³ | 2717 cm³ | 2935 cm³ |
| Leistung | 135 kW/184 PS, 5800 /min | 130 kW/177 PS, 6000 /min | 132 kW/180 PS, 5800 /min |
| Max. Gesamtdrehmoment bei | 255 Nm, 3500 /min | 238 Nm, 4500 /min | 243 Nm, 4200–4800 /min |
| Getriebe/Antrieb | 3-Stufen-Automatik/Hinterrad | 4-Stufen-Automatik/Hinterrad | 3-Stufen-Automatik/Hinterrad |
| L/B/H | 4860/1800/1430 mm | 4960/1870/1425 mm | 4811/1734/1415 mm |
| Leergewicht | 1630 kg | 1670 kg | 1400 kg |
| Bauzeit (gesamte Baureihe) | 1977–1986 | 1972–1980 | 1978–1982 |
| Stückzahl (gesamte Baureihe) | 285.029 | 473.035 | 69.321 |
| Beschleunigung null auf 100 km/h | 11,5 s | 12,8 s | 10,1 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 196 km/h | 192 km/h | 196 km/h |
| Verbrauch auf 100 km | 16,6 l S | 17,3 l S | 16,2 l S |
| Grundpreis (Jahr) | 36.500 (1978) | 35.963 Mark (1978) | 30.730 Mark (1978) |
Fazit
Bleibt festzustellen, dass Opel mit dem Senator ein ernstzunehmendes, auf Anhieb überzeugendes Fahrzeug geschaffen hat, das die etablierte Konkurrenz das Fürchten lehren könnte. Und man hat in Rüsselsheim gerade auf den Gebieten Erstaunliches geleistet, auf denen die Konkurrenz schon langjährige Erfahrung besitzt. Dies unterstreicht einmal mehr die Ernsthaftigkeit, mit der Opel als Dritter im Bunde in die Geschäftsetage der Automobil-Oberklasse vordringen will.















