Q7 60 TFSI e quattro/X5 xDrive45e: Vergleichstest Hybrid-SUV Q7 und X5 im Duell

von Marcel Kühler 24.06.2020
Inhalt
  1. Audi Q7 60 TFSI e quattro und BMW X5 xDrive45e im Vergleichstest
  2. Fahrkomfort: Audi Q7 mit satter Straßenlage
  3. Motor/Getriebe: BMW X5 mit Batterie-Lademodus
  4. Fahrdynamik: Audi Q7 60 TFSI e quattro wirkt behäbiger
  5. Umwelt/Kosten: BMW X5 xDrive45e behält im Kosten-Kapitel die Oberhand
  6. Messwerte & technische Daten Audi Q7 60 TFSI e quattro & BMW X5 xDrive45e

Mit komplexen Plug-in-Hybrid-Antrieben sollen der Audi Q7 60 TFSI e quattro und der BMW X5 xDrive45e erlesen Komfort mit ungewöhnlicher Effizienz mixen. Wie gut das gelingt, klärt der Vergleichstest.

Gesamtbewertung (max. Punkte)Audi Q7 60 TFSI e quattroBMW X5 xDrive45e
Karosserie (1000)791784
Fahrkomfort (1000)821811
Motor/Getriebe (1000)596611
Fahrdynamik (1000)736742
Eigenschaftswertung (4000)29442948
Kosten/Umwelt (1000)239253
Gesamtwertung (5000)31833201
Platzierung21

Riesige Fullsize-SUV wie der Audi Q7 und der BMW X5 hier im Vergleichstest haben in den letzten Monaten durch die sehr emotional geführten Diskussionen über das Weltklima zumindest hierzulande entschieden an Sozialverträglichkeit eingebüßt. Besonders mit starken Ottomotoren passen sie nicht nur für erklärte Greta-Fans einfach nicht mehr in unsere Zeit. Für die Hersteller jedoch sind sie – bedingt durch die hohen Margen – eine wichtige Einnahmequelle, auf die man kaum verzichten mag/kann. Richten sollen es nun elektrifizierte Motorisierungskonzepte wie im vorliegenden Fall Plug-in-Hybrid-Systeme mit brauchbarer elektrischer Reichweite. Sie stellen sicher, dass der standesgemäße Antriebskomfort nicht auf der Strecke bleibt, gleichzeitig aber der Kraftstoffkonsum nicht aus dem Ruder läuft. Der Audi Q7 60 TFSI e soll bei 456 PS Systemleistung nur 3,2 Liter an fossilem Kraftstoff verbrauchen. Der 394 PS starke BMW X5 xDrive45e ist mit einem WLTP-Verbrauch von 1,2 Litern noch sparsamer – so die Herstellerangabe. Der Vergleichstest zeigt, inwieweit diese Werte in der Realität Bestand haben und welche weiteren Vorzüge die exklusiven Nobel-Allradler in die Waagschale werfen können.

Der BMW X5 im Fahrbericht (Video):

 
 

Audi Q7 60 TFSI e quattro und BMW X5 xDrive45e im Vergleichstest

Wer sich für ein luxuriöses SUV vom Schlag eines Audi Q7 60 TFSI e quattro oder eines BMW X5 xDrive45e entscheidet, erwartet von dessen Innenraum neben einer hochwertigen Anmutung vor allem eines: Platz satt. Und genau das bieten beide Wettstreiter im Überfluss. Vorn in Summe auf einem Niveau, stellt der Audi Q7 im Fond noch mehr Raum zur freien Entfaltung bereit. Vor allem die Stretchlimousinenartige Kniefreiheit beeindruckt selbst äußerst langbeinige Passagiere nachhaltig. Und auch das Kofferraumvolumen von 650 bis 1835 Litern bringt dem Audi einen Punktgewinn auf seinen Rivalen ein, der in diesem Vergleichstest lediglich 500 bis 1720 Liter für das Gepäck entgegenzusetzen hat. Eine Gemeinsamkeit: Beide SUV bieten eine dreiteilig umklappbare Rücksitzlehne. Der dadurch entstehende Ladeboden ist aber nur beim Q7 vollständig eben. Apropos vollständig: Sowohl Audi als auch BMW X5 bestücken ihre prestigeträchtigen Oberklasse-Offroader – zumindest gegen Aufpreis – mit den neuesten Assistenzsystemen, die auch einige autonome Fahrfunktionen bereithalten.

Neuheiten Audi Q7 Facelift (2019)
Audi Q7 Facelift (2019): Motor & Ausstattung Crashtest-Bestnote für das Q7 Facelift

 

Fahrkomfort: Audi Q7 mit satter Straßenlage

Neben dem üppigen Raumangebot ist der gebotene Fahrkomfort sicherlich eines der maßgeblichsten Kaufargumente für ein Luxus-SUV. Und auch in diesem Punkt geben sich die zwei Kontrahenten Audi Q7 60 TFSI e quattro und BMW X5 xDrive45e, die übrigens jeweils serienmäßig mit Luftfeder-Fahrwerken samt adaptiven Dämpfern ausgeliefert werden, keinerlei Blöße. So beeindruckt der Audi Q7 in diesem Vergleichstest gerade bei hohem Tempo mit einer äußerst satten Straßenlage. Trotzdem gleicht er kurze wie lange Wellen beinahe bis zur Unkenntlichkeit aus, sodass der Aufbau quasi ohne störende Bewegungen bleibt. Der BMW X5 wirkt, obwohl er bei niedrigen Geschwindigkeiten trotz der feisten 21-Zoll-Optionsbereifung sanfter anfedert, in Summe etwas straffer. Dafür bietet der Münchner vorn mit seinen Komfort-Sitzen für 1300 Euro die gemütlicheren Sitzgelegenheiten. Mit ihrer vielfachen Einstellbarkeit und der angenehm flauschigen, keineswegs zu weichen Polsterung begünstigen sie langes Reisen noch mehr als die optionalen S-Line-Sportsitze des Audi Q7. Deren größtes Manko sind die nicht einstellbaren Kopfstützen. Der gebotene Seitenhalt hingegen ist über jeden Zweifel erhaben. Die Fondpassagiere fühlen sich indes im Ingolstädter wohler. Sie finden hier eine entspanntere Sitzposition vor als im BMW X5, dessen Rückbank doch etwas zu tief positioniert ist.

Neuheiten BMW X5 (2018)
BMW X5 (2018): Hybrid, M50d & Preis X5 mit neuem Dieselmotor

 

Motor/Getriebe: BMW X5 mit Batterie-Lademodus

Reihensechszylinder, drei Liter Hubraum, 286 PS: BMW-Kenner dürften bei diesen Eckdaten sofort an den seligen M3 der zweiten Generation (E36) denken. Nun trägt der BMW X5 xDrive45e natürlich nicht dessen historisches Triebwerk unter seiner langen Haube. Vielmehr handelt es sich im vorliegenden Fall um ein modernes, seidenweich laufendes Turbotriebwerk, das von einem im Getriebe integrierten Elektromotor mit weiteren 83 kW unterstützt wird. Die Systemleistung liegt bei 394 PS – 62 PS weniger als beim Audi Q7 60 TFSI e quattro, der markentypisch auf einen V6-Turbo setzt und diesem ebenfalls eine E-Maschine zur Seite stellt. Gleichwohl sprintet der BMW marginal schneller aus dem Stand auf Landstraßentempo – erst darüber hinaus kann der Q7 seinen Leistungsvorteil ausspielen. In Sachen Effizienz behält der BMW die Nase vorn. Auf unserer Testrunde genehmigt er sich glatte neun Liter zuzüglich 10,5 kWh an elektrischer Energie. Sein ebenfalls bayerischstämmiger Rivale verlangt 10,4 Liter Super plus 6,9 kWh Strom. Interessant für den überwiegenden Einsatz im urbanen Umfeld: Der Hochvoltspeicher des BW X5 verfügt über die deutlich größere Kapazität, was die rein elektrische Reichweite von gut nutzbaren 52 Kilometer beweist. Der Audi Q7 schafft lediglich 29 Kilometer. Und: Der Münchner verfügt über einen Batterie-Lademodus, in dem die Batterie während der Fahrt zügig geladen wird, um etwa später in der Stadt rein elektrisch fahren zu können. Der Q7 bietet nur einen Hold-Modus, der den Ladezustand der Batterie erhält.

Fahrbericht Audi Q7 Facelift (2019)
Neues Audi Q7 Facelift (2019): Erste Testfahrt Erste Testeindrücke vom Q7 Facelift

 

Fahrdynamik: Audi Q7 60 TFSI e quattro wirkt behäbiger

Auch als bleischweres Hybrid- Modell bleibt der BMW X5 xDrive45e ein beeindruckend agiles SUV. Es kommen bei forcierter Kurvenfahrt in diesem Vergleichstest durchaus Zweifel an den 2,5 Tonnen auf, die unsere Waage als Leergewicht ausweist – so behände setzt das Dickschiff Fahrerimpulse über die optionale Allradlenkung, im BMW-Jargon Integral-Aktivlenkung genannt, um. Der Audi Q7 60 TFSI e quattro, abermals 91 Kilo schwerer, wirkt deutlich behäbiger, schiebt bei geringeren Kurventempi sanft über alle vier Räder nach außen und neigt sich dabei noch mehr zur Seite als der BMW X5. Für die zwei Hybride ist im Gegensatz zu ihren jeweiligen konventionellen Derivaten übrigens keine optionale Wankstabilisierung zu bekommen. Dennoch glänzen sie im Grenzbereich und darüber hinaus mit tadelloser Beherrschbarkeit, woran auch die standfesten Bremsanlagen einen gewichtigen Anteil haben, die die extrem hohen Massen jederzeit zuverlässig verzögern.

Fahrbericht BMW X5 (2018)
Neuer BMW X5 (2018): Erste Testfahrt im G05 So fährt der neue BMW X5

 

Umwelt/Kosten: BMW X5 xDrive45e behält im Kosten-Kapitel die Oberhand

Beim Audi Q7 60 TFSI e quattro und beim BMW X5 xDrive45e handelt es sich um extrem hochpreisige Luxusmodelle, die ein prall gefülltes Konto voraussetzen. Allerdings ist der BMW X5 vom Grundpreis her erheblich günstiger als sein Rivale. Eine Differenz von 11.900 Euro ist auch in dieser Liga kein Pappenstiel – zumal die Serienausstattungen durchaus vergleichbar sind. Doch damit nicht genug. Auch der bewertete Preis, der die testrelevanten Optionen des Testwagens mit einbezieht, liegt 8250 Euro unter dem des Audi Q7. Der Münchner punktet zudem mit der noch umfangreicheren Infotainmentausstattung und den etwas niedrigeren Kraftstoffaufwendungen. Darüber hinaus langen die Versicherer beim X5 etwas weniger maßlos hin. Über das Jahr gerechnet spart der BMW-Eigner im Vergleich zum Audi-Fahrer 308 Euro bei der Kombination aus Haftpflicht und Vollkasko. Kurzum: Der BMW gewinnt das Kostenkapitel in diesem Vergleichstest relativ deutlich.

Vergleichstest VW Touareg V8/Audi SQ8/BMW X5 M50d
VW Touareg V8/Audi SQ8/BMW X5 M50d: Vergleichstest Power-Diesel im SUV-Vergleich

 

Messwerte & technische Daten Audi Q7 60 TFSI e quattro & BMW X5 xDrive45e

AUTO ZEITUNG
05/2020
Audi Q7 60 TFSI e quattroBMW X5 xDrive45e
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.V6/4; Turbo; E-MotorR6/4; Turbo; E-Motor
Hubraum2995 cm³2998 cm³
Leistung (Benziner, E-Motor)250 kW/340 PS,
94 kW/128 PS
210 kW/286 PS,
83 kW/113 PS
Max. Drehmoment700 Nm600 Nm
Getriebe/Antrieb8-Stufen-Automatik/
Allrad, permanent
8-Stufen-Automatik/
Allrad, permanent
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)2450/2572 kg2435/2481 kg
Beschleunigung (Test)  
0 - 100 km/h5,5 s5,3 s
0 - 150 km/h11,0 s11,3 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)240 km/h235 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
35,6/34,7 m35,6/34,6 m
Verbrauch (Liter/kWh)10,4 l S/6,9 kWh9,0 l S/10,5 kWh
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)282/73 g/km268/28 g/km
Preise
Grundpreis89.500 Euro77.600 Euro
Testwagenpreis91.750 Euro83.500 Euro

von Marcel Kühler von Marcel Kühler
Unser Fazit

Bei diesen edlen Premium-SUV handelt es sich um hervorragende Autos mit vielen individuellen Stärken. Am Ende kann sich jedoch der BMW X5 xDrive45e im Vergleichstest knapp durchsetzen. Der e­ffizientere Antrieb, die ausgeprägteren fahrdynamischen Talente und die etwas bessere Kostenbilanz bescheren ihm den Testsieg. Der Audi Q7 60 TFSI e kontert mit beeindruckendem Federungskomfort, dem noch besseren Platzangebot im Fond und dem größeren Gepäckraum. Die Preisgestaltung ist aber mehr als selbstbewusst. Für beide gilt: Wirklich Sinn ergeben die Hybride nur, wenn das alltägliche Fahrprofil einen größeren Anteil an Stadtverkehr beinhaltet, der rein elektrisch bewältigt werden kann. Pendler und Langstreckenfahrer kommen mit einem Diesel günstiger davon.

Tags:
Copyright 2020 autozeitung.de. All rights reserved.