Audi RS 5 Coupé/BMW M4 Competition/Audi RS 5 Coupé: Test Neuer RS 5 tritt gegen den M4 Comp. an

von Michael Godde 12.09.2018
Inhalt
  1. BMW M4 und Audi RS 5 im Test der Sport Coupés
  2. Motor/Getriebe: RS 5 mit hervorragender Traktion
  3. Fahrkomfort im M4 deutlich ausgeprägter
  4. M4-Karosserie mit Verbesserungspotenzial
  5. Umwelt/Kosten: Beide Coupés sind teuer

Test der bayerischen Sport-Coupés: Ingolstadt nimmt mit dem neuen, von einem V6-Biturbo befeuerten Audi RS 5 Coupé den BMW M4 Competition ins Visier. Das Prestige-Duell entscheidet sich natürlich auch auf dem Handlingparcours.

Mit dem neuen Audi RS 5 Coupé locken die Ingolstädter den BMW M4 erneut in den Grenzbereich. Denn der Münchener ist unter den Sport-Coupés auf abgesperrter Strecke das ungeschlagene Maß der Dinge. Audi will das ändern, verabschiedete sich vom V8 und spendierte dem RS 5 einen leichteren V6-Biturbo auf der Vorderachse, kombinierte bissige 450 PS mit einem Drehmomentberg von 600 Newtonmetern und trimmte sowohl Allradantrieb als auch Fahrwerk auf Dynamik. BMW schickt den gleichstarken M4 mit Competition-Paket und natürlich traditionellem Heckantrieb in den Wettstreit. Auch wenn in einem Vergleichstest das insgesamt bessere Auto als Sieger den Platz verlässt, liegt der Fokus in diesem Duell vor allem auf den einzelnen Bewertungspunkten des Fahrdynamikkapitels. Also alle Regler auf Dynamik und hinein in den Grenzbereich mit den beiden bayerischen Sport-Coupés.

Der Audi RS 5 im Video:

 
 

BMW M4 und Audi RS 5 im Test der Sport Coupés

Der Audi bringt alles mit, um dem BMW auf abgesperrter Strecke die Rücklichter zu zeigen – vor allem mit dem optionalen RS-Dynamikpaket. Für 5900 Euro finden die variablen Dynamiklenkung, das quattro-Sportdifferenzial und ein nachgeschärftes Sportfahrwerk mit Dynamic-Ride-Control-Funktion, das Nick- und Wankbewegungen entgegenwirken soll, ihren Weg in den RS inklusive Topspeed-Anhebung auf 280 km/h. Bei BMW heißt der Extraschuss Dynamik mit 20 PS Mehrleistung sowie neu abgestimmtem Sperrdifferenzial und Fahrwerk Competition-Paket. Beide rüsten ihre Streithähne zum Test-Duell noch mit der optionalen Karbon-Keramik-Bremsanlagen auf. Für den RS 5 bedeutet das Maßnahmenpaket maximale Traktion und ein extrem angriffslustiges Ansprechen der Lenkung. Dass dabei die Vorderachse hier und da überfordert ist, liegt daran, dass auf ihr 154 Kilogramm mehr lasten als auf der des M4. Auf der Suche nach dem Limit stützt sich der Audi beim Einlenken stark auf den Vorderrädern ab und neigt dabei zum Untersteuern. Das Dynamic- Ride-Control-System bemüht sich dank über Ölleitungen miteinander verbundener Dämpfer, den Wank- und Nickbewegungen entgegenzuwirken. Auch der Allradantrieb versucht mit gezielter Kraftverteilung zwischen den Rädern, den Audi auf der anvisierten Linie zu halten. Das Problem ist, dass der Fahrer dabei im Vergleich zum BMW nur wenig Rückmeldung weitergereicht bekommt. Im Vergleich zum immer etwas reservierten, distanzierten RS 5 führt der M4 einen deutlich intensiveren Dialog mit seinem Fahrer. Gegenüber dem überhasteten Umsetzen der Lenkbefehle beim Audi folgt beim M4 Competition die Vorderachse den Anweisungen der messerscharfen Lenkung auf den Punkt. Hochpräzise lässt sich der BMW an den Scheitelpunkt führen und dank seiner feinfühlig zu dosierenden Leistungsabgabe mit viel Schwung auch kontrolliert hinausbeschleunigen. Am Ende einer schnellen Runde hat der BMW die Nase vorn. Auch bei den schnellen Richtungswechseln im Slalom profitiert er von seiner kontrollierten Leichtigkeit und erarbeitet sich wichtige Punkte. Allerdings verliert der M4 auf nasser Piste seine Mühelosigkeit. Der Audi hingegen fährt auf rutschigen Untergrund in einer eigenen Liga. Der Allradantrieb portioniert das brachiale Antriebsmoment über seine variabel arbeitenden Differenziale perfekt auf jedes Rad. Weil der Audi auf trockener Piste nur geringfügig langsamer, dafür aber unter widrigen Umständen das sicherere Auto ist, erkämpft er sich in diesem Test-Kapitel knapp den Sieg.

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Motor/Getriebe: RS 5 mit hervorragender Traktion

Die grandiose Traktion des RS 5 lässt das Coupé in 3,5 Sekunden auf Tempo 100 schnalzen. Beim heckgetriebenen BMW verraucht die Kraft beim Sprint aus dem Stand. Er ist nicht nur eine Sekunde langsamer als der Audi, sondern verfehlt auch um drei Zehntel die Werksangabe. Hat der M4 aber einmal den richtigen Grip gefunden, gleicht er die Sekunde bis 200 km/h wieder aus. Obwohl dem BMW 50 Nm gegenüber dem Audi fehlen, wirkt er bei höheren Geschwindigkeiten kräftiger und rennt im Test mühelos bei 280 km/h in seine wie beim Audi angehobene elektronische Begrenzung. Der M4 Competition trompetet dabei infernalisch aus seiner optionalen klappengesteuerten Titan-Abgasanlage (4130 Euro), trifft aber nie den richtigen Ton. Der Audi spielt über seinen Klappenauspuff eine harmonischere Melodie mit fein arrangierten Noten in jedem Drehzahlbereich. Taktwechsel übernimmt das Achtstufen-Automatikgetriebe souverän und je nach gewähltem Genre sportlich direkt oder komfortabel sanft. Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe des M4 arbeitet vor allem im Sport-Plus-Modus mit härteren Taktwechseln. Allerdings hat die BMW-Schaltbox einen Vorteil: Sie setzt das Drehmoment besser in Szene. Der RS 5 flüchtet ambitioniert bewegt zu schnell in hohe Drehzahlen. Dafür sorgt die achte Fahrstufe des Audi für ein niedriges Drehzahlniveau beim Dahingleiten und so für einen günstigeren Verbrauch.

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Fahrkomfort im M4 deutlich ausgeprägter

Die mustergültigen Leistungen beim Antrieb kann der RS 5 beim Federungskomfort nicht wiederholen. Recht bockig nimmt er Kanten und Querfugen. Selbst auf nahezu ebenen Strecken im Komfort-Modus bringen das permanente Pumpen des Fahrwerks und die auf Wellen großen Ausfederbewegungen, die in ihrem Verlauf mit unangenehmer Härte abgefangen werden, die Karosserie in Unruhe. Der Sport-Modus ist schlicht unfahrbar. Der BMW ist sicher keine Sänfte, aber in allen Dämpferkonfigurationen deutlich runder abgestimmt. Kanten gleicht er sensibel aus, und gröbere Wellen kontert er zwar straff, aber ohne übertriebene Härte. Etwas einfach fallen allerdings die Sitze des M4 Competition aus. Sie besitzen in unserem Testwagen weder eine ausziehbare Schenkelauflage noch eine einstellbare Lordosenstütze. Dafür bieten sie Halt, die Sitze des RS 5 allerdings auch. Zudem gönnt Audi Fahrer und Beifahrer nicht nur eine Lordosenstütze und mehr Beinauflage, sondern spendiert noch eine Massagefunktion. Aber selbst die erheblich angenehmere Geräuschkulisse des Ingolstädters gegenüber dem Münchener Rivalen kann die Nachteile der Fahrwerksabstimmung des RS 5 auf langen Strecken nicht ausgleichen. Test-Kapitelsieg für den M4.

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M4-Karosserie mit Verbesserungspotenzial

Die konsequent sportliche Ausrichtung des M4 Competition führt dazu, dass BMW ihm einen großen Teil der Sicherheitsfeatures der zivilen M4-Modelle vorenthält. Weder ein Tempomat mit Abstandsregelung noch Notlaufreifen oder Nebelscheinwerfer sind für den M4 Competition erhältlich. Audi bietet für den RS 5 hingegen das ganze Sicherheitsprogramm an. Der Test zeigt, dass BMW auch bei der Verarbeitung weniger Engagement zeigt. Scharfkantige Übergänge der Plastikverkleidungen am Mitteltunnel und die miserable Lackierung des vorderen Kotflügels an der A-Säule lassen Raum für Verbesserungen. Audi zeigt da deutlich mehr Liebe zum Detail.

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Umwelt/Kosten: Beide Coupés sind teuer

Audi und BMW gehören nicht zu den Marken, die ihre Produkte verramschen. Inklusive der auf den Test Einfluss nehmenden Features wie Karbon-Keramik-Bremsanlage sowie Dynamik- respektive Competition-Paket erreichen der RS 5 mit 94.800 Euro und der M4 mit 96.700 Euro stolze Preise. Dafür sind beim BMW im Gegensatz zum Audi zumindest ein Navigationsystem und eine Online- Anbindung serienmäßig an Bord. Dennoch schafft der RS 5 dank günstigerer Versicherungseinstufungen und niedrigerer Kraftstoffkosten den Kapitelsieg.

Technische DatenAudi RS 5 Coupé 2.9 TFSI quattroBMW M4 Coupé Competition
MotorV6, BiturboR6, Biturbo
Hubraum2894 ccm2979 ccm
Leistung450 PS450 PS
Maximales Drehmoment600 Nm550 Nm
Getriebe8-Stufen-Automatik7-Gang-Doppelkupplung
AntriebAllrad, permanentHinterrad
0-100 km/h3,5 s4,5 s
Höchstgeschwindigkeit280 km/h280 km/h
Leergewicht1655 kg1585 kg
Kofferraum465 l445 l
L/B/H in mm4723/1861/13604671/1870/1392
Testverbrauch10,8 SP/100 km11,6 l SP
Grundpreis80.900 Euro85.500 Euro
Testwagenpreis94.800 Euro96.700 Euro
Platzierung12

von Michael Godde von Michael Godde
Unser Fazit

Das insgesamt bessere Auto ist das neue Audi RS 5 Coupé. Gut ausgestattet, hochwertig verarbeitet und dank grandioser Traktion des Allradantriebs kann der RS 5 auch im Renntempo überzeugen. Dennoch hinterlässt er nach dem Test auch offene Fragen. Denn dass der kompromisslose BMW M4 Competition nicht nur auf der Piste das schnellere und auch feinnervigere Sportcoupé ist, sondern dass er auch den besseren Federungskomfort bietet, ist eine Überraschung. Am Gesamtsieg des Audi RS 5 ändert das allerdings nichts.

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